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Kakkmaddafakka sagen gern Nein

Selbst zur Dusche würden sie Nein sagen, aber nur wenn sie dafür ins Internet gehen können.
27 Juni 2013, 8:00am

Fotos: Jessica López

Kakkmaddafakka ist diese eine norwegische Indiepop-Band, die diesen selbstironischen und gute Laune machenden Sound von sich gibt, ständig ihre Bandmitglieder wechselt und sich diesen super bescheuerten Bandnamen ausgedacht hat. Eigentlich können sie von Glück sprechen, dass sie überhaupt ernstgenommen werden. Denn das werden sie, nicht nur von den Fans, sondern auch von der Musikpresse. Am Freitag bringen sie ihr bereits drittes Studioalbum heraus, das auf den Namen „Six Months Is A Long Time“ hört. Beim Anhören stellten sich mir Fragen wie: Ging das nicht ziemlich schnell? Hatten sie dabei Spaß? Hatten sie denn kein Internet zur Prokrastination? All diesen Fragen haben mir die Brüder Pål und Axel, sowie der Bassist Stian dann auch netterweise in unserem Gespräch beantwortet. Die Antwort lautete glücklicherweise nicht bei allen Fragen „Nein“.

YNTHT: Euer neues Album heißt „Six Months Is A Long Time“. Ist das die Zeit, in der ihr das Album aufgenommen habt?
Pål: Ja, das auch. Aber es ist auch ein Statement, wenn du jung bist. Denn wenn du jung bist, vergeht die Zeit sehr langsam. Und Leute, die nicht wirklich leben, prokrastinieren nur. Wenn ich immer sage: **„**Das kann ich auch morgen machen.", dann werde ich nie etwas zu Ende führen. Die meisten Leute denken, dass sechs Monate keine lange Zeit sind. Es ist einfach eine bestimmte Lebensweise zu sagen: In sechs Monaten kann man viel schaffen.

Also keine Prokrastination?
Bei manchen von uns schon, aber nicht bei allen.

Wenn euch die Zeit so lang vorkommt, bedeutet es, dass ihr nicht besonders viel Spaß habt.
Stian: Ja, das stimmt. Wenn du sechs Monate Spaß hast, kommt dir die Zeit nicht lange vor, zum Beispiel wenn du im Urlaub bist.
Pål: Ja, okay. Aber es ist auch so, dass ich langweilige Leute sehe, die sagen, dass sie nur arbeiten wollen in sechs Monaten. Leute aus Schweden kommen zum Beispiel oft nach Norwegen, um für sechs Monate zu arbeiten und sie wollen nur viel Geld machen und keinen Spaß haben. Es geht nur um die Arbeit und das Geld. Aber ganz ehrlich, sechs Monate ist eine lange Zeit. Das solltest du nicht nur an die Arbeit verschwenden oder in langweiligen Jobs. Such dir einen coolen Job!

So wie ihr?
Ja, unser Job ist cool. Wir machen, was wir wollen.
Stian: Ziem-lich-cool. (lacht)

Ihr hattet also schon Spaß in den sechs Monaten?
Ja, wir hatten Spaß, aber es war auch anstrengend.
Axel: Wenn du zwei Wochen kein Spaß hast, hast du was falsch gemacht.
Pål: Also ich habe jeden Tag Spaß. Probier das auch mal.

Ja, danke für den Tipp. Habt ihr denn mehr Spaß auf Tour als im Studio?
Stian: Ich persönlich mag es lieber, im Studio zu sein.
Pål: Bei mir kommt es darauf an. Touren ist sehr anstrengend. Und es gibt so viele Tage, an denen du dasselbe machst. Das Studioleben ist einfacher. Du musst nicht früh aufstehen, du kommst nicht so spät ins Bett, du hast einfach eine schöne Routine.
Axel: Und auf Tour hast du nie frei.

Ich wette, man kann im Studio besser prokrastinieren.
Pål: Nein, auf Tour geht das viel einfacher.

Aber da habt ihr doch einen festen Zeitplan und so weiter.
Axel: Also wir spielen sehr viele Computerspiele auf Tour, sitzen rum und tun nichts. In die Stadt gehen, ist anstrengend. Es ist einfach ermüdend, jeden Tag zu spielen. Und dann hast du auch noch langsames Internet.

Es gibt nichts Schlimmeres.
Pål: Ja! Langsames Internet zu haben, ist immer scheiße.
Stian: Das ist echt ein ernsthaftes Problem in Europa.
Pål: Das ist ein ernsthaftes Problem in der ganzen Welt. Gestern Nacht habe ich erst darüber nachgedacht. In meinem Bett war das Internet so verdammt schlecht. Ich dachte mir nur: Warum können sie nicht einfach ein weltweites Wlan machen? Warum?
Stian: Ja, es ist einfach nur: Das Internet.
Pål: Genau und du zahlst 50 Euro im Monat und hast in der ganzen Welt Internet.

Es gibt tatsächlich viel zu selten Wlan.
Ja, ich verstehe das nicht. Das ist scheiße. Ich meine, das Internet hält unsere Gesellschaft zusammen.
Axel: Heutzutage ist das Internet wichtiger als eine Dusche. Jeder braucht Internet.
Pål: Ich könnte einen Tag lang nicht duschen, aber ich könnte nicht einen Tag lang auf das Internet verzichten. (Alle lachen)
Stian: Wenn du dich entscheiden müsstest, ob du den Rest deines Lebens ohne Dusche oder ohne Internet auskommst, was würdest du wählen?
Pål: Ich würde für den Rest meines Lebens auf die Dusche verzichten.

