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Wir waren mit einem echten DJ im Zac-Efron-Film „We Are Your Friends“

Wir waren da! #WAYF

von Rod Glacial
15 September 2015, 3:30pm

„Gefangen in den Klauen einer verbotenen Liebe und den Erwartungen seiner Freunde, versucht der aufstrebende DJ Cole Carter den Weg von Erfolg und Reichtum einzuschlagen." So beginnt der EDM-(Electronic Dance Music, für diejenigen die hinter'm Mond leben)-Film von Max Joseph, der bereits 2013 beim Dokumentarfilm über DFA-Records Regie führte. „We Are Your Friends" erinnert allerdings eher an die Welt von Alesso (der Zac Efron übrigens erklärt hat, wie man mit Platten umgeht), als an die von LCD Soundsystem, falls ihr versteht was ich meine. Zac Efron, von dem ich nie zuvor einen Film gesehen hatte, macht seinem Namen in dem Film alle Ehre: Er ist abwesend, wirkt betroffen, aber irgendwie auch nicht, sieht antriebslos und zerbrechlich aus, aber gleichzeitig rational und gibt innerhalb von 90 Minuten vielleicht 15 Sätze von sich. Während des gesamten Films ist es nicht ein einziges Mal möglich, sich mit dem Typen zu identifizieren, geschweige denn mit ihm zu sympathisieren. Wie auch? Selbst wenn er mit seinem seinen Freunden abhängt, trägt er Kopfhörer.

Dennoch wollten wir uns mal mit dem Thema des DJs, den Cole Carter verkörpert, beschäftigen und den Problemen, die mit elektronischer Musik in Verbindung gebracht werden auf den Grund gehen. Also haben wir „We Are Your Friends" analysiert (natürlich haben wir uns den Film auf Englisch angesehen, in einem Saal, in dem gerade mal fünf Leute saßen). Begleitet hat uns ein Spezialist: Panteros, bedeutendes Mitglied der französischen Elektro-Supergroup Club Cheval, das beim Label Bromance unter Vertrag steht. Auch wenn der Film ein kompletter Fail und viel zu schlecht aufgebaut ist, gibt er uns doch Anlass, ein paar interessante Punkte hervorzuheben: die Besessenheit, einen Sound entwickeln zu wollen, der so natürlich wie möglich klingt, oder einfach nur zeigen wie der Film versucht, das Thema YOLO neu aufzurollen. Los geht's.

Panteros und Zac Efron Back to Back? Wer weiß was uns die Zukunft des Techno noch so zu bieten hat.

Szene 1

Aus Zac Efrons PC wummern verschiedene Sounds.

THUMP: Da bist du bestimmt richtig in deinem Element, oder?
Panteros: Ich wusste bereits, dass es sich in dem Film um die amerikanische EDM-Szene drehen würde, die ist einfach anders als das, was wir aus europäischen Clubs kennen. Genauso anders wie im Kampfsport, wo MMA-Kämpfer andere Techniken anwenden als Judokas. Auch wir hören Samples, verändern Presets von Synthesizern und spielen den ganzen Tag mit Plug-ins. Aber sobald ein Song halbwegs okay ist, rennen die EDM-Bros zum nächsten Fitnessstudio, um sich dort auf die Sonnenbank zu legen. Warum? Weil sie sich ihrer Szene anpassen müssen. Die müssen superkrassen Guidelines folgen, ein bisschen wie die Leute, die für FHM abgelichtet werden. Zu diesen Guidelines gehören unter anderem das Epilieren, Muskeln und T-Shirts mit V-Ausschnitt. Ich respektiere diesen Style, aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten.

Szene 2

Cole und seine Freunde verteilen vor einer Schule Flyer für ihre Party.

Panteros: Das muss echt cool sein ein paar Gymnasiasten zu seiner Elektro-Party einzuladen. Heutzutage sind die ja schon mega frühreif und man findet sie ziemlich schnell in irgendeinem Club. Bei dem Angebot an Nightlife, das es heutzutage gibt, rasten die komplett aus.

Glaubst du, dass es in der heutigen Zeit mehr Spaß macht, Teenie zu sein?
Panteros: In Teeenie-Zeiten gibt es ja immer mal Tiefen, allerdings glaube ich, dass wir heute ein Hoch erreicht haben, was bestimmt auch mit Elektro, YouTube und Snapchat zu tun hat. Teenies haben heute ihre eigene Parallelwelt und keiner von ihnen scheint im Unterricht zu verkacken—glaube ich zumindest. Das sollte einer vielleicht noch mal überprüfen.

