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Umdrehen nach Norden—Judo Push im Interview

Wir präsentieren das neue Video von Judo Push und haben ihnen auch gleich ein paar Fragen gestellt.
23.1.15

Alle Fotos Christoph Wisser

Judo Push haben sich ganz klassisch bei einer Faschingsparty kennengelernt, wurde also auf einer betrunkenen Basis gegründet. „Wie jede andere Band.“, stellt Bandmitglied Wolfgang aka Candee sehr richtig fest. Zusammen mit dem Schotten Stuart, Michi und Dominic fing er an, gemeinsam Musik zu machen. Ihr Debüt For The North ist ein melancholischer Liebesbrief an Stuarts Heimat Schottland und eher in der Melancholie einzuordnen, die aber von Hoffnung getrieben wird. Wir präsentieren euch ihr neues Video zu ihrer Single „Leaving“ und haben mit ihnen über das Video und ihre Pläne gesprochen.

Letztes Jahr ist eure LP rausgekommen. Was ist die Geschichte zu For The North?
Stuart: Ich schreibe ausschließlich Lieder über Dinge, die ich selbst erlebt habe oder über Freunde gehört habe. Damals ist viel passiert. Songs zu schreiben war das Beste, was ich tun konnte, damit ich das aus meinem verdammten System bekomme—alles ziemlich melancholisch.

Inwiefern melancholisch?
Candee: Wir machen traurige Männermusik.

Das hat schon was von einer Headline.
Dominic: Oder: Judo Push springen über ihren Schotten!
Stuart: Damals hat viel Heimweh mitgespielt und ja, auch Angst.

Wie sieht es mit neuen Sachen aus?
Stuart: Wir arbeiten gerade an einem neuen Album, das im Oktober erscheinen wird. Das Ziel des Jahres ist, so viel wie möglich im Studio zu sein und viel auf Tour zu gehen.

Werden sich die neuen Sachen von den alten unterscheiden?
Stuart: Wir wollen mehr elektronische Elemente einbauen, die Gitarren werden deshalb aber nicht verschwinden. Für For The North haben wir versucht sehr analog zu arbeiten.

Was ist die Story zu eurem neuen Video zu Leaving?
Candee: Im Grunde ist das Video aus einer Zusammenarbeit mit Richard Wilhelmer entstanden, der ein guter Freund von mir ist und immer wieder gute Ideen hat. Daniel Prochaska hat auch mitgearbeitet und so ist es kurzfristig zu einem tollen Projekt gekommen. Das Bild transportiert das Gefühl, das auch im Song behandelt wird. Das Video behandelt auch diese Verlorenheit. Der Hauptdarsteller ist Chavier Rodriguez, ein Mexican Native, der durch die Gegend irrt, sich auch im Dresscode vergriffen hat und ein weirder Charakter ist. Er strebt nach oben um irgendetwas näher zu kommen. Er ist auch irgendwie von einem Schicksalschlag getroffen indem er seinen Stöckelschuh verliert—symbolisch.

Dass das Sujet gerade zum derzeitigen Geschehen passt ist also Zufall?
Candee: Das wird immer passen. Das ist künstlerisch recht wertvoll.
Stuart: Ich habe die erste Version des Videos meinen Eltern gezeigt, ich meine ich liebe meine Familie und sie fanden es einfach nur weird. Und ich dachte mir dann „Well, fucking job done. That´s what we wanted.“ Wie Kandy schon gesagt hat, es passt perfekt zur Musik. Der Charakter ist auf der Suche, er sucht nach Klarheit.

Was glaubt ihr was eure Fans/ euer Publikum an euch schätzt?
Stuart: Wenn du persönliche Songs schreibst, deine Gefühle auf der Bühne zeigst und das transportieren kannst, dann können sich die Leute da vielleicht wieder finden. Wir wollen eine Verbindung mit den Leuten und dem Publikum haben. Wenn du Emotion zeigst, ist das Publikum auch viel offener. Bei den Shows schwingt immer eine gute Energie mit. Wir erfinden das Rad nicht neu, wir singen über die oft schlimmen Dinge die einem im Leben passieren, aber auch über das Gute im Schlechten. Wir haben noch keinen fröhlichen Song geschrieben, oder?
Michi: Aber es ist immer ein kleiner Funken Hoffnung drinnen.
Stuart: Ja. Der Grund warum du so einen Song schreibst, ist auch weil du Hoffnung hast.
Michi: Irgendwas in dir hofft halt, dass es dadurch besser wirst.
Stuart: Relief!

