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Wiener Parks im Vorglühtest

Wir haben Wiener Parks auf ihre Sturzability getestet.
10.5.16

Alle Fotos von der Autorin

Ah, die Sonne scheint endlich wieder manchmal. Der Sommer naht—oder zumindest der Spätfrühling. Und er lockt uns endlich wieder raus. Schluss mit restfett aufräumen, weil du wieder ein Vorglühen in deiner WG gehostet hast. Jetzt kann man wieder Bier ausschütten und es unter "Ich gieße nur die Pflanzen" verbuchen. Du naturverbundenes Wesen. Seine Dosen sollte man trotzdem wegräumen.

Die Parklandschaft in Wien ist großartig und einer der vielen Vorteile, die wir hier in Wien so haben. Aber Park ist nicht gleich Park—ich bin losgezogen und habe die fünf berühmtesten Grünanlagen auf ihre Vorglüh-Fähigkeit getestet. Wie sind die anderen Menschen im Park? Gibt es Bier? Kann man gut aufs WC gehen? Gibt es Bier? Verläuft man sich besoffen leicht und verliert die Gruppe? Und, die wichtigste Frage der Fragen: Gibt es Bier?

1. Türkenschanzpark

Der Türkenschanzpark ist fucking wundervoll. Es ist der Park, der jedes noch so versoffene Gemüt romantisch werden lässt. Hier bekommt man Lust auf Heirat und einen leicht deepen Drall beim Spazieren am See—wenn man alleine unterwegs ist. Mit seiner eigenen Alkoholiker-Bagage schaut es doch etwas anders aus—aber der Central Park Wiens ist trotzdem einen Vorglühtest wert. Weil er so fucking wunderschön ist.

Hinfahrt: Die Hinfahrt gestaltet sich schwieriger als zu den anderen Parks. Die meisten Straßenbahnen und Busse (bis auf drei Ausnahmen) bringen dich zwar in die Nähe, aber nicht direkt zum Park selbst. Ich für meinen Teil suche jedes einzelne Mal den Eingang. 4/10

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WC: Also ich habe beim Durchgehen ein öffentliches WC gefunden. Ansonsten gibt es im Türkenschanzpark ein Lokal, das auch ein WC hat. Aber als Passant das Lokal-Klo verwenden—ich bin kein Fan davon. Der Türkenschanzpark ist auch wundervoll begrünt und verwinkelt—also meiner Meinung nach, kann man ohne Probleme pissen gehen. 6/10

Öffnungszeiten: Von 06:00 Uhr in der Früh bis 22:00 Uhr am Abend. Das ist für die Lage beides—ein gute Vorglühzeit (bevor man irgendwo ist, ist es eh 23:00 Uhr), aber auch eine gute Nachglühzeit (wenn man bedenkt, dass man bis 6:00 Uhr in der Disco bleibt). 6/10

Mitmenschen: Der Park ist riesig und beherbergt deshalb viele verschiedenen Arten von Menschen. Ganz oft sieht man Kinder mit den dazugehörigen Erwachsenen, ältere Nordic-Walker aber auch junge Alternative. Ich hatte mit meinem Gesindel noch nie ein Problem mit unseren Rumgegröhle und den Boxen—aber wir haben uns auch nicht direkt neben das Familienpicknick gesetzt. 8/10

Verstecke: Ob zum Pissen, Vögeln oder illegale Tätigkeiten verrichten—der Türkenschanzpark ist ein Paradies für Erwachsene. Man geht leicht verloren, wenn man es möchte. Wenn man echt betrunken ist, dann geht man auch verloren, ohne dass man es möchte. 10/10

Bier: Im Restaurant wird es welches geben, ansonsten gibt es beim Ausgang Peter-Jordan-Straße einen Kebap-Stand. Die haben Bier. Angeblich hat er so bis 20:00 Uhr offen, am Wochenende länger. Ein Supermarkt oder mehr Standl habe ich in der unmittelbaren Nähe nicht gesehen. 4/10

