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Die fünf besten Sätze, die ich als weibliche Veranstalterin gehört habe

In einer Männer-Domäne zu arbeiten macht hauptsächlich Spaß. Außer wenn man sich sexistische Bullshit-Sätze anhören muss.
16.11.15

Seit über einem Jahr organisiere ich in Wien Techno- und Goa-Partys in einem weiblichen Veranstaltungskollektiv. Unsere DJs sind Buben, unsere Licht-Menschen sind Buben und alle anderen, mit denen wir zu tun haben, auch. Die Organisation, die Leitlinie und das Kontakte knüpfen übernehmen wir Mädchen. Wir sagen, welche DJs bei uns aufgenommen werden, wir bestimmen das Line Up. Wir besprechen technische Details mit dem Lokal. Wir rechnen, wir schreien, wir diskutieren und wir stressen viel. Unsere Kollegen sind Männer—bis jetzt hatten wir leider nicht das Glück, mit anderen weiblichen Veranstalterinnen zusammen zu arbeiten.

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Ich präsentiere mich—in meinen Artikeln, aber auch in meinem Freundeskreis—als eine leicht verwirrte Partygenießerin. Ist ja auch ein Teil von mir. Wenn es aber um Termine mit Lokalen, DJs, oder anderen Veranstaltern geht, wird eine ernste Miene aufgesetzt und mein hochtaillierter Rock angezogen—denn auch das ist ein Teil von mir. Ich bin den Leuten also nicht superböse, wenn sie mit flapsigen Aussagen auf mich zukommen. Aber platter Sexismus regt mich doch irgendwo auf.

Die meisten meiner männlichen Veranstalter-Kollegen präsentieren sich nicht weniger verwirrt als ich, nur mit dem Unterschied, dass sie diese Präsentation auf eigenen Partys auch nicht ablegen. Trotzdem kämpfen sie seltener als ich um Respekt und müssten sich wohl keiner der folgenden Sätze jemals anhören.

Ich bin Veranstalterin weil mir das Spaß macht und ich bin zielstrebig genug, um meinen Job ernst zu nehmen. Ich informiere mich stets über die sich schnell verändernde Szene und Marketing-Strategien. Ich versuche meinen selbsterwählten Job also gut zu machen. Hier die besten fünf Sätze die mich „Oida, du bist mir aber ein Wappler“ haben denken lassen und mich noch ehrgeiziger gemacht haben. Muskelarm-Emoji.

„Ah, du lernst jetzt den technischen Background vom Auflegen? Hast du schon herausgefunden, dass mit Mixer nicht das Teil vom Tele-Shopping-Sender gemeint ist?“

Kontext: Dieser Satz hat man mitten in meine Fresse auf einer Party zu mir gesagt. Einfach so. Natürlich nur im Spaß. Natürlich nicht ernst gemeint. Natürlich nur um mich ein bisschen auf die Schippe zu nehmen.

Meine Reaktion: „Glaube mir, wenn ich was koche, speibst dich schon alleine vom Zusehen an.” Ein Kumpel hat dann „Stimmt” gesagt, was mich zwar auch beleidigt hat, aber wenigstens zurecht. Ich habe wirklich absolut nichts in der Küche verloren. Ich weiß sehr wohl, was der fucking Unterschied zwischen einem Küchengerät und einem DJ-Gerät ist. Mit beiden kann man übrigens einen wundervoll quallvollen Tod herbeiführen.

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Das habe ich mir gedacht: Ich könnte jetzt viele GIF verlinken, die diesen Schlag in die Fresse-Satz unterstreichen würden, aber ich lasse es. Im Nachhinein habe ich mich geärgert, dass ich mich nicht mehr geärgert habe. Wie es halt so ist.

„Und mit wem hast du für die Location XY geschlafen?”

Kontext: Beigefügtes zwinkern. Ich hasse zwinkern. Sowohl im Internet als auch im Real Life ist es eine schreckliche Unart. Es sei denn, man möchte mit mir ficken. Dann ist es OK. Alles andere ist reine Provokation und lässt meine Faust versteifen. Der Satz eines Kollegen war natürlich eh auch nicht ernst gemeint, aber irgendwie dann doch, weil da diese erwartungsvolle Stille da war.

Meine Reaktion: Ich habe die Stille wirken lassen. Dann habe ich den Kopf langsam geschüttelt. Und dann bin ich von dannen gezogen. Hierfür gib es doch ein GIF.

Das habe ich mir gedacht: Fragen wie diese, habe ich insgesamt schon drei Mal nicht beantwortet. Auch ist es bei den wenigen weiblichen Kolleginnen das Gerücht Nummer eins.

Falls die Antwort nicht auf der Hand liegt: Nein, keiner der Frauen die ich kenne, hat jemals einen sexuellen Gefallen für eine Location, einen DJ, einen Job oder sonstiges getan. So wichtig is es einfach wirklich niemals. Wie verkrüppelt muss ein Ego sein, um Erfolg mit so einer niederen geschlechtsspezifischen Tätigkeit zu verbinden?

An alle Männer, die so etwas sagen: Nur weil du mit einer Frau schlafen würdest, um etwas zu bekommen—ganz nach der „doesn’t matter. had sex”-Manier—heißt es noch lange nicht, dass deine Kollegin deinem Edelsinn gleich tut. Du Idiot.

