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Der Knigge für HipHop-Shows

Haltet euch auf HipHop-Shows besser an die Regeln, sonst kann es böse enden.

von Viola Funk
10 Dezember 2014, 10:00am

Es gibt für alles Regeln. Für alles, selbst für Hardcore-Shows, die dir Anarchie vorgaukeln, für Clubnächte, die von der Ekstase leben, und für HipHop-Shows, auf denen es scheint, als wären alle Anwesenden lässig cool. In Wirklichkeit sind sie das aber nur, solange sie sich an das Regelwerk halten. Da diese zwischen ungeschrieben und geschrien variieren, haben wir uns die Mühe gemacht, sie alle in verständliche Worte zu fassen und in einem Knigge zusammenzuschreiben. Schließlich stehen dir HipHop-Fans und Rapkonzerte-Besucher—und ja, wir haben das schon mal erwähnt—am kritischsten gegenüber und sind in etwa so schnell beleidigt wie Morrissey, wenn du in ihrer Welt nicht mitspielst. Willst du also auf eine Rapshow gehen, solltest du dich besser an folgende Regeln halten. Ansonsten Uppercut.


Mach was mit deinen Händen


Foto: Jan Kapitän

HipHop ist das Genre, in dem die Hände das A und O jeder Bewegung sind. Solange du deine Hände unter Kontrolle hast, kann der Rest deines Körpers eigentlich tun, was er will, zum Beispiel unsouverän herumwacklen oder mit jeder Pore den Takt versäumen. Als ob es nicht noch einfacher geht, weisen euch die Rapper auf der Bühne noch mit „Hände in die Luft“- oder „von links nach rechts“-Ansagen darauf hin, was du mit deinen Händen zu tun hast. Wenn du nicht so von der Sorte „HipHop-Arm“ bist und dir dabei vielleicht blöd vorkommst, weil irgendein unlustiger Comedian sich mal über Straßenrap und die Hampelmänner lustig gemacht hat, deren Realität sowieso nur aus „Bitches und Autos“ besteht (Glückwunsch, ihr habt HipHop verstanden), kannst du deinen Arme auch einfach verschränken oder in die Hosentasche stecken, solange du dabei noch lässig mit dem Kopf nickst. Wichtig ist nur: Die Hände müssen in einer bestimmten und selbstbewussten Position sein und nicht nur ängstlich das Bier umklammern.


Raste nur aus, wenn alle ausrasten


Foto: Jan Kapitän

Natürlich fällt es dir schwer, nicht allen mitteilen zu können, dass du ein viel größerer Fan des Rappers bist als alle anderen, ein Fan der ersten Stunde, der die Disko- und Biografie blind herunterbeten kann. Die Sache ist nur, dass diese Tatsache a) keinen interessiert und b) niemanden beeindruckt, weil hier alle ihre Hausaufgaben gemacht haben und wahrscheinlich genauso viel wissen wie du. Du beeindruckst hier niemanden, wenn du die B-Seite des unveröffentlichten Mixtapes kennst, also musst du auch nicht vollkommen rumschreien und ausrasten, wenn der Track endlich läuft. Wir sind hier nicht bei Radiohead. Raste gefälligst aus, wenn alle ausrasten, nämlich bei dem Hit, den alle zur Genüge gepumpt haben und auf den sich alle einigen können. Das macht nebenbei auch zehnmal mehr Spaß.

Komm nicht overdressed


Foto: Grey Hutton

Im Clubs und auf der Indieparty wirst du natürlich mit viel Lippenstift und Aftershave aufkreuzen, um das andere oder wahlweise das gleiche Geschlecht gehörig zu beeindrucken. Auf HipHop-Shows machst du das aber am allerbesten, indem du dich auf die Musik und deine Hände konzentrierst und nicht auf dein Outfit. Beim Großteil des Publikums kommst du sowieso besser an, wenn du das Sweatshirt trägst, das du sonst sonntags zum Abhängen anziehst, als wenn du frisch aus dem Business-Meeting aufkreuzt, zu dem du etwas tragen musstest, das deine Chefs dazu bringt, deine Person und Pitches ernst zu nehmen. Es geht hier um Lässigkeit: Du sollst dich weder unwohl fühlen noch aufgesetzt oder overstyled aussehen. Bevor du dir also zu viele Gedanken um dein Outfit machst, guck lieber nochmal auf deine Hände und kratz dir den Dreck unter den Fingernägeln weg.