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Infrastruktur: Leider eher schlecht—im Vergleich. Ein paar Bars sind in der "Nähe"—also circa zehn bis fünfzehn Minuten Fußweg entfernt. 3/10

Fazit: Also insgesamt ist der Punkedurchschnitt bei 6 von 10. Wenn man ein optisches Highlight will und sich mehr in der Natur fühlen will, als im Park, dann sollte man hin. Gut vernetzt ist er leider nicht—wenn das Bier ausgeht, dann geht es aus und man bleibt wie ein vertrockneter Fisch liegen. Aber dem kann gut entgegenwirken, wenn man es weiß. Achtung: Der See im Türkenschanzpark lockt Gelsen an.

2. Praterwiese

Die Praterwiese ist wohl allen fortgehenden Menschen ein Begriff. Man hat nicht in Wien gelebt, wenn man nicht zumindest eine lustige Abstruz-Praterwiese-Story hat. Streng genommen ist es kein Park, aber er sieht wie einer aus und wird auch so benutzt. Entlang der Praterallee findet man nämlich Spielplätze, Orte zum Laufen und großzügige Liegeflächen. Leider ist die Gegend in letzter Zeit unsicherer geworden—vor allem für kleinere Gruppen, und leider auch, Mädels. Was wiederum bedeutet, dass dort die ganze Zeit die Polizei patroulliert—was auch nicht unbedingt zum Wohlbefinden beim Vorglühen beiträgt.

Hinfahrt: Supereasy. Zwei U-Bahnen, Schnellbahnstation, etliche Straßenbahnen und Busse fahren direkt zum Praterstern. 10/10

WC: Ich denke nicht, dass ich das näher erläutern muss. Es gibt aber einige Lokale in der Nähe. 2/10

Öffnungszeiten: Durchgehend. Das ist doch so wundervoll an der Praterwiese. 10/10

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Mitmenschen: Durch die super Infrastruktur, die Weitläufigkeit und die durchgehende Möglichkeit, dort zu sein zieht es schon immer Obdachlose an. Es kommen jetzt vermehrt Dealer und andere zwielichtige Gestalten dazu, die vor allem ab Nachmittag Familien und junge Menschen eher vertreiben. Vertreiben deshalb, weil sie mit euch reden werden und euch anschnorren werden. Das war vor zwei Jahren noch kein Problem—es hielt sich in Grenzen. Jetzt wird man schon laufend angesprochen—das ist Klagen auf hohem Niveau, da man grundsätzlich in der besseren Position ist. Aber wer einfach saufen und feiern will und sich nicht unbedingt mit gebrochenen Existenzen und den Brennpunkten der österreichischen Gesellschaft beschäftigen möchte—dem darf man nicht böse sein. Und nicht zu vergessen: Wo zwielichtige Gestalten, Obdachlose und Dealer—da auch die Polizei. Parks sind halt generell nicht das sicherste Pflaster 1/10

Verstecke: Findet man schnell und leicht, sollte man aber vielleicht nicht alleine suchen. Es ist quasi unmöglich, sich betrunken zu verlieren. 3/10

Bier: Die Praterwiese ist in der Nähe von unzähligen Würstelbuden, Restaurants und vom Sonntags-Billa umgeben. Das ist ein Vorglüh-Jackpot. 9/10

Infrastruktur: VIEiPEE, Pratersauna, Praterdome, Fluc, diverse Bars—es ist wirklich gut vernetzt. 10/10

Fazit: Leider leidet das Sicherheitsgefühl und das Wohlbefinden seit geraumer Zeit—aber das ist in einer Großstadt, OK. Und es gibt jetzt nicht am laufenden Band Schießereien oder sonstige Zustände, die man als pauschal unsicher einstufen könnte. Es wird nur unangenehm, wenn sich andere betrunkene Menschen nicht abschütteln lassen und alle fünf Minuten jemand kommt, um sich eine Tschick zu schnorren. Oder wenn dein Kifferkumpel einen Ofen anraucht und die Polizei in der Nähe spazieren ist. Er wäre bestimmt vor ein paar Jahren auf den ersten Platz gelandet—und spielt jetzt auch noch oben mit. Endstand: 6/10.

