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Noisey Blog

Das #sausagemovement ist das neueste Internet-Meme, das wir nicht verstehen

Überall in Amerika drehen Jugendliche Videos davon, wie sie kurze Raps über Wurst in die Welt hinaus schießen. Und man kann nichts dagegen tun.

Ich habe mich ja eigentlich immer für jemanden gehalten, der nah an der Populärkultur steht. Aber dann merke ich immer wieder, dass ich überhaupt kein Gespür mehr dafür habe, welche Memes auf einmal auftauchen und viral werden. Das Feuerholz, aus dem die Internethypes der letzten Wochen gemacht wurden, fühlte sich für mich so fern an wie das Material einer Fernsehshow aus dem Jahr 2098 namens „Humans did the funniest things“, die von und für post-apokalyptische Supercomputer produziert wurde.

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Es gab natürlich The Dress. Dann natürlich Dancing Man, mittlerweile „Sean from London" genannt: Ein dicker Mann, der dabei fotografiert wurde, wie er auf einem Gig tanzt, danach dafür ausgelacht wurde, dass er ein dicker Mann ist, der auf einem Gig tanzt, danach dafür gefeiert wurde, dass ein dicker Mann ist, der auf einem Gig tanzt und am Ende mit einem Sympathie-Gig von Pharrell Williams und Moby dastand. Sean ist mittlerweile offenbar in die Ukraine geflohen. Danach zerstörte Kim Kardashians neue Legolas-Frisur zwar nicht das Internet, aber immerhin imgur. Und anderswo versuchten zwei Lamas von uns—ja, mit „uns“ meine ich die Menschheit—abzuhauen, nur um mitansehen zu müssen, wie ihr lächerlicher, aber stolzer Ausbruchsversuch zum Gespött des Internets wurde. Eigentlich bin ich davon überzeugt, dass wir tief im Inneren alle Lamas sind, die vor der Menschheit zu fliehen versuchen.

Wow. We're famous. #LlamasonTheLoose pic.twitter.com/k43JK4BYBD

— SunCityLlamas (@SunCityLlamas) February 26, 2015

Das neueste Internet-Meme ist eines der seltsamsten überhaupt. Aus unbekannten Gründen laden Unmengen von amerikanischen Jugendlichen kurze Videos auf sozialen Plattformen hoch, in denen auf einen kurzen, fordernden Ausruf ein Rap über Sausages folgt. Meistens an Orten, an denen der Ausruf „Gimme that shit I need some sausage!“ unangebracht erscheint, etwa Klassenräumen oder Bibliotheken.

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Der Trend wird hauptsächlich über den #sausagemovement-Hashtag am Leben gehalten. Überall in Amerika spitten Kids Bars über ihre Lieblingswürste, halten die Ergebnisse auf Film fest und stellen sie online. Auch innerhalb des #sausagemovements gibt es keine klare Meinung darüber, wie das Ganze angefangen hat, aber alle Wege führen zu zwei Original-Videos zurück. In dem einen ist ein junger Typ zu sehen, der diese Meat Bomb in einem relativ ruhigen Moment in der Schule fallen lässt (siehe oben), und dieser Ausspruch findet sich auch bei allen Nachahmer-Videos wieder. Das zweite Video (siehe unten) zeigt ein paar Army-Typen, die den Sausage-Rap mit militärischer Präzision abliefern und dabei von ihrem MC Sergeant angeführt werden, der einen Kübel auf dem Kopf trägt.

Das Meme hat jetzt seit einem Moment an Fahrt aufgenommen und ist mittlerweile in einem Stadium angekommen, das ich die „Danger Pork Zone" nenne: Im Minutentakt erscheinen neue Videos auf Vine, Youtube, Twitter und Instagram. Junge Sausage-Teams aus ganz Amerika battlen sich und sammeln dabei mehr Likes, Shares und Retweets als alles, was du oder ich jemals gesagt oder geschrieben haben. Das aktuell populärste ist dieser Cafeteria-Ausbruch:

Wie die meisten guten Bewegungen hat die Sausage-Rap-Szene eine Menge an Hatern, wie etwa diesen Lehrer:

Darüber hinaus eine Menge an gescheiterten Versuche:

Und einige Tribute Versionen, wie diesen 8 Mile Skit:

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Jetzt werden einige der sozial Verantwortungsvollen unter euch denken: „Super. Da legt sich das patriarchale System die Welt ohnehin zurecht wie es sie braucht. Und dann bekommen sie auch noch ihre eigene Sausage-Hymne!“ Doch weit gefehlt. Erstens kommt eines der populärsten und einflussreichsten Sausage-Rap-Videos von diesen Mädchen hier, die einen kompletten Bus damit ausfüllen.

Marshall track girls #sausagemovement pic.twitter.com/NDlE1gW2kU

— her. (@_brimichellee)

March 7, 2015

Zweitens kann man das Ganze eigentlich nicht anders als sehr unschuldig sehen, weil es so verdammt verwirrend ist. Stellen wir uns kurz vor, einer der Macho-Rapper würde den Wechsel von der Wurst-Metapher („Lick my dick that shit a Sausage!“) über einen völlig ernst gemeinten Part wie („I like pancakes and I like Sausage!“) zu einer Metapher zurück („My shit brown like a mother fuckin Sausage“) vollziehen. Er würde recht schnell merken, dass er mehr darüber rappt, etwas Längliches im eigenen Mund zu haben als ihm lieb ist.

Wird das #sausagemovement den Sprung über den Atlantik schaffen? Vermutlich nicht. Haben wir aus diesem Text hier irgendwas gelernt? Vermutlich ebenso wenig. Haben wir jetzt alle Hunger und werden bei der nächsten Gelegenheit Wurst essen? Absolut. Stay porked.

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