Szene 3

Wir hören den Titelsong des Films von Justice vs. Simian Mobile Disco, dazu gibt es Bilder, die an einen Danny Boyle-Film erinnern. „99% der Weltbevölkerung träumt von einer guten Party, ohne Scheiss. Und 1% des Planeten kann diese Menschen zum Tanzen bringen. Man muss Teil dieses 1% sein."

Sagt ihr euch das bei Bromance oft, bevor ihr voller Adrenalin auf eine Party geht?
Panteros: Das ist doch das selbe Vokabular wie das zur Vermögensverteilung auf der Welt oder? Wir machen keine Sprüche, die andeuten wie groß und bedeutend wir sind. Zac Efron hingegen hat im Film ein Weltbild, das dem von Lenin gleicht—einem Lenin mit geöltem Body.

Szene 4

Cole spielt im Club seinen ersten Mix und wird vom Manager angemacht: „Alter, spiel' keinen Song der auf dieser Liste steht, okay? Das sind Bretter und die darf nur James Reed spielen, juhu!"

Ist dir das auch schon mal passiert?
Panteros: Zumindest habe ich noch nicht erlebt, dass jemand die Worte „Das sind Bretter" und „Juhu" in einem Satz benutzt. Sagen wir mal so: Surfer klauen ihren Homies auch nicht ihre Welle. Aber ich habe noch nie eine Liste mit Songs gesehen, die nicht gespielt werden dürfen.

Szene 5

Wir befinden uns noch immer im Club und Coles ziemlich bekloppter Freund Mason ist in aggressiver Partystimmung: „Alter, nenn' mich nicht Bro—wir kennen uns nicht!"

Nennt ihr euch bei Bromance auch „Bro" untereinander? Oder habt ihr euch gegenseitig andere Kosenamen gegeben?
Panteros: Kommt auf die Jahreszeit an, da ändern sich die Endungen und wir nennen uns gegenseitig Brodu, Mydar und Canos. Mir ist klar, dass sich das phonetisch sehr nach einer Elfen-Community anhört, allerdings bringen Spitznamen Menschen in der Club-Szene zusammen. Außerdem hat so ein Spitzname auch irgendwo einen beruhigenden Effekt, wenn du vor 1000 Leuten stehst und versuchst, 15 verschiedene Maschinen um drei Uhr morgens zum Laufen zu bringen.

Szene 6

Eine Frau nähert sich Zac Efron, der am DJ-Pult auflegt: „Hey Cole, kannst du vielleicht „Drunk in Love" spielen?"

Hast du schon mal einen Song gespielt, nur um eine Frau klarzumachen? Meinst du, das ist in L.A. einfacher als in anderen Städten dieser Welt?
Panteros: Ich habe es noch nie geschafft im Club eine klarzumachen. Ich bin wegen der Musik im Club und nicht um Frauen abzuschleppen. Freunde von mir haben mir mal erklärt wie man im Club eine klarmacht, zum Beispiel, in dem man hinter einer Frau tanzt und wenn die sich dann umdreht und dich richtig süß findet, dann kannst du mit ihr knutschen. Das habe ich genau zehn Sekunden ausprobiert und konnte mich danach weder bewegen noch artikulieren. Das müsste in L.A. also einfacher sein, nicht zuletzt wegen der vielen Männer die ja so viel wert auf einen trainierten Body legen. Die müssten es leichter haben.


Szene 7

Emily Ratajkowski aka Sophie zeigt sich im Film zum ersten Mal. Sie beobachtet ihren Freund beim Auflegen, während Cole ihr etwas ins Ohr flüstert: „Früher war er gut, mittlerweile gibt er den Leuten aber nur noch, was sie wollen."

Panteros: Ist es unmöglich zu wissen, was die Leute wollen? Ja? Saxophon? Der Regisseur glaubt bestimmt, dass alle DJs eine Mischung aus zugekoksten Control-Freaks aus L.A. und Gott sind. Das macht mir Angst. Obwohl, wenn ich noch mal darüber nachdenke, vielleicht hat er mittlerweile sogar recht.

