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The Noisey Guide To Britney Spears

Es hat alles mit einer Schulmädchen Uniform angefangen. 15 Jahre Britney.
3.10.13

Heilige Scheiße, Britneys neues Video hat mit mich wirklich kalt erwischt. Ich meine, ihr hört hier nicht nur will.i.am als Produzenten, einen Swedish-House-Mafia-Beat und eine 150 Millionen Dollar schwere Blondine, die euch anschreit, dass ihr gefälligst zur Arbeit gehen müsst, wenn ihr auch einen verfluchten Maserati fahren wollt. Auch visuell transportiert Britney hier eine verwirrende Mischung aus Schmink-Session in der Wüste, Tanzchoreographie aus den 00er Jahren und Haien, die in einem buntem Pool schwimmen—und das in der Ästhetik einer dieser billigen Parfum-Werbungen. Das ist ist wirklich viel auf einmal, bestimmt auch für Britney selbst, die sonst ja schon einiges erlebt hat. Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen, als sie mich das erste Mal schockte.

Britney Spears war die erste Pop-Prinzessin meines Lebens. Als ich ein gelangweiltes katholisches Schulmädchen war, übernahm Britney gerade die Charts als schüchtern lüsternes Schulmädchen und „… Baby One More Time“ wurde zum Meilenstein meiner jungen Liebe zur Pop-Musik. Ich kürzte den Rock meiner Schuluniform, verprasste mein hart verdientes Babysitter-Geld für bauchfreie Tops und rastete komplett aus, als die ersten Takte dieses Songs zur Hymne des Übergangs zwischen Tween und Teen wurden. Britneys perfekte Pop-Debüt-LP war der Beginn ihrer 15-jährigen Karriere, wurde das meistverkaufte Album eines jugendlichen Solokünstlers und übertraf alles vorher Dagewesene.

Am Höhepunkt ihrer Herrschaft hatte man das Gefühl, dass Britney durchgehend ihre Tage hatte. Während sie Partnerlook-Outfits zusammen mit ihrem Ex-Schätzchen Justin Timberlake abstimmte und Zeilen wie „But I thought the old Lady dropped it into the ocean in the end?“ schrieb, bekam auch ihre Menstruation die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Aber dann ging alles vor die Hunde, als Spears den spektakulärsten Nervenzusammenbruch, den die Promiwelt je gesehen hatte, erlitt. Für mich macht Britney ihre Fähigkeit, sich von Tiefpunkten (z.B. sich weinend die Haare abrasieren und auf das Auto eines Papparazzi mit einem Regenschirm einschlagen) nicht unterkriegen zu lassen, zu einem der nahbarsten und großartigsten Stars unserer Generation. Oder hast du noch nie versucht ein Auto zu verdreschen?

Als Britney noch der größte Popstar der Welt war

„…Baby One More Time", „(You Drive Me) Crazy", „Sometimes", „Born to Make You Happy", „Oops!… I Did It Again", „Stronger"…

Ich könnte ewig so weitermachen, aber ich muss dich fragen: WAS ZUR HÖLLE HAST DU IN DEINER TEENAGERZEIT GETRIEBEN? Mit irgendwelchen fremden Typen zum Mc Drive zu fahren, ist nicht cooler als tausende Platten zu verkaufen, da sind wir uns einig, oder?

Als Britney die Regeln der Aussprache neu erfand

Dieses Video habe ich eigentlich ausgegraben, um euch Kostverächtern zu beweisen, dass Britney ihren Plattendeal ursprünglich bekommen hat, weil sie so ein gewaltiges Stimmvolumen hat, und dass sie sich um die Mandy Moores und Jessica Simpsons dieser Welt keine Gedanken zu machen braucht. Aber in Wirklichkeit erinnert mich dieses Video nur an Britneys freie Auffassung über die Aussprache von Vokalen. Seither wird nicht nur das Wort „me“ von jeder Popprinzessin „maaaaaaaaayuuh“ gesungen.

