Freu dich schwarz! Mit deinem Slayer-Shirt liegst du voll im Trend

Dass jetzt die GQ von Metalshirts als neusten Trend schwärmt, ist nur konsequent.
6.5.16

Zeit für ein paar unangenehme Wahrheiten. Die Sex Pistols sind die bekannteste Punkband der Welt. Und sie wurden Anfang der 70er von der Luxusdesignerin Vivienne Westwood eingekleidet. Ein stinknormales weißen Shirt mit dezentem Westwood-Logo auf der Brust kostet heute über 130 €. So gesehen waren die Sex Pistols schon damals Fashionistas—und trotzdem verzieht jeder Musikfan mit Punk-Wurzeln angeekelt die Mundwinkel, wenn er ein Sex-Pistols-Shirt bei H&M sieht.

Da kann er sich gleich mit einem Metalhead verbrüdern, der nicht damit fertig wird, dass selbst Slayer, Metallica, Motörhead und Black Sabbath den Deal mit dem schwedischen Modekonzern eingegangen sind. Ungläubig sehen sie 14-jährige One-Direction-Fans in Slayer-Shirts rumrennen, die zwar nicht mal wissen, was das überhaupt bedeuten soll, aber eben die Designs ziemlich "kewl" finden.

Ja, Leute, die sich allzu sehr mit ihrer Szene identifizieren und alles scheiße finden, was andere Menschen in dieser mainstreamigen Popwelt machen, haben es echt nicht leicht. Ständig kommt da jemand aus der Kaugummiwelt und zieht die Lieblingsband ignorant schmatzend in den Dreck. Wie Justin Timberlake schon 2003, als er im Video zu "I’m Lovin It" doch tatsächlich verliebt eine Frau verfolgte, das ein Judas-Priest-Shirt trug.

Und immer wieder wagte es Justin Bieber, sich mit Shirts von Metallica oder Iron Maiden zu zeigen. Selbst diese verdammte Kim Kardashian trägt ein Metallica-Shirt und ihr Mann Kanye West hat sein Yeezus-Logo dem von Metallica allzu deutlich nachempfunden. Der Schmerz eines jeden radikalen Fans alternativer Musik sollte also tief brennen, die Fingerkuppen glühen vom Schreiben empörter Kommentaren im Netz.

Vor allem jetzt, wo die GQ—die sich selbst als das "Männermagazin für Style und Anspruch" beschreibt—dem trendbewussten Mann von heute rät, diesen Sommer doch in ein Heavy-Metal-Shirt zu investieren und das dann mit einer 390 €-teuren Hose von Saint Laurent zu kombinieren. Ein kaum verdeckter Schlag in die Niere einer Kultur, die sich gerade dadurch vom Mainstream abhebt, solche Luxusartikel eben nicht zu brauchen und sich lieber über Musikgeschmack und nicht Marken zu inszenieren.

Selbstverständlich waren die Metalheads wütend auf die GQ. Einfach alles an diesem Post wäre falsch, Blasphemie und überhaupt habe die Liebe zu Bands nichts mit Style zu tun. Man will eben nicht in einer Welt leben, in dem uninformierte Leute Bands auf ihren Namen und ihr Design reduzieren—in der Bands nichts weiter als kontroversere Labels sind. Wie es sich in so einer Welt lebt? Da könnten die Musikfans mal die Baseball- und Football-Fans fragen. Die werden schließlich täglich mit Raiders-Caps, New York Yankees-Jacken oder Sox-Jogginghosen konfrontiert, deren Träger nichtmal wissen, in welcher Sportart sich ihr zur Schau gestelltes Team überhaupt betätigt.

Schadet das ihrem Hobby oder mindert es ihren Spaß, sich die Spiele anzusehen? Unwahrscheinlich. Genauso wenig werden Alben schlechter, nur weil die GQ es wagt über absolute Mainstreambands zu schreiben. Denn nichts anderes sind die rebellischen Musiker von damals: Teil der Massenware. Zeit, das endlich zu akzeptieren und vielleicht einfach mal in Subgenres abzutauchen.

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