Anzeige
Dieser Artikel ist vor mehr als fünf Jahren erschienen.
Features

Lukas Graham ist Kopenhagens größte Rampensau

Lukas Graham muss immer im Mittelpunkt sein, kein Wunder, dass der dänische Shootingstar momentan so aufblüht.

von Alina Amato und Alina Cîrstea
04 September 2012, 10:00am


Lukas Graham und sein Keyboarder The Captain beim Secret Gig im Berliner Mauerpark. (Foto: Alina Amato)

Der 23-jährige Luke „The Duke“ Graham muss immer im Mittelpunkt stehen. Da passt es, dass seine ganze Band nach ihm benannt ist, auch wenn er betont, dass die Band Lukas Graham zu gleichen Teilen aus ihm wie aus Drummer Lovestick, Bassist Magnúm und Keyboarder The Captain besteht. Wie sehr Lukas das Zentrum der Aufmerksamkeit genießt, merkt man, wenn er auf der Bühne steht—wie am Sonntag bei einem Secret Gig im Berliner Mauerpark—genauso wie im direkten Gespräch. Denn als ich die vier Jungs nach dem Konzert treffe, kommt außer Lukas kaum ein anderes Bandmitglied zu Wort. Aber egal, denn momentan genießen alle vier die enorme Aufmerksamkeit, die ihnen in ihrer Heimat Dänemark entgegenschlägt. Und längst nicht mehr nur dort.

Noisey: Hey Jungs! Seid ihr mit eurem Auftritt zufrieden?
Lukas: Sehr!

Was sagt ihr zu den kleinen Mädels, die um euch herum getanzt haben?
Magnúm: Das war der beste Teil der Performance. (Alle lachen)
Lukas: Ich denke wenn du Kinder dabei hast, die es genießen und Spaß haben, dann hast du schon einen großen Schritt gemacht. Wenn die Kinder dazu tanzen, lachen und eine gute Zeit haben, während du Musik machst, dann sind das schon mal 50%. Dann musst du nur noch versuchen, die Erwachsenen zu überzeugen.

Das ist wahr! Also, wollt ihr euch grad mal grad kurz selbst vorstellen? Wer steht hinter Lukas Graham?
Lukas: Ja, also wir heißen Lukas Graham. Wir haben Magnúm am Bass ... MAGNÚM AM BASS ... (lacht). Lovestick an den Drums, The Captain am Keyboard und mein Name ist Luke The Duke. Ich singe und schreibe die Lyrics.

Ich bin mir sicher, ihr habt diese Frage bereits des Öfteren gehört, aber ich möchte es trotzdem noch einmal ansprechen— ihr kommt aus der Freistadt Christiania, richtig?
Lukas: Ich komme aus Christiania und der Rest der Jungs kommt aus der Umgebung von Kopenhagen.

Kannst du mir ein bisschen von dem Leben dort erzählen? Ist es immer noch so „Hippie“ angehaucht?
Lukas: Nun ja, es gibt dort keine Autos. Nur um Ware und Zeug für die Läden auszuladen. Und wir haben keine reguläre Polizeistreife, weil wir uns im Prinzip als autonom vom Staat Dänemark betrachten. Und wir haben einen lockeren Drogenmarkt, der immer mal variiert, der manchmal ein bisschen zu locker ist und manchmal sehr gemäßigt ... Eigentlich ist es bloß so, wie ein riesiger Park, in dem Menschen leben.

Das ist interessant.
Magnúm: So wie hier im Mauerpark, wenn du noch ein paar Häuser hier stehen hättest.
Lukas: Wenn du 1000 Menschen hättest, die sich „natürlich“ im Mauerpark ansiedeln würden, dann wäre es das, was Christiania ist. Aber du musst nicht nur die Häuser hinzufügen ... es fehlen außerdem einen Kindergarten, Betreuungsangebote und Projekte nach der Schule, Sportclubs, ein Gesundheitszentrum, ein Badehaus und Wäschesalons. Im Prinzip ist es ein selbstversorgendes Dorf. Was wir nicht haben, sind ein Krankenhaus, eine Universität, eine Schule, eine Polizeiwache und eine Feuerwehr. Also, diese fünf großen Institutionen haben wir nicht, aber alles andere haben wir.

Cool. Lukas, du hast schon ziemlich früh angefangen zu singen...
Ich habe schon immer gesungen und professionell habe ich mit acht Jahren angefangen. Und jetzt bin ich 23.

Und ein Kinderstar im Fernsehen... Ich habe etwas gelesen...
Ja ... sie nennen es einen „Kinderstar“.

