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Noisey Blog

Daisy Berkowitz: Portrait eines Ex-Marilyn Manson-Mitglieds

Der ehemalige Marilyn Manson Gitarrist bekämpft gerade seinen Darmkrebs und hat einen Haufen Geschichten zu erzählen.
17 April 2014, 1:30pm

Scott Putesky war Mitbegründer von Marilyn Manson und spielte dort bis 1996 Gitarre. Damals war er unter seinem Bühnennamen Daisy Berkowitz bekannt: einer Kombination aus Daisy von Ein Duke kommt selten allein (The Dukes of Hazzard) und David Berkowitz, der in den 70ern als Serienmörder Son of Sam sein Unwesen trieb. Während der Aufnahmen zu Antichrist Superstar verließ er die Band dann wegen persönlicher Differenzen mit Brian Warner (aka Marilyn Manson höchstpersönlich) und Trent Reznor, der das Album produzierte.

Ich traf Scott zum ersten Mal im Dezember letzten Jahres durch einen gemeinsamen Freund. Mit dem Rocker, der noch auf Postern mein Teenagerzimmer schmückte, hatte er äußerlich allerdings nichts mehr gemein: Er hatte weder diese Frisur mit den langen grünen Haaren und der rasierten Schädeldecke, noch seine aufgemalten Augenbrauen. Nein, Scott sah mehr aus, wie ein bodenständiger Erwachsener als wie ein Rockstar. Im Kopf schien er allerdings der Gleiche geblieben zu sein. Wir verstanden uns sofort großartig, was ich zum Teil auch der Tatsache zuschrieb, dass ich mit seiner Musik und seinen Ideen aufgewachsen war. Wir gingen einige Male mit gemeinsamen Freunden aus, hatten den ein oder anderen Drink und machten viel Unfug. Er sang sogar mal in einer Karaokebar mit einem meiner Freunde „Lunchbox".

Seit September 2013 kämpft Scott mit einem fortgeschrittenen Darmkrebs im vierten Stadium. Wenn er die Energie aufbringen kann, fertigt er Collagen an und sammelt alte TV-, Film-, Horror- und Sci-Fi-Devotionalien. Viele davon verschenkt er an seine Freunde. Mein 14-jähriges Ich bekam einen kleinen Herzinfarkt, als er mir eine alte Wonder Woman-Figur zuschickte. Vor Kurzem haben wir dann etwas am Telefon gequatscht, um über die Gründung von Marilyn Manson, seinen Kampf gegen den Krebs und tote Kühe zu reden.

Noisey: Wie war es für dich, von New Jersey nach Florida zu ziehen?
Scott Putesky: Es war furchtbar. Mir ging es dort eigentlich wunderbar und in meinen jungen Jahren hatte ich geplant, nach der Schule nach New York zu ziehen und dort als Schauspieler oder Musiker zu arbeiten. Das war das, was ich eigentlich machen wollte. Es ist schon hart, 13 zu werden, und es ist noch härter, von deinen ganzen Freunden und der dir vertrauten Umwelt getrennt zu werden. Florida ist einfach ein ganz anderer Ort. Wir zogen in diese Stadt mit dem Namen Coral Springs, welche erst Mitte der 70er Jahre von GE (General Electric) gegründet worden war. Ich weiß auch nicht, warum, aber ich habe immer noch Angst davor, dorthin zu gehen. Damals kannte ich in dem Ort niemanden. Und es war nicht einfach nur eine ziemlich neue Stadt, dazu kam noch, dass die Gegend in der wir wohnten, noch nicht ganz fertiggestellt worden war. Der Ausblick aus meinem Schlafzimmerfenster bestand aus einer menschenleeren Landschaft aus Sand, Staub und Sträuchern. Ich fing an, mit diesen Modellraketen zu spielen, weil es dort einfach so viel Platz gab.