Szene 8

Hinter dem Club trifft Cole seinen zukünftigen Mentor James Reed (Wes Bentley), der ihm beibringt, umweltbewusst zu rauchen: „Misch niemals Nikotin und THC, das versaut den gesamten Effekt, das Zeug musst du genießen."

Hast du schon mal PCP geraucht?
Panteros: Ich weiß nicht mal was das ist. Ich kenne mich mit Drogen überhaupt nicht aus, die machen mir unglaublich Angst, genauso wie Instant-Gerichte aus Japan.

Die Einsamkeit des DJ deep

Szene 9

Cole und James schnappen sich ein Uber-Taxi (Zeitgeist 2015) und James erzählt Cole jedes einzelne Detail, das auf seinem Lebenslauf steht: „Paris! Da drüben spielen sie momentan nur geile Musik!"

Kannst du das bestätigen?
Panteros: In den Staaten ist Paris immer ein Symbol für diesen avantgardistischen, etwas strangen und dennoch intelligenten Sound. Das ist auch weiterhin so, obwohl die Faszination für Paris in den Staaten noch viel größer war, als Nu-Rave groß wurde.

Nun ja, das bleibt am Ende alles „boom boom"-Mukke. Hast du persönlich etwas Spezielles aus dieser Zeit in Erinnerung behalten?
Panteros: Wir haben erlebt, wie moderner Elektro plötzlich die gesamte Eurozone prägte. Es ging für die EU wieder zurück zu ihren House- und Techno-Wurzeln.

Szene 10

Cole und James sind auf der Vernissage einer Pop-Art-Ausstellung, animierte Visuals deuten daraufhin, dass die beiden total breit sind.

Panteros: Oh, ich war mit den beiden Frauen, die in dieser Galerie auflegen, auf dem Holy Ship-Festival. Sie nennen sich Posso. Zwei Blondinen, die meine Freunde und ich beim auflegen beobachtet haben und dachten „verdammte Scheiße sehen die heiß aus", dabei waren ihre Kopfhörer überhaupt nicht mit dem Mischpult verbunden. Sie hatten einen fertigen Mix aufgelegt, der eine Stunde ging, zu dem sie getanzt und irgendwelche komischen Posen gemacht haben. Deren Instagram-Seite lohnt sich leider um einiges mehr als ihr Soundcloud-Account.

Dir ist schon klar, dass man dich jetzt als Sexist abstempeln wird.
Panteros: Ich achte nicht auf das Geschlecht eines Menschen. Ich achte auf den Menschen. An dem Abend waren die Mädels halt Model-DJs, so etwas ist ja nichts Neues. In den 80ern wurde im Fernsehen schließlich auch nur Playback gespielt und trotzdem hat jeder New-Wave gehört.

Szene 11

Cole wacht zu Hause bei Reed auf, Sophie ist auch da und Reed bittet Cole ihm ein paar Tracks mit seinem Handy vorzuspielen, bevor zehn Sekunden später die Frage kommt: „So, kannst du ihm ein Uber-Taxi bestellen?"

Wurdest du schon mal von jemandem abgewimmelt, dem du versucht hast, deine Musik vorzuspielen?
Panteros: Ja, von Familienmitgliedern. Mein Vater hat mal ein Dinner mit seinen Freunden organisiert, da hat er mich gebeten, ein paar meiner Songs zu spielen. Das haben sie vielleicht zwei Minuten ausgehalten und meine Musik dann durch eine Buddha Bar-Compilation ersetzt...

Szene 12

Cole nähert sich Sophie und gibt ihr einen Rat: „Vergiss die Uni, das ist Zeitverschwendung".

Kommen wir hier nicht auf zum Thema YOLO zurück?
Panteros: Absolut, der Typ will amerikanisches Unternehmertun und die YOLO-Attitude vereinen. Aber am Ende des Films geht Emilie Ratajkowsky wieder in die Uni. Es siegt also ein etwas gemäßigtes YOLO-Gefühl.

Szene 13

Cole (der noch immer seine beschissenen Kopfhörer trägt) und seine Freunde plaudern auf einem Hügel der San Fernando Valley über's Leben: „Ich scheiß auf Kevin Systrom! Mein Leben dreht sich allein um Donnerstage!"