Ist es nicht so?
Ich habe keine Ahnung. Ich erinnere mich nicht so gut daran. (Lacht)

Okay. In deiner Familie sind alle Musiker, richtig?
Nein ... also, jeder in meiner Familie singt und macht Musik, das ist eben die irische Kultur. Aber niemand aus meiner Familie hat wirklich eine musikalische Karriere gestartet. Sie sind alle Musiklehrer oder haben schon als Kind angefangen, im Chor zu singen.

Aber das hatte dann schon einen großen Einfluss auf dich...
Ja, auf jeden Fall. Die irische Kultur hat mich schon immer sehr stark beeinflusst. Ich weiß, dass ich singen kann und ich denke ich kann für den Rest der Band sprechen, dass Musik immer ganz wichtig in unserem Leben war. Kann ich das so sagen?
Der Rest der Band: Na klar!
Lukas: Schon als Kinder haben wir viel Musik gehört und wir wollten es besser machen, denke ich. The Captain konnte bereits Piano spielen, bevor er überhaupt zur Schule gegangen ist. Unser Drummer Lovestick hat schon mit sechs angefangen Schlagzeug zu spielen und das Gleiche gilt für unseren Bassisten Magnúm, er fing mit sieben oder acht Jahren an, Bass zu spielen. Wir alle verbringen quasi schon mindestens 15 Jahren damit, das zu lernen und werden besser mit dem was wir tun.

Wart ihr vorher schon befreundet oder seid ihr zusammen zur Schule gegangen?
Eigentlich sind es nur Lovestick und ich, die sich schon seit langer Zeit kennen. Lovestick und ich haben uns im Gymnasium kennengelernt. Magnúm und ich haben uns 2009 kennengelernt, auf einem Kreuzfahrtschiff in Argentinien (lacht). Er war in der Hausband und ich war an der Bar. Und The Captain haben wir vor vier Monaten kennengelernt, ist das richtig?
The Captain: Ja, das stimmt.

Moment, aber ihr habt nicht erst vor vier Monaten angefangen zur Touren...
Neeeein, wir mussten nur unseren Keyboarder wechseln. The Captain war der beste Typ, den wir bekommen konnten und der Einzige, den wir wollten. (Alle lachen)

Ich denke, dass Dänemark eine echt gute und interessante Musikszene hat. Ich mag Bands und Künstler wie The Raveonettes, WhoMadeWho, Agnes Obel ... habe ich ihren Namen richtig ausgesprochen?
Magnúm: Ja, das ist richtig.

Sehr bekannt in Deutschland sind auch Volbeat. Und nun kenne ich euch. Und ihr macht ganz andere Musik und habt einen ganz eigenen Stil. Wie würdet ihr euren Stil beschreiben? Indie trifft auf Soul?
Lukas: Es ist nicht Indie. Auf keinen Fall.
The Captain: Indie ... ist das nicht ... Independent Label, oder?
Lukas: Neee, Indie ist einfach ein seltsames...
Magnúm: Lasst uns jetzt nicht in so etwas reingeraten...
Lukas: Ja wirklich, lasst uns nicht anfangen darüber zu diskutieren, was Indie unserer Meinung nach ist ...

Oh ja, ich denke das kann zu einer sehr langen Diskussion führen...
Lukas: Und wir wollen jetzt nicht die Gefühle von irgendwelchen Leuten verletzten... Ich beschreibe unsere Musik als Ghetto-Pop, denn im Grunde ist es Popmusik. Wir versuchen nicht davor wegzulaufen, aber es ist nicht Rihanna, es ist nicht Katy Perry und auch nicht Justin Bieber. Es ist Popmusik mit Stilen aus der Black Music gemixt, zusammen mit Funk und Soul, ein bisschen Jazz, am meisten ist es gemixt mit Soul und HipHop und Rap. Es hat ein bisschen was von Funk, ein bisschen was von Jazz, eine Menge Soul und viel R&B und HipHop. Wir hatten nicht wirklich ein Genre, um unsere Musik festzunageln. Und Genres sind vielleicht auch kurz davor, für tot erklärt zu werden, nur nebenbei erwähnt. Ich nenne es einfach Ghetto-Pop, denn in meiner Nachbarschaft, wo ich aufgewachsen bin, war ich schon bestimmt Ghetto zu sein. Wir hatten all diese Musik, die nicht klassisch „weiß“ war, wenn ich das so sagen kann. Daher nenne ich es Ghetto-Pop. Es hat sich nach einem guten Namen angehört. Und es ist kleben geblieben.

