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Das Leben ist die Suche

Y’akoto ist immer unterwegs und trotzdem längst angekommen. Denn Home is where your heart ist.
30.10.12

Soul-Seeking. So beschreibt Y’akoto ihre Musik. Die Sängerin aus Hamburg, die häufig mit Amy Winehouse und Nina Simone verglichen wird (wobei hier selbstverständlich nicht die Rede von Amys Vogelnest und ihrer Schnapsnase ist), kann uns so einiges darüber erzählen, was es bedeutet, unterwegs zu sein. Ghana, Togo, Hamburg und Paris sind nur ein paar nennenswerte Zwischenstopps in ihrem Reisepass. Aber irgendwie ist dieser ganze Ankommen-Kram doch auch vollkommen überbewertet. Ein kleines Häuschen oder vielleicht eine nette Eigentumswohnung, et voilà, da haben wir das spießige, kleinbürgerliche Leben. Y’akoto hingegen bevorzugt es, Freunde und Familie auf der ganzen Welt verstreut zu haben und irgendwie überall Zuhause zu sein. Deswegen habe ich sie auch nur übers Telefon erreicht.

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Noisey: Wo steckst du gerade?
Y’akoto: Wir sind gerade in München. Wir machen ein paar Interviews und Promo für mein Konzert am 4.11. hier und überhaupt und so „Hallo es gibt mich“ (Lacht).

Aber deine Base ist in Hamburg?
Genau. Also Hamburg ist sozusagen mein fester Wohnsitz gerade.

Und ich hatte noch Paris in Erinnerung…
Ja, weil das Album eben parallel auch dort veröffentlicht wurde, habe ich den gleichen Amount an Promo und Konzerten natürlich auch da. Von daher teilt sich das immer ein bisschen auf.

Du bist ständig unterwegs. Kommst du irgendwann mal an?
Ach, das finde ich gar nicht so wichtig. Ich finde am wichtigsten ist es, eben da zu sein, wenn man da ist. (Lacht) Ich schere mich wenig ums Ankommen.

Du warst ja als Kind schon viel unterwegs. Ghana und Togo unter anderem.
Genau. Eine ständige Reiserei. (Lacht) Bei mir verschiebt sich dieses Ankommen auf andere Ebenen. Ich kann zum Beispiel gut bei Menschen, die mir wichtig sind, ankommen. Der Begriff von Zuhause, in dem Sinne, dass es ein Haus ist, mit gewohnten Räumlichkeiten oder gewohnten Strukturen, gibt es bei mir nicht so. Bei mir sind es einfach Menschen, Gerüche oder ein bestimmtes Essen. Manchmal kann es auch einfach nur eine Teesorte sein. Verstehst du? Wenn ich das dann trinke oder irgendetwas mache, dann ist das ein Gefühl von Zuhause. Oder Musik auf jeden Fall. Ich bin ein Mensch, der einfach auch Musik benutzt, um eine gewisse Atmosphäre zu schaffen. Auch für mich privat. Und Musik kann man ja heutzutage immer dabei haben. (Lacht)

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Das stimmt. Also hast du überall einen Kreis von Freunden und Familie auf der Welt?
Ja, das kommt halt, wenn man entspannt drauf ist. Man hat Menschen, die einem zur Seite stehen.

Deine Familie war auch schon recht musikbegeistert. Von daher gehe ich davon aus, dass das natürlich Einfluss auf dich hatte. Hattest du denn zunächst was anderes angestrebt? Ich habe etwas von Tanzpädagogik gelesen…
Joa … (Lacht). Also, ich trenne das irgendwie nicht. Ich habe es fertiggemacht, also meine Tanzpädagogikausbildung und habe zum Beispiel bei der Choreographie meiner Videos mitgewirkt. Man macht irgendwie nichts umsonst, wenn man sich entscheidet eine Sache fertig zu machen. Und ich bin ein Mensch, der es einfach liebt Sachen fertig zu machen. Und mir war es ganz wichtig, etwas mit Tanzen zu machen und auch mit Pädagogik, weil ich den Ansatz gut finde, mit Menschen zusammen zu arbeiten. Und so etwas Ähnliches macht man in der Musik ja auch. Und für mich ist das jetzt nicht irgendwas anderes. Oder etwas das ich angestrebt habe, um etwas anderes außer Musik zu machen. Mein ganzes Leben ist darin eingebettet gewesen. Und es war für mich nie eine Frage, das zu trennen—ich mache jetzt nur Musik oder ich mache jetzt nur Tanz. Wir machen ja die Grenzen, wir persönlich, je nach Gefühlszustand. Und eigentlich gibt es keine Grenzen. Wirklich nicht. (Lacht)

Durch deine Wurzeln, sprichst du auch einige Sprachen.
Einige? Eigentlich nur drei.

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Aber schon perfekt und fließend?
Perfekt spreche ich keine Sprache. (Lacht) Aber fließend, ja.

Deine Muttersprache ist Englisch?
Englisch und Deutsch.