Wie hast du dich in der Junior High und Highschool gekleidet?
Ich habe jetzt nicht gerade das getragen, was ich als Cool bezeichnen würde. Ich habe aber versucht, dem so nahe zu kommen, wie es mir die Einkaufstouren mit meiner Mutter erlaubten. Als ich anfing, selber Auto zu fahren, entdeckte ich ein paar Secondhand Läden und fügte meinem Kleiderschrank einige New Wave- und Punk-Klamotten hinzu. Bis zu meinem vorletzten Highschool-Jahr war ich aber ein ziemlicher Außenseiter. Ich hatte ein paar coole Freunde, über die ich viel tolle Musik kennenlernte und die auch in Bands spielten. Zwischendurch machte ich auch Musik mit ihnen. Von der Mittelstufe, bis zu den ersten Jahren an der Highschool war ich allerdings ziemlich einsam. Was mich dort auch fertig gemacht hat, war die hohe Luftfeuchtigkeit. Es ist schon schlimm genug, wenn du dich sozial und emotional unwohl fühlst, aber wenn du dann noch vor die Tür gehst, es ist März, 30 Grad heiß und die Luftfeuchtigkeit beträgt 70 Prozent, trägt das nicht unbedingt zu deiner Stimmung bei.

Auf welche Art von Musik haben dich deine Freunde gebracht?
Psychedelic Furs, Joy Division und viele andere Sachen, aber auch Bands wie Police, U2, Mötley Crüe, Black Sabbath und so weiter. Ich hatte viele unterschiedliche Freunde mit unterschiedlichem Musikgeschmack. Am meisten begeisterte ich mich für die ganzen britischen Bands, Punk und die New Wave Sachen.

Wann fingst du an, in Bands zu spielen?
Mit 15 fing ich an, Gitarre zu spielen. Mit 16 spielte ich dann zusammen mit meinen Freunden.

Wann wurde Marilyn Manson and The Spooky Kids gegründet?
Ich habe Brian Warner [aka Marilyn Manson] im Dezember 1989 in diesem Club kennengelernt, in dem wir damals abhingen. Der Laden hieß Reunion Room. Er war bis dahin noch nie in einer Band gewesen und ich dachte, es wäre interessant, mit jemandem zusammenzuarbeiten, der zwar noch keine musikalische Erfahrung hatte, aber gut schreiben konnte. Er hatte wirklich coole Ideen. Ich schrieb die Musik und kümmerte mich um die Aufnahmen und er machte den Gesang und schrieb die Texte.

Du hattest mir erzählt, dass du ungefähr zur gleichen Zeit, in der du Brian kennenlerntest, verhaftet worden warst. Was hatte es noch mal damit auf sich?
An dem Tag, bevor er mich zum ersten Mal anrief, war ich nach Miami Beach gefahren und auf dem Rückweg wurde ich in einen Autounfall verwickelt. Der Polizist, der zur Unfallstelle kam, dachte, ich wäre betrunken gewesen und ließ mich vor Ort diesen Alkoholtest durchführen—auf einer Linie Laufen, das Alphabet Rückwärts aufzählen und so weiter—und da ich durch den Unfall total durcheinander war, fiel ich durch. Daraufhin ließ er mich in das Messgerät pusten. Damals im Jahr 1989 lief das alles noch ganz anders ab. Der Atmungstest fiel dann mit .08 aus und er lies mich noch einen machen. Der zweite ergab dann einen noch kleineren Wert. Ich musste den ganzen nächsten Tag, bekleidet mit einem schwarzen Rollkragenpulli und einer Hose mit Fischgrätenmuster, im Gefängnis verbringen. Ich war also nicht zu Hause, um den Anruf entgegen zu nehmen, und als ich dann ein paar Tage endlich Brian am Telefon hatte, sagte er zu mir: „Ja, ich hab dich schon mal angerufen und fragte deine Mutter, ob du da wärst und sie sagte nur, Nein, Scott sitzt im Gefängnis." Also hatte ich sofort mehr Streetcredibility als er. Zwei Wochen später bekam ich dann einen Brief von der Staatsanwaltschaft, dass das Verfahren auf Grund von Mangel an Beweisen eingestellt worden war.

