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You Need to Hear This

Sub Focus möchte sich nicht erklären

Sub Focus liebt jede Art von elektronischer Musik, deswegen lieben alle ihn.
13 November 2013, 9:00am

Der britische Drum'n'Bass-Produzent Sub Focus begann als Bassist in einer Teenage-Band und entdeckte dann (eigentlich um seine eigene Band zu produzieren) Produktions-Software für sich. Nach Remixen und Vinyl-Veröffentlichungen auf RAM Records, einem der größten Drum'n'Bass-Labels Anfang der 2000er, ist er inzwischen zu einer festen Größe der britischen Dance-Szene geworden und hat vor kurzem sein zweites Album Torus herausgebracht, auf dem Features wie Kele Okereke, MNEK oder Foxes zu finden sind. Ich habe mich in London mit Nick Douwma vor seiner Show getroffen und ihn alles Mögliche gefragt: Warum es für ihn inzwischen so wichtig ist, alle möglichen Arten von Dance Music zu machen und er sich nicht nur auf Drum'n'Bass beschränkt, was genau ein Sub Focus ist und was er von Ace of Base hält. Nach unserem Gespräch habe ich mir sein Live-Set angesehen, von dessen kreisförmigem LED-Design sich bei mir immer noch alles dreht.

Hast du dieses kollektive elektronische Ding, also Dance anstatt nur Drum'n'Bass-Ding, auch schon bei deiner ersten Platte gemacht?
Ja, damit habe ich auf meinem ersten Album begonnen. Es ist ziemlich lustig, wenn du aus der Drum'n'Bass-Szene kommst, bist du aus einer ziemlich geschlossenen Szene. Viele Dance Music-Szenen aus den frühen 2000ern und den später 90ern waren ziemlich geschlossen. Die Leute haben nicht wirklich zwischen den Szenen variiert, es kam also ziemlich selten vor, dass ein Drum'n'Bass-Produzent einen House-Track gemacht hat oder so. Das war für mich ein Grund, dagegen zu rebellieren. Diesen Weg haben in den später 2000ern dann mehrere meiner Kollegen ebenfalls eingeschlagen, wie zum Beispiel die Jungs von Chase&Status oder Nero, ebenfalls Kumpels von mir. Wir alle hatten diese Idee, dass wir einen Mix aus Dance Music machen wollten. Es ist einfach kreativ viel ansprechender, verschiedene Arten von Dance Music zu machen. Außerdem macht es ja irgendwie auch keinen Sinn, ein Album mit einem komplett gleichbleibenden Tempo zu machen.

Da gab es schon so etwas wie ein Movement zu der Zeit. Die Jungs, die ich erwähnt habe, und ich hatten unsere Studios an denselben Orten. Wir alle hatten unsere Studios von Pete Waterman gemietet, das ist ein ziemlich bekannter britischer Produzent aus den 80ern. Jetzt haben wir ein neues Studio in Kings Cross in London, also hängen wir immer noch zusammen ab. Es ist ganz cool, Leute um dich herum zu haben, denen du deine Ideen und die neuen Sachen zeigen kannst. Ich habe schon das Gefühl, dass Fans von Dance Music in den letzten fünf Jahren viel offener geworden sind. Wahrscheinlich weil sich durch das Internet die Art und Weise geändert hat, wie wir Musik konsumieren. Leute sind jetzt nicht mehr so engstirnig, was ihren Dance Music Geschmack angeht, das ist ziemlich erfrischend.

Wie sieht es mit alten Fans aus? Gibt es da welche, die deine neuen Richtungen kritisieren?
Ja, solche habe ich auch. Größtenteils sind das Internet-Leute, aber ich versuche das so gut es geht zu ignorieren, weil ich schon das Gefühl habe, dass die meisten Menschen, die sich meine Sachen anhören, gerade die Vielseitigkeit daran mögen. Außerdem sehe ich ja, dass inzwischen mehr Leute zu meinen Konzerten kommen. Ich habe noch nie so große Hallen bespielt wie jetzt. Ich habe zwar schon mit anderen zusammen vor vielen Leuten gespielt, aber noch nie Shows von dieser Größe als Headliner gespielt. Das ist cool und zeigt mir, dass Dinge sich hoffentlich weiterentwickeln.