Bring einen Joint mit


Foto: Grey Hutton

Auf keiner musikalischen Veranstaltung ist es so angebracht, ein bisschen Weed zu smoken wie auf einer HipHop-Show. Und das sagen wir in der Annahme, dass ihr alle Reggae verabscheut und zu den Menschen des guten Geschmacks zählt. Willst du also die HipHop-Lässigkeit adaptieren und mit anderen offenen, toleranten HipHop-Fans (jedenfalls solange du dich an die Regeln hältst) Freundschaft schließen, bring einfach einen Joint mit und reiche ihn großmütig weiter, sobald der obligatorische Kiffersong anläuft.


Hör auf zu baggern


Foto: Jan Kapitän

Ein soziales Event wie ein Konzert eignet sich halbwegs perfekt, um potentielle Lebensabschnittsgefährten kennenzulernen und natürlich sehen die Mädchen und Jungs an diesem Abend alle besonders gut aus, denn: Menschen, die HipHop hören, sind grundsätzlich schön. Aber da der Frauenanteil zahlenmäßig noch immer weit den Testosteron-gesteuerten Teil unterschreitet, herrscht ein solches geschlechtliches Ungleichgewicht, dass es einfach nur unfair und nervig ist, wenn du dir einbildest, besonders proaktiv baggern zu müssen. Du bist (wenn du ein Kerl bist) wahrscheinlich nicht der einzige, der das arme Mädchen nervt. Abgesehen davon bist du mit deinen Freunden da, bist bekifft, konzentrierst dich gerade auf den (bald legendären) Freestyle auf der Bühne und—ach ja—deine Hände sind sowieso beschäftigt. Geh zum Speeddating, wenn du jemanden kennenlernen willst.

Rap nicht lauter mit als der Künstler


Foto: Grey Hutton

Tendenziell gilt mitrappen als um einiges riskanter als mitsingen. Also halte dich besser bis zur Hook zurück, damit du dich nicht mit Textlücken, zu langsamen Lippen oder unbeholfenen Handbewegungen blamierst. Falls du aber doch das Cypher-Feeling bekommst und unbedingt mitrappen musst, achte darauf, dass du nicht den eigentlichen Rapper übertönst. Du weißt schon, der Typ, der auf der Bühne steht, wegen dem die Leute Geld bezahlt haben und sich extra nicht in ihr schönstes Outfit geworfen haben, der auch die Lines, die du so cool mitsprechen kannst, selbst geschrieben hat. Wenn du dich selbst rappen hören willst, dann mach das besser zuhause oder geh zu Rap am Mittwoch. Genau, das ist mittwochs und nicht heute.

Nimm den anderen ihre Caps nicht weg


Foto: Aljoscha Redenius

Die wichtigste Regel: Du musst nicht mit Cap kommen, du kannst auch mit schnöseliger Beanie oder gar ohne Kopfbedeckung kommen. Aber wenn du schon ohne Cap kommst, solltest du auch ohne Cap wieder gehen. Nimm den anderen nicht ihre Caps weg, selbst wenn du ein besonders witziger Typ bist oder dir eine beim Rumhüpfen vor die Füße fällt. Gib sie wieder zurück. Diese Caps sind die Heiligtümer der hüpfenden, leise mitrappenden Menschen. Siehst du nicht die „Original“-Sticker auf dem Schirm? Im schlimmsten Fall erwischst du noch die verlorengegangene Cap des Ami-Rappers, die sich beim Stagediven unter die Masse mischen konnte. Und wenn du sie dann nicht rausrückst, riskierst du sogar einen Konzertabbruch und versaust wirklich allen den Abend. Und dann garantiert Uppercut.

Viola benimmt sich auf HipHop-Shows meistens okay. Folgt ihr auf Twitter—@villevallo

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