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Wenn ein Bürgermeister der Lieblingspunkband mittels Erpressung zum Festival-Gig verhelfen will

Die Punkband Mann kackt sich in die Hose soll einen Brief im Namen des Bürgermeisters verschickt haben, um sich einen Festival-Gig zu erschleichen. Wir haben sie gefragt, ob das geklappt hat.
13 Januar 2016, 5:00am

Mann kackt sich in die Hose—das ist nicht nur ein wunderschöner Satz, um in einen Artikel einzusteigen, das ist auch der wunderschöne Bandname einer Punkband aus Dortmund. Diese Band wird gerade weit über die Grenzen des Ruhrgebiets bekannt, weil sich der Bürgermeister von Gladbeck als bekennender Fan geoutet hat.

Aber nicht nur das, der Bürgermeister würde seine Lieblingsband auch gerne beim berühmten Punkfestival Ruhrpott Rodeo Anfang August live sehen. Also schrieb er dem Veranstalter (und Slime-Drummer) Alex Schwers einen Brief, in dem er ihm einen Platz im goldenen Buch der Stadt versprach, wenn dieser seine Lieblingsband buchen würde. Sollte er dies allerdings nicht tun, würde ihm nicht nur der Eintrag ins goldene Buch (nebst klangvollen Namen wie Snaga und Uwe Rohde) verwehrt, nein, es drohe ihm ebenfalls eine „empfindliche Saftstrafe“.

Statt der durchaus berechtigten Forderung des Bürgermeisters nachzukommen und die Band zu buchen, veröffentlichte Schwers den Brief auf der Ruhrpott Rodeo-Facebookseite. Offenbar zweifelte er die Echtheit des Schreibens an. Wie er im Interview mit der WAZ sagte, habe die Band in den letzten Wochen schon „mehrfach mit allen Mitteln“ versucht, sich bei ihm zu bewerben. Der Bürgermeisterbrief, eine Fälschung?

In der BILD erklärte kurz darauf auch der Stadtsprecher von Gladbeck, dass der Brief nicht vom Bürgermeister Ulrich Roland stamme. Trotzdem sehe dieser von einer Anzeige wegen Urkundenfälschung ab, er wolle „kein Spielverderber sein.“

Eine verwirrende Angelegenheit, kaum zu durchblicken. Es sei denn, man spricht einfach mal mit der Band selbst! Klar, auf so abwegige Ideen kommen Bild, WAZ und Co. nicht. Aber wir wären nicht Noisey, euer Magazin für investigativen Qualitätsjournalismus, wenn wir nicht sofort alle Hebel in Gang setzen würden, um die vermeintlichen Urkundenfälscher höchstpersönlich zu sprechen.

Noisey: Ihr scheint ziemlich geil darauf zu sein, beim Ruhrpott Rodeo zu spielen. Warum ist euch das Festival so wichtig?
MKSIDH: Nach unserem ruhmreichen Gig um 12 Uhr mittags beim Punk im Pott sehen wir einfach nicht mehr ein, für überhaupt irgendetwas noch Geld zu zahlen. Da wir aber alle Bock haben, die Descendents zu sehen und backstage zu begrabbeln, kommt der Mann halt nicht drum herum, auch auf dem Rodeo als Gast zugegen zu sein. Außerdem tun wir den Punkerfans damit etwas Gutes. Die können dann zu unserer geilen Punk-Mukke ordentlich den guten, alten „Pogo“-Tanz tanzen oder eine so genannte „Wall of Death“ machen.

Mit einem einfachen „Nein“ scheint ihr euch nicht so schnell abzufinden. Schon mal darüber nachgedacht, ob ihr vielleicht als Band nicht gut genug für das Ruhrpott Rodeo seid?
Absolut nicht. Der Graf, Der Scheich, The Ghost & Die Kröte [Bandmitglieder, d. Red.] sind lupenreine Showmenschen, die mäßig- bis mittelmäßig ihr Handwerk beherrschen. Es liegt wahrscheinlich viel eher daran, dass der Veranstalter—wir nennen ihn einfach mal „Herr Schwers“—den Festivalbesuchern keinen ordentlichen Rumpelpunk gönnt.

