Die besten Gadgets vom Chaos Communication Congress—eine unvollständige Liste
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Die besten Gadgets vom Chaos Communication Congress—eine unvollständige Liste

Wir haben uns von Hackern und Bastlern jenseits der großen Bühnen ihre nerdigsten Erfindungen erklären lassen. Fazit: Nicht immer sinnvoll und trotzdem genial.
1.1.17

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Der Name Chaos Communication Congress ist eigentlich irreführend, denn beim größten Hackertreffen Europas geht es bei Weitem nicht so dröge wie bei einer Konferenz zu: Es ist ein ausgewachsenes, einzigartiges Festival, auf dem 12.000 Hacker nicht nur über Technologie und Nerdkultur diskutieren, sondern sie auch rund um die Uhr für volle vier Tage zelebrieren.

Das Herz des Congress ist daher keineswegs nur die Wissensvermittlung auf der Bühne, sondern der leidenschaftliche Austausch durchs gemeinschaftliche Löten, Programmieren, Lernen, Basteln und Abdrehen in der nur durch sanft blinkende Lämpchen und flackernde Bildschirme erhellten Assembly im Bauch des CCH—jenem Hamburger Kongresszentrum, das jedes Jahr aufs Neue zum Hauptquartier der globalen Hacker-Kultur wird.

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Nach spätestens 24 Stunden sind die Gänge und Hallen nicht nur mit übernächtigten Menschen in Pantoffeln bevölkert, sondern voll von Stickern, Platinenteilen, LEDs, Drähten, Kabeln und den wundersamsten, einzigartigen Gadgets, die entweder mitgebracht oder direkt vor Ort erschaffen wurden.

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Weil sie viel zu schade sind, um nach den vier Tagen Congress wieder in der Schublade zu verschwinden, haben wir die Hacker gebeten, uns ihre Begleiter vorzustellen und zu erklären, was es damit auf sich hat.

Die Rickroll-Kanone: Ultraschall-Lautsprecher

Von: Nicklas Fauth

Das Foto zeigt nicht den Erfinder, sondern einen anonymen Benutzer der Kanone, der uns Rede und Antwort stand. Die Kanone ist auf diesem Bild mitten im CCH-Gebäude auf eine der zentralen Rolltreppen gerichtet | Alle Bilder: Motherboard

Was ist das?

Oh Mann, das Ding ist so geil! Das ist eine Schallkanone auf einem Stativ mit einer übelst weiten Reichweite und einem ganz präzisen Strahl. Du musst nur ein Smartphone oder so als Soundquelle anschließen und das Ding hier auf Leute ausrichten, die zum Beispiel gerade hier die Rolltreppe runterfahren. Dann kriegen sie gezielt den Sound ins Ohr, „Never gonna give you up" natürlich.

Siehst du, wie die sich alle umdrehen und überall nach einem angebrachten Lautsprecher suchen? Shit, jetzt hat er mich!

Wie lange hast du dafür gebraucht?

Ich hab das hier leider nicht selbst gebaut, nur vorhin entdeckt, aber ich steh hier schon eine ganze Weile und trolle Leute. Beziehungsweise rickrolle ich sie. Dieses Teil ist genial. Ich könnte das den ganzen Abend machen, so lustig! Der Soundstrahl reicht locker 60 Meter. Pass nur auf, dass du nicht direkt daneben stehst, weil es dann superfies fiept.

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Mehr Infos zum Projekt findet ihr auf der Github-Seite von Niklas Fauth

LED-Marmelade meets Glasbaustein: Frozen Bottle

Von: Steffen; Freies Labor (Hackerspace Hildesheim)

Steffen mit der Kreation, die der Hildesheimer Hackerspace zum Kongress mitgebracht hat | Das Bild stammt aus der inzwischen abgedunkelten Assembly Hall an Tag 3

Was ist das?

Dieses Ding steht in unserem Hackerspace in Hildesheim und besteht hauptsächlich aus Holz, Glas und Kabeln. Das sind lauter kleine Marmeladengläser, deren Boden wir vorn mit einer milchigen Folie beklebt haben und die hinten durch die Schraubdeckel verkabelt sind und mit einem Bus hintereinandergeschaltet werden. Und dann laufen da verschiedene Programme ab, die wir mit Python geschrieben haben.

Gerade versuche ich, die Nyan Cat draufzuprogrammieren, man kann sie schon in groben Zügen hier in meinem Programm erkennen, aber sie ist noch nicht perfekt. Motherboard? Können wir natürlich auch durchlaufen lassen, Moment… so, fertig.

Die Rückseite der Frozen Bottle-Wand

Wieviel habt ihr dafür investieren müssen?

An Materialkosten hat uns das, was du hier siehst, 190 Euro gekostet. Außerdem haben wir 200 bis 300 Euro für Materialien ausgegeben, die wir in der Entwicklung oder bei früheren Versuchen verbraucht haben.

Neuzeitlicher Stelzenlauf: Das Getränkekisten-Hoverboard

Von: Lars und Fabi

Wie seid ihr auf die Idee für das Projekt gekommen?

