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Wie du am Land von der Disco nachhause kommst

Von all den Optionen, am Land nach dem Fortgehen heimzukommen, sind fünf beschissen und eine unglaublich beschissen.

von Viktor Sohm
15 Januar 2016, 10:30am

Foto via Flickr | Amina88 | CC BY 2.0

Wenn du am Land aufwächst, ist das größte Problem des Fortgehens nicht die Anbandelung an das andere (oder gleiche) Geschlecht, sondern das Nachhausekommen. Es gibt zwar einen Bus, der fährt jedoch nur alle zwei Stunden. Der besagte Bus fährt aber auch nicht nach 18:00 Uhr. Du wohnst in einem Ort, bei dem sich ein normaler Mensch fragt, ob er überhaupt in Österreich liegt. Noch nie gehört von diesem Bings oder Bangs. Es gibt üblicherweise genau eine Disco, die genau in der Mitte aller über 3.000-Einwohner Dörfer im Umkreis liegt. Man kann ja auch keinen Club im Irgendwo haben, die Elternschaft braucht ihre wohlverdiente Nachtruhe. Ab ins Nirgendwo. Nach einer durchzechten Nacht in der du dir auf dem Stadl-Floor die Kante gibst, stehst du vor dem Problem: Wie komme ich jetzt sturztrunken nachhause?

Option Eins: Der Designated Driver

Foto via Flickr | Jonas Strandell | CC BY 2.0

Es wird ein durchwechselndes System etabliert, in welchem jeder aus deiner Ausgangsgruppe in regelmäßigen Abständen die Arschkarte zieht und seine vier bis sechs (Kofferraum ist Raum!) betrunkenen, randalierenden Freunde spätnachts nachhause führen muss. Als Lohn kriegt der Schicksalsungünstling meistens einen Insulinschock von den fünf Litern Cola, die er verzweifelt in sich hineinschüttet, in der Hoffnung, dass das Ganze auch nüchtern zu ertragen wäre.

Pro: Sicher, günstig, irgendwie fair.
Contra: Du musst auch mal fahren, alle müssen gleichzeitig gehen, unangenehme „Sorry, dass ich dir ins Auto gespieben habe“-Konversationen, Platzprobleme wenn Aufrisse dabei sind.

Option Zwei: Betrunken Auto Fahren

Kein Bild für betrunkenes Fahren. Da machen wir nicht mit.

Nein! Nein!Nein!Nein!Nein!Nein!Nein!Nein! Obwohl betrunken fahren oft als Kavaliersdelikt gilt und man sich gerne über die Unfälle lustig macht (zumindest über die, bei denen alle gesund davon gekommen sind, aber das Auto in einen Kaugummiautomaten gefahren haben), ist Option Zwei absolut niemals eine Möglichkeit.

Pro: Du könntest mit 120 km/h in einen Baum fahren.
Contra: Du könntest es überleben.

Option Drei: Der Gewaltmarsch

Foto via Flickr | Sam Wolff | CC BY 2.0

Er wird hart. Er wird weit. Er wird dich aufs Bundesheer bestens vorbereiten. Wer schon einmal betrunken, frierend, mit nassen Füßen und mit leerem mp3-Player vier Stunden nachhause gelaufen ist, weiß, dass er in der Pampa wohnt. Ab zwei Mitläufern passieren auf diesen Märschen auch manchmal wundersame, magische Dinge. Euphorische Gruppengefühle, beim simultan in den Ortsbach von Köflach kotzen, tiefe philosophische Gespräche am Rand einer Schnellstraße um vier Uhr früh. Wir haben sogar einmal bei einer Bäckerei geklopft, obs schon was zu essen gibt. Der schwerst-augenberingte Bäckerlehrling hat uns mit mitleidigem Blick drei Crossiants durch das Fenster gereicht. Ich will ihn immer noch mit dem höchsten zivilen Orden Österreichs dekorieren.

Pro: Gratis.
Contra: Alles andere.

Option Vier: Autostoppen

Foto via Flickr | Torsten Scholz | CC BY 2.0

Funktioniert. Theoretisch. Man bekommt einen hautnahen Einblick in die Gesellschaft und lernt neue Menschen kennen. Böhse Onkelz Hörer, Hippies (mit Auto), Anwälte. Alles dabei. In 90 Prozent der Fälle wird man jedoch von einem komplett verstrahlten Typen mitgenommen, in dessen, mit billigsten Tuning-Teilen versehenen, Golf es nach Gras riecht und mit 125dB irgendein endloser Goa-Mix läuft. Er ist sicher auf irgendwas drauf, hat aber genug Speed in der Blutbahn um noch fahren zu können und die Heizung seines Autos funktioniert. Du wirfst deine Bedenken über Bord und kommst, nach fünf Minuten über-Goa-schreiender Konversation, sogar in einem Stück Zuhause an. Jedes Mal.

Pro: Gratis, manchmal lustig.
Contra: Du magst wirklich keinen Goa.

Option Fünf: Taxi

Foto via Flickr | velkr0 | CC BY 2.0

Das Taxi ist am Land extremst teuer. Schon vor der Disco warten die Transportunternehmensgeier auf ihre Alkoholkadaverbeute. Wenn du wirklich Taxi fährst, musst du dein ganzes Budget für den nächsten Ausgang nur für den Heimtransport von diesem Ausgang ausgeben. Funktioniert, wenn deine Eltern dir viel Geld geben um dich zu Betrinken, aber es fühlt sich auch wie Aufgeben an. Man hat den einfachsten Weg gewählt.

Pro: Man geht nicht zu fuß.
Contra: Du versagst im Nachhausekommen-Game.

Option Sechs: Deine Mutter anrufen

Foto via Flickr | daniel stark | CC BY 2.0

Das Hotel Mama inkludiert manchmal auch einen persönlichen Fahrtendienst. Wenn man wirklich am Ende der Weisheit ist, klingelt man um vier Uhr Nachts seine Mutter aus dem Bett und bettelt sie darum an, dass sie einen doch abholt. Meistens unter der Androhung des persönlichen Unterkühlungstodes. Du bezahlst für dieses Fehlen an Selbstständigkeit mit Geldentzug, der Erduldung von Anti-Alkohol-Vorträgen und betrunkenem, tollpatschigem die Hose ausziehn vor der Haustüre, denn mit verrauchter Kleidung darf man nicht ins Haus.

Pro: Wie Taxi, nur gratis.
Contra: Einen Punkt weniger auf der „Guter Junge“-Liste.

Der Autor hat mehrere paar Schuhe, deren Sohlen komplett abgelaufen sind: @igrpp

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