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Wir haben versucht, Falcos Geist heraufzubeschwören

Wir wollten mit Österreichs größtem verblichenen Musiker Kontakt aufnehmen.

von Isabella Khom und Fredi Ferkova
02 November 2015, 9:50am

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Wenn mich jemand fragt, wie ich Halloween finde, dann beantworte ich das mit purer Ignoranz und hoffe, dass sich der Fragesteller an die gute alte Weisheit "Keine Antwort ist auch eine Antwort" erinnert. Von diesem Firlefanz halte ich so viel wie von tagelangem Dünnschiss, der dir dein Arschloch zum glühenden Albtraum macht. Also recht wenig. Dementsprechend war ich am 31. Oktober, der für mich nur ein Tag wie jeder andere ist, auf keiner dieser Partys, an denen Kunstblut auf den Boden tropft und Drinks "Cocktail des Grauens" oder so heißen.

Ich hoffe ihr hattet Spaß. Nun, damit ich diesen Tag nicht ganz sinnlos verbringe, habe ich meine liebste Kollegin Fredi gebeten, mit mir einen Geist zu beschwören. Fredi deshalb, weil sie von uns allen der einzige Mensch ist, der an Horoskope glaubt und so etwas wie "spirituell" ist. Da wir hier ja bei Noisey und in Wien sind, liegt nichts näher, als Falco zu kontaktieren. Falco ist nun schon seit Jahren tot und deshalb können wir davon ausgehen, dass seine Seele gechillt genug ist, um sie mal kurz wieder an den Ort zu holen, den er so gerne besungen hat. Unsere Gespräche, wie wir die Beschwörung überhaupt angehen sollen, haben ungefähr so ausgesehen:

F: "Wir müssen uns nur mental einstellen. Es ist Vollmond, die Chancen stehen gut."
I: "In einer Anleitung, steht, man soll psychoaktive Pilze nehmen. Klingt für mich am logischsten."
F: "Dann sehen wir nicht nur Falco, sondern ganz Wien ´88."

In diesem Ton ging das weiter, bis wir uns dann doch entschlossen haben, es zumindest mit ein bisschen Ernst zu versuchen. Für mich war es das erste Mal, mich mit Geistern, Gläserrücken und ähnlichem Mist zu beschäftigen. Ich hatte das große Glück, mit Freunden aufzuwachsen, die sich lieber mit dem Modellbau der Titanic beschäftigt haben—wait, viel besser ist das auch nicht. Wie dem auch sei. Wenn man keine Ahnung von dem hat, was im Internet weitgehend unter dem Begriff "Okkultismus" zu finden ist, dann ist es gar nicht so einfach, passende Methoden zu finden, um einen Geist aus dem "Jenseits" zu holen. Zumindest ist es dann nicht einfach, wenn man nicht vor hat, sich Dinge wie Räucherwerk, irgendwelche Düfte oder sonst irgendeinen Hexenkram in einem zwielichtigen Laden kaufen zu wollen. Zwei Arten schienen irgendwie machbar:

Die Schwert-Methode

Was man für diese Methode braucht: Idiotie, ein Schwert aus Eisen, einen Zauberstab, einen Kreis, Kerzen, ein Ding, das man mit dem Verstorbenen verbindet, Stimme.

Anleitung: Man muss an einen Ort gehen, an dem man ungestört ist und sich überlegen, aus welcher Sphäre man den Geist zu rufen beabsichtigt. Da ich von Sphären nur eine Ahnung habe, wenn mich gewisse Substanzen dorthin katapultieren, war das schon mal eine Hürde. Dann soll man aus Salz einen Kreis am Boden ziehen, die Kerzen hinstellen und ein Assoziations-Item des Verstorbenen in die Mitte legen. Nun, den Kreis aus Salz haben wir auf die Küchenrolle gestreut, da wir kein Aus'gschau machen wollten und Fredi ist nochmal hochgerannt und hat uns Falco ausgedruckt. Nun soll man sich mit dem Schwert in die rechte und den Zauberstab in die linke Hand in die Mitte des Kreises stellen. Dann soll man so lange intensiv an den Geist denken, bis man zuerst seine Stimme hört und dann seine Anwesenheit spürt. Hier stinkt der Käse doch schon zum Himmel. Erst dann soll ihn bitten, sich sichtbar zu machen und er wird erscheinen. Wenn er nicht erscheint, darf man ihn nicht öfter als drei Mal bitten, zu erscheinen. Wenn dann noch immer nichts passiert, darf man ihm drohen.