OK. Aber du hast dich schon bewusst dafür entschieden, auf Englisch zu schreiben und zu singen.
Weil Englisch die Sprache ist, auf der ich träume und die ich zuerst gelernt habe. Schreiben und lesen. Ich habe Deutsch sehr spät gelernt. Erst mit acht oder neun. Und das hat natürlich auch praktische Gründe. Wenn ein Kind eine Sprache lernt, dann ist dies logischerweise auch seine beste Sprache. Und das ist bei mir der Fall. Ich habe schon immer als kleines Mädchen auf Englisch geschrieben und gelesen.

Und könntest du dir auch mal vorstellen, auf Deutsch zu schreiben und zu singen?
Nö. (Lacht)

Lass uns über dein Album sprechen. „Tamba“ ist der erste Song, den du aus dem Album Babyblues veröffentlicht hast. Und die Produzenten waren zunächst etwas skeptisch dem gegenüber?
Das Label. Die Produzenten fanden es gleich gut. Warner Music war zunächst etwas skeptisch.

Und du hast dich durchgesetzt. Bist du generell ein Dickkopf und lässt dir nicht gerne in Sachen reinreden?
Weißt du was ich glaube? Ich habe viel darüber nachgedacht. Ich glaube, man muss Überzeugung ausstrahlen und wirklich komplett dahinter stehen und das auch verinnerlichen. Das ist ein schwerer Prozess, zu sagen, ich mache jetzt etwas und stehe mit 300 % dahinter, komme, wer wolle und komme, was wolle. Dann ist das ganz weit entfernt von Trotz und Dickköpfigkeit. Das ist meine Meinung, natürlich kann man das auch anders sehen. Ich bin ja auch noch nicht lange dabei, aber das ist es, was ich so gemerkt habe. Musik mache ich schon ziemlich lange, aber music and music business are two different things. Wenn man in seiner Arbeit ruht, oder in dem was man macht, dann braucht man gar nicht kämpfen oder dickköpfig sein. Man nimmt Leute von ganz alleine mit.

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Du bezeichnest deine Musik selbst als Folk und Soul-Seeking. Mir hat ein Künstler mal erzählt, dass er seine Musik nicht in Schubladen stecken lassen möchte und dass es keine wirklichen Musikgenres mehr gibt.
Mit jedem Interview wächst man und lernt man dazu. Und mit jeder Pressinformation und mit jedem Bericht über dich, wirst du schlauer und aufnahmefähiger. Ich habe jetzt ein Jahr lang Promo gemacht. Menschen können es kategorisieren, wie sie lustig sind. Und das ist cool. Sie müssen das machen, meistens für irgendwelche Magazine, Fernsehformate und so weiter, um zu beschreiben. Da will ich mich auch überhaupt nicht wehren. Ich bin jetzt auch nicht böse, wenn jemand sagt, die macht Popmusik, Soulmusik oder Afromusik. Aber ich habe mir für mich einfach einen eigenen Begriff gesucht—Soul-Seeking. Weil für mich ist es einfach so—Folk für die Menschen. Ich will nichts machen, was keiner versteht. Da habe ich kein Bock drauf. In Kleidung stecke ich viel Liebe rein und in meine Haare, die sehen auch immer anders aus. Da habe ich einfach Bock drauf. Ich will klar machen, dass ich genauso, wie alle anderen auch, einfach auf der Suche bin, nach irgendwas. So, wie wir Menschen halt sind. Ich stelle mich da gar nicht hin und sage „Ich hab`s verstanden“. Sondern eben Soul-Seeking. Ich hab's eben nicht verstanden, was die Seele ausmacht und was Glück bedeutet. Und das ist für mich das Leben. Das Leben ist die Suche. Suche wird immer mit Erschöpfung und Rastlosigkeit verbunden, mit etwas negativen. Innehalten ist ja eigentlich auch das Leben. (Lacht)

Wo geht’s als nächstes hin? Ein neues Album geplant?
Jaaaa. Jetzt geht es erst los. Jetzt war die Aufwärmphase (Lacht). Ich habe eben Lust, weiterhin Musik zu machen, die mir gefällt und das wird auch so sein. Ich mache jetzt meine große Tour, meine Abschlusstour sozusagen. Meine Goodbye Babyblues Tour … Also, ich war jetzt schon im Studio. Ich war in L.A. und habe für das neue Album gearbeitet, aber ich glaube, das darfst du nicht schreiben. (Lacht)

Ich verrate nichts. (Lacht)
Aber nächstes Jahr arbeite ich dann konzentriert weiter uns spiele auch noch auf Festivals. Ich bin gekommen, um zu bleiben.

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Y'akoto – Babyblues Tour
31.10.2012 Freiburg - Jazzhaus
02.11.2012 Stuttgart - Zapata
04.11.2012 München - Ampere
05.11.2012 Frankfurt - Zoom
08.11.2012 Berlin - Bi Nuu
09.11.2012 Hamburg - Mojo