3. Augarten

Der Augarten wird ziemlich gehypet. Aber er ist wohl auch der Park mit den meisten Lokalen im Park selbst—kein Wunder, dass die Augarten-Gäste alle sehr hip und jung sind. Jung-Familien, Jung-Pensionisten oder eben einfach Junge—so scheint mir die Zielgruppe vom Augarten. Was ur super ist—da beschwert sich auch niemand über Musik, betrunkene Frisbee-Spiele und süßlichen Rauch.

Hinfahrt: Eine U-Bahn, ein paar Straßenbahnen—ich würde sagen es ist mittelmäßig bis gut vernetzt. Und auch ziemlich zentral. Man ist schnell da, aber man sucht auch ewig nach dem Park-Eingang. 6/10

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WC: Es gibt zwei öffentliche WCs in der Anlage und Lokale. Auf mich wirkt der Augarten selbst mit den getrimmten Büschen überhaupt nicht pipi-freundlich. Aber: Wo eine volle Blase, da ein Weg. 6/10

Öffnungszeiten: 06:30 Uhr öffnet der Park, er schließt je nach Sommermonat um 20:00 oder 21:00 Uhr. Das ist wirklich ziemlich kurz. 3/10

Mitmenschen: Wenn man keinen schlimmen Hipster-Hass mit sich trägt, sondern sich an schönen Man-Buns sattsehen möchte, dann sollte man hin. Manche Man-Buns haben auch so ein Wickeltuch mit Baby und ein extrem intelligentes Buch bei sich. Es sind alle super verständnisvoll und sehr OK—man hat eher das Problem, dass jede Sitzgruppe irgendeine Art von Musik spielt. Und nicht das übliche Lärmbelästigungsproblem. 7/10

Verstecke: Ich finde nicht, dass es im Augarten viele Verstecke gibt. Meine Chefin Isa meint, dass es schon welche gibt. Also sind sie wahrscheinlich nur gut versteckt. 4/10

Bier: Die hippen Lokale haben auch ziemlich hippe Preise—also besonders billig ist es leider nicht. Dafür gibt es dort Lokale—verdursten tut man im Ernstfall also nicht. Verhungern auch nicht. Ganz vorne gibt es einen Hofer und ein paar Standln—zählt aber nicht zur "umittelbaren Nähe". 5/10

Infrastruktur: Bars, Restaurants und das Bricks—nicht sehr weit entfernt findet man auch das Flex und somit den Schwedenplatz. 7/10

Fazit: Der Augarten hat einen ganz eigenen Flair—nicht nur wegen den Flaktürmen, sondern auch wegen dem royalen Aussehen. Die Menschen drinnen wirken auch irgendwie ganz anders als sonst wo, aber das kann auch an meiner selektiven Wahrnehmung liegen. Wegen den Öffnungszeiten ist es aber nicht unbedingt vorglühtauglich. 5/10

4. Burggarten

Oh Gott, der Park meiner Jugend. Unserer Jugend. Warum ich die ganze Zeit dort war, ist mir ein bisschen ein Rätsel—schließlich ist das Pissen im Palmenhaus nicht ganz so cool und alle umliegenden Würstelbuden haben einen ziemlichen Aufpreis am Start. Hier ist der Durchschnitt der Parkgäste mit Abstand am jüngsten—man sieht Hippies die Yoga machen, Studenten, Schüler—hier pulsiert das junge Wien. Naja, und ein paar Touristen.