Die traurige Musik passt gar nicht zu euch. Ihr seid eigentlich immer gut gelaunt!
Michi: Wir sind fröhliche Alkoholiker!
Candee: Under the influence!
Stuart: Viele Leute sagen, dass ich ziemlich deprimiert sein muss. Aber wenn ich Musik schreibe, tendiere ich eher zu dunklen Sachen.
Michi: Ich glaube, dass das in jedem künstlerischen Prozess so ist. Dramatische Rollen zu spielen ist auch in der Schauspielerei einfacher, als lustige. In der Malerei wird es ähnlich sein, beim Schreiben auch.
Stuart: Vielleicht werde ich einfach auf neutrale Songs umsteigen.
Candee: Ja, Songs ohne jegliche Emotion.

Also auf Pop.
Michi: Musik ohne Seele.

Ginger-Musik. Böse Zungen behaupten ja, die hätten keine Seele.
Candee: Irish Music quasi.

Wo seht ihr eure Stärken als Band?
Candee: Auf der Bühne sind wir natürlich unschlagbar, gell.
Michi: Vor allem weil wir auch so attraktiv sind.
Candee: Die Antwort findet sich eigentlich nur auf der Bühne—da fühlen wir uns mittlerweile auch schon sehr stark. Im Studio fühlt man sich eher zerrissen.
Stuart: Die Antwort auf alles, was du im Proberaum machst, findest du auf der Bühne. Du schreibst ja keinen Song um ihn in deinem Zimmer deiner Wand vorzuspielen. Wir waren Support für The Notwist. Wir waren es gewohnt auf kleinen Venues zu spielen und den ersten Song haben wir für zwanzig Leute gespielt und nach dem zweiten waren einige hundert da. Ich sage nicht, dass die in erster Linie für uns gekommen sind, aber das war eine schöne Atmosphäre.
Candee: Es war schön zu sehen, dass wir für ein Publikum spielten, dass für The Notwist da war, uns nicht kannte und die Reaktionen aber sehr gut waren. Das Publikum hat uns sehr willkommen geheißen.
Stuart: Mein Vater kam sogar extra aus Schottland.

Um sich The Notwist anzusehen?
Stuart: Haha, ja. Wir gaben ihm einen Backstagepass und er ist nur mit The Notwist abgehangen und dachte sich „Who the fuck are Judo Push“?

Wie sieht es mit Shows aus?
Stuart: Im März wollen wir eine kleine Österreich-Tour machen. Im Oktober wollen wir dann ein paar Shows in Irland spielen.
Dominik: Mit einem neuen Album im Gepäck!

Ihr macht ja alle schon länger Musik. Welche Veränderungen konntet ihr im Laufe der Zeit im Musikbereich feststellen?
Candee: Bands werden erst ab einer gewissen Klickzahl interessant. Das ist etwas, was in unserem Bewusstsein ausgespart wird. Mittlerweile herrschen komische Verhältnisse. In den 90igern war es das Coolste in einer unbekannten Band zu spielen, heute geht es nur noch um Klicks. Wovon viele auch noch gekauft werden.

Wir hatten auch mal einen Artikel, der die Wichitgkeit der Facebook-Likes von Bands behandelt.
Candee: Ja, das spielt im täglichen Leben einer Band eine Rolle. Ob du für Shows gebucht wirst, ob über dich geschrieben wird. Da geht es gar nicht mehr um Genres. Der Klick ist das neue Genre. Das ist die neue Schublade.

For The North könnt ihr euch auf Bandcamp, bei Hoanzl oder auf iTunes kaufen.

Am 19. Februar könnt ihr euch Judo Push im Orpheum in Graz live ansehen.

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