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Indians haben Angst, dass wir sauer auf sie sind

Und das zu Recht. Immerhin haben sie uns knallhart versetzt.
10.3.13

Einer Band, die aus drei blassen, verhuschten Dänen besteht und die mit ihrem verträumten, Synthie-lastigen Sound und einem ordentlichen Batzen Singer/Songerwriter-Melancholie insgesamt eher den Eindruck erweckt, dass die Typen keine anderen Jahreszeiten außer Herbst und Winter kennen, traut man nicht unbedingt Rockstarallüren zu. Wie es später hieß, dachten Indians, die Interviews würden aus irgendwelchen ominösen Gründen alle ausfallen. Einfach so. Und wer nimmt schon sein Mobiltelefon mit, wenn er in einer fremden Stadt den ganzen Tag auf Shopping-Tour ist? Jedenfalls krochen sie vor uns zu Kreuze und lockten uns mit Freigetränken zu einem Nachholtermin direkt vor dem Konzert im Berliner Privatclub und bestachen uns zudem mit Süßigkeiten und einer Umarmung. Bevor es auf die Bühne ging, haben wir uns von Band-Häuptling (Verzeihung, der musste sein!) Søren Løkke Juul, unter anderem schnell erklären lassen, warum der Rockstar eine ausgestorbene Spezies ist und weshalb er sich ohne schniekes Hemd nicht auf die Bühne traut. Sowieso haben wir irgendwie viel über Klamotten geredet … Skandinavier halt.

Noisey: Was war heute Mittag bitte los?

Søren: Ich dachte, die Interviews sollten gestern stattfinden und für heute wären alle abgesagt. Sorry nochmal!

Gestern war euer freier Tag, ich dachte, ihr würdet noch im Berghain rumhängen. Ist ja direkt neben eurem Hotel …

Wo sollen wir deiner Meinung nach gewesen sein?

Im Berghain. Kennst du nicht? Das ist der bekannteste Club in Berlin. Leute gehen dahin und verschwinden dort für drei Tage.

Was? Nee. Wir waren in einem Laden namens Wohnzimmer. Das war echt nett und heute haben wir lang geschlafen und dann sind wir durch Berlin gelaufen und haben uns in teuren Klamottenläden schöne Sachen angeguckt, die wir uns nicht leisten können.

Pff! Voll langweilig. Hast du mitbekommen, dass gerade Berlinale ist?

Ach echt?

Ja. Könntest du dir vorstellen mal einen Song zu einem Soundtrack beizusteuern oder Filmmusik zu schreiben?

Ja, total! Das würde mir sehr gut gefallen.

Für welche Art von Film wäre das?

Ähm … Ich glaube, es sollte ein Liebesfilm sein … (überlegt)

So so, was Romantisches also.

Ja, irgendeine romantische, verkorkste Liebesgeschichte. Das wäre schön. Aber eigentlich mag ich Filme über wahre Begebenheiten. Der letzte Film, in dem ich im Kino war, ging es um den dänischen König und seinen Leibarzt. Der Typ war glaub ich sogar Deutscher. Jedenfalls reiste er viel durch Europa und kannte sich gut aus in Sachen Politik und hatte einen Rieseneinfluss auf den König und seine Politik und machte im Endeffekt Dänemark zu einem besseren Land.

Das überrascht mich, dass du auf sowas stehst… Harte Fakten und Politik?! Was hältst du von Musikfilmen?

Ich glaube nicht mehr wirklich an Rockstars. Sowas gibt es doch gar nicht mehr und das wird es auch nicht mehr geben. Rockstars sind etwas, das es in 60ern oder 70ern mal gegeben hat.

Warum denkst du denn, dass die Ära der Rockstars vorbei ist?

Also zuerst einmal gibt es einfach nicht mehr die Massen an Geld im Musikbusiness. Du kannst heute zwar auch sehr berühmt sein, aber dieselbe Menge an Menschen, die dich kennen, hätte vor 30 Jahren gereicht, um dir eine Privatinsel zu finanzieren. Heutzutage muss man da echt sein Durchhaltevermögen trainieren … Ich kenne viele große, berühmte Bands in den Staaten und die sind trotzdem nicht reich.

Also denkst du, es ist das viele Geld, das dich zum Rockstar macht?

Ja, klar! Weil du dann machen kannst, was du willst und dich um keinen Schwanz scheren musst. Weißt du, du kannst einfach einfach ein arrogantes Arschloch sein. (lacht)

Das kannst du doch auch ohne superreich zu sein. Schau dir Lemmy von Motörhead an, der ist auch nicht superreich und scheißt seine Lebzeit auf alles und jeden. Wenn der mal nicht ein Rockstar ist …

(lacht) Ja, OK. Es geht wohl auch ein bisschen um die Attitüde. Ich persönlich bin sowieso eher daran interessiert, eine nette Person zu sein und will das alle um mich herum glücklich sind.

Das ist ja lieb von dir. Bist du auch so nett zu deinen Kollegen, wenn die auf der Bühne deine Songs verhauen? Oder schmeißt du die direkt raus?

