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Hochoffiziell und kaum verregnet: Die Noisey-Sommerhitliste 2016

Hier sind die einzig wahren und unumstößlichen Sommerhit-Top 8, mit Yung Hurn, Gojira, Den Beginnern und mehr.

03 August 2016, 10:22am

Es ist offiziell: Deutschland hat seinen Sommerhit 2016. War es im letzten Jahr noch Felix Jähn, der sich mit seinem Hyper-Über-Cover von Rufus & Chaka Khans „Ain't Nobody“ in die Herzen, Großraumdissen, Fitness-Studios, und auf sämtliche Radioplaylisten der Welt spielen konnte, geht der Titel dieses Jahr an Imany. Yup, „Don't Be so Shy (Filatov & Karas Remix)“ ist laut GfK Entertainment DER Hit des Sommerferien-Banger, zu dem alle—Oma, Opa, Sohn und Mutter—abgehen, als wäre Schmusehouse gestern Morgen von Gott persönlich durchs Firmament an seine Schafe heruntergereicht worden. Weshalb und wieso der Chartservice GfK ausgerechnet diesen Track auserkoren hat, könnt ihr hier nachlesen.

Wie man weiß, ist Deutschland besessen und dauerverliebt in alles, was „offiziell“, „schwarz auf weiß“ und sonst wie zahlenmäßig erfasst wird. Wir finden das öde. Deswegen ziehen wir Bauch-, Herz- und Ohrgefühl der schnöden Chartstatistik vor und präsentieren euch: Die Noisey Verkackter-Sommer-Hits 2016. Und wir wollen keine Widerworte hören, schließlich haben wir in unseren Lebensläufen erfolgreich rumgelogen, dass wir Experten für sowas sind. Ergänzen könnt ihr dagegen gern. Nutzt die Kommentarspalte doch einfach mal für die gute Sache.

Yung Hurn & Rin—„Bianco“

Entspann dich! Wir wissen, dass das Video fast noch im Winter gedreht wurde, nicht gerade Sommerfeeling versprüht und es selbst im Text mehr um Schnee als um Wassereis am Strand geht. Aber „Bianco“ hat zwei strahlende Argumente: Er kam zum perfekten Zeitpunkt raus—als eh alle Augen gehypt auf Yung Hurn gerichtet waren—und wabert wie das schönste Hitzeflimmern auf heißem Asphalt in deinem Kopf. Dieser Beat, dieser gewohnt „sinnlose“ Text von Hurn, der melodische Rin-Part, alles daran schreit nach Dauerschleife, während man sich immer mehr berauscht und verträumt wohlig-weißen Nachthimmel starrt.

Beginner feat. Gzuz & Gentleman—„Ahnma“

Erst war es ein Flüstern, dann ein Schrei: Die Beginner sind wieder da! Das war allen unter 25 so lange egal, bis sie ihren ersten Track veröffentlichten und da doch tatsächlich ein Gzuz von der 187 Strassenbande den (heimlichen) Refrain des Tracks ins Mikro raunzte. Viel Freude über die zurückgekehrten HipHop-Legenden, viel Häme oder Liebe für Gentleman und Gzuz, viel Ausgeraste auf Rap-Partys—besser kann man sein Comeback eigentlich nicht einläuten. Kannst du jeden fragen, der „Ahnma“ dieses Jahr auf einem Festival sehen durfte. Ein Spalter-Song. Aber einer von der besten Sorte.

Slime—„Sie wollen wieder schiessen (dürfen)“

Leider ist der Sommer nicht mehr Sonne, Eis und Dosenbier. Danke, Pegida für Deutschland, danke IS, danke, kaputte Welt. 1995 sang die Terrorgruppe noch „Kein Sommer der Liebe“, 21 jahre später warnen ihre Deutschpunk-Kollegen Slime mit „Sie wollen wieder schiessen (dürfen)“ vor blinden Fremdenhass, der uns nicht länger nur auf Facebook entgegenspringt, sondern vielleicht sogar als Verwandter am Tisch sitzt. Da der Song verdammt eingängig ist und die alten Herren auch nach fast 40-jähriger Bandgeschichte noch so erfrischend angepisst klingen, eignet er sich hervorragend dazu, ihn noch ein bisschen lauter aufzudrehen. Nur so zur Sicherheit.

Fruchtmax, Hugo Nameless—„WKMSNSHG“

Es ist unmöglich, dass du die letzten Monate auf irgendeiner Party warst und dort nicht dieser Song gespielt wurde. Selbst Leute, die ja „so garnix“ mit Deutschrap anfangen können, fingen bei dem Meme-Banger an, dümmlich zu grinsen. Anfangs noch Szene-Tipp, sorgte Juicy Gay auf seiner Tour mit LGoony und Crack Ignaz dafür, dass „Wie kann man sich nur so hart gönnen“ immer größere Kreise zog und der Track schließlich Garant für kollektives Ausrasten war. Egal, ob Frauenarzt oder K.I.Z., sie alle wurden infiziert und gönnten sich.


Drake—„One Dance“

Wie schon im vorigen Jahr, ist Drake überall. Kaum ein Tag vergeht ohne eine Drake-News, als würde er zusammen mit Justin Bieber, Rihanna, Beyoncé und Kanye West im Erdkern sitzen und die Musikwelt sich nur um sie drehen. Schlimm, eigentlich. Wenn er nicht auch so verflucht gute Musik rausbringen würde. Vor allem „One Dance“ von seinem Album Views vollbrachte das Kunststück, sowohl von 0815-Radiostationen als auch von nerdigen Rapfans geliebt zu werden und erschien dazu noch genau zu der Zeit, als den meisten noch gar nicht klar war, das wir uns gerade mitten in einem African-Beat-Boom befinden. Danke, Wizkid! Dein Drake.

Gojira—„Silvera“

Nein, das ist nicht der krampfhafte Versuch, auf Teufel komm raus einen Metalsong in dieser Liste unterzubringen. Gojira, die momentan wohl zukunftsweisendste Metalband des Planeten hat es geschafft, uns mit diesem Hit die dunklen Seiten dieses Sommers (und die gab es im Überfluss) überstehen zu lassen. Ein Song, so schwer wie zehn Slayers und gleichzeitig so luftig unkrampfig wie eine Bacardi-Werbung aus den späten 80ern. Außerdem fliegen da Leute bei schönstem Wetter von unten nach oben. Win. Das dazugehörige Album der Franzosen, Magma, ist übrigens auch absolut empfehlenswert. Alles Hits, alles Hymnen.


Sia & Sean Paul—„Cheap Thrills“

Über Sia und Sean Paul muss man eigentlich keine weiteren Worte mehr verlieren. Sie ist die ewige dark queen of Zuckerpop, er ist nicht Pitbull, Flo Rida oder die Black Eyed Peas. Danke, Sean, dass du dir immer treu geblieben bist. Da gibt es nichts zu haten.

Trettmann & Haiyti—„120 Jahre“

Diesen Sommer haben wir uns besonders in Trettmann und Haiyti verliebt. In Tretti, weil er gerade dabei ist, Grime und alles drumherum auf wirklich gute und unverkrampfte Art und Weise in seiner Muttersprache zu interpretieren. In Haiyti haben wir uns verliebt, weil sie es immer wieder schafft, uns zuerst zu verwirren, dann neugierig zu machen, bevor sie uns mit ihren Tracks in die Knie zwingt. Man höre nur die aktuelle EP Toxic von Haiyti & Kitschkrieg. Ein Sommer voller Messer—und weiteren Hits wie diesem hier.