Habt ihr beide gemeinsam die Namen für Marilyn Manson and The Spooky Kids (dem ursprünglichen Bandnamen) ausgesucht? (Die Künstlernamen der einzelnen Bandmitglieder waren immer Kombinationen aus den Namen von schönen Frauen und denen von Serienkillern)
Im Januar 1990 erzählte mir Brian von dieser Idee, die er für eine Bühnenfigur hatte, Marilyn Manson. Aber er hatte da jetzt auch kein tieferliegendes Konzept dahinter, außer es als Namen für ihn als Rocksänger zu verwenden. Ich dachte, dass es doch super wäre, wenn sich alle anderen Bandmitglieder ähnliche Namen ausdenken würden und ich fand es witzig, den Namen Berkowitz zu verwenden und an Stelle von David einfach Daisy. Die anderen Bandmitglieder taten es uns dann gleich.

Scott 1991

Ist die Band dann schnell bekannt geworden?
Wesentlich schneller, als ich jemals gedacht hätte. Als wir die Band starteten, machten wir das nur aus Spaß. Ich hatte niemals wirklich geplant, damit irgendetwas zu erreichen, wenn du so willst: also weder kommerziell oder finanziell. Wir hatten aber ein Bandkonzept ausgearbeitet und fingen schon an, Werbung zu machen, bevor wir überhaupt aufgetreten waren. Für unsere erste Show hatten wir schon drei Monate im Voraus Promotion gemacht. Das Konzert war jetzt nicht wirklich großartig, aber immerhin hatten wir für großes Aufsehen gesorgt. Viele Menschen kannten unseren Namen und waren von unseren Flyern angewidert. Wir hatten für unseren ersten Auftritt also eine wirklich ansehnliche Menge an Zuschauern, die nur aus Neugier dort aufgetaucht waren. Als die Shows dann immer größer wurden, war ich wirklich überrascht. Ich hätte niemals gedacht, dass das überhaupt irgendjemandem groß gefallen würde, aber wir hatten wohl eine Lücke gefüllt. Wir machten etwas, was andere Bands nicht machten.

Was war das für eine Art von Lücke?
Wir boten eine Show! Unser Bühnenkonzept war abgefahren, interessant, lustig, verwirrend und abstoßend zugleich; und wir bedienten einfach andere Themen als alle anderen Bands. Wir klangen auch komplett anders. Damals war so ein folkiger Sound richtig angesagt und die meisten Bands spielten eine Punk-Funk-Mischung mit ausgedünntem Basssound, was wir wirklich grauenvoll fanden. Wir versuchten, möglichst das Gegenteil dazu zu kreieren. Mir hat das auch viel Spaß gemacht, weil ich die Musik nicht schrieb, damit sie möglichst vielen Leuten gefällt, sondern einfach für mich selber. Ich hatte beim Komponieren schon eine Art Popformat im Hinterkopf, das aber anders, repetitiv und eingängig zugleich war—aber eben nicht konventionell. Wir machten das eigentlich nur für uns selber. Ich hätte auch niemals gedacht, dass das so viele Menschen ansprechen würde, aber anscheinend tat es das. Wir als Band hatten Spaß und die Leute im Publikum auch. Ein Jahr später füllten wir schon größere Clubs.