Hättest du gerne eine erfolgreiche App entwickelt? Bist du für oder gegen Instagram?
Panteros: Jungs, die Apps entwickeln, machen auf mich überhaupt keinen glücklichen Eindruck. Das ist, als würde man technisches Spielzeug erfinden. „Hi, ich habe den Tretroller erfunden"—nur ein Typ der Mac Lesggy ähnlich sieht, kann so einen Satz von sich geben. Ich glaube auch nicht, dass es in 20 Jahren so viele T-Shirts mit dem Aufdruck von Kim Dotcoms Gesicht geben wird, wie die von Che Guevara. Und ich würde sagen, dass CD-Booklets und Vinyl-Cover in der MP3-Welt durch Instagram ersetzt wurden. Bei Instagram findest du Fotos der Leute, deren Musik du feierst.

Szene 14

Cole und seine Freunde beschließen, ins Immobiliengeschäft einzusteigen (?!) und ihr neuer Boss gibt ihnen eine Einführung: „Vertraut auf keinen Fall den Banken, an der Börse zählt allein die Immobilie!"

Ist „We Are Your Friends" eine sozial-Satire, in der es um Immobilien- und Jugendkrisen geht?
Panteros: Was mich an diesem Film sehr schockiert hat, ist, dass sie gute Absichten hatten, Trainspotting-, Danny Boyle- und im Allgemeinen britische Filmallüren in „We Are Your Friends" einzubauen. Es gibt Schockbilder und Text mit monströsen Rechtschreibfehlern, eine Off-Stimme, die sich zu kritisch zu zwischenmenschlichen Beziehungen äußert, Szenen, die zeitgenössische Probleme der Gesellschaft widerspiegeln, doch am Ende ist alles ziemlich lahm und oberflächlich. Von magischem Kino kann man hier nicht sprechen. Die Erzählung erinnert an einen besoffenen Typen, der mit voller Wucht auf einen Djembé ohne Bespannung haut.

Szene 15

Zum tausendsten Mal erfährt man, dass „128 BMP einen magischen Rhythmus hat und, dass man die Welt unter Kontrolle hat, sobald diese BPM-Zahl erreicht ist"

Mit wie viel BPM arbeitest du denn so?
Panteros: Als wir 2011 Club Cheval gegründet haben, lag das Welt-Tempo noch bei 132. Die Zahl wurde damals noch von britischem Garage-Rock und Ethnic-Electronic beeinflusst. Heute ist alles langsamer geworden. Momentan fahr ich ziemlich auf 126 BPM ab, das hält einen wach. Aber ich liebe es, Tracks mit 140 BPM zu spielen. Italienischer oder deutscher Techno aus 2011 macht einen genauso wach.

Szene 16

James Reed zeigt Cole sein Home-Studio: „Ich zeig dir mal was, das heißt Buchla, das ist ein modularer Synthesizer, davon gibt es nur zwei oder drei auf der Welt."

Panteros: Das Strange an dem Film ist, dass die Reden von Zac Efrons Mentor sehr an die „Oblique Strategies" erinnern, die Brian Eno damals entwickelt hat. Er macht sich über den billigen Sound von Zac Efrons Demos lustig und rät ihm, echte Drums und Klavier-Sounds zu samplen, „die Musik noch mal zu hören", aber das Ergebnis bleibt weiterhin 100% billig und synthetisch. Und für die wahren Nerds da draußen: Er hat die gleichen Monitoring-Lautsprecher wie Boys Noize, Barefoots heißen die.

Szene 17

Beide befinden sich immer noch in Reeds Home-Studio und Reed hält Cole eine Predigt: „Was du machst, erinnert mich an das was Juan Atkins am Anfang seiner Karriere gemacht hat. Du versuchst, zu viele Leute gleichzeitig nachzuahmen! Wenn du weiter die gleichen alten Sounds von den ganzen anderen DJs benutzt, wirst niemals erfolgreich werden! Emerson sagte einst: Nachahmung ist Selbstmord!"

Panteros: Wer ist dieser Emerson?

Hast du am Anfang auch DJs imitiert?
Panteros: Ja, Tom Hooker, einem Typen der italienischen Disco-Szene aus den 80ern. Und Dave Clark.

Szene 18

Cole lernt ein paar neue Tricks in Sachen Techno: „Brüche im Takt, heftige Drops – so was macht man heutzutage!"

