„Snowboardgroupies sind wie Typen, sie haben keine Angst, für Schlampen gehalten zu werden“
Foto: Jermain Raffington

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Groupie Love

„Snowboardgroupies sind wie Typen, sie haben keine Angst, für Schlampen gehalten zu werden“

Wir waren auf der Samsung Galaxy Championship Surftour und haben uns mit drei Extremsportlern über Groupies, Verletzungen und ihren Lifestyle unterhalten.
13.10.15

Anlässlich der Samsung Galaxy Championship Tour 2015 treffen noch bis zum 17. Oktober die besten Surfer der Welt in der südfranzösischen Stadt Soorts-Hossegor aufeinander. Auch Surf-Legende Kelly Slater ist Teil dieser 11-teiligen Eventserie, die die besten Surfspots der Welt bereist. Darunter Rio, Fiji und Tahiti. Neben der Surfprominenz fanden sich auch weitere Extremsportler anderer Disziplinen zusammen, die einen Einblick in die Surfwelt bekommen konnten.

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Wir haben uns mit drei GoPro-Athleten über Groupies, ihren Lifestyle und die abgefahrensten Erlebnisse in ihrem Sport unterhalten:

Pro-Surfer Anthony Walsh

Foto: Jermain Raffington

VICE Sports: Wie bist du zum Surfen gekommen?
Anthony Walsh: Ich bin in Australien in einer kleinen Stadