Ich habe gestern außerhalb Berlins Radio gehört und schon allein das war schrecklich, denn es gibt deutschlandweit nur in Berlin Radiosender, die annähernd zu ertragen sind. Zumindest wenn man Radio über die gute alte Ultrakurzwelle hört.
Trotzdem habe ich Radio gehört, weil ich im Auto saß, keine CD dabei hatte und wissen wollte, ob ich geradewegs in einen Riesenstau hineinfahre. Eines kam also zum anderen. Und so stolperte ich gestern zufällig über die neue Single von No Doubt.
Früher mochte ich No Doubt, so wie jeder in meinem Alter sie mochte. 1995 kam Tragic Kingdom raus, ihr erinnert euch: „Don‘t Speak“, „Just A Girl“—auf dieses Album konnten sich damals alle einigen. Der kleinste gemeinsame Nenner, was Popmusik anging. Wenn in den folgenden Jahren auf den Einladungen zu Geburtstagsfeiern „Bringt CDs und gute Laune mit“ stand, packten wir Jungs immer Tragic Kingdom ein, weil wir damit Take That und Backstreet Boys abwürgen konnten, ohne die Mädchen gegen uns aufzubringen. Und die Mädchen packten Tragic Kingdom ein, weil sie damit Bad Religion abwürgen konnten, ohne die Jungs völlig zum Ausrasten zu bringen.
Egal, gestern hörte ich jedenfalls die neue No-Doubt-Single. Und ich fand sie schrecklich. Richtig fürchterlich. Ich kann noch nicht einmal sagen, was mich an „Settle Down“ so abgestoßen hat—der abgehackte Gesang von Gwen Stefani, die Möchtegern-Reggae-Gitarren oder die nervigen Zwischenrufe „Are you kiddin‘ me!?“… Wahrscheinlich ist es einfach der Fakt, dass sie es besser können.
Gut, man könnte jetzt anmerken, dass meine Erwartungen zu hoch waren, aber ganz im Ernst: Ich hatte keine Erwartungen. Ich habe ja noch nicht mal damit gerechnet, das Ding überhaupt jemals zu hören. Und ja, ich hab irgendwann mal mitgeschnitten, dass No Doubt ein neues Album veröffentlichen wollen. Aber wann, wie und wo? Keine Ahnung, hat mich nicht interessiert. Was ich damit sagen will: Ich habe längst mit No Doubt abgeschlossen.
Ich hätte, wenn ich im Vorhinein länger über No Doubts Reunion nachgedacht hätte, vermutlich einen mittelmäßig langweiligen Song erwartet, der mich nicht weiter interessiert. Aber „Settle Down“ ist nicht mittelmäßig. „Settle Down“ ist schlecht. So schlecht, dass es mich tatsächlich überrascht und ich jetzt doch anfange, über No Doubt nachzudenken.
Muss das sein? Muss eine der bekanntesten und beliebtesten Popbands der Neunziger ihr eigenes Denkmal 2012 zerstören? Mutwillig? Gwen, hättest du nicht einfach noch in paar Popsongs mit Pharell Williams produzieren können und dann in Rente gehen, solange du noch heiß aussiehst? Und all die anderen, hättet ihr nicht einfach in euren südkalifornischen Kellern bleiben können, wo ihr hingehört?
PS: Ich habe in der Zwischenzeit das (äußerst beknackte) Video zu „Settle Down“ gesehen und Gwen hat rein optisch durchaus noch ein paar Jahre bis zu Rente, no offense!
