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Was passierte, als ich mit einem Prinz-Pi-Pullover in Berlin feiern ging

Das letzte Mal, als ich aufgrund meiner Kleidung so sehr verurteilt wurde, waren Schlaghosen noch in und Prinz Pi hieß noch Prinz Porno und war dope.

von Nina Damsch
23 Mai 2016, 7:30am

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Anmerkung: Bei dem abgebildeten Mädchen handelt es sich nicht um Marie. Die weigerte sich, ein Bild mit dem Pulli zu machen.

Als mich meine Freundin Marie fragte, ob ich ihr einen Pullover für den Abend ausleihen konnte, wusste sie noch nicht, welches Schicksal ihr bevorstand. Schließlich drehte ich ihr den Keine Liebe-Pulli an, der seit Jahren ein schambehaftetes Schattendasein in den Untiefen meines Kleiderschrankes fristete und bestimmt von den daneben liegenden Royal-Bunker-T-Shirts gemobbt wurde, wenn ich nicht hinsah. Ihre Freude, als ich ihr mit vermeintlicher Großzügigkeit anbot, den Pulli doch einfach zu behalten, sollte im Laufe des Abends verfliegen.

Wie dieser Pulli überhaupt in meinen Besitz gekommen ist? Zugegeben, ich war mal Fan von Prinz Pi. Doch damals nannte er sich noch Prinz Porno, rappte in einer Crew namens Beatfabrik und sagte Dinge wie "Ich bete, du kriegst Kinder, stirbst bei der Geburt und die Bälger sind behindert." Aber wie jedem aufmerksamen Musikfan aufgefallen sein sollte, sind diese Zeiten lange vorbei. Sehr lange. Jedenfalls war meine nostalgische Ader der Grund dafür, dass ich mir unter anderem einen Keine-Liebe-Pullover aussuchte, als ich von einer Merchandise-Firma im Gegenzug für einen Gefallen meinerseits Kleidung geschenkt bekam (hätte ich mich auf ein Teil beschränken müssen, hätte der Keine-Liebe-Pulli bestimmt nicht das Rennen gemacht).

Wie sich jedoch herausstellte, war diese Entscheidung falsch. Im Zuge der musikalischen Releases der letzten beide Jahre (und eigentlich auch der vier davor) stellte sich offener Prinz-Pi-Support zunehmend als sozialer Selbstmord heraus. Ich musste diesen Pulli loswerden. Er war zu einem dunklen Fleck auf meiner weißen Weste exzellenten Rap-Geschmacks geworden. Und so verließen die ahnungslos naive Marie und ich warm gekleidet die Sicherheit der Wohnung. Hinein in die samtschwarze Nacht—eine dieser ersten milden Nächte, die den nahenden Sommer ankündigen... Moment, beginnt die Gegenwart des Prinz-Pi-Pullovers meine Gedanken zu beeinflussen? Wie dem auch sei: Ich hatte diese Erfahrung schon gemacht, Marie stand sie noch bevor. Es folgt ein Erlebnisbericht aus Sicht eines Menschen, der es wagte, einen Keine-Liebe-Pulli öffentlich in Berlin zu tragen.

Ankunft im Club

Eine typische Berliner Szene-Party. Im Innenhof gibt es koreanisches Fast Food, im Club wird Fetty Wap gespielt. Eigentlich müsste man meinen, dass die Leute hier es sich nicht erlauben können, dich für deinen Prinz-Pi-Pullover zu shamen. Weit gefehlt. Als ich endlich an der Reihe für den koreanischen Kimchi Burger bin, bemerke ich, wie der Standbudenverkäufer seine Augen herablassend auf dem Keine Liebe-Schriftzug ruhen lässt. Ich fühle mich unwohl und zum Glück ruft just in diesem Moment der Freund, mit dem wir uns hier treffen wollten, meinen Namen.

Das harte Urteil der Freunde

Direkt nach einer überschwänglichen Begrüßung hält er mich bei den Schultern etwas von sich weg und fragt ungläubig: "Hast du da einen Prinz-Pi-Pullover an?!". Mich beschleicht das Gefühl, dass dies nicht das letzte Mal sein wird, dass ich mich für meine Kleiderwahl rechtfertigen muss. Ich beginne wütende Gefühle gegenüber meiner Freundin Nina zu entwickeln, die feixend an ihrem Strohhalm zieht und sich über den nun schon zweiten Kommentar innerhalb von fünf Minuten zu freuen scheint.

Der scharlachrote Buchstabe ist kein A, es ist ein P

Ein weiterer koreanischer Imbissbudenbetreiber macht sich über meinen Pulli lustig, indem er mit dem Finger auf mich zeigt und seinen Freunden verkündet: "Schaut mal, die hat einen Keine-Liebe-Pulli an!" Ich weiß nicht, was Prinz Pi der koreanischen Gemeinde hier angetan hat, aber eins ist sicher: Sie können ihn nicht leiden. Ich werde wiederholt von ihm und seinen Freunden gefragt, ob ich Prinz-Pi-Fan sei. Ich beschwere mich bei Nina, die jedoch mit schallendem Gelächter statt Mitleid auf meinen Unmut reagiert. Ich beginne zu vermuten, dass die das von langer Hand geplant hat und ich ihr Versuchskaninchen für einen Noisey-Artikel bin. Verdammte Lügenpresse.

Kapitulation

Nach der fünften Frage, ob ich Prinz Pi Fan sei, gefolgt von hochgezogenen Augenbrauen und gekräuselten Lippen habe ich mich entschieden, lieber zu frieren, als weiter auf meinen Pullover reduziert zu werden. Dann doch lieber auf meine Titten. Zu denen kann ich wenigstens stehen—ich kenne Prinz Pi ja überhaupt nicht! Also ziehe ich den Pullover aus und gebe ihn bei der Garderobe ab. ich hoffe, er wird dort nicht von den Bomberjacken gemobbt.

Zumindest bei dieser Party gab es keine Liebe für Prinz Pi.

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