Wie es war: Ich bin ein Mensch, der sich in Kellern generell eher unwohl fühlt. Bis auf das eine Mal, an dem ich mal mit jemandem vor geraumer Zeit im Rausch gestritten habe, aus Trotz im komplett unsanierten Keller in einem Karton geschlafen habe und halb erfroren bin, meide ich sie. Außer er ist in einem Hotel und hat einen Pool, dann find ich sie ganz OK. Wie dem auch sei: Wir sind mit unserem Equipment in die Tiefe des Gebäudes gegangen und haben alles hergerichtet. Um uns ein bisschen in Stimmung zu bringen, haben wir via YouTube "Out of the Dark" angehört und aus vollstem Herzen mitgesungen. Als wir alles fertig aufgebaut hatten, hörte das Lied plötzlich mittendrin auf. Wenn du jemanden, der an Spirituelles glaubt (Fredi) und jemanden, dem Keller nicht geheuer sind und der auf Neocitran ist (ich), zusammentust, dann hat man relativ schnell zwei kreischende Mädchen, die rumhüpfen, als wären Spinnen von der Decke gefallen. Natürlich lag das Stoppen des Liedes nur daran, dass es im Keller kein WLAN gab.

Nachdem sich unser Puls wieder von "Wir werden sterben" auf "Alter, wir sollten uns daran erinnern, dass wir offiziell als erwachsene Menschen gelten" normalisiert hatte, haben wir uns in die Mitte unseres Küchenrollen-Salz-Kreises gestellt. Dann haben wir die Augen geschlossen und an Falco gedacht. Die ersten fünf Minuten unseres seriösen Beschwörungsversuches haben aus Lachen bestanden. Nachdem wir uns beruhigt haben, schafften wir es letztendlich doch, die Augen zu schließen und, ähm, in uns zu gehen. Das Licht war aus, im Raum herrschte komplette Stille und zwei Mädchen Mitte zwanzig beschwören Falco. Als ich die Augen zu hatte, habe ich gemerkt, dass ich etwas spürte. War das Falco? Es war nicht Falco, sondern die Kerzen, die mir beinahe mein Kleid vom Körper gebrannt hätten.

Gefühlte fünf Minuten später machten wir die Augen auf und baten Falco, in Erscheinung zu treten. Als er nach dem dritten Mal rufen auch nicht in Erscheinung getreten war, haben wir ja laut Anleitung damit beginnen müssen, ihm zu drohen. Als ich dann "Falco, du Hure, komm endlich" rief, hat mich Fredi freundlich daran erinnert, dass wir ihn nicht aufs Äußerste beschimpfen, sondern ihm aufs Äußerste drohen sollten. Fredi hat diesen Part dann sehr ernshaft übernommen. Erschienen ist er—Überraschung—trotzdem nicht.

Fazit: Wie erwartet, ist nichts passiert. Ein paar Mal haben wir die Klospülung, die irgendjemand im Haus in dem Moment benutzt hat, mit Übersinnlichem verwechselt, das war so ungefähr das Aufregendste.

Die klassische Gläserrücken-Methode

Was man dafür braucht: Idiotie, Zettel, Stift, Schere, Kerze, Glas, ein Tisch ohne Metallelementen, Salz, Stimme.

Anleitung: Lege Buchstaben von A bis Z und Zahlen von 0 bis 9 kreisförmig auf einen Tisch mit glatter Oberfläche. Ziehe einen Kreis aus Salz, um böse Geister fernzuhalten. In die Mitte kommt einmal ein Zettel auf dem ja steht, einer, auf dem nein steht und das Glas. Dann soll man die Finger des rechten Zeigefinger (ich wollte gerade Feigezimmer schreiben, was es irgendwie auch getroffen hätte) auf den Boden des Glases legen, nach dem Geist rufen und mit dem Fragestellen beginnen.