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Als Britney die VMAs noch rockte

Frisch nach der Zusammenarbeit mit den Neptunes, die ihr dabei halfen, sich von der liebenswürdigen Seifenblasenraupe in einen aggressiven Sex-Schmetterling zu mausern, stürmte die eingeölte Britney die 2001er VMA-Bühne mit einer zwei Meter langen Schlange, um „I'm a Slave 4U“ zu performen. Von der Schlange hab ich damals nichts mitbekommen, weil ich mich fragte, wo ihr Venushügel anfing, wo er wieder aufhörte, und was dieses fluffige Bauchgefühl zu bedeuten hatte…

Als bekannt wurde, dass Britney 2003 auf die VMA-Bühne zurückkehren würde, fragten sich alle, mit welchem Reptil sie sich dieses Mal auf der Bühne winden würde. Es war Madonna.

Während der ganzen Neuauflage von „Like A Vrigin“ schockte Britney alle mit dem anstößigen Zungenspiel, das sie mit Madonna trieb. Das ging sogar soweit, dass alle weitestgehend vergaßen, dass Christina Aguilera auch noch auf der Bühne war und der Kameramann lieber auf Justin Timberlake schwenkte, der offensichtlich nur die Sekunden zählte, bis er der Kameramann wieder zurückschwenkte und er es ihm mit einem kräftigen Schlag auf den Hinterkopf heimzahlen konnte.

P.S.: Miley Cyrus, SO rockt man die VMAS.

P.S.S: Ein dickes Plus auch an Mary J's Kein-Bock-Fresse im Hintergrund.

Als Britney noch besser tanzen konnte als andere Bitches

Okay, Britney hat schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt in ihrer Karriere auf tatsächlichen Live-Gesang geschissen. In ihren goldenen Zeiten verdrehte sie dafür ihren Körper so absurd, dass nur ein Flick-Flack-Back-Flip sie wieder in eine normale Position bringen konnte. Chapeau!

Als Blackout sich tatsächlich als gutes Album herausstellte

Verstrickt in einer zwielichtigen Mischung aus Perücken und Haar-Extensions, dachten eigentlich alle, dass Brintey nur noch so herumkrebsen würde, und doch kam plötzlich ihr fünftes Album Blackout, so liebevoll wie ein Fliegenschiss, vom Himmel gefallen. Die Leadsingle „Gimme More“ wurde von einem miesen Video begleitet, das aussah, als wurde es mit einem Blackberry aufgenommen. Es zeigt, wie Britney sich in einem dieser Stripclubs räkelt, in denen man in regelmäßigen Abständen Spritzen und Alufolien aufkehren muss. Wenn du den Song ein paar Mal gehört hast und dich lange genug über ihre Pole-Dance-Qualitäten echauffiert hast, wirst du feststellen, dass du es hier mit einem der besten Britney-Tracks überhaupt zu tun hast. Allen Widerständen zum Trotz hat Blackout nur positive Rezensionen bekommen und was noch viel wichtiger ist, die Punchline „It's Britney Bitch“ wurde für immer in unsere kleinen, Popstars-vergötternden Hirne gebrannt.

Als Mellissa Joan Hart in Britneys Video war

Meinst du, die schicken sich noch Weihnachtskarten?

Jedes Mal, wenn Britney mit einem Frappuccino und ohne BH erwischt wurde

„Ms. Spears, hätten sie gern einen Latte von der goldenen Cafetière, die gestern aus Mailand angekommen ist?"

„Ach, fickt euch alle. Ich hätte gern einen Liter von diesen Kaffee-Slushies."

[Auto fährt mit quietschenden Reifen davon]

„…Können Sie nicht wenigstens einen Pullover anziehen, Ms. Spears?"