Kennt ihr Alex Schwers persönlich?
Wir haben uns in Bochum, als wir als Supportband vor Slime gespielt haben, ein Slime-Plakat unterschreiben lassen. Da konnten wir Herrn Schwers kurz Hallo sagen und ihm flüchtig bei einem Glas Rum ernsthafte Konsequenzen androhen. Außerdem hat er uns beim Punk im Pott letztes Jahr in seinem Büro die Gage gegeben. „In echt“ reden wir aber sehr ungern mit ihm, da wir sehr schüchtern sind.

Aufgrund des Briefes und vor allem der nun folgende Berichterstattung kann Alex Schwers eigentlich gar nicht mehr anders, als euch spielen zu lassen. Ist das nicht Erpressung?
Man sollte dem Bürgermeister von Gladbeck keine Erpressung unterstellen. Das wäre nun wirklich nicht fair. Halten wir fest, dass Herr Schwers gut daran tut, uns spielen zu lassen.

Habt ihr keine Angst, wegen Urkundenfälschung dran zu kommen?
Wie meinst du das? Warum sollten wir?

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+++ STATEMENT AUFGRUND AKTUELLER ENTWICKLUNGEN +++Lieber Verwaltungsapparat der Stadt Gladbeck, wir möchten uns recht...

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Mann kackt sich in die Hose

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Mittwoch, 6. Januar 2016

Hättet ihr damit gerechnet, dass dieser Brief jetzt zu so einem Ding wird?
Als wir den Brief im WWW gesehen haben, haben wir alle herzlich gelacht und uns gefreut, dass so viele junge Punker und ein Bürgermeister „Der Graf, Der Scheich, The Ghost & Die Kröte“ oder auch „Mann kackt sich in die Hose“ (kann man sich aussuchen, geht beides) kennen und wertschätzen. Momentan ist der internationale Support gegenüber MKSIDH mehr als herzzerreißend.

Schwers sagt, ihr habt es schon vorher „mehrfach mit allen Mitteln“ versucht. Wie?
Manche Leute behaupten, diverse Kinder hätten Herrn Schwers per Postkarte gedroht, an Weihnachten zu bitterlich weinen, sollte er MKSIDH nicht einen Slot auf dem Ruhrpott Rodeo anbieten.

Der Graf, Der Scheich, The Ghost & Die Kröte aka Mann kackt sich in die Hose (Foto © Jan-Müller Lobeck)

Ihr kommt jetzt plötzlich zu Fame im Netz, man kann aber keine Shirts von euch im Netz kaufen. Ziemlich unprofessionell, wie wir finden. Vor allem bei dem Namen!
Das seht ihr als raffgieriges Medien-Imperium vielleicht so. Wir fördern damit den D.I.Y.-Gedanken im Punkrock, damit Punk nicht ausstirbt. Unsere Fans dürfen gern selbst Textilien mit unserem Logo herstellen. Wenn wir bald mal wieder Geld für neue Schuhe brauchen, gibt es aber auch über uns wieder neue Shirts.

Nachdem ihr den Gig durch eure erpresserische Aktion jetzt so gut wie sicher habt, was sind die nächsten Ziele und wie wollt ihr sie erreichen?
Nach zwei EP’s auf 7inch ist 2016 der zweite MKSIDH-Longplayer dran. Bis dahin werden wir sicher ein bisschen in den JUZentren und AZ’s rumdummen und im August auf dem Resist to Exist in Berlin spielen. Ist übrigens am gleichen Wochenende wie das Ruhrpott-Rodeo, aber die Veranstalter werden sich schon einig werden, so dass die Punks in Berlin UND im Ruhrgebiet auf ihre Kosten kommen.

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