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Solange es Männer gibt, die blöd genug sind, Frauen Vorteile zu verschaffen, nur weil sie „scharf” sind—solange wird es Frauen geben, die diese Angebote auch annehmen. Was es nämlich schon gibt: Mehr Kooperations-Angebote. Für mein Gefühl. Ob unser Kollektiv sie aus sexistischen oder tatsächlich professionellen Gründen bekommt, hinterfrage ich schon ganz lange nicht. Blöd wären wir, tolle Jobs auszulassen, nur weil wir einen sexistischen Gedanken vermuten. Außerdem ist es unsere Wiedergutmachung für die beschissenen Sprüche.

„Ja, also ihr seid meine Veranstaltungspartnerinnen und es ist ja auch euer Floor, aber ich kümmere mich um das Booking und die Technik. Macht einfach ein bisschen Fotos für Facebook—OK?“

Katis „Fick dich"-Lächeln.

Kontext: Anfragen wie diese kommen laufend rein, beziehungsweise entpuppen sich viele der Anfragen als solche. Passieren tut es am Telefon und im Chat. Das hier ist ein zusammengefasster Satz, natürlich versucht man diesen Satz in 30 liebevollen und zeitsparenden Minuten auszuführen.

Meine Reaktion: Mittlerweile: „Nein, Sorry. Entweder wir machen es ganz oder wir machen es zusammen, aber eigentlich ist es unser Job. Und den lassen wir uns leider nicht nehmen.“ Davor: „Ähm. OK?“

Das habe ich mir gedacht: Wie gesagt, so etwas passiert eigentlich laufend. Es wird immer versucht, uns das Line Up aufzuzwingen und uns das Marketing und die „typisch weiblichen” Sachen zu überlassen. Also eigentlich wollen sie unsere Marke und ihre Kumpels die unter unserer Marke spielen. Ohne, dass wir die DJs oder den Sound kennen. Genau.

„Veranstaltest du echt? Diesen Techno-Floor? Arg! Du siehst so weiblich aus!“

Kontext: Das war ein Besucher auf einer Party. Eigentlich ein Flirt. Der sich zu einem vertrocknetem und humorlosen Gespräch entwickelt hat. From 100 to a 0 real quick. Es ging dann nämlich weiter mit der Thematik, ob mir das alles nicht zu räudig und zu schmutzig ist. Nein. Natürlich nicht. Ich habe den Dreck erfunden, Baby-Boy.

Meine Reaktion: „Ja. Ich finde es auch sehr schade, dass ich ganz wenige Kolleginnen habe.”

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Das habe ich mir gedacht: Süß. Ein Trottel aber fast schon süß.

„Kann es sein, dass du deine Tage hast?“

Kontext: Breaking News—Veranstalten kann sehr stressig sein. Also wenn etwas schief läuft auf einer Veranstaltung, dann wird es äußerst stressig. Wenn Sachen fehlen, die wichtig sind. Oder wenn Menschen fehlen, die wichtig sind. Oder die Zeit davor, wenn man versucht, genug Leute anzulocken. Man hat mit vielen Menschen des Nachtlebens zu tun—die meisten sind unzuverlässig. All das sind zum Teil superstressige Situationen. Meine Kollegin Kati bewahrt eigentlich auch da einen kühlen Kopf, ich bin in solchen Situationen eher der geburnoutete Herumschreier. Nicht edel, aber wenn kategorisierbar, dann eher slawisch. Bestimmt keine typisch-weibliche Eigenschaft—mir sind genug männliche Choleriker bekannt.

Meine Reaktion: „Wenn du Bock auf ein Blutbad hast, frag nochmal.“

Das habe ich mir gedacht: Wenn ich im Modus des „Was soll das für eine verfickte-beschissene Scheiße sein, ruf den Trottl bitte an, ich schneid ihm seine runzligen Eier ab” bin, dann bremst mich wenig und dann funktioniere ich auch eher, als dass ich denke. Stolz bin ich auf meine Bauarbeiter-Art nicht unbedingt. Diese Frage von waachen Mitmenschen die einfach nur dasitzen und eh nichts tun, kommt mir dann eigentlich schon gelegen. Sie lässt mich immer wieder kurz erstarren und Inne halten. Und ich kann meinen gesamten Stress an einem Menschen abladen. Schon praktisch.

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An alle Typen, die sich besonders lustig finden: Solange du die Frau nicht wirklich gut kennst, und ich meine wirklich, wirklich gut kennst, hast du auch absolut keine Ahnung, wie sich eine Menstruation bei ihr auswirkt. Deshalb hast du auch nicht abfällig zu fragen. Wir bluten ein Mal im Monat mehrere Tage lang für das Fortbestehen der menschlichen Spezies, was ungefähr der härteste Akt überhaupt ist. Also halt deine Fresse und schätze und würdige es. Die Launen-Beeinflussung geht nämlich von „Ändert meine Laune nicht” zu „Ich muss bei jeder Kleinigkeit heulen” bis „Ich reiß euch jedes Haar einzeln aus” und ist bei jeder Frau anders. Es steht dir einfach nicht zu, unseren Ärger oder Emotionen mit einer biologischen Sache runterzuspielen. Wegen der du überhaupt erst auf der Welt bist. Du Arschloch.

Fredi hat auch Twitter: @schla_wienerin

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