(lacht) Nein, nein! Wir versuchen, unsere Auftritte nicht zu versauen, aber manchmal macht man halt einen Fehler. Es ist ehrlich gesagt ganz angenehm, mal die Kontrolle ein wenig abzugeben und nicht komplett selbst verantwortlich zu sein. Ich finde außerdem auch, dass es etwas Wunderschönes ist, wenn jeder von uns seine Persönlichkeit einfließen lässt und so dann ein neuer Sound zustande kommt.

Apropos auftreten. Ich habe gesehen, dass du bei euren Shows total oft so ein weißes Hemd mit Federn am Kragen trägst. Ist das dein Bühnenoutfit?

Ja schon. Zumindest trage ich auf der Bühne immer ein Hemd. Ich könnte auch in meinen normalen Klamotten auf die Bühne gehen, aber dann würde ich mich irgendwie unvorbereitet fühlen. Wenn ich meine Klamotten wechsle, bin ich bereit für die Bühne.

Machst du das für dich selbst oder denkst du, das Publikum interessiert es, ob du im Hoody auf der Bühne stehst oder im Hemd?

Ich will mich schon auch für die Zuschauer schick machen. Das ist man den Leuten doch schuldig, dass man wenigstens versucht nett auszusehen.

Was sollen die Federn?

Äh, also die Federn … Na ja, ist auch egal, die sind nämlich kaputt gegangen. Ich hab jetzt das hier. (zeigt auf ein indianisch aussehendes Steinamulett) Aber das ich auch kaputt gegangen, ich wollte das gerade reparieren (holt eine Tube Pattex aus der Tasche und fängt an sein Amulett zu kleben). Das bringt Glück.

OK …

Ich habe letztens vor einem Auftritt mein Hemd im Hotel vergessen, das war in Brüssel. Ich habe mich die ganze Zeit ganz unwohl gefühlt, weil ich mich nicht richtig einkleiden konnte. Ich habe das schon immer so gemacht, auch in meinen früheren Bands. Das ist eigentlich fast schon ein richtiges Ritual für mich. Ich muss das machen, bevor ich auf die Bühne gehe.

Interessierst du dich auch abseits der Bühne für Mode?

Oh ja! Also ich gehe jetzt nicht zu Modenschauen oder so. Aber ich finde, das Beste, was die Modewelt so für Männer gebracht hat, ist, dass man keine Schlabberhosen mehr tragen muss. Ich mag die schmal geschnittenen Hosen sehr. Und ich gehe gerne schöne Klamotten einkaufen. Es ist für mich auch echt schwer, mich dazugehörig zu fühlen, wenn ich in einem Land bin, in dem die Leute nicht auf ihre Kleidung achten. Deshalb bin ich auch sehr gerne in Paris. Ich finde es einfach inspirierend, wenn die Menschen gut angezogen sind.

Die Deutschen haben ja nicht gerade den Ruf ein modebewusstes Volk zu sein …

Ja, das stimmt schon. Ich habe, als ich in den Staaten unterwegs war, auch oft zu hören bekommen, dass Leute aus Skandinavien besonders gut angezogen sind.

Das denken die Deutschen von euch auch. Ich war mal auf einer Ausstellung, da habe ich eine Arbeit gesehen, in der ein Künstler an öffentlichen Plätzen in Metropolen auf der ganzen Welt eine Kamera aufgestellt hat und einfach nur die Leute gefilmt wurden, die so vorbeigekommen sind. Es war schon auffällig, wie gut die Leute in Paris, Rom, in Stockholm ausgesehen haben … und in Berlin liefen die rum wie Penner. Es war Sommer und ständig kam jemand in Jogginghosen, Adiletten, und einem Fischerhut vorbei.

Ja, das macht echt einen Riesenunterschied. Das ist nicht wirklich inspirierend.

Was sagt es denn über ein Volk aus, wenn es sich scheiße anzieht?

Ich finde das einfach nur total schade, es ist Zeitverschwendung. Die Leute haben einfach keinen Geschmack und verstehen nichts von Qualität.

Warum ist das denn so wichtig für dich?

Ich sage dazu Eye-Candy. Es ist einfach eine gute Sache, sich schöne Dinge ansehen zu können. Ich lege auch viel Wert auf Qualität. Wenn ich es mir leisten könnte, würde ich mir nur teure Sachen kaufen, aus hochwertigem Material. Ich habe eine teure Jacke und ich weiß, dass ich sie für immer haben werde, weil sie niemals kaputt gehen wird. Das ist ein sehr schönes Gefühl, zu wissen, dass ich hier etwas für die Ewigkeit habe. Ich habe mich zehn Monate lang von Cornflakes ernährt, damit ich mir diese Jacke für 1000 € leisten konnte.

Aber du willst doch nicht dein ganzes Leben lang in derselben Jacke rumlaufen, oder? Bloß weil du 1000€ dafür geblecht hast, hast du jetzt den Druck, sie tragen zu müssen, bis du stirbst.

(lacht) Die Qualität hat mich eben überzeugt. Ihr Deutschen müsstet doch eigentlich etwas von Qualitätsarbeit verstehen.

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