War das nicht eher 2006 so?
Panteros: Total! Darüber habe ich letztes Wochenende mit Myd gesprochen. Uns wurde klar, dass 2015 das Jahr war, in dem etwas mehr Struktur in die Musik kam. Riesen Breakdowns sind nicht mehr so beliebt wie damals, die können mittlerweile sogar ziemlich nerven.

YOLO!

Szene 19

Reed organisiert eine kleine Party bei sich zu Hause, plötzlich wird der Zuschauer Zeuge eines wichtigen Gespräches: „Das beste Sushi der ganzen Stadt ist Techno Sushi!"

Jetzt mal ernsthaft, woher kommt diese Besessenheit für Sushi? Das wiederholt sich ja immer mal im Laufe des Films. Ist dir das aufgefallen, als du in die Staaten gereist bist?
Panteros: Nicht wirklich. Vielleicht ist es die Lieblingsnahrung der EDM-Szene, keine Ahnung. Tiesto hat in den Staaten vielleicht eine Sushi-Kette die „Planet Tiesto" heißt, von der uns noch keiner erzählt hat.

Szene 20

Sophie zeigt Cole, was sie von Reed gelernt hat: „Du konzentrierst dich nur auf die Leute, die du nicht ausstehen kannst; die Leute, die dich lieben, sind bereits auf deiner Seite."

Ist das auch die Strategie von Club Cheval?
Panteros: Ich denke, dass du Leute alleine in ihrer Ecke stehen lassen kannst, wenn sie dich nicht ausstehen können. Die können ja die Musik hören, auf die sie Bock haben. DJs sind schließlich keine Priester, mit der Ausnahme von Maxi Jazz, dem Priester von Faithless.

Szene 21

Sophie lädt Cole zu einem Meeting mit ehemaligen Freunden an ihrer Fakultät ein und lacht sie aus: „200 Dollar für Käse, obwohl die Hälfte hier keine Milchprodukte isst!"

Dieser Film schießt ja geradezu auf Leute, die sich nicht glutenfrei, biologisch und mit Fair Trade-Produkten ernähren, oder die, die sich weigern, sechs Euro für einen Espresso auszugeben. Dahinter steckt doch eine ganz klare Message, oder?
Panteros: Die wollen Themen wie Inflation und neue Ernährungstrends so verpacken, um ein Bild des „durchschnittlichen DJs" zu vermitteln. Das wäre auch vielleicht ein interessanter Twist, aber noch mal: Zac Efron und seine Jungs reden im ganzen Film mehr über Geld und Macht als über Leidenschaft für Musik. Was uns wieder zu dem besoffenen Typen bringt, der auf einer Djembé-Trommel spielt, ohne zu merken, dass sie nicht bespannt ist.

Szene 22

Cole und Sophie sind kurz davor, mitten auf einem EDM-Festival in Las Vegas die Hüllen fallen zu lassen.

Panteros: Jede Szene erinnert an ein Video von Calvin Harris; nein, es erinnert an ein Calvin Harris-Video, das 90 Minuten dauert.

Was hast du von den großen Musikfestivals in den Staaten in Erinnerung behalten?
Panteros: Wir haben alle American Pie-mäßige Träume im Kopf, wenn wir an diese Festivals denken. Aber mehr als ein paar Bodybuilder-artig gebaute und tätowierte Südstaaten-Freaks gibt es da nicht. Da fühlt sich ein kleiner Franzose wie ich ziemlich verloren. Die Bros auf diesen Festivals sind zwar echt witzig anzusehen, allerdings sind sie nicht mehr als Menschen aus einer Welt, die mich an eine SIMS ‚EDM Version' erinnern. Im Film sieht das auf jeden Fall besser aus. Die erste Rave-Welle in den Staaten hatte #PLUR als Slogan, das stand für „Peace Love Unity Respect". Diesen Gedanken findet man bei diesen Festivals schon noch irgendwie. Jeder macht, worauf er Bock hat, egal wie er aussieht oder wo er herkommt, niemand wird dich aus irgendeinem Grund komisch anstarren. Dort weht ein Wind der Freiheit.

Szene 23:

Es kommt zu einem fatalen Streit zwischen James (der immer mal wieder Alkoholprobleme hatte) und Sophie: „Du bist nicht glücklich, du bist besoffen!"

Hat man dir das auch schon häufiger gesagt?
Panteros: Dieser Satz ist genial, vom dem werde ich auch mal Gebrauch machen. Mir sagt man häufiger „Du bist nicht besoffen genug".

