FOXYGEN
We are the 21st Century … JagjaguwarEs hat in den letzten Jahrzehnten niemand so dreist, aber auch so präzise die Stimme des jungen Mick Jagger imitiert wie Sam France, der Sänger dieser Band. Es gibt auch kaum jemanden, der sich insgesamt mit so viel Chuzpe durch die Rock’n’Roll, Psychedelic und Folk-Kapitel der Musikgeschichte durchzitiert hat wie Foxygen. Halte mal die Hookline von „On Blue Mountain“, dem dritten Song dieses Albums gegen den „Suspicious Minds“-Chorus – nur die Ohren eines echten Sachverständigen erkennen die feinen Unterschiede. Die traurige Wahrheit ist natürlich: mit perfekten Fälschungen sorgt man vielleicht kurzzeitig für ein paar Schlagzeilen, ein paar Jahre später wird man sich aber nur noch an die Originale erinnern.
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KONRAD KUJAU
DARWIN DEEZSongs For Imaginative People Lucky Number / CooperativeDer Typ, den alle nur kennen als "den mit dem Lockenkopf", hat eine neue Platte gemacht. Man wird sich an sie erinnern als "die zweite Platte von dem mit dem Lockenkopf (von dem uns auch bei der ersten Platte eigentlich schon eine EP gereicht hätte)", und man ahnt, dass der Typ mit dem Lockenkopf vielleicht gern auch mal mehr wegen seiner Musik geschätzt werden würde, aber solang jene so unscheinbar und egal und gniedelig und wannabe-funky bleibt, wird der Typ mit dem Lockenkopf wohl damit leben müssen, dass das jetzt eben die zweite Platte von dem Typen ist, den alle kennen als "den mit dem Lockenkopf". Wenn wenigstens "Radar Detector" nochmal drauf wäre ..BILL COSPLAY
VISHNU
Nightbeat Love Big DipperMusik für männliche Hetero-Mittfünfziger mit ordentlich Brustbehaarung, die von "Freiheit" träumen und damit Klischees aus Filmen meinen, in denen eine Harley Davidson vorkommt. Im Soundtrack solcher Filme läuft meist sogenannter "echter Rock" wie dieser hier, beispielsweise in Szenen mit einer Musicbox in einer Kneipe oder einfach während des Abspanns. Die Frauen solcher Männer tragen Jeanswesten und haben schlechte Haut, aber ein gutes Herz. Und keine Kinder. Niemals Kinder.BIGGUS DIPPUS
MEGACHURCH
Judgement Day Stressed SumoWir Rezensenten fühlen uns ja gerne wie die Verkehrspolizei des Musikgeschäfts. Die meisten Noiserock-Bands spielen dabei die Rolle von etwas benommen aussehenden Autofahrern, die wir mit einer lässigen Handbewegung durchwinken, weil sie einen Amp-Rep-Sticker auf der Karre haben. Man kennt den Sound und ist geneigt, sich seine sadistische Wut für schlimmere Dinge aufzuheben. Megachurch kommen zwar auch aus dieser Ecke, sie erinnern aber eher an einen Mähdrescher, der mit 200 Sachen auf der linken Spur entlang heizt, während einem der Bauer auf dem Fahrersitz mit einer Wodkaflasche zuprostet. Große Sache, wir nehmen die Verfolgung auf. Und falls wir sie jemals einholen sollten, fragen wir, ob sie uns ein Stück mitnehmen können.
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