Leibniz. hat die Antwort auf Konsens und Langeweile im Club

Kaum einer verkörpert die Vielfalt der Leipziger Szene so sehr, wie der Produzent und DJ, der uns zudem einen exklusiven Livemix aus dem IfZ gegeben hat.

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20 Dezember 2016, 1:45pm

Moritz alias Leibniz. Promofoto von Max Öyvind Wiesner

"Ich wollte da einfach studieren." So nüchtern beschreibt der geborene Donauprovinzler Leibniz. (sic) wie es ihn aus seiner ersten Wahlheimat Berlin nach Leipzig verschlagen hat. Heute sagt er: "Deutschlandweit interessieren sich die Booker aktuell sehr für die Stadt. Eben durch die vielen Labels und Orte wie das Institut fuer Zukunft und Conne Island. Hier passiert überdurchschnittlich viel."

Und Moritz aka Leibniz. ist als DJ und Produzent mittendrin, denn er repräsentiert die Offenheit und Neugierde der Szene im Südosten auf beste Weise: Sein Stil aus hauptsächlich Techno und House denkt die Verschneidung der beiden Musikfundamente nicht über die Konsensstufe Techhouse, sondern über einen Mix mit Bass, Garage, Grime und Disco. "Vielleicht verkack' ich auch mal einen Übergang, aber mir auf jeden Fall nicht langweilig als DJ", sagt er über sich selbst. Geradlinigkeit liegt ihm nicht.

Gerade hat er beim Boiler Room Leipzig aus dem IfZ neben den vier IfZ-Residents Perm, n.akin, fr. JPLA und SOLARIS gespielt, jetzt erschien seine neue Bat EP bei Rat Life. Ausgangspunkt war ein gemeinsamer DJ-Abend mit Alex Dorn alias Credit 00, bei dem Moritz den späteren Titeltrack der EP spielte. Dorn, der Rat Life betreibt, versprach noch am DJ-Pult, den Track veröffentlichen zu wollen. Das Label wiederum sitzt in Dresden und ist ein Sub von Uncanny Valley, womit wir jetzt innerhalb eines Absatzes schon mal viele wichtige Eckpfeiler der sächsisch-elektronischen Musiklandschaft genannt hätten.

"No hate"—Leipzig, Dresden, UK

Moritz mag das Rattenleben und er mag das Tal der Ahnungslosen: "Uncanny Valley wollten zuerst mal Tracks für Shtum von mir, dann habe ich alle kennengelernt und musste feststellen, dass wir uns bestens verstehen. Ich würde auch mit denen noch abhängen, selbst wenn ich nicht dort veröffentlichen würde." Macht er aber vorerst nicht, denn neben seiner zwei Releases für Ortloff und Fourth Wave hat er seine letzten vier Platten alle entweder auf Shtum oder Rat Life herausgebracht, also immer unter dem UV-Dach.

Das Schöne an Dresden und Leipzig? Man sei nicht weit voneinander entfernt und käme einfach zusammen. "Dresden wird unterschätzt. Es gibt viele coole Leute, die etwas machen", findet Moritz, obwohl in Leipzig schon noch mehr passiere. Hier schätze er vor allem den Zusammenhalt: "Es gibt unter den Crews keinen richtigen Hate, wenngleich alle unterschiedliche Sachen machen. Die IfZ-Leute sind super cool und mit dem Conne Island eng verbunden. So etwas funktioniert in Leipzig eher als in einer großen Stadt wie Berlin."

Seine Sozialisation ist jedoch alles andere als sächsisch. Dass Moritz einst über "englische Clubmusik—UK-Garage und Dubstep—" zur elektronischen Musik gekommen ist, hört man auf Bat deutlich. Das Spektrum der drei Tracks reicht von Breakbeats über Bass zu House. Und auf Grime kommen wir auch noch zu sprechen: "Ich finde besonders jene Instrumental Grime Platten interessant, die so klingen, als würde man auf einem Laptop alle VST-Plugins öffnen und ihn die Treppe runterwerfen. Und M.E.S.H. auf PAN oder Gobstopper Records finde ich auch großartig."

Nur keine Langeweile

Da ist kaum verwunderlich, dass dass die musikalische Spanne des Mixes, den Moritz uns als Leibniz. exklusiv für THUMP zur Verfügung gestellt hat, nochmals um einiges weiter reicht. "Das ist ein Ausschnitt aus einem Abend im IfZ, an dem ich all night long spielen durfte. Am Ende waren es so sieben Stunden, zwei davon könnt ihr jetzt hören. Ich glaube, da checkt man gut, dass ich versuche, alles Mögliche zu spielen."

Sein Lieblingsmoment? "Später im Mix spiele ich eine unbenannte UK-Garage-Platte, die ich mal in Hamburg gefunden habe. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um einen DJ Zinc Edit. Der bricht alles davor mit ein paar cheesigen Vocals auf. Genau so was mag ich!"

"Ich ziehe gerne eine Verbindung von UK Bassmusik über UK Garage zu Disco. Alle drei haben etwas Gleiches. Bass und Garage gleichen sich in den Basslines, Garage und Disco wiederum in den Vocals." (Und das kannst du dir weiter unten auf voller Länge anhören.)

Falls sich der Eindruck beim Lesen bis hierhin noch nicht verfestigt haben sollte: Moritz strampelt sich wirklich jederzeit von jeder Langeweile frei. Denn obendrein betreibt er neben Leibniz. noch zwei andere Projekte. Mit seinem Bruder ist er noch als DJ OK (aka DJ Ja und DJ Nein) zusammen aktiv. Das Duo hat ebenfalls in diesem Herbst eine EP veröffentlicht: die It's Fine auf Verein Freier Menschen und Musik mit einer Sound-Palette namens, du ahnst es vielleicht bereits, "Ambient-House-Breakbeat-Funk". Mit dem Kollegen Alex Hoppe bildet Leibniz. wiederum das Duo DJ Bwin, und DJ Bwin haben wiederum erneut mit DJ OK zuletzt eine Split-EP bei den Iren von First Second Label herausgebracht.

Wie es für Moritz und Leibniz. in Leipzig weitergeht, darüber entscheidet sein Studienverlauf. Gerade ist er noch mit dem Bachelor in Medientechnik beschäftigt. Für 2017 hat er aber bereits Großes vor: Das Trio hinter Leibniz., DJ Ok und DJ Bwin wird ein neues, eigenes Label gründen. Die erste Platte kommt von Moritz selbst. Es wird ihm bestimmt nicht langweilig damit werden. Er bleibt in seiner Ungeradlinigkeit geradlinig.

Leibniz.' Gastmix für THUMP live aus dem IfZ:

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Thomas twittert. Folge zudem THUMP auf Facebook und Instagram.

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