Die Hardcore-Band Deez Nuts hat einen neuen Fan—einen IS-Kämpfer

In Syrien wurde ein IS-Kämpfer mit einem Deez-Nuts-Pullover verhaftet. Und tatsächlich sind die Texte der Band erstaunlich IS-tauglich.

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18 Mai 2016, 10:32am


Gestern ging ein Foto zweier von der Freien Syrischen Armee verhafteten IS-Kämpfer auf Twitter rum. Grund dafür war nicht ihre struppige Metalmähne, sondern das Oberteil des einen Gefangenen: Er trug einen grauen Pullover, auf dem stolz der Name Deez Nuts prangte.

Noch weiß niemand, wie der Kämpfer an den Pullover gekommen ist. Vielleicht hat er sich an einer Kleiderspende der Hardcore Help Foundation bedient, die Second-Hand-Bandmerch an Entwicklungsländer sendet. Oder er ist vielleicht sogar tatsächlich ein Fan der Band—was aber doch äußerst verwunderlich wäre. Mal abgesehen davon, dass Hardcore schon von Natur aus nicht gerade mit den Prinzipien des IS kompatibel ist, ist es schon ein witziger Zufall, dass er sich ausgerechnet die Rap-Hardcorer aus Melbourne ausgesucht hat.

Deren Texte drehen sich schließlich weniger um das Kritisieren der westlichen Gesellschaften, sondern vielmehr um puren Hedonismus. Dieser lässt sich grob in die vier geheimnisvoll schillernden Facetten Ficken, Saufen, Drogen und Bro-Liebe unterteilen und wird in dem Song „Tonight We’re Gonna Party“ treffend zusammengefasst: „Tonight we're gonna party like there's no tomorrow / Forget about our whoas and drown our sorrows / Don’t forget about your boys when your tipping that bottle / Drunk till fuckin death yeah thats our motto“.

So gesehen eine ungewöhnliche Wahl für jemanden, der für ein System kämpft, das Alkohol, Zigaretten und andere Drogen strengstens untersagt. Nur die Bro-Liebe, die ist in Form militärischer Kameradschaft tagtäglich real. Da passt ein Song wie „Band Of Brothers“ natürlich, auch wenn man dafür als IS-Getreuer großzügig „Grab your weed, smoke til your eyes bleed / Pop anything you got, drink everything in sight“ überhört. Dafür passt dann wenig später „Yeah we all want / Taking this city by storm“ wieder umso besser—wenn man denn will.

Und auch die Songs „I Hustle Everyday“ und das fast schon parodistisch betont sexistische „Sex Sells“ können bei wohlwollender Interpretation genau den Geschmack eines jungen IS-Kämpfers treffen. Aus Ersterem könnte man eine flache Kapitalismuskritik rauslesen. Zudem hält sich der IS Sex-Sklavinnen, verhindert bei ihnen durch Verhütung Schwangerschaften und steinigt Homosexuelle, was im Grunde eine verdammt düstere Spiegelung von Textzeilen wie „Dudes love pussy, bitches love dick / If your fucking with them sluts / start fucking with them rubbers before your ass gets sick“ wirkt.

Man kann sich die Texte von Deez Nuts so zurechtbiegen, bis es auch in die menschenverachtende Ideologie des IS passt. Dann gibt es aber noch dutzende andere Songs, in denen die Jungs um Sänger JJ Peters sich einfach nur ihres Lebens, ihrer Crew, der Familie, der globalen Hardcore-Szene und vor allem ihrer Freiheit erfreuen. Und jedem, der ihnen das nehmen will, wird ein saftiges „Your Mother Should Have Swallowed You“ entgegenschleudern.