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Weihnachtslieder sind unheimlicher als jeder Marilyn-Manson-Text

Wenn man Weihnachtslieder aus dem Kontext reißt, kommt dabei ziemlich krankes Zeug heraus.

von Nina Damsch
16 Dezember 2015, 10:00am

Screenshot via Youtube.com

Der Moment, in dem uns ein gehässiges älteres Geschwisterchen oder die angesoffene Tante gesteckt hat, dass das Christkind gar nicht existiert, war ein Tiefschlag in unsere kindliche Magengrube. An diesem Tag wurden uns wohl unsere erste Illusionen einer idealen Welt geraubt, noch weit bevor wir feststellen mussten, dass Erwachsen-Sein gar nicht so geil ist und Gelbwurst aus Gehirn gemacht wird.

Heute ist wieder einer dieser Tage. Wer weiterhin vom Weihnachtsglimmer der Adventszeit geblendet werden möchte, sollte an dieser Stelle aufhören zu lesen. Denn mit diesem Artikel demaskieren wir ein weiteres schmutziges Detail des Weihnachtszaubers: Weihnachtslieder.

Was wir da nämlich so alljährlich neben Oma und Opa unter dem Weihnachtsbaum schmättern, ist gar nicht so unschuldig, wie wir vermuten. Hört man einmal nur auf die Texte unserer liebsten Weihnachts-Schmonzetten, könnte man da einiges falsch interpretieren, wenn man mal den weihnachtlichen Kontext vernachlässigt. Wir reden hier von Stalking, Ehebruch und Missbrauch. Sagt nicht, wir hätten euch nicht gewarnt!

„Santa Claus Is Coming To Town“

Der Weihnachtsklassiker beinhaltet nicht nur eine, sondern gleich zwei Passgen, die aus dem Kontext gerissen höchst fragwürdig sind. Die erste ist ein Ratschlag, den wir so unseren Kinder normalerweise nicht geben würden, wenn ein fremder Mann nächtens plötzlich in ihr Zimmer eindringt:

„You better watch out
You better not cry
Better not pout
I'm telling you why
Santa Claus is coming to town“

Eigentlich wachsen wir als emanzipierte Individuen unter der Prämisse auf, laut zu äußern, wenn und etwas nicht passt. Einem Kind also zu raten, es solle lieber nicht weinen und eine Fresse ziehen, wenn der fremde Mann zu ihm kommt, klingt abseits der Weihnachtswelt schwer nach etwas, wofür man in der normalen Welt ins Gefängnis kommen würde.

„He sees you when you're sleeping
He knows when you're awake“

Okay, fassen wir mal zusammen: Santa Claus ist also ein Mann, der Kinder mit Spielzeug und Süßigkeiten anlockt, ohne Vorwarnung in ihr Zuhause eindringt und scheinbar schreckliche Konsequenzen zu befürchten sind, wenn sie nicht das tun, was er möchte. Vielleicht sollten wir den wahren Ursprung dieser Sagenfigur nochmal googlen.

„Baby it's cold outside“

„Say what's in this drink?“

Zugegebenermaßen stammte diese Liedzeile noch aus einer Zeit, in der ein „Nein“ so viel bedeutete, wie „nicht, solange ich bei Bewusstsein bin“—zumindest, wenn dieses „Nein“ von einer Frau stammte. In dem Lied versucht der männliche Counterpart seine weibliche Begleitung dazu zu überreden, die Nacht mit ihm zu verbringen—obwohl die ganz offensichtlich keine Lust dazu hat. Nachdem der Vorwand, dass es draußen doch viel zu kalt sei, bei der Dame nicht zu ziehen scheint, vermittelt uns die oben genannte Zeile den Eindruck, dass auch schon zu Dean Martins Zeiten K.O-Tropfen ein gewisses Problem für unachtsame Mädchen darstellten.

Merkt euch also Mädels: Getränke darf man nicht nur im Club nicht unbeaufsichtigt stehen lassen, sondern auch bei dubiosen Dates im Winter!

„Do they know it's Christmas?“

„Tonight thank God it's them, instead of you.“

„Hey, nicht mein Problem“ ist eine Einstellung, die man Bono, seines Zeichens Leadsänger von U2 und selbst-ernannter Weltretter, normalerweise nicht unterstellen kann. Umso heftiger reiben wir unsere gehässigen kleinen Hände aus Freude über diese sehr ignorant anmutende Zeile, die ausgerechnet aus Bonos „Kann-denn-auch-nur-einmal-jemand-an-die-Kinder-in-Afrika-denken“-Hymne stammt. Ja genau, lasst uns alle Gott danken, dass wir nicht die armen Schweine sind, die hungern müssen, sondern die anderen da.

„Have Yourself A Merry Little Christmas“

„Have yourself an merry little christmas. It may be your last.“

Uns Deutschen wird ja immer eine gewisse Düsternis nachgesagt. Das könnte an unserer brutal klingenden Sprache liegen oder unseren Märchen, in denen Leuten Körperteile abgeschnitten werden oder grausam ums Leben kommen. Wir finden aber, unter dem strahlenden Weihnachtsbaum im Kreise seiner Liebsten daran erinnert zu werden, dass man morgen vom Auto überfahren oder einem Axtmörder niedergemetzelt werden könnte, von den Amerikanern auch ziemlich unangebracht.

„Bells Will Be Ringing“

„Oh, what a Christmas, to have the blues.
My baby's gone, I have no friends,
To wish me greetings, once again.“

Und das ist genau der Grund, warum man seine Freunde nicht vernachlässigen sollte, wenn man eine Beziehung hat.

„Winter Wonderland“

„We'll frolic and play the Eskimo Way“

Wir wissen nicht, wie „auf Eskimo-Art“ aussieht, aber jeder, der kindisch ist, darf jetzt und jedes Mal, wenn er das Lied in Zukunft hört, lachen.

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