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Gegen die neue Generation an Beat-Prodzenten sieht Timbaland verdammt alt aus

Noch nicht mal 20, aber schon den Fuß in der Tür und den Laptop in der Hand, um im Produzenten-Game ordentlich mitzumischen.
14.12.15

Vor kurzem hat Timbaland in einem Interview mit Vulture ein neues Free-Mixtape angekündigt, verbunden mit der Ansage, dass er damit Trap kontrollieren will. Ich bin wirklich einer der größten Timbo-Fans, die es gibt—seit Missy oder auch Welcome To Our World und nicht erst seit der Justin Timberlake/Nelly Furtado-Ära. Trotzdem dachte ich beim Lesen dieses Interviews: wen juckt's?! Klar, man sollte das Mixtape erstmal hören, bevor man vorzeitig abwinkt. Trotzdem sind die Zeiten schon lange vorbei, in denen ich bei Songs von Timbaland einen Spontanständer bekommen habe. Spätestens nach den Songs mit OneRepublic. Da gibt es aktuell wirklich bessere Adressen für neue Beats. Typen, die fast sein Enkel sein könnten.

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Hier sind drei Produzenten, die in Amerika noch keinen Alkohol kriegen würden, aber dafür Beats bauen, die Timbaland im wahrsten Sinne alt aussehen lassen.

Mura Masa

Alter: 19

Style: filigraner, organischer Trap & Future Funk mit Japan-Fetisch

Land: England

Soundcloud Follower: 141k

Ich könnte jetzt die ganze Wiki runterbeten: richtiger Name Alex Crossan, Inselkind von Guernsey (irgendwo im Meer zwischen Frankreich und England), Literaturstudent, musikalisches Multitalent, mit 17 Lenzen und nur zwei Jahren Ableton-Live-Erfahrung Soundrack To A Death produziert, Soundcloud-Hype und BBC Radio 1. Ich könnte aber auch einfach jeden guten DJ im HipHop/Bass-Bereich nach dem dopesten Beat fragen, den er/sie 2015 so gespielt hat. Die Antwort wäre wahrscheinlich zu 95% Mura Masa und „Lotus Eater“.

Der Titel „Lotus Eater“ deutet es schon an, der Typ hat einen ausgewachsenen Japan-Fetisch. Sein Künstlername ist angelehnt an einen legendären japanischen Schwertschmied namens Muramasa und auch die Vocal-Samples in seinen Songs waren anfangs größtenteils in japanischer Sprache. Mittlerweile macht Mura Masa immer mehr Songs mit frischen Vokalisten und hat sein eigenes Label Anchor Point Records am Laufen. Und die großen Brudis von Universal (Polydor/Interscope) helfen fleißig beim Verticken. Ein weiteres Indiz für die große Zukunft des schmalen Engländers: Er ist einer der 15 Musiker auf der „BBC Sound of 2016“-Liste!

Sam Gellaitry

Alter: 18

Style: entspannter Downbeat-Trap & Futuresoul Beats

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Land: Schottland

Soundcloud-Follower: 107k

Wenn man über junge Producer-Talente spricht, dann muss man über Sam Gellaitry sprechen. Die visionären No-Genre Freunde von Soulection haben es gleich kapiert und Sam von Soundcloud weggesignt. Ähnlich wie Mura Masa hat Gellaitry unglaubliche Melodien im Kopf, sorgt aber gleichzeitig dafür, dass die Trap-Arme was zu tun haben. Sein Bounce ist unfassabr gut, bestens hörbar auf seiner Escapism EP, die erst Ende November rauskam—inklusive der Hymne „Long Distance“, bei der Shabba Ranks über einem konfusen Brass-Set zerfleddert wird.

Ich hatte das große Vergnügen, den Schotten live im Gretchen in Berlin zu sehen, und zwar vor Ganz, dem eigentlichen Headliner des Abends. Es hätte andersherum sein müssen, jedenfalls wenn man die Reaktionen des Publikums gesehen hat. Beim Konzert ist mir übrigens ein Herr Ende 40 aufgefallen, der während Sams Set gespannt in Richtung Bühne geschaut hat. Es stellte sich heraus, dass es Sam Gellaitrys Tourbegleiter war—sein Vater.

PLS&TY („Please & Thank You“)

Alter: 19

Style: Future Bass & Chill Trap

Land: USA

Soundcloud-Follower: 37.2k

Was soll man über einen Typen sagen, der mit 19 Jahren schon erfolgreich als Fotograf und Kameramann gearbeitet hat und es dann auch noch schafft, mit seinen allerersten Produktionen einen kleinen Hype zu kreieren. Liegt bestimmt an der Sonne in Palm Beach… Jetzt mal im Ernst: Wenn man bedenkt, dass PLS&TY im Jahr 2014 das erste Mal in seinem Leben eine Produktions-Software geöffnet hat, dann sind rund 37.000 Soundcloud-Follower bestimmt nicht wenig. Auch dieser Remix hier ist erst eine Woche alt und hat fast 63000 plays!

Vergleiche mit ODESZA oder Waveracer sind keinesfalls abwegig und abgesehen davon, dass der gute PLS&TY a.k.a. Tommy Leas sein Gesicht nicht so gerne in eine Kamera hält, muss er sich produktionstechnisch auf keinen Fall vor den großen Jungs verstecken. 2015 war sein Bunkerjahr, in dem er seinen Sound verfeinert hat, und wenn er mit dieser Geschwindigkeit weiterarbeitet wird 2016 das „fickt-euch-ihr-alten-Säcke-Jahr“.

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