Lars: Wir haben durch Zufall einen Händler auf eBay Kleinanzeigen gefunden, der kaputte Hoverboards verkaufen wollte. Also sind wir zusammen hingefahren und haben uns günstig einen ganzen Kofferraum voller Hoverboards mitgenommen.

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Sieben von neun haben wir schon wieder flott gemacht. Bei den meisten Boards waren einfach nur ein paar Kabel locker. Wenn ich sie auseinandernehme, verklebe ich einfach alle Teile neu, um es stabiler zu machen. Das hier, auf dem ich stehe, hat übrigens sofort funktioniert. Ich hab meinen Namen rangeklebt, damit ich es auch mal verleihen kann.

Leider kann ich damit nicht auf der Straße fahren, weil das Ding über sechs Stundenkilometer fährt und motorisiert ist. Damit braucht es eine Zulassung als Straßenfahrzeug.

Zum wievielten Mal bist du auf dem Chaos Communication Congress?

Lars: Das ist mein dritter Congress. Zu einem Talk hab ich es tatsächlich noch nicht geschafft, aber es gibt ja auch so genug zu tun und zu sehen. Habt ihr eigentlich schon den fahrenden Ohrensessel und die fahrende Mate-Kiste gesehen? Die haben denselben Untersatz: Hoverboards.

Warum habt ihr das gebaut? Was bringt eine fahrende Getränkekiste?

Fabi: Gar nichts besonderes. Aber man kann es halt einfach machen; das reicht als Grund.

Hattet ihr schon mal einen Unfall?

Nein, hatten wir nicht, es ist eigentlich ziemlich sicher. Als wir gestern auf mehreren Kisten rumgefahren sind, kam auch irgendwann das CERT-Team vorbei (also das medizinische Versorgungsteam des 33C3). Die haben das auch für sicher befunden, und nach kurzem Schauen haben sie dann mitgemacht und sind auch einfach mit rumgefahren.

Wie oft benutzt ihr das?

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Das Board allgemein ist schon sehr praktisch hier auf dem Kongress. Wir fahren ziemlich viel damit rum. Es gibt sogar Leute, die damit die Rolltreppen rauf fahren.

Seid ihr eigentlich verwandt?

Nein, wir sind nicht verwandt. Wir machen nur den gleichen Scheiß. Wir sind beide im Hackerspace Münster. Gestern sind wir auch auf zwei Kisten übereinander gefahren. Warte mal kurz.

Ok, ich versuche jetzt mal drei Kisten.

Warte, ich hab hier auch noch ein Dreirad.

Der Kampfroboter Hotplate

Von: Cooper und Hannes von Nonstop Schwitzen

Was ist das?

Wir kommen gerade vom Shitty Robot Contest, wo wir unseren gestern gebauten Kampfroboter ausgetestet haben.

Der Roboter besteht aus einem Netzteil, das mehr als ein Kilo schwer ist; einer Pappröhre, viel gelbem Klebeband, einem mitgebrachten Fidel Castro-Aufkleber, auf dem er mit einer Ronald McDonald-Handpuppe spielt, gefährlichen Metallmüll-Rotoren, einer Judoka-Actionfigur und einem Teil, mit dem man leuchtende Speichen in ein Rad einbauen kann, und das hauptsächlich wild bunt flackert.

Warum macht ihr das?

Wir sind eigentlich eine Fahrradgang, hier, willst du Aufkleber? Wir heißen Nonstop Schwitzen. Normalerweise bauen und reparieren wir Fahrräder und machen subversives Zeug. Je nachdem, ob wir etwas schweißen müssen oder eine Weihnachtsfeier machen, sind wir zwei bis 20 Leute.

Heute waren wir froh, dass wir aus Hamburg kommen und noch schnell ein paar Teile von zu Hause für den Contest mitbringen konnten. Aber die Jungs vom Hackerspace in Augsburg, bei dem wir die Teile zusammengelötet haben, hatten auch schon ordentlich gute Teile dabei, ganze Kisten mit Zeug zum Verbasteln.

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Hot Plate ist leider direkt vom Tisch gefallen, weil er sich einfach zu schnell bewegt und zu stark motorisiert ist. Aber er ist Sieger der Herzen!

Time Slime: Der selbstfahrende Pilz

Vom: CCC Wien

Was ist das?

CarlX: Wie, du kennst den gelben Schleimpilz nicht?! Das, was du hier auf dem Bildschirm siehst, ist ein solcher Schleimpilz in einem Labyrinth. Live. Dieser Pilz ist ein Mysterium: Wenn er trocknet, wird er feuchter. Er kann sich selbstständig Wege bahnen, indem er seine Masse vorwärts bewegt. Er erkennt, wenn er in eine Sackgasse gerät und dreht um. Und man kann ihn mit einem Köder anlocken, er kann also sozusagen riechen.

Du verarschst mich doch!?

(2. Typ läuft vorbei und kommt dazu):

Nein, er hat Recht! In Japan haben Forscher ein hochoffizielles Paper herausgegeben, nachdem sie einen dieser Schleimpilze auf das U-Bahn-Netz Tokyos angesetzt haben. Der Pilz hat den bestmöglichen Weg herausgefunden!

