Wirres Deutschland

Wir haben das KenFM-Video mit Detlef D! Soost angeschaut, damit ihr es nicht tun müsst

Ken Jebsen widmet sich den ganz großen Themen: Kapitalismus, Krieg, Frieden und Detlef D! Soost.

Stefan Lauer

Stefan Lauer

Screenshot von YouTube

2017 ist gerade erst ein paar Tage alt und schon spült YouTube uns das erste Highlight des Jahres in unsere Timelines: Ken Jebsen—Deutschlands Vorzeige-Verschwörungstheoretiker—trifft Detlef D! Soost—Deutschlands Vorzeige-Choreographen. Jebsen—sonst eher für Tiraden á la Fidel Castro bekannt, in denen er dem YouTube-Publikum zum Beispiel die "Terrorlüge" des 11. September erklärt—hat sich ein neues Format ausgedacht, in dem es ausnahmsweise mal nicht vor allem um ihn selbst geht. Hochkarätige Gäste geben sich hier die Klinke in die Hand. Micaela Schäfer war da (wir haben uns das nicht ausgedacht!), eine Schweizer Castingshow-Sängerin, Deutschlands erfolgreichster Auto-YouTuber und Jan Ullrich, der gefallene Fahrrad-Held. Und jetzt Detlef D! Soost.

Über eine Stunde ist das Video lang, in dem Jebsen und Soost sich gegenübersitzen und sich gegenseitig die Welt erklären. Jebsen macht dabei das, was er am besten kann: von Dingen überzeugt sein. Er ist überzeugt, dass Soosts Mutter immer gesagt hat, dass er wie sein Vater wird (hat sie nicht) oder dass Soost ein Vorbild für "Migranten" sein muss:

"Bist du für Migranten ein Vorbild?"
"Ich bin ja kein Migrant."
"Aber du siehst so aus. Viele würden dich für einen Migranten halten. Weil du afrikanische Wurzeln hast, bist du Migrant."

Ach so ist das.

Schon die Art, wie Jebsen die Fragen stellt, macht klar, wie die Antwort eigentlich lauten müsste: Ken Jebsen weiß immer ganz genau, was Sache ist. Er weiß, wer den Holocaust "erfunden" hat, und er weiß, warum sich Soost von der Mutter seines ersten Kindes getrennt hat. "Warst du zu jung?" ist die Frage, die Jebsen mit wissendem Gesicht sagt. Soost glaubt allerdings, dass es einfach nicht gepasst hat. Haben wir auch das geklärt.

Mit einem Vater aus dem "afrikanischen Großraum" (Jebsen) kann Soost dann auch gleich den Erklärbär für Rassismus, AfD und Populismus geben. Das ist eher mühsam, aber mündet dann—wer hätte es gedacht—bei den ganz großen Verschwörungen. Zum Parteiensystem in Deutschland hat Soost zum Beispiel zu sagen:

S: "Entweder du wählst das Typische, von dem du weißt, dass es eh lügt."
J: "Ist das so?"
S: "In meiner Welt. Völlig wertungsfrei."

Genau. Völlig wertungsfrei.

So in etwa geht es dann weiter. In seinen Worten beschreibt Soost das, was Jebsen schon seit Jahren predigt, nämlich, dass geheime Machenschaften und False-Flag-Geschichten die Menschen von den "wirklichen Kräften" ablenken sollen.  

Soost erzählt im Interview, dass er keine Zeitungen liest und keine Nachrichten schaut. Hauptsächlich, weil es zu wenig positive Neuigkeiten gibt, sondern zu viel Krieg und Kindermorde, und das wolle er nicht sehen. Das ist eine Meinung, die man haben kann. Aber vielleicht nicht die beste Ausgangslage, um über aktuelle Entwicklungen zu sprechen. Nachdem Soost dann mit der Geschichte von den ganzen jungen Männern kommt, die ja unmöglich alle Flüchtlinge sein können, erklärt ihm Jebsen immerhin, dass Flüchtlinge keine Horden bilden, die das Abendland überlaufen wollen.

Und auch ansonsten könnte lesen helfen, denn irgendwann versteht man, warum der ehemalige Radiomoderator und der Choreograph überhaupt zusammengefunden haben. 9/11 natürlich. Die Mutter aller modernen Verschwörungstheorien. Soost glaubt dem offiziellen Bericht nämlich irgendwie nicht so richtig. "Fragezeichen" sieht er da und "komische Dinge".

Natürlich ist es ein bisschen witzig, wenn sich ausgerechnet Ken Jebsen und eine Person, deren zweiter Vorname mit einem Ausrufezeichen endet, über Weltpolitik unterhalten. Das Lachen bleibt einem aber auch schnell im Hals stecken, wenn jemand wie Soost, der wahrscheinlich wirklich eine Art Vorbild für einige Menschen ist, sich in verschwörungstheoretische Untiefen wagt und genau das wiederkäut, was Pegida unter "Lügenpresse" zusammenfasst.

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