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Schlachtung

Die Debatte um Halal-Schlachtung geht weiter

Nach der Veröffentlichung von Videomaterial aus einem Halal-Schlachthof in Yorkshire wurde die Debatte um das Schächten neu entfacht. Die führende Expertin Dr. Grandin sieht aber das Problem woanders.
5.2.15
Photo via Flickr user enki22

Anfang Woche überschlugen sich die Meldungen in den britischen Medien, als Animal Aid, eine Tierschutzorgansation, Videomaterial aus einem Halal-Schlachthof veröffentliche, das heimlich über drei Tage hinweg aufgezeichnet wurde. Was zu sehen ist, schockiert: Das Video zeigt, wie Arbeiter die Schafe regelrecht misshandeln. Sie treten sie, werfen sie durch den Raum und provozieren sie mit Messern—neben anderen Praktiken, die sich allesamt nicht mit den islamischen Richtlinien der Halal-Schlachtung vereinbaren lassen. Das heikle Videomaterial entfachte eine Debatte neu, die in Europa schon seit Jahren die Gemüter erhitzt. Ist Halal-Schlachtung Tierquälerei?

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In Deutschland und in anderen europäischen Ländern sowie den USA sind konventionelle Schlachthöfe laut Gesetz dazu verpflichtet, Tiere vor der Schlachtung zu betäuben. Das nachweisliche Resultat ist ein weniger qualvoller Tod für die Tiere. Koschere und Halal-Schlachthöfe sind jedoch von diesem Gesetz ausgenommen und dürfen Tiere aus religiösen Gründen unter anderen Umständen töten. Viele Halal-Schlachthöfe setzen zwar die Betäubung ein, aber die Zahl derer, die darauf verzichten, steigt. Eine aktuelle Studie der British Veterinary Association ergab, dass vergangenes Jahr in britischen Schlachthöfen allein 2,4 Millionen Schafe und Ziegen ohne Betäubung getötet wurden.

Eine Online-Petition, die die britische Regierung dazu auffordert, jegliche Schlachtung ohne vorherige Betäubung zu verbieten, erhielt mehr als 110.000 Unterschriften. Aber wie Dr. Temple Grandin—eine der wichtigsten Expertinnen zum Thema—MUNCHIES mitteilte, verfehlten die Medien mit diesem Fokus den eigentlichen Kern der Sache.

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„Das ist ein sehr schlecht geführter Betrieb", sagte Grandin über den Schlachthof in Yorkshire. „Sie haben ihre Mitarbeiter nicht unter Kontrolle."

Grandin weist darauf hin, dass eine solch krasse Misshandlung—„das klingt sehr nachlässig, grob und inakzeptabel"—in vielen schlecht gemanagten Betrieben mit mangelhafter Aufsicht vorkommt, ob mit oder ohne Betäubung.

„Es geht hier um zwei verschiedene Probleme", sagt sie. „Das eine ist die grobe Handhabung, die aber mit der Betäubungsproblematik nichts zu tun hat. Solche Dinge passieren, wenn ein Betrieb nicht kontrolliert wird."

Grandin arbeitet als Beraterin der Viehzuchtindustrie und entwirft Schlachthöfe, die so ausgestattet sind, dass der Stress der Tiere vor der Schlachtung minimiert wird. Ihre Schlachthof-Inspektionen haben sie schon um die ganze Welt geführt, unter anderem auch nach Großbritannien, wo sie—so sagt sie—saubere, sichere und tiergerechte Schlachtbetriebe vorfand, sowohl Halal, als auch konventionelle. Ausnahmen gebe es aber immer.

„Es gibt Arbeiter, die einfach nicht mit Tieren arbeiten sollten", sagt sie. Britain's Food Standards Agency untersucht derzeit den Betrieb in Yorkshire und mindestens ein Mitarbeiter wurde schon entlassen.

Was die Debatte über das von Animal Aid veröffentlichte Video jedoch auf den Punkt brachte, sagt Grandin, ist das Beharren der Organisation auf Videoüberwachungsanlagen in allen Schlachthöfen, um sicherzustellen, dass deren Vorgehen sicher, legal und tiergerecht ist.

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„Das befürworte ich sehr", sagt sie und fügt hinzu, dass viele der großen Unternehmen, für die sie bereits als Beraterin tätig war—wie Cargill und JBS—solche Anlagen bereits installiert haben. Diese werden von einer unabhängigen Firma, Arrowsight in Huntsville, Alabama, überwacht.

„In unregelmäßigen Abständen schalten sie zu den verschiedenen Schlachthöfen." Diese Aufsicht, so Grandin, trägt dazu bei, dass sich die Angestellten in den Betrieben an die Regeln halten—oder dafür geradestehen müssen. „Das hat schon dazu geführt, dass Mitarbeiter entlassen wurden."

Meistens läuft die Arbeit in den Schlachtbetrieben aber regelkonform ab, fügt Dr. Grandin hinzu.

„Sie sind sehr ruhig und gehen toll mit den Tieren um."

Die Videoaufzeichnungen sind oft so harmlos, erklärt sie, dass die Öffentlichkeit ihrer Meinung nach Zugang dazu haben sollte.

„Ich wünsche mir, dass ein Teil der Aufnahmen auf den Websites der Betriebe übertragen wird", sagt sie.