Du hast gerade dein zweites Album herausgebracht, was bekanntlich für viele das schwierigste ist. War es schwierig für dich und hast du deine Herangehensweise im Vergleich zum ersten Album verändert?
Neulich meinte auch jemand zu mir, dass das zweite Album ja immer das härteste sei. Ich hatte ehrlich gesagt gar nicht darüber nachgedacht. Ich hatte eine ziemlich schwere Zeit, als ich mein erstes Album gemacht habe. Dabei habe ich viel gelernt, weshalb dieses Album möglicherweise etwas leichter für mich war. Ich habe definitiv meine Herangehensweise verändert. Mein erstes Album war total clubbig und hatte ziemlich viele harte Tracks. Bei Torus wollte ich so etwas wie eine musikalische Reise erschaffen, ein Album, das du dir komplett in einem Take anhören willst. Ich wollte etwas mit Ups and Downs schreiben, also mit ein paar Ambient-Tracks, ein paar tanzbaren Tracks, eine echte Mischung eben. Außerdem habe ich mehr Songs auf diesem Album geschrieben und mit mehr Sängern zusammengearbeitet. Mit Leuten wie Kele von Bloc Party, Alpines, Foxes und MNEK.

Wie laufen diese Kollaborationen denn ab? Hast du eine Vorstellung von einer perfekten Stimme für einen Song und kontaktierst dann meinetwegen Kele oder trefft ihr euch von Anfang an und arbeitet gemeinsam von Beginn an einem Track?
Das ist ehrlich gesagt ziemlich lustig. Ziemlich viel von dem Kram auf dem Album begann über's Internet. Was irgendwie merkwürdig ist, denn irgendwann habe ich realisiert, dass ich zwei der Sänger, die auf meinem Album sind, niemals getroffen habe. Mit den meisten versuche ich jedoch zusammen ins Studio zu gehen. Kele lebte in New York, als wir mit unserer Kollaboration begannen. Also schickte ich ihm zu Beginn die Musik, er mochte einen Track, hat dann die Vocals dazu aufgenommen und sie mir zurückgeschickt. Als er zurück in London war, sind wir gemeinsam ins Studio gegangen und haben den Track fertig gestellt. Wenn möglich, dann versuche ich mit den Sängern gemeinsam zu schreiben, weil ich meinen eigenen Input auf die Texte haben möchte. Ich bin schon ein Control Freak, wenn es um meine Sachen geht. Ich habe einen großen Einfuss auf das Design, das Artwork und die Live Shows. Ich mag es, viel Input in alle Bereiche meiner Musik einzubringen, sodass die Leute, die meine Musik hören, das auch sehen.

Das ist auch so eine Sache, über die ich nachgedacht habe. Du bist doch quasi alleine auf der Bühne, oder?
Ja, so ziemlich.

Also kannst du jedes noch so kleine Detail deiner Performance kontrollieren? In deiner Doku habe ich gesehen, dass du zum Beispiel Infrarot-Sensoren benutzt.
Ja, wir haben die herstellen lassen. Das sind so kleine Boxen, in denen unsichtbare Infrarot-Sensoren sind. Diese Teile erlauben es mir, meine Hände darüber zu bewegen und damit einige der Sounds des Sets zu kontrollieren. Ich wollte, dass meine Live Performance möglichst futuristisch aussieht. Viele meiner Kollegen setzen ja in ihren Live-Sets auf eine Band, Live Drums usw., aber ich stehe einfach so sehr auf elektronische Musik, dass ich alle Bereiche auf der Bühne komplett in diesem Bereich belassen wollte. Es ist also schon eine bewusste Entscheidung, alleine auf der Bühne zu performen.

Wenn du alles auf der Bühne live kontrollieren kannst, kannst du ja auch Sachen loopen usw. wenn du das Gefühl hast, dass die Crowd auf bestimmte Teile besonders gut anspringt, oder?
Definitiv. Es gibt bestimmte Teile des Sets, in denen ich Tracks dekonstruiere und bestimmte Elemente früher einbringe. Auf meinem alten Album gibt es einen Track namens „Could this be real“ und von dessen Intro nehme ich öfter einen Teil der Vocals und baue sie irgendwo anders ein und Leute, die den Track kennen, wissen dann: „Da kommt er.“ Ich glaube ich habe viel durch das Analysieren anderer Acts gelernt. Die Chemical Brothers sind zum Beispiel ein großer Einfluss in Bezug darauf, wie sie ihre Songs live spielen. Die haben zum Beispiel diese langen Interludes, wo sie Elemente aus ihren Tracks nehmen und die bis zum Geht-nicht-mehr anteasern. Daft Punk sind da auch ziemlich gut drin. Ich arbeite bei meinen Sets mit einem Typen zusammen, der früher in der Chemical Brothers Live Crew war. Ich wurde auf jeden Fall von diesen Shows inspiriert und habe die Ideen, die ich mochte, übernommen.