Eure Songs behandeln alltägliche Dinge. Viele Künstler reden davon, eine Message zu übermitteln. Wie seht ihr das? Geht es um die Message oder mehr um das Entertainment und den Sound?
Lukas: Nun ja. Die Message ist ... Es gibt nur eine Message in der Musik und das ist Liebe. Also für mich. All die Musik, die wir machen, ob es glückliche Liebe ist oder traurige Liebe oder Vernarrtheit oder der Schmerz, den du bei dem Verlust von geliebten Menschen spürst, die Erkenntnis, dass du sie wirklich geliebt hast...
Magnúm: Oder keine Liebe.
Lukas: Genau, oder keine Liebe. (Alle lachen) Hass ist grundsätzlich auch ein Aspekt von Liebe. Ich denke, was wir versuchen zu vermitteln ist, dass wenn du hart genug übst und hart genug arbeitest, dann mag es sein, dass du das bekommst, was du möchtest. Im Grunde ist es einfach wichtig sich gegenseitig zu lieben. Wenn dich jemand nicht liebt, dann solltest du dich vielleicht einfach verpissen. (Alle lachen)

Ich werde mich daran erinnern, definitiv. Die Leute in Dänemark lieben euch bereits und ihr seid schon so etwas wie Stars dort.
Wir sind keine Stars. Wir sind einfach nur normale Typen, die Musik machen. Scheiß auf Stars.

Aber ihr seid schon sehr bekannt dort. Wie empfindet ihr das Publikum hier in Deutschland im Vergleich zu Dänemark?
Ich muss sagen, dass jedes Publikum einzigartig ist. Und jedes Publikum ist besonders, das habe ich auch vorher schon viele Male gesagt. Aber ich denke, es ist wichtig, sich daran zu erinnern. Jedes Publikum ist einzigartig und besonders. Und jedes Publikum verdient 120%. Vielleicht sind wir hier jetzt nur im Mauerpark mit einem echt kleinen System und eine Menge Musik, die wir normalerweise bringen, ist heute nicht hier. Aber das macht nichts. Wir müssen trotzdem was liefern, was wir sonst auch liefern. Und ich denke, der Enthusiasmus der Kinder und der Menge hat gezeigt, dass wir nicht weniger gebracht haben, nur weil wir hier in einer kleineren Umgebung waren, ein freies Amphitheater in einem Park. Vielleicht haben wir sogar ein wenig besser gespielt, weil es so heimisch war. Ich weiß es nicht. Ich denke, ein Publikum ist ein Publikum und du solltest es auch als solches behandeln.

Könnt ihr euch noch an das merkwürdigste Publikum erinnern, dass ihr bisher hattet?
Lukas: Eines der seltsamsten Publikums war in Cottbus. 150 Leute in einem großen Theater, die dort saßen.
Magnúm: Aber sie waren trotzdem toll!
Lukas: Sie waren toll! Aber es war seltsam, weil sie sitzengeblieben sind, sie waren enthusiastisch und haben geklatscht und „Wuhu“, aber sie saßen. Und das haben wir noch nie zuvor erlebt.

Wo geht es nun als nächstes hin?
Wir fliegen morgen Früh für ein Konzert zurück nach Kopenhagen. Dann geht’s am Dienstag wieder zurück nach Berlin. Also haben wir hier ein bisschen Arbeit hier in Berlin und ein bisschen in Hamburg. Dann haben wir unsere bevorstehende Dänemarktour, die Herbsttour. Und danach kommen wir im Oktober wieder zurück nach Deutschland, für eine etwas größere Tour. Wir freuen uns darauf, nur mal angemerkt. Und wir werden im Oktober hier in Deutschland unser Album veröffentlichen. Das wird super.

Aufgeregt?
Ich weiß nicht. Wir sind nicht so aufgeregt. Wir sind echt sanfte Typen ... haha. Es ist so „Hey ihr werdet in Deutschland veröffentlicht“ ... Wir sind nicht so leicht reizbar. Und ich denke, das ist eine gute Sache. Wenn du zu gespannt oder aufgeregt bist, dann kannst du auch enttäuscht werden.

Okay, super. Ich danke euch.
Magnúm: Ach ja, wir haben eine Frage. Wo kann man hier heute Abend gut was trinken gehen? Haha!
Lukas: Führst du uns heute Abend aus?

Wollt ihr, dass ich euch ausführe?
Lukas: Na klar!

Tagged:
Berlin
Music
Noisey
criminal
Noisey Blog
Dänemark
lukas graham live
Kopenhagen
christiania
Drunk in the Morning
Secret Gig
mauerpark
Lukas Graham