Das Album Portrait of an American Family beinhaltete viele Anspielungen auf die Scheinheiligkeit der Medien in den vereinigten Staaten. Hast du das Thema zusammen mit Brian ausgewählt?
Ja, das war eine der Sachen, die ich wirklich an seinen Texten mochte. Als wir anfingen, ging das Ganze noch mehr ins Psychedelische. Es war einfach abgefahrener und unheimlicher Kram. Es ging damals eher darum, eine ausgefallene Atmosphäre zu erzeugen, als Sozialkritik zu üben. Mit der Zeit interessierten wir uns aber immer mehr für Gesellschaft und Politik. Nimm zum Beispiel unserem Song „Get Your Gunn" (in dem Song geht es um den Mord an dem Abtreibungsdoktor David Gunn durch einen christlichen Fundamentalisten). Das war definitiv nichts, was wir noch an den Anfangstagen im Sinn hatten.

Erzähl mir eine abgefahrene Tourstory.
Einmal blieb unser Bus in der Mitte vom Nirgendwo liegen—in der Nähe eines Ortes mit dem Namen Two Guns in Arizona. Unser Fahrer stieg also aus und lief zu der Tankstelle, die wir in der Ferne sehen konnten. Man konnte nicht wirklich sagen, wie weit sie tatsächlich entfernt war—vielleicht ein paar Kilometer. Wir hatten schon ewig auf ihn gewartet, hingen im Bus ab und hatten wirklich gar nichts zu tun. Also stiegen wir aus und ich lief diesen Hügel runter. Unten angekommen, fand ich den Kadaver einer Kuh, dem der Kopf und die Hufe fehlten.

Oh Gott, wie ist das denn passiert?
Ich habe keine Ahnung und ich will es auch gar nicht wissen. Ich schau mir also dieses Ding an und plötzlich höre ich ein Keyboard. Unser damaliger Drummer, Ginger Fish, war den Hügel mit meinem alten Casio Keyboard runtergekommen und spielte „Summer Wind" von Frank Sinatra. Ich dachte nur noch, bin ich gerade High? Wie auch immer, der Bus wurde repariert und wir fuhren weiter. Ich dachte mir nur, dass ich das niemals vergessen werde. Es war auch einfach super lustig. Ich glaube, das war auch der Zeitpunkt, an dem wir begannen, unsere Augenbrauen abzurasieren. Ich erinnere mich noch daran, dass wir im Südwesten waren, als wir damit anfingen, und Ginger war gerade neu in der Band. Er war auch der erste, der es machte. Ich war dann der nächste und dachte mir nur ‚Oh, so schnell geht das also.'

Ist euer Kleidungsstil von irgendjemandem beeinflusst worden?
Nicht so wirklich, es war einfach nur eine Ansammlung von Rock and Roll Craziness. Meine Frisur, die später mein Markenzeichen werden solle, hatte ich mir bei dieser Band aus den 60ern mit dem Namen The Monks abgeguckt. Das waren ursprünglich vier Typen aus der Armee; schon eine richtige Rockband, aber sie waren alle zusammen in der Armee gewesen. Genau wie richtige Mönche trugen sie alle eine Tonsur. An ihren Texten hast du gemerkt, dass die Typen wirklich schlau und witzig waren. Meine Haare waren schon grün und ich rasierte mir sie einfach auf der Schädeldecke ab.

Habt ihr auf euren Touren viel Gegenwind aus Orten bekommen, denen die Band nicht gefiel oder das, wofür sie stand?
Ja schon, allerdings nicht so viel, an das ich mich jetzt aus den frühen Tagen erinnern könnte. Es gab schon ein paar Protestler. Zu Beginn war das aber vor allem auf unsere Heimatstadt begrenzt und war nicht wirklich religiös motiviert. 1994 standen uns dann aber tatsächlich einige religiöse Gruppen gegenüber. In dem gleichen Jahr sollten wir als Vorgruppe von Nine Inch Nails in Utah spielen, aber die Inhaber der Venue, einem Stadion, verboten uns, aufzutreten. Wir fanden das irgendwie putzig, weil Nine Inch Nails anscheinend für sie klar gingen, aber Marilyn Manson eben nicht. Sie hatten eindeutig ihre Hausaufgaben nicht gemacht.

