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You Need to Hear This

Wir haben mit dem Regisseur vom neuen The-xx-Video „Fiction“ gesprochen

Der Regisseur Young Replicant spricht mit uns über seine Zusammenarbeit mit The xx.
12.6.13

Letzte Woche haben wir euch hier bei You Need To Hear This das umwerfende Video zu „Fiction“ von The xx vorgestellt. Die Regie führte Young Replicant aus Los Angeles, der bereits mit Künstlern wie Bonobo, Purity Ring und M83 zusammenarbeitete. Wir sprachen mit ihm über die Gedanken, die hinter dem Video standen und was er aus der minimalistischen Ästhetik der Band herausholte.

YNTHT: Hi! Das Video zu „Fiction“ nutzt ein paar klassische Techniken des Film noir. Rührt das daher, dass du aus Los Angeles stammst?
Young Replicant: Ich denke, dass L.A. auf jeden Fall sein Teil dazu beigetragen hat—besonders, wenn man bedenkt, dass die Film noir-Elemente nicht wirklich intendiert waren. Als ich aufwuchs, habe ich ein Haufen Neo-noir-Filme gesehen, die eindeutig vom diesem Genre inspiriert waren. Das war lange bevor ich überhaupt das Ausgangsmaterial kennenlernte. Ich denke, dass das noir aus einer kulturellen Zweite-Hand-Osmose stammt. Los Angeles hat ein Haufen Mehrdeutigkeiten, Langeweile, und diese bestimmte Art von geografischer Isolierung, weshalb es auch so gut geeignet für Film noir ist. Als ich das erste Mal The xx hörte, hätte ich schwören können, dass sie aus L. A. stammen.

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Bist du einem bestimmten Narrativ im Video gefolgt?
Ich möchte das nicht vollständig durchdeklinieren, aber es gibt da schon einen leichten, narrativen Zusammenhang. Die Band wollte etwas Einfaches haben, das auf einer Performance basiert, aber trotzdem ein wenig surreal ist. Ich bin besessen von dem Palm Springs um die Jahrhundertmitte: feuchtfröhlicher, luxuriöser Modernismus, gepaart mit Südwest-Americana. Ich habe die Elemente mit Abbildungen des Dschungels, der Wüste und des Monds kombiniert. Es ist wie eine Art borgesischer Schlafwandel gedacht—eine Weichzeichnung des Realen und der Imagination.

Das Video beginnt mit Szenen nach einer Party. Warst du häufiger der Typ, der noch wach war, während die anderen sich bereits alle schlafen gelegt haben?
Wenn eine Party vorbei ist, versuche ich mich eigentlich immer elegant zu verabschieden und ergebe mich meinem Bedürfnis nach Schlaf. Ich bin aber auf jeden Fall ein Nachtmensch. Ich glaube, dass man mich am besten im Schutz der Dunkelheit erkennt. Auf dem The-xx-Album gibt es ein paar Momente, die mich an diesen Zeitpunkt erinnern, wenn die Musik ausgeht, deine Freunde das Haus verlassen haben und man allein zurückbleibt, um über die Enttäuschungen und offenen Fragen der Nacht nachzudenken. Nachdem ich meine Idee der Band vorgestellt habe, hat mir Romy erzählt, dass Oliver den Song „Fiction“ eines Nachts nach einer Party geschrieben hat, was meine Idee also irgendwie bestätigt hat.

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Du hast ja schon ein paar Mal mit der Band zusammengearbeitet. Wie waren sie dieses Mal, als du sie gefilmt hast?
Es macht sehr viel Spaß mit ihnen zusammenzuarbeiten. Ich denke wir waren alle ein wenig entspannter, weil wir schon einmal durch das Trauma, zusammen ein Video zu machen, gegangen sind. Auf der Couch schlafen war keine große Herausforderung, im Gegensatz zu den Sachen, durch die Romy und Jamie im „Chained“-Video durch mussten. Oliver hatte trotzdem eine schwierige Aufgabe.

Ja, genau. Wie zur Hölle hast du ihn zum Tanzen animiert?
Das war seine Idee!

War das choreografiert?
Er arbeitete mit dem Choreografen Allen Walis zusammen, um ein paar interessante Moves zu entwickeln, die sich aber trotzdem natürlich für ihn anfühlten. Danach hat er aber improvisiert. Wir ließen die Kamera am Laufen und er machte einfach sein Ding.

The xx haben seit Tag eins eine sehr minimalistische Ästhetik verfolgt. Denkst du, dass das andere Künstler mittlerweile beeinflusst hat?
Definitiv. Ich denke, dass ein Teil, der sie so ikonisch macht, die perfekte Synchronisierung von Bild und Ton ist. Mir fällt es manchmal schwer, einen Musiker, nachdem ich ihn live oder in einem Interview erlebt hab , mit seiner Musik in Beziehung zu setzen. Es gibt da eine ästhetische Trennung und das Mysterium, das mich zuvor inspiriert hat, als ich zum ersten Mal deren Musik gehört oder das Albumcover gesehen habe, verpufft sofort. Mit The xx ging es mir total anders. Ich denke, dass sie die Musik und die Visuals, die sie präsentieren auch innerlich verkörpern—da geht es nicht nur um Marketing. Deshalb findet ihr Material auch bei so vielen Leuten Anklang. Das ist nicht nur wiedergekäute Planung auf dem Reisfeld für die Promotion eines Künstlers.

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Viele Künstler, mit denen du zusammenarbeitest, haben eine ähnliche Herangehensweise an ihre musikalische Ästhetik. Suchst du immer nach etwas ganz Besonderem, wenn du dir aussuchst, mit wem du zusammenarbeitest?
Ich stehe auf dunklere, elektronische Sounds, aber mein hauptsächliches Kriterium ist, dass die Musik Bilder und Bewegung in mir auslösen muss. Manchmal liebe ich Tracks als Musikstücke, könnte aber niemals ein kinematisches Äquivalent dazu in mir stimulieren. Manchmal sind es aber auch Stücke, die ich sonst so nicht hören würde, die etwas in mir aufwühlen. Ich versuche aufgeschlossen zu sein und wähle Songs aus, die mir erlauben immer eine andere Story zu erzählen.

Was ist dein Lieblings-Musikvideo?
Da gibt es einige, aber hauptsächlich die von Martin de Thurah. „Rabbit In Your Headlights“ von UNKLE—das wurde von Jonathan Glazer gemacht, und sticht für mich auch als ein perfektes Video heraus.

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