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Es gibt jetzt offiziell 10 Musikvideos, die über 1 Milliarde Klicks haben

Die Generation YouTube hat einfach keinen guten Musikgeschmack.
12.10.15

Bevor uns Youtube in seine Gehirn-zerplatzend riesige Videothek einlud, saßen wir vor MTV und VIVA, um mit offenen Mündern die neusten Videos internationaler Sternchen anzustarren. Damals war allein Musikfernsehen unser Tor in eine weit entfernte Musikwelt und alles, was aus der englischsprachigen Welt auf uns eintröpfelte, pures Gold—oder vielleicht hat die Nostalgie es auch alles mit einer billigen Spraydose Gold eingefärbt.

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Heute müssen wir geübt durch den Kot-Regen tänzeln, der täglich im Internet auf uns einprasselt. Gold soll sein, was von der Masse geklickt wird. Wie zum Beispiel Wiz Khalifas Beitrag zum frühen Tod von Fast and Furious-Star Paul Walker. „See You Again“ ist schon als bloßer Song ein akustisches Zwiebelschälen, das dazugehörige Video mit all seinen Walker-Bildern aus allen Furious-Teilen presst uns selbige Zwiebeln dann gewaltsam in die Augen, um uns danach mit aller Kraft zwischen die Beine zu treten.

Die Verbindung aus Schmonzetten-Hook, Cheesy-Rap und Paul Walker funktionierte so gut, dass Wizzy sich jetzt als stolzer Rekordhalter bezeichnen darf: Sein Video ist der erste Rap-Song der die Milliardenmarke der YouTube-Plays geknackt hat. Er hat den Kreis der derart geadelten Videos zu einer Top Ten erweitert und darf es sich in der Kaugummi-Blase seiner Kollegen gemütlich machen.

Denn bei der Betrachtung der anderen neun Videos wird einem das beklemmende Gefühl nicht los, in denkbar düsteren Zeiten zu leben. Sie alle sind klebriger Massenpop, zugeschnitten auf eben jene Zielgruppe, die sich die Videos auch hörig immer und immer wieder anschaut: Menschen, die ihren Musikgeschmack mit „was so im Radio läuft“ beschreiben und Hans Entertainment witzig finden.

Da hätten wir beispielsweise den Spitzenreiter Psy, dessen „Gangnam Style“ so beschissen (sprich: erfolgreich) war, dass er doppelt so viele Klicks wie das zweitplatzierte „Baby“ Justin Bieber sammelte—2,5 Milliarden. Es haben sich also abermillionen Menschen koreanisches Gebrabbel auf Pfennig-Beats angehört und dabei einem Typen beim hampelmännischen Tanzen zugesehen, um danach fröhlich grinsend auf die neuen Singles von Taylor Swift, Katy Perry, Meghan Trainor, Bruno Mars und Enrique fucking Iglesias zu klicken, hypnotisch wuseligen Wahnsinn zu bewundern und schmerzend sinnfreie Strophen mitzusummen. Plastik-Drums und Autotune—der Soundtrack einer Generation, die sich lieber auf der Oberfläche treiben lässt, als auch nur einen zaghaften Blick nach unten zu wagen.

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Nach unten heißt dabei nicht auf die nächsten zwanzig Plätze der meistgeklicktesten Videos, die auch selig auf knallbunten Luftmatzraten auf dem Ozean der Bedeutungslosigkeit treiben. Und eigentlich kann das allen, die aufgrund solcher Musik schon längst genervt das Radio ausgeschaltet haben und YouTube nur sporadisch nutzen, um sich entweder alte Klassiker oder eben die neuen Singles kleiner bis mittelgroßer Interpreten anzuschauen herzhaft egal sein. Sie beobachten eben belustigt und angewidert, wie die Haut der anderen immer röter wird. Wenn uns unsere Kinder mal fragen, warum wir damals hingesehen haben, können wir nur sagen: Yolo.

Also hier nochmal die Top Ten der meistgeklicktesten YouTube-Videos. Weil es so schön berauschend ist:

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