Warum ist Marilyn Manson etwas so oft passiert? Glaubst du, es lag mehr am Image als an den eigentlichen Texten?
Ja klar! Es waren einfach nur Reaktionen auf unser Image und auf Gerüchte, die über uns im Umlauf waren. Es funktioniert in etwa so: Es passiert etwas leicht Komisches oder Ungewöhnliches und irgendwelche besorgten Eltern bekommen das mit und erzählen ihrem Nachbarn davon, der ein konservativer Christ ist, und plötzlich kommt es zu diesem riesigen Aufstand und die Eltern verbieten ihren Kindern, weiter Marilyn Manson zu hören. Und genau das bringt dann die Kinder dazu, erst recht Marilyn Manson zu hören.

Im Endeffekt haben euch diese Leute also einen großen Gefallen getan?
Absolut. Ich bin rückblickend etwas verwundert, das wir nicht den ersten Schritt gemacht haben und diesen Elterngruppen und christlichen Vereinigungen vorab erzählt haben, dass wir uns auf dem Weg in ihren Ort befinden; natürlich unter einem falschen Namen. Dann hätten die einen riesigen Aufstand veranstaltet und damit ungewollt viel Werbung für uns gemacht. Die Nachrichtensender wären zu jedem Spielort gefahren.

Gibt es irgendwelche abgefahrenen Groupiegeschichten?
Gerade fällt mir nur eine ein. Als ich mal einen Laden verlies, um zum Tourbus zu gehen, versuchte mich ein Mädchen mit Handschellen an sich zu ketten. Unser Manager, Frankie, schaffte es gerade noch, das mit einem fast schon Kung-Fu-gleichen Move zu unterbinden und der Handschellenbügel kratzte meinen Handrücken auf. Ich habe immer noch eine Narbe davon. Sie ist aber sehr klein.

Warum bist du mitten in den Aufnahmen zu Antichrist Superstar bei Marilyn Manson ausgestiegen?
Ich stieg aus, weil ich einfach nicht den Respekt, die Wertschätzung und Arbeit bekam, die ich verdient hatte. In dem Jahr, bevor wir mit den Aufnahmen begannen, hatte ich viele Demos aufgenommen. Als wir dann ins Studio gingen, hatte ich zehn oder zwölf davon, die ich Brian zum Anhören gab, um zu sehen, ob wir daraus etwas machen können. Ich weiß nicht, ob er sich überhaupt irgendetwas angehört hatte, aber er wollte mit keinem meiner Vorschläge arbeiten. Wir hatten auch eine Reihe unveröffentlichter Songs, die für Antichrist in Frage kamen, aber entweder wollte Brian sie nicht spielen oder Trent wollte sie nicht aufnehmen. Ich wurde also immer mehr aus dem Schaffensprozess ausgegrenzt und damit war es dann auch für mich gegessen.

War es komisch, nicht mehr Teil der Band zu sein?
Es ist schwierig, seitdem ich ausgestiegen bin. Die Band hat sich allerdings auch mit jedem Album verändert und man kann jetzt nicht sagen, dass es noch die Band ist, die ich damals verlassen habe. Man legt offensichtlich auch keinen Wert mehr darauf, das Line-Up aufrecht zu erhalten oder die gleichen Schreiber beizubehalten.

Danach hast du ein bisschen mit Jack Off Jill gearbeitet?
Jack Of Jill gab es auch währenddessen schon. Es war quasi unsere Schwesterband. Wir waren alle gute Freunde und einige der Bandmitglieder gingen auch miteinander aus. Ich habe nie Material für sie geschrieben, aber ich half dabei, neue Versionen für ihre EP zu entwickeln, die im Sommer 1998 rauskommen sollte. Ich arbeitete also mit ihnen an paar Tracks und begleitete sie auf ihrer Sommertour. Ich war aber nie als vollständiger Ersatz eingeplant.