James Reed, jegliche Ähnlichkeit oder Assoziierung mit einem DJ aus Detroit wäre hier komplett fehl am Platz.

Szene 24

Der Streit zwischen dem Meister (James) und dem Schüler (Cole) lässt nicht lange auf sich warten: „Ich bin ein Loser? Dabei bist du doch derjenige mit den Dealer-Freunden und besitzt nicht mal ein einziges Auto!"

Und was hast du?
Panteros: (lacht) Geht mir genauso: Dealer-Freunde und kein einziges Auto. Das haben ich und Zac Efrons Rolle gemeinsam.

Szene 25

Noch immer befinden sich die beiden auf der Toilette eines Strip-Clubs, der ILoveMakonnen spielt, und Cole regt sich immer noch über James auf: „Früher warst du gut, aber die Zeiten sind vorbei. Du bist ein Sell-out und wartest immer nur auf den nächsten Scheck."

Glaubst du, dass dir das auch eines Tages passieren wird?
Panteros: Das würde heißen, dass mir Musik dann scheißegal wäre, und das kann ich mir monmentan nicht vorstellen. Ableton fließt mir durch die Adern und es gibt noch viel zu viele Sachen, die ich noch produzieren möchte. Falls das eines Tages wirklich passieren sollte, dann mach ich was anderes, zum Beispiel einen EDM-Sushi-Laden in den Staaten aufmachen.

Die Rückkehr des YOLO

Da fällt mir ein: Erzähl doch mal von den Schülern, die Vine-Videos aufnehmen und mit denen du Aperitifs organisierst. Und von diesem Paul Kalkbrenner-Gerücht.
Panteros: Diese Schüler können dieses Vine-Ding einfach sehr gut. Ich habe einen von ihnen zu einem Live-Set von mir eingeladen, DJRomainDJ heißt der. Er hat mich gefragt, ob ich diesen „komplett gestörten Typen kenne, der alle seine Songs in einer Psychiatrie im Stil von Shutter Island aufnimmt". Ich habe ihm gesagt „nein, davon weiß ich nichts". Daraufhin sagt er mir, dass der Typ eine Glatze hat und Deutscher ist ... Nach zehn Minuten zeigt er mir ein Foto von Paul Kalkbrenner auf seinem iPhone. Also wurde mir klar, dass Paul Kalkbrenner der Marilyn Manson von 2015 ist.

Szene 26

Es kommt zum Wendepunkt als Cole klar wird, wie viel Macht seine Musik hat und er beschließt, einen Sound zu samplen, den er auf seinem Telefon hat.

Wahre Musik gibt es nur, wenn sie aus natürlichen Klängen besteht—ist das etwa die Moral dieser Geschichte?
Panteros: Ja, das ist auf jeden Fall das letzte unergründliche Mysterium dieses Films. Der EDM-DJ, der plötzlich zu Mozart wird und es schafft, seine ganzen Bros zum heulen zu bringen. Der Typ verwandelt sich in fünf Minuten von Avicii in Rone und man hat es überhaupt nicht kommen sehen.

Szene 27

Apotheose — Cole spielt beim Pioneer Summer Fest und haut ein Intro raus, das als Hommage an seinem Homie dienen soll, der an einer Überdosis gestorben ist.

Unglaublich, dieses Sample-Finale, oder?
Panteros: Dass er die Bohrmaschine seines Dachdeckerfreundes gesampelt hat, um eine Kick zu bauen — und dass seine Freundin ihn fragt „ob er nicht noch mehr damit machen kann" hat mich total gestört. Ich habe mich in dem Moment genauso unwohl gefühlt wie wenn du mit deinen Eltern einen Film guckst und die Protagonisten plötzlich anfangen zu bangen. Das erinnert irgendwie an dieses Videos von FrankJayCee.

Fazit: Sind DJs tatsächlich unsere Freunde?
Panteros: DJs wollen, dass es den Menschen gut geht, glaube ich. Das sieht man auch in diesem Film. Sie wollen Menschen „unter Kontrolle haben". Aber wenn dieser Film überhaupt irgendeine Auswirkung auf etwas hat, dann auf den Verkauf von Gitarren und Verzerrern.


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Dieser Artikel ist im Original bei Noisey Frankreich erschienen.