Dein Live-Set ist ebenfalls zirkulär aufgebaut. Was hast du denn mit Kreisen?
Ja, ich glaube, ich habe da eine kleine Obsession (lacht). Als ich mein erstes Album gemacht habe, hatten wir diese Idee, die ich sehr mochte. Der Kreis war cool, weil ich mit einer einfachen Form spielen wollte. Ich mag was Justice beispielsweise mit dem Kreuz gemacht haben oder Daft Punk mit den Pyramiden und ziemlich viele Leute zu der Zeit arbeiteten ja mit Dreiecken. Ich hatte das Gefühl, dass niemand etwas mit Kreisen gemacht hat, also habe ich angefangen mit der Form herumzuspielen. Das Artwork von Torus ist quasi die 3D-Version von der 2D-Version meines Debüts. Wir hatten diese Idee von einer Disc, die aussehen soll wie ein Monolith, wie der Monolith in 2001 Space Odyssey. Hast du den Film gesehen?

Nein.
Das ist so ein unerklärliches Monument, das die auf dem Mond finden, wie eine Statue in schwarz.

Wenn du live performst, spielst du ja meistens vor vor Endorphinen sprühenden Menschen, die feiern wollen. Fühlst du dich einsam, wenn du alleine ins Studio gehst? Stellst du dir dein Publikum dabei vor?
Definitiv! Was ich beim Songs schreiben versuche, ist, mir die Orte vorzustellen, wo ich die Songs live spielen werde. Im Sommer habe ich eine Residency im Amnesia in Ibiza gehabt und da bin ich oft zu Techno-Veranstaltungen gegangen. Zum Beispiel habe ich mir Sven Väth im Cocoon angeschaut und war danach in der Stimmung house- und techno-lastigere Tracks zu schreiben. Einer der Tracks auf dem neuen Album „You make it better“ entstand mit diesem Club im Hinterkopf, mit der Vorstellung davon, wie es wäre, den Track dort zu spielen. Ich denke sehr oft an einen Ort oder ein Festival, wo ich einen Track spielen könnte, wenn ich an ihm arbeite. Es inspiriert mich und ich finde es aufregend, mir die Reaktion der Leute vorzustellen, vor denen ich den Track spielen würde. Das ist auf jeden Fall eine Art und Weise, um sich Sachen im Studio zu visualisieren.

Hörst du Musik, wenn du im Studio bist?
Ich habe festgestellt, dass ich am besten arbeite, wenn ich keine Musik anderer Leute höre. Manchmal entdecke ich einen neuen Produzenten, den ich dann absolut liebe und beginne seine Sachen zu analysieren, um herauszufinden, wie er etwas macht. Wenn du aber im Schreibprozess bist, ist es nicht gut, das zu machen, da du dann eventuell anfängst, Sachen zu kopieren. Ich bin meistens am kreativsten, wenn ich die Sachen anderer Leute verdaut habe, aber nicht mehr aktiv höre.

Hörst du denn Musik, die man als „Guilty Pleasure“ einstufen könnte?
Ohja. Ich habe realisiert, dass das ganz schön peinlich ist. Bei einem meiner DJ Sets hatte ich Ace of Base-Tracks heruntergeladen. (lacht) Und weil ich CD-J's benutze und das immer in alphabetischer Reihenfolge auf dem Screen erscheint, konnten die anderen DJs einen schönen Blick darauf erhaschen, und sich dann „Was? Wieso?“ fragen. Ich höre ziemlich unterschiedliche Sachen. Die meisten sind elektronisch, aber auch Rockbands, die ihren Kram mit Elektro verbinden wie London Grammar oder die Friendly Fires.

Mit welchen Künstlern würdest du denn in Zukunft gerne zusammenarbeiten?
Ich würde gerne mit Grimes zusammenarbeiten, aber da sie mit niemandem kollaboriert, mal sehen. Aber ich mag ihre Sachen sehr.

Was genau ist eigentlich ein „Sub Focus“? Wenn du an die Bedeutung des Wortes denkst, ist es doch so, dass du entweder einen Fokus haben kannst oder eben nicht, oder?
Ehrlich gesagt—es ist ziemlich langweilig—habe ich den Namen durch das Zusammenfügen von Worten gewählt. Ich wollte einen Namen, der nichts anderes bedeutet. Das war etwas Positives für mich. Ich wollte, dass Leute ihre eigene Assoziation dazu bilden, anstatt dass es etwas bestimmtes bedeutet. Also möchte ich es Leuten nicht zu sehr erklären.

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