Du kannst ja dann Freunde im Internet finden, die riechen dich nicht.
Genau.
Axel: Nein, warte es muss so sein. Du musst dich tageweise entscheiden. Wenn du einmal duschst, darfst du 24 Stunden nicht mehr ins Internet.
Pål: Ja, das könnte funktionieren.
Stian: Wir versuchen hier angebrachte Regelungen zu finden. (lacht)
Pål: Ich überlege mir dann, dass morgen Freitag ist, also dusche ich am Freitag.
Axel: Nein, nein. Du duschst am Donnerstag, denn sonst hast du Freitag, Samstag, Sonntag kein Internet.
Pål: Aber ich will am Wochenende auch nicht im Internet sein. Ich würde Samstagmorgen duschen und dann mit meinen Freunden ausgehen. Sonntag dusche ich dann nicht.
Axel: Denn das ist der Internet-Tag. Dann am Montag wieder duschen und ins Studio gehen.
Pål: Ja, aber dann…
Stian: Wir müssen noch ein bisschen darüber nachdenken.
Pål: Ja, das ist viel Logistik.Aberwas ist, wenn die Dusche schlecht ist? Weißt du, wenn der Druck sehr gering ist. Das ist richtig scheiße.

Was, wenn ihr eine schlechte Internetverbindung habt?
Das ist ein guter Punkt.
Axel: Ja! Wenn das Internet schlecht wäre, aber die Dusche gut, vielleicht… (alle lachen)

Okay, lasst uns mal wieder über das Album reden. Wenn ich mich nicht irre, habt ihr zum ersten Mal ein Mädchen auf dem Cover und keinen Jungen.
Ja, das stimmt.
Pål: Wir mögen es, Menschen auf dem Cover zu haben. Letztes Mal war unser Drummer drauf. Eigentlich war es nur ein Zufall, dass wir dieses Mädchen drauf genommen haben. Unser Produzent hat sie im Internet gefunden.Das Gemälde hängt in einem Museum in Amsterdam. Das Bild heißt Emma und der Künstler ist ein Engländer, der in Holland wohnt. Das Mädchen hat einen tollen Gesichtsausdruck.

Gibt es dazu eine Hintergrundgeschichte?
Nein, sie sieht einfach wie ein typischer weiblicher Kakkmaddafakka-Fan aus. Ja, der Gesichtsausdruck. Aber dann ist es wiederum so lustig, weil sie vor 200 Jahren gelebt hat. Und es ist noch immer das Gleiche. Wir dachten einfach, Hipster sehen immer so aus.
Axel: Und werden das auch immer.
Pål: Ja, sie sehen immer gleich aus, nur mit anderen Klamotten. Es ist dieser melancholische Blick in den Augen der Mädchen. Das ist sehr schön. Unser Produzent hat im Internet nach Hipster-Mädchen gesucht. Ich weiß nicht, was er mit dem Mädchen machen wollte, aber er hat es gefunden und es mir gezeigt. Er dachte: Cover. Und ich dachte auch: Cover. Jeder dachte: Cover. Also: Cover.
Axel: Auf dem Album geht es ja auch viel um Mädchen.

In „No Song" habt ihr diese eine Textzeile: „I used to be a Yes-man, now I am a No-man.“ Gibt es etwas, bei dem ihr einfach nicht Nein sagen könnt?
Natürlich, viele Sachen. Zum Beispiel: „Willst du mit P.Diddy auf eine Party gehen?" Die Antwort wird immer Ja sein.
Pål: „Willst du ein bisschen Ball spielen mit Sting?" Ja. Das ist auch eine gute Frage: „Willst du einen Tag lang in der Stadt rumlaufen und nichts machen?" Das ist langweilig. Nein, das möchte ich nicht. Früher habe ich Ja gesagt. Ja, lass uns das machen und langweilige Sachen machen. Jetzt sage ich dazu Nein. „Willst du auf die Party kommen, auf der nur langweilige Leute sind, mit denen du schon hundert Mal geredet hast?" Nein.

Also langweilt ihr euch inzwischen mehr und deswegen sagt ihr eher Nein?
Es ist auch etwas egoistisch. Es geht darum, mehr auf sich selbst zu achten, als es anderen Recht zu machen.

Es gibt auch die Textzeile, in der ihr singt, ihr müsst niemandem etwas beweisen. Habt ihr euch unter Druck gesetzt gefühlt?
Ja, ein bisschen. Es nervt einfach, dass Leute mir sagen, was ich tun sollte. Ich habe ein Tendenz, so zu tun, als wäre ich ein bisschen dümmer als ich bin. Also denken die Leute, ich brauche Rat. Aber ich brauche keinen Rat.

Dann solltest du das vielleicht nicht tun.
Ich mache das auch nicht mehr, naja manchmal. Ich weiß nicht, warum die Leute immer zu mir kommen und mir erzählen, was ich tun soll. Aber dieses Lied soll ihnen sagen: Hört auf damit. Es interessiert mich nicht. Ich habe genug Leute, die mir Ratschläge geben. Ich habe kein Bock, dass Leute um zwei Uhr nachts zu mir kommen und mir sagen: Hey, ich mache diese tolle Party. Du solltest dort spielen.
Stian: Wir haben schon auf vielen beschissenen Partys gespielt.
Pål: Ja, auf zu vielen. Wir haben schon richtig beschissenes Zeug gemacht, nur weil wir Yes-men waren. Wir haben zum Beispiel auf einer Hochzeit gespielt. Das war so schlimm. Als ich davon gehört habe, dachte ich, das wird scheiße. Und wenn du das schon vorher weißt, solltest du nicht Ja sagen, nur weil dich jemand fragt. Denke einfach darüber nach, was für dich am besten ist, und sag Nein.

Six Months Is A Long Time erscheint am 28. Juni bei Universal. Kauft es bei Amazon oder iTunes.

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