Wir sind leicht übernächtigt, haben es aber doch noch geschafft, die Erlebnisse der letzten Nacht aus den verkrusteten Winkeln unseres Hirns zusammenzukratzen.
Die Berlin Music Week raubt uns den Schlaf, vor allem mit dem First We Take Berlin Festival oder kurz FWTB, das gestern und heute in acht Berliner Clubs 60 verschiedene Acts präsentiert. Was passiert, wenn man zu wenig schläft? Man vergisst Dinge. Heute Nacht hatte ich diesen Text im meinem Kopf schon so gut wie fertig geschrieben, ich wusste, womit ich einsteigen will, ich wusste, was ich zu den verschiedenen Band schreiben wollte und ich war zufrieden mit dem unterhaltsamen kleinen Text über den gestrigen Abend in meinem Kopf. Dann legte ich idiotischerweise irgendwann doch noch ins Bett, um mir mit zu wenig Schlaf den ganzen Artikel wieder aus dem Gehirn zu löschen.
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Vermutlich hätte ich einfach aufbleiben sollen oder diesen Artikel noch nachts fertig schreiben, aber egal. Heute ist ja auch noch ein Tag.Ich versuche also jetzt durch meditative Übungen an den Teil meines verschrumpelten Gehirns ranzukommen, in dem der gestrige Abend schon längst verarbeitet war. Konzentration. Ich gehe den Weg über die Locations.
Postbahnhof
Die Berlin Music Week startete mit einem BBQ für Medienvertreter und sonstiges Fachpublikum, gespickt mit ein paar mehr oder weniger prominenten Fratzen im Postbahnhof. Ich machte mich eigentlich nur deshalb dorthin auf den Weg, weil ich meine Akkreditierung abholen musste. Vor Ort wie erwartet haufenweise superwichtige Berliner Musikmenschen—so wie ich—und ein paar Promis. Ich will gerade Felix Brummer zuquatschen, da sehe ich Rolfe von Germanys Next Topmodel bzw. Die Alm. Als großer Fan versuche ich ein Foto zu ergattern, aber Rolfe ist schneller weg, als ich mein Telefon zücken kann. Felix auch. Ich dann auch.
Astra
Im Astra sind für 21.20 Uhr die Jungs von Vimes angekündigt. Als ich ankomme, überlege ich kurz, ob der Gig abgesagt wurde, weil draußen so wenig los ist. Aber ich komme ganz normal rein und sehe, dass drinnen etwas mehr Menschen sind—trotzdem habe ich das Astra noch nie so leer gesehen. Vimes machen einen Soundcheck in Slow Motion, vermutlich wollen sie dadurch ihren Gig ein wenig nach hinten schieben, in der Hoffnung, dass in der Zwischenzeit noch ein paar Leute kommen. Die Taktik geht einigermaßen auf, es sammeln sich während des Konzerts genug Menschen, dass es niemandem unangenehm sein muss. Ich persönlich werde in der Meinung bestätigt, dass Vimes ein komplett ausverkauftes Astra durchaus verdient hätten, genieße aber andererseits den seltenen Komfort von Platz und guter Luft. Außerdem kann das ja alles noch kommen.
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Our/Berlin Vodka Distillery
Kurzer Abstecher zur FWTB-Gegenveranstaltung, der Our Berlin Music Week. Auf halber Strecke Zusammenkunft mit weiteren Teilen der Noisey Crew, die gerade eRRdeKa im Bi Nuu gesehen haben. O-Ton: „Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich eRRdeKa, seinen BackUp oder die drei Fanboys mit gleichem Rucksack in der ersten Reihe niedlicher fand.“ Angekommen in der Our/Berlin Vodka Distillery müssen wir feststellen, dass das Tagesprogramm schon durch ist. Naja, trotzdem schön hier. Bierchen, Schwätzchen, weiter geht‘s. Chalet.
Laut Running Order sollten hier Schwarz Don‘t Crack spielen. Aber hier Cracked gar nüscht. Wir stehen kurz unschlüssig rum und entscheiden uns dann, direkt weiter zu hoppen, über die Straße, rechts, Lido.
Lido
Wir kommen an, denken, dass wir schon wieder irgendwas verpasst haben, doch da betritt Thomas Azier die Bühne. Wir fühlen uns an den jungen Dave Gahan erinnert und Achtzigersounds im Allgemeinen und erleben das Konzerthighlight des Abends. Danach überlegen wir eine Weile unschlüssig hin und her, wo wir jetzt hingehen sollen. Wir können uns nicht entscheiden und machen Schnick Schnack Schnuck. Das Schicksal will: M O N E Y im Privatclub. Wir fügen uns.
Privatclub
Moneys Sänger Jamie Lee kommt ohne Mikrofon singend aus dem Backstage und arbeitet sich durch das Publikum auf die Bühne. Das allein ist schon irgendwie krass, weil man so gut wie nie jemanden ohne Mikro und Lautsprecher singen hört und das eine eigenartige Intimität erschafft, die nur davon getoppt wurde, dass Jamie in der Folge erst sein Hemd fallen ließ, dann eine Flasche Whiskey mit dem Publikum teilte und dabei auch noch Musik machte. Dieser Mann hat das Potenzial in Pete Dohertys Fußstapfen zu treten. Wünschen wir es ihm lieber nicht.
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