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Diese Sängerin hatte einen Nervenzusammenbruch, weil ihre Single nicht im Radio gespielt wird

Sandi Thom hat das tränenreiche Schauspiel sogar ins Internet gestellt. Leider ist ihr Song wirklich scheiße.
12.11.15

Stell dir vor, du tust alles, um im Radio gespielt zu werden, aber die Radiosender scheißen auf dich. Und das obwohl eine deiner Singles schon vor vielen Jahren im ganzen Land gespielt wurde und du doch nur nochmal diese guten alten Zeiten aufleben lassen willst. Es ist ein bisschen wie bei einem getrennten Liebespaar: Der Eine ist längst über die gescheiterte Beziehung hinweggekommen und schon lange mit jemand anderem glücklich zusammen, doch der Andere schaut sich immer noch stundenlang alte Bilder an, geht besoffen ins Bett, träumt davon, wieder ein Paar zu sein und wacht dann mit einem leeren Gefühl im Herzen auf.

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Die schottische Sängerin Sandi Thom könnte ein Lied davon singen—aber das würde genauso wenig im Radio laufen wie ihre neue Single „Earthquake“. Einst hatte sie mit „I Wish I Was A Punk Rocker“ einen Hit gelandet, der ihr 2006 zu einer passablen Musikerkarriere verhalf. Das folgende Debüt verkaufte sich ganz gut, irgendwann sprang aber ihr Majorlabel ab, die folgenden Alben versanken im vergesslichen Sumpf der Bedeutungslosigkeit. Klassischer Fall von One-Hit-Wonder. Aber das wollte Sandi nie einsehen und wollte den einen Song schreiben, der wieder im Radio rotiert und möglichst viele Menschen daran erinnert, dass sie immer noch da ist und es vor allem immer noch drauf hat. Der Song hatte ihrer Meinung nach alles, was es braucht, um im Radio gespielt zu werden: Er ist „Pop und catchy und passt ins Konzept.“

Sahen die englischen Radiosender Radio 2 und Bauer Radio anders und nahmen den Song nicht in ihre Playlisten auf. Könnte man als abgehangener Musiker jetzt so hinnehmen und sich darauf konzentrieren, einfach mal Musik der Musik wegen zu machen und nicht auf Krampf versuchen, damit Geld zu verdienen. Aber Sandi hat ein Smartphone und keinen Plan B, deshalb dürfen wir ihr jetzt dabei zusehen, wie sie kurz nachdem sie die für sie traurige Botschaft erhalten hat die Fassung verliert.

„Ich wollte dieses Video machen, damit die Leute wissen, wie sehr es wehtut, wenn man es jemanden nicht recht machen kann.“ Naja, man darf vom glücklichen Ex eben nicht erwarten, dass er den Liebesbrief geil findet, dem auch noch ein benutzter Slip beigelegt wurde. Überhaupt stellt sich die Frage, warum sie sich so darauf verlassen hat, dass ihr neues Release unbedingt ein Erfolg werden muss? Klar, vielleicht war diese Single ihre letzte Chance, nochmal durchzustarten. Jetzt hinnehmen zu müssen, dass sie nur geträumt und die Realität sehr viel grauer ist, tut weh.

„Fick dich Radio 2. Fick dich, Bauer Network. […] Es ist ein verdammt guter Song.“ Ist das so? Zugegeben, im Vergleich zu 90 %, was so im Radio läuft, ist jeder Song eine echte Offenbarung, aber was kann denn „Earthquake“? Nun, nichts. Der Song klingt eben genau wie die besagten 90%—nur noch ein Stück egaler. Die Entscheidung der Radios ist also durchaus nachvollziehbar, wenn auch nicht für Sandi. In der Realität, in der die anderen Leute leben, können aber alle ein bisschen froh sein, dass ihnen nicht noch ein beschissener Song um die Ohren fliegt.

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