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In Japan nimmt man Schere-Stein-Papier sowas von ernst

Es gibt nicht nur Meisterschaften, die im Fernsehen ausgestrahlt werden—in Japan werden auch die wichtigsten Entscheidungen des Lebens mit Schnick-Schnack-Schnuck geregelt.
14 Dezember 2016, 12:20pm

Bei unwichtigen Entscheidungen entpuppt sich Schere-Stein-Papier immer wieder als ein guter Helfer. In Japan geht es aber um mehr als die Frage, wer den Lieferdienst anrufen oder den Müll rausbringen muss. Die Tragweite des Spiels ist hier weitaus größer: Janken, die nationale Version des „Sports", ist schon bei Kindern ein so beliebtes Spiel, dass sie es auch ohne Einsatz mehrmals am Tag spielen. Für ein bisschen mehr Spannung kann man bei dem Spiel auch für Variationen sorgen: Alles, was es dafür braucht, sind Eimer und Stock.

In welchem Ausmaß das Spiel verbreitet ist, sieht man vor allem an zwei absurden Beispielen: Einmal mussten gecastete Frauen um die Rolle in einem Musikvideo gegeneinander Janken spielen und so herausfinden, wer denn am besten in den Clip passen würde. Der Fall mit der größten Tragweite war allerdings eine Kunstauktion. Der Sammler Takashi Hashayami wollte 2005 seine Kollektion an Werken von Pablo Picasso, Vincent van Gogh, Paul Cézanne und anderen auflösen—natürlich standen die Auktionshäuser Christie's und Sotheby's innerhalb kürzester Zeit auf der Matte. Das Problem: Der Besitzer wollte die Sammlung nicht aufteilen. Vielmehr sorgte er in der Manier eines König Salomons für eine gerechtere und spannendere Lösung. Wer braucht schon Argumente, wenn man sich durch eine Partie Janken zusätzlich unterhalten lassen könnte? Eben. Laut New York Times bereiteten sich beide Häuser ein komplettes Wochenende auf den Wettstreit vor. Am Ende schlug Schere Papier und Christie's Sotheby's.

Dass Janken bereits vor ein paar Jahren professionalisiert wurde, dürfte einen auch nicht weiter verwundern. Es gibt jährlich eine Landesmeisterschaft, die im TV ausgetragen wird. Hier treten verkleidete Frauen gegeneinander an—ein Schiedsrichter mit sonderbarer Frisur passt derweil auf, dass nicht gemogelt wird. Spätestens wenn man sieht, dass die Emotionen wie bei jedem anderen sportlichen Wettkampf überkochen, kann man sicher sein, dass die Japaner es mit Janken verdammt ernst meinen.

Wenn bei euch mal wieder eine wichtige Entscheidung per Schere-Stein-Papier ansteht, raten die Profis übrigens zu Papier. Die geballte Faust—also der Stein—symbolisiert für viele die meiste Kraft, weswegen Anfänger oft dazu tendieren, diesen zu nehmen. Der Beifahrersitz in den Autos eurer Freunde sollte euch erstmal garantiert sein.

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