Und was bringt das?

Na, ist doch ganz klar: Du kannst dich bewegen, und dieses Feature schafft dir ja wohl einen klaren Vorteil: Du bist nicht festgenagelt. Hier auf dem Bildschirm kannst du ihn sehen, wie er sich durch's Labyrinth schlängelt und den schnellsten Weg vom 33c3 zum 34c3 findet. Aber halt sehr langsam. Deswegen ist die Aufnahme ein Zeitraffer.

Zweiter Typ: Ich bin eigentlich Österreicher, aber ich habe in Japan gelebt und habe dort genauso einen Pilz in einem Biohacking-Lab gehalten, das ich geleitet habe. Oh, er hat einen QR-Code, den man scannen kann, wenn man ihn beobachten will!

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CarlX: Es ist ja auch sehr umstritten, ob der Pilz ein Tier ist oder nicht. Manche sagen ja, weil er offensichtlich denken kann, andere sagen nein, weil nicht klar ist, wie er denkt und dafür eigentlich auch kein Organ hat. Mit diesem Disput kann man ganze Abende füllen.

Zwei vertiefte Typen an einem Tisch mit einem Modul wild blinkender LEDs:

Was ist das?

Ich kann dir dazu leider gar nichts erzählen, was hier auf dem Tisch steht, weil ich das nicht selbst gebaut habe. Der Typ heißt Frank und läuft hier immer mit einer blauen Latzhose rum.

Und woran arbeitet ihr gerade?

Wir sitzen hier nur, weil wir glauben, dass der Laptop von meinem Freund hier irgendwie kompromittiert wurde. Jetzt versuchen wir, sein System irgendwie wieder sauber zu kriegen.

Woher weißt du das?

Äh, ich habe was aus dem Lautsprecher gehört. Und ich glaube nicht, dass es daran lag, dass ich so wenig geschlafen habe. Das kann hier ja schnell mal passieren, dass Hacker in deinen Laptop eindringen. Daher muss ich jetzt irgendwo nach Malware suchen. Fuck, fuck, fuck.

Die Drucker- und PET-Roboter: Hot Wheels und Flipper

Von: Eva und Fabian

Fabian: Ich bastele normalerweise eher an Software herum, das ist mein allererster Roboter. Er heißt Speedy und läuft über Transportrollen von einem alten Druckerteil, Kulleraugen und zwei Pommesgabeln zum Angriff. Und natürlich aus LEDS, ganz wichtig.

Ich kann ihn hier mit dieser Platinen-Fernbedieung steuern, habe extra viele Knöpfe drangemacht, obwohl er nur vorwärts und rückwärts fahren kann.

Bist du schon öfter hier gewesen?

Nein. Ist mein erster Kongress und ich bin sehr begeistert, supergute Atmosphäre!

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Eva: Ich hab auch noch nie einen Roboter gebaut, aber als ich gestern in der Lobby von dem Contest gelesen habe, hatte ich sofort Bock. „If it moves, it's a robot", stand da. Ich habe ihn Flipper getauft.

Er besteht im Wesentlichen aus zwei PET-Flaschen, einem kleinen Motor und einem Front-Stachel aus LEDS. Wenn man ihn anschaltet, rollt er über die Plastikflaschen, als wären es Monsterreifen und—nur zur Show—gibt es darin solche gelben Strohhalm-Stückchen. Wie du siehst, hat er sich gar nicht mal so schlecht geschlagen.

Die kinetische Sandkiste

Von: Neeed vom CCC Frankfurt

Was ist das?

Möchtest du mal was bauen? Das ist ein Sandkasten, und darüber haben wir einen Beamer fürs Licht und einen Kinect-Controller montiert. Der Kinect-Controller schnappt sich die Tiefeninformation und misst den Abstand bis zum Sand.

Wenn du jetzt einen Graben gräbst oder einen Berg aufschüttest, verändert sich die Farbe des Sandes wie auf diesen topographischen Darstellungen in Atlanten früher. Je tiefer, desto grüner, je höher, desto röter. Es funktioniert noch nicht ganz in Echtzeit, aber fast. Kinder finden das auch ziemlich gut.

Der Zug für die wahren CCC-Festival-Connaisseure

Von: Carsten

Das ist doch…

Warst du auf dem Camp? (gemeint ist das alle vier Jahre stattfinde Sommerfestival des Chaos Computer Clubs)

Erkennst du diesen Zug? Ein Typ hat sich die Pläne der Original-Lok vom Chaos Communication Camp letztes Jahr besorgt und den Cocktail- und Bällebad-Zug nachgebaut, der rum um den Zeltplatz fuhr. Jedes Detail stimmt, Wahnsinn. Ich hatte so schöne Erinnerungen an den Zug, ich habe mich da bestimmt fünf Stunden reingesetzt und bin betrunken immer wieder im Kreis gefahren.

Leider sehe ich ihn gerade nicht—aber er sieht so aus, wie du ihn dir vorstellst: Ein blasser, weißer Nerd.