Hat dein Kampf gegen den Krebs deine Sicht auf das Leben und die Musik verändert?
Nein, nicht wirklich. Es ist einfach etwas sehr Lästiges geworden, ein sehr großes Hindernis. Meine Arbeit selber wird davon zwar nicht beeinträchtigt, aber die Menge an Arbeit, die ich schaffe. Als ich im September 2013 mit der Chemo anfing, dachte ich noch, dass ich zwar zwischendurch ziemlich erschöpft sein werde, aber die Zeit dann zum Entspannen und zum Arbeiten an meiner Musik und den Artworks nutzen könnte. Ich merkte aber schnell, dass ich in diesen Phasen einfach gar nichts mehr machen konnte und wollte. Ich schaffte es gerade noch, die Liste an Filmen, die ich sehen wollte, aufzuarbeiten. Ich hätte vorher niemals gedacht, wie viel Kraft mich das kosten würde. Viele, der Sachen, die ich auf meiner To-Do-Liste ganz oben hatte, sind ganz nach unten gerückt.

Hast du viel Unterstützung durch Freunde, Fans und Familie erfahren?
Total. Ich habe wirklich viel Unterstützung bekommen. Letztendlich muss ich diesen Kampf aber alleine bestreiten und ich mache das auch ganz gut, aber es gibt ebenso diese Momente mitten in der Nacht, wenn ich versuche, zu schlafen, und mir diese ganzen negativen Gedanken in den Sinn kommen. Das passiert einfach. Mit dieser Krankheit kommt eben auch dieses soziopsychologische Element. So in etwa, wie wenn du dir ein neues Auto kaufst und dir dieses Auto dann plötzlich überall auffällt. Jetzt, wo ich Krebs habe, bin ich einfach ständig davon umgeben und ich höre davon pausenlos von anderen Menschen. Die Leute wollen mir jetzt alle Geschichten über ihre Liebsten erzählen oder von Menschen, die daran gestorben sind. Ich versuche einfach, optimistisch zu bleiben.

Gibt es Pläne für die Zukunft?
Ich will unbedingt Platten von anderen Leuten produzieren. Ich bin wirklich furchtbar darin, meine eigenen Deadlines einzuhalten, und arbeite dementsprechend am besten mit anderen Menschen zusammen. Ich habe letztens noch mit jemandem im Internet gechattet und wir sprachen darüber, dass es ein Album von Katy Perry gibt, das niemals veröffentlicht worden ist. Das Label hatte sich aus welchen Gründen auch immer, dafür entschieden, die Platte fallen zu lassen. Es ist also niemals rausgekommen, aber irgendjemand hat irgendwo noch eine Kopie davon. Wir sprachen also über die ganze Sache und darüber, wie cool es doch wäre, das Album wieder auszugraben. Das ist etwas, das ich wirklich gerne machen will. Das Album sollte inzwischen zehn Jahre alt sein. Das hört sich jetzt nicht nach besonders viel an, aber gerade im Bezug auf Popmusik ist das eine halbe Ewigkeit. So etwas zu machen, wäre schon cool: Unveröffentlichte Platten aus der Vergangenheit.

Ja, das wäre wirklich cool. Ich bin mir auch sicher, dass sich viele Leute dafür interessieren würden.
Ich habe immer noch das ganze alte Spooky Kids Material—die ganzen unveröffentlichten Marilyn Manson and The Spooky Kids Songs, die zwischen 1990 und 1993 entstanden sind. Ich habe noch die Demos davon und sie sind alle noch in einem gutem Zustand, aber am liebsten würde ich daraus ein komplettes Album machen—mit neu aufgenommenen Versionen der Songs und unterschiedlichen Gastmusikern und -producern. Das wäre zwar ein großes Unterfangen, aber auch eins, dass sich definitiv lohnen würde.

Gina Tron ist Autorin und lebt in Brooklyn. Ihr könnt ihr bei Twitter folgen: @_GinaTron

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