Seit Britney es genießt, einen F*** auf alles zu geben

Nachdem Britney mehr oder weniger ein Jahrzehnt ihrer Karriere durch dauerhaftes Grinsen bestach, konnte ihr (auch dank Vaseline auf den Zähnen) die billige Mobbing.Attake seitens Eminem nichts mehr anhaben. Britney hat schon viel erlebt. Abgesehen davon, dass sie seit sie 17 war, mit ihren Titten im unbarmherzigen Rampenlicht herumwackelte, hatte sie zu dem Zeitpunkt, als sie als zickiges Jury-Mitglied mit toten Augen in der Fernsehshow X-Faktor auftauchte, auch schon das Sorgerecht für ihre Kinder verloren. Weg war die Britney mit der merkwürdig quietschenden Babystimme, stattdessen saß dort eine Britney, die sich jedes Mal persönlich angegriffen fühlte, wenn jemand auf die Bühne gelassen wurde, der Pop ihrer Meinung nach nicht angemessen vertrat, und keine ordentliche Version von „Billie Jean“ darbot.

Als Britney „Everytime“ herausbrachte

Nach der Veröffentlichung ihres vierten Studioalbums In the Zone sah es fast so aus, als ob Britney wieder ganz oben angekommen wäre, die Welle des Erfolgs mit einer Kollaboration mit Madonna abritt und dem Ganzen mit „Toxic“ auch noch die Krone aufsetzten würde. Während Britneys Stärke immer Pop gewesen war, der dir das Gefühl gibt, als würde dein Hirn in eine rosa Popcornmaschine gesteckt werden, bevorzugte sie es hier, als sie zum ersten Mal die komplette kreative Verantwortung für eine LP trug, in eine nackte Ballade zu schlüpfen, von der es später heißen wird, sie sei die Antwort auf Justins „Cry me a River“-Video. Es war schmerzlich genug, „Everytime“ auf dem sonst eher munteren Album zu hören und sich plötzlich über die Sinnlosigkeit des Lebens in einer Ecke heulend wieder zu finden, aber dann kam auch noch das Video dazu und man hoffte nur noch, dass sie irgendjemand mal ganz lang in den Arm nehmen würde. Das Video, das sie eigentlich beim Selbstmord durch eine Überdosis zeigen sollte, offenbarte einen verstörenden größten-Star-der-Welt (so fängt es an), eine belastende Beziehung zwischen ihr und den Papparazzis und letzten Endes ihren Fast-Tod in der Badewanne. Wow, das sind keine Tränen…nur eine Allergie.

Als Diane Sawyer Brintey zum Weinen brachte

Noch lange bevor sie in eine Psychiatrie eingewiesen wurde oder sie beschlossen hat, sich selbst einen Glatzkopf zu verpassen, war da dieses Interview mit Diane Swayer, die tatsächlich den Satz „LMAO, you've had an exceptionally shit year, right?“ fallen ließ, was dazu führte, dass die Risse in Britneys sorgsam aufrecht erhaltenem Image sichtbar wurden. Trotzdem oder gerade deswegen, wenn man von all ihren kleinen Erschütterungen absieht (Kevin Federline und jeder andere Mann, der sie nur zum Eigennutz gefickt hat; die Drogen auf Rezept; die Gerüchte darüber, dass sie ihre Kinder mitten in der Nacht wecken würde, weil sie sie während des Tourstress tagsüber nicht sehen könnte; jedes Mal, wenn sie niemand vor dem Komplett-Jeans-Look gewarnt hat), war es dieses Interview, dass Britney von allen anderen Stars unterschied. Es machte sie besonders, weil sie zeigte, dass sie fehlbar ist. Wenn schon, dann wollen wir Promis weinen sehen, weil sie traurig sind und nicht, weil sie das Leben für seine unbändige Schönheit bewundern. (Nichts gegen dich, Beyoncé!)

Also, danke nochmal, Britney, für 15 Jahre Musik und Absurditäten. Schön, dass du uns immer noch schocken kannst.

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