Wie es war: In dem Keller nach einem Tisch und besonders nach einem Tisch ohne Metallelementen zu suchen, war schwer. Also haben wir die moderne Variante eines Tisches—einen Betonblock—gewählt. Nach einer fünfminütigen Bastelstunde bin ich draufgekommen, dass nichts an meinem Text so klingen wird, als hätte ich schon jemals von meinem selbstverdienten Geld Miete bezahlt oder würde gelegentlich Leute zum Essen einladen. Als unser Beschwörungs-Werk fertig in Form gebracht war, haben wir—wie verlangt—angefangen, Falco zu rufen. Schon hier sind wir gescheitert. Während ich mich brav des Genitivs bedient hatte und „Großer Geist DES Falco, wir rufen dich" geschrien habe, hat Fredi „Großer Geist VOM Falco, wir rufen dich" geschrien. Nachdem wir das Fall-Problem gelöst hatten (der Dativ hat es ausnahmsweise mal geschafft, sich durchzusetzen), machten wir weiter.

Ein paar Rufe und ein paar Mal Augen verdrehen später (man kommt sich sehr angeschodert vor, so viel steht fest), sind wir davon ausgegangen, dass die erneute Betätigung der Klospülung Zeichen genug ist, dass Falco nun da ist. Also haben wir begonnen die erste Frage zu stellen: "Mit welchem Buchstaben beginnt das letzte Lied von dir, das noch zu deinen Lebzeiten rauskam ." Dieses scheiß Glas hat sich tatsächlich bewegt. Nachdem ich Fredi angeschrien habe "Alter, bewegst du dieses scheiß Glas?!" und sie zurückgeschrien hat "Oida, schwöre, nein! Du?!" haben wir uns wieder beruhigt und dem Glas bei seiner Wanderung zugesehen. Es ist bei "N" stehen geblieben. Wenn ich dem Wikipedia-Eintrag glauben darf, dann war "Naked!" das letzte Lied, das veröffentlicht wurde.

Nichts liegt näher, als Falco zu den derzeit größten Bands Österreichs zu befragen. Kurz und schmerzlos: Auf die Frage, ob er Wanda gut findet, kam ein schnelles Nein. Bilderbuch? Ja. Wir möchten darauf hinweisen, dass wir für diese Antworten nichts können (oder, Fredi?). Als wir ihn nach der besten Droge gefragt haben, ist das Glas gen "C" gerrückt, was nur Cocaine bedeuten kann. Falco, du altes Schneegestöber. Wir haben ihn auch gefragt, ob Franz (wer auch immer er ist) Fredi noch liebt. Franz liebt Fredi nicht mehr.

Falcos Party scheint auch im Jenseits nicht zu enden, da er auf die letzten zwei Fragen falsche Antworten gab. Bei der Frage nach seinem Todesalter kam 45 raus, was falsch ist und beim ersten Buchstaben vom Namen seiner Tochter blieb das Glas bei "M" stehen, was ebenso falsch ist. Tzz. Fredi besteht aber darauf, dass Falco seine Tochter "Mausi" genannt hat und das "M" deshalb dennoch stimmt.

Fazit: Was Muskelkraft schaffen kann, hm? Wenn man elf Jahre alt ist, dann kann ich mir schon vorstellen, dass man sich dabei in die Hosen macht, aber Falco ist uns nicht erschienen und seine Seele ist auch noch immer dort, wo ich ihn vermute: Mit seinem Körper gestorben. Falco hat die wunderbare Leichtigkeit des ewigen Nichts und da es kein Leben nach dem Tod gibt, wird Falco auch sonst niemandem erscheinen, der nicht doch auf die psychoaktiven Pilze zurückgreift.

Die abgwandelte Charlie-Challenge

Was du brauchst: Idiotie, zwei Stifte, Papier.

Anleitung: Die Stifte werden überkreuzt auf einen Zettel gelegt und auf die so entstandenen Felder werden jeweils zwei Mal ja und zwei Mal nein geschrieben.

Wie es war: Zugegeben, eigentich haben wir diese Methode einem im Frühjahr diesen Jahres viral gegangenen Trend entnommen: Ein paar Kids haben den Geist eines mexikanischen Demons namens Charlie beschworen. Laut diversen Vines hat das auch ganz gut funktioniert. Nachdem die Leute "Charlie, Charlie, are you there" gerufen haben, bewegten sich die Bleistifte auf ja. Bei uns hat das nicht funktioniert. Kein bisschen. Vielleicht funktioniert das auch einfach nicht, wenn man Charlie mit Falco austauscht.

Fazit: Die Physik war nicht auf unserer Seite.

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