Hinfahrt: Supereasy. Mehrere Straßenbahnen, zwei U-Bahnen, Busse—zum Burggarten kommt man wirklich gut. 10/10

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WC: Palmenhaus. Die mögen das aber nicht immer—dulden es aber ganz gut die Mehrheit der Zeit. Verstehe ich auch. Ansonsten halte ich ein Freiluft-Pissen für fast unmöglich. 2/10

Öffnungszeiten: 06:00 bis 22:00. Das ist angesichts der Konkurrenz super. Um zehn kann man schon gut losgehen in die Stadt, ab sechs kann man wieder drinnen sitzen. 7/10

Mitmenschen: Meistens junge Menschen und ein paar asiatische Tourismusgruppen. Ist mit Sicherheit die angenehmste Umgebung zum Ansaufen. Weil: Gleich und gleich gesellt sich gerne. 10/10

Verstecke: Sind kaum existent. Leider. Dafür verliert man da niemals seine Freunde. 2/10

Bier: Also sobald man aus dem Park rausgeht trifft man auf mehrere Würstler. Außerdem serviert das Palmenhaus auch Bier (welches ihr euch auch holen solltet, da sie euch pinkeln gehen lassen). Billig steigt man aber nicht aus. 6/10

Infrastruktur: Volksgarten, Säulenhalle, Passage ist in der unmittelbaren Nähe. Alles beim Karlsplatz und der Mariahilferstraße ist auch wirklich schnell erreicht. Von Beisl bis Edel-Disco bleiben so keine Wünsche offen. 10/10

Fazit: Der Burggarten ist super zum Saufen. Er ist zentral und gut vernetzt. Und: Er ist auch eigentlich extrem jugendfreundlich—wenn das Klo-Problem nicht wäre. Was es aber leider gibt—nichts desto trotz ist in meiner persönlichen Top 3. 6/10

5. Stadtpark

Ich weiß nicht, ob man da tatsächlich Vorglühen geht—ich war noch nie zum Vorglühen dort. Als ich das letzte Mal im Stadtpark war, habe ich mir geschworen, nie wieder zurückzukehren, weil mich die Gelsen aufgefressen haben. Allerdings: Der Stadtpark ist durchgehend offen und mitten in der Stadt. Wenn man gegen Gelsen vorsorgt—und zwar so richtig—dann kann man da ein open-end Gelage machen. Hübsch ist es nicht, aber es ist in der Natur und doch in der Stadt.

Hinfahrt: Zentral und relativ gut vernetzt—zwei U-Bahnen und ein paar Straßenbahnen bringen jede trinkfeste Gesellschaft hin. Allerdings hält die U4 Stadtpark in Richtung Heiligenstadt momentan nicht. 6/10

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WC: Ich habe eine riesige öffentliche WC-Anlage gefunden. Ansonsten gibt es dort aber auch viele Büsche und ein paar Lokale. 10/10

Öffnungszeiten: Durchgehend! Das ist ziemlich selten und schon alleine deshalb cool. Aber ich muss zugeben—in der Nacht kann es schon ein bisschen gruselig werden. Das wird es aber immer wenn die Sonne weg ist und einem Büsche und Bäume umgeben. 9/10

Mitmenschen: Das kann ich bis heute nicht festmachen. Also ein paar Obdachlose, ein paar Familien—ich sehe da oft Kinder, aber auch Menschen, die meditieren—ich denke, der Stadtpark hat einen guten Durchschnitt an Stadtpublikum zu bieten. 7/10

Verstecke: Gibt es zu Hauf. Man geht aber auch sehr leicht verloren, wenn man besoffen ist. 5/10

Bier: Bei den Parkeingängen kann man sich bei den Würstelbuden versorgen. Allerdings auch eher teuerer. Das Steirereck ist zwar ein Lokal, aber ich würde dort nicht nach einem Bier fragen. Tut es nicht. 5/10

Infrastruktur: Es ist in der Nähe zum Karlsplatz—Hades, Sass und diverse Bars sind also in zehn Minuten erreicht. Sand in the City ist auch in unmittelbarenr Nähe.

Fredi hat Twitter: @schla_wienerin

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