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The Noisey Guide to Firmenweihnachtsfeiern

Der Chef haucht dir seinen Schnapsatem ins Gesicht, deine pensionierte Kollegin reibt sich an dir und du sitzt unter einem fucking Mistelzweig? Bringt. Den. Glühwein.
5.12.14

Alle Jahre wieder… Wenn euch nicht gnädigerweise die Grippe erwischt, dann kommt ihr üblicherweise nicht um das alljährliche von der Firma finanzierte Saufgelage herum. Warum man seinen Donnerstagabend für einen Haufen Menschen opfern soll, denen man bereits 40 Stunden pro Woche im Minutentakt etwas an den Kopf tackern möchte, um vier Wochen im voraus den Geburtstag von irgendeinem Kerl zu feiern, der seit Jahrtausenden tot ist, und das ganze mit Rentier-Haarreifen und idiotischen Spielen garniert, ist uns schleierhaft. Aber so ist es nunmal. Punsch geschnappt, tief einatmen, Augen zu und durch! Hier kommen unsere Top 5 der verhasstesten Arten von (Firmen-) Weihnachtsfeiern.

Typ 1: Das Overstatement

Was? Weihnachtsfeier einer wirklich großen Firma
Wer? 3000 Mitarbeiter aus den verschiedensten Bereichen, die sich alle untereinander nicht kennen und peinlich berührt in ihren Abteilungs-Grüppchen zusammenbleiben

Foto: Flickr // Michael Radtke // CC 2.0

Wie läuft es ab? Schlag 18:00 wird die Mitarbeiterschar mit einer Buskolonne abgeholt und an einen geheimen Ort gebracht. Während die Massen aus den Bussen in die luxuriös ausgebaute Industriehalle ans Buffet stolpern, marschiert eine Parade an ihnen vorbei, Akrobaten hängen von den Decken, Feuerspucker halten die Gulaschkanone warm, Mando Diao halten auf Wunsch Früchtespieße unter den Schokoladenbrunnen und nackte Jungfrauen warten in den Ecken darauf, die Mitarbeiter mit Trauben zu füttern. Sobald die letzten Reste des Kobe-Steaks mit Champagner heruntergespült wurden, geht die Show los. Was wird gespielt? Alles, was vom musikalischen Olymp auf unsere Erde gesandt wurde. Lumpen lässt sich das Unternehmen nämlich nur bei Praktikantengehältern, für die Weihnachtsfeier wird traditionsgemäß die Sau herausgelassen und der Phönix abgeschossen. Kanye West eröffnet den Abend mit ein paar berührenden Worten über sich selbst, dann tritt das Ursprungsensemble von Band Aid auf und fragt, ob denn tatsächlich alle wissen, dass jetzt Weihnachten ist. John Lennon übernimmt danach das Mikrophon und kann all diese leuchtenden Redakteurenaugen gar nicht imaginen. Elvis Presley besingt anschließend das Ghetto 10888 und wird von Johnny Cash auf der Gitarre begleitet, danach ist Beyoncé mit Daft Punk Crazy in Love, während Nile Rodgers durch den Abend moderiert.

Typ 2: Das Understatement

Was? Privater Weihnachtspunsch, wahrscheinlich von Ordinationsangestellten oder Lehrern
Wer? Ein beschauliches Grüppchen, wahlweise bestehend aus dem Lehrer-Kollegium oder zwei Sprechstundenhilfen, der Praktikantin und der Raumpflegerin

Foto: Flickr // Leonard Bentley // CC 2.0

Wie läuft es ab? Genau so wie es klingt. Irgendwann zwischen dem ersten weihnachtlichen Amoklauf und dem letzten Adventsonntag rottet man sich eines frostigen Nachmittags im Warte- oder Lehrerzimmer zusammen. Fünf verschiedene Tupperboxen mit Keksen werden ausgepackt und irgendwer schraubt die erste Flasche Hofer-Glühwein auf. Fröhlich wird sich über verzogene Bälger und hypochondrische Patienten ausgelassen, die Keksdosen mit mildem Enthusiasmus bis zum drohenden Erbrechen geleert und der Glühwein motiviert in die Plastikbecher nachgeschenkt. Man ist sich einig, dass so eine kleine Runde viel gemütlicher ist und nimmt noch einen tiefen Schluck, um zu vergessen, dass der Direktor/Doktor gerade das ursprüngliche Weihnachtsfeierbudget mit seiner präpubertären Affäre auf den Bahamas verschleudert. Der harte Kern begibt sich im Anschluss noch in eine Karaokebar und gibt dort ein thematisch unpassendes aber dennoch hinreißendes Ständchen von "Walking on Sunshine“ zum Besten. Was wird gespielt? Alllll the Pop-Hits, Baby! Über "Last Christmas“ wird immer noch bedauert, dass George Michael tatsächlich schwul ist, weiter geht's dann gut gelaunt mit Mariah, Britney und Celine.

Typ 3: Der Tag des Grauens

Was? Weihnachtsfeier eines kleineren Unternehmens, irgendwo im Bereich Import/Export oder Vertrieb
Wer? 5 bis 10 Angestellte und ein wahnsinniger Chef

Foto: Flickr // michal barel // CC 2.0

Wie läuft es ab? Das Söhnchen hat nun endgültig Papis Firma übernommen. Hochmotiviert und gut 15 Jahre jünger als die durchschnittliche Belegschaft ist er von einem Motivationsseminar zum Nächsten gefedert und kam mit einem Rucksack voller guter Ideen zurück, wie man mal "frischen Wind in diesen Betrieb!“ bringen könnte. Das ist für alle Beteiligten das ganze Jahr über unangenehm, da man plötzlich ständig irgendwelche konfusen Fragebögen ausfüllen soll und sich noch niemand so recht mit "Montags-Brunch“, "Dienstags-Kuscheln“, "Mittwochs-Spielstunde“ und "Donnerstags-Gruppenmasturbation“ anfreunden konnte. Den Gipfel der Absurdität erreicht dann aber die Weihnachtsfeier, für die der übermotivierte Bub ganz tief in der Ideenkiste des Grauens gewühlt hat. Geplant wurde ein Tag voller lustiger Dinge: Gemeinsames Frühstückswaffel-backen, Topfhandschuh-Bastelstunde, Bootsfahrt mit Animation, gegenseitiges Häppchen-Füttern unter der Führung eines Schamanen, Vorlese-Stunde und Paintball-Spiel mit abschließendem gemeinsamen Saunagang. Natürlich alles verpflichtend an einem Wochenend-Tag. Was wird gespielt? Klassische Weihnachtslieder. Bloß nicht übertreiben.

Typ 4: Die Sporthalle der Verdammnis

Was? Weihnachtsfeier eines Sportvereins
Wer? Der komplette Angler-, Hockey-, Fußball- oder sonstige Verein.

Foto: Flickr // benchfrooser // CC 2.0

Wie läuft es ab? Das Spektakel findet wahlweise im Vereinshaus selbst oder in der Sporthalle irgendwo in Oberunterammerhintervordergau statt. In beiden Fällen werden am Nachmittag Klapptische und Holzbänke angekarrt, ein Caterer wird in eine Ecke verfrachtet und ein paar Weihnachtskugeln aus Plastik werden wahllos an Wände und Türschnallen gehängt. Am späteren Nachmittag trudelt die komplette Mannschaft geschlossen ein, direkt nach dem Training, was die Halle unmittelbar in einen testosterongeschwängerten Pumakäfig verwandelt. Kredenzt wird trockene Gans mit Rotkraut, was aber keinen stört, denn der Fokus liegt auf dem nicht versiegenden Alkoholfluss. Hier eine Maß zum runterspülen, da ein Schnäppes zum besseren Verdauen. Spätestens gegen 22:00 Uhr kann niemand mehr stehen, Ehefrauen rücken an und schlichten ihren Angetrauten und drei seiner Saufkumpanen auf den Rücksitz des Volvos. Was wird gespielt? Übles. Von Helene Fischer über David Guetta bis zu den Amigos dröhnt weihnachtlich-wahnsinniges aus dem Ghettoblaster. Wenn noch ein wenig Geld in der Vereinskasse war, wurde vielleicht auch ein Alleinunterhalter angestellt. Mal was gönnen.

Typ 5: Der uninspirierte Klassiker

Was? Weihnachtsfeier von Maximilian Mustermann und seiner bunten Officecrew
Wer? 20 bis 120 Mitarbeiter, die irgendeiner Tätigkeit im Sparkassenwesen, Einzelhandel oder der Steuerberatung nachgehen

Foto: Flickr // Jürgen Karneil // CC 2.0

Wie läuft es ab? Wie die Familienfeier, die euch ein paar Wochen später auch noch bevorsteht. In irgendeinem Gasthaus oder einem Hotel werden für zweieinhalb Stunden ein paar aneinandergeschobene Tische mit vertrockneten Tannenzweigen und ein paar Kerzen darauf reserviert, es werden die drei üblichen Gänge serviert (Frittatensuppe – Schnitzel Wiener Art oder Käsespätzle – Schokomousse) und währenddessen arbeitet jeder hart an seinem persönlichen Delirium. Der Chef spielt fleißiges Bienchen und fliegt von Tisch zu Tisch, um sich aus wirklich allen Richtungen mit Arschkriechereien bestäuben zu lassen und einen Schnaps nach dem Nächsten zu kippen. Gegen 23:00 tröpfelt die Belegschaft nach und nach Richtung Taxi, der harte Kern bleibt bis in die frühen Morgenstunden. Am nächsten Tag schleichen alle verkatert um die Kaffeemaschine herum und tuscheln hinter dem Rücken der Neuen, die nicht ganz so unbemerkt wie geplant vor dem Hosenstall des Chefs unter dem Tisch ihre Gabel suchen ging. Ho, Ho, Hoe! Was wird gespielt? Das weiß tatsächlich niemand. Die Musik ist vorsorglich so leise gedreht, dass es von Wham bis Dragonforce alles sein könnte. Wir tippen aber auf irgendeinen Radiosender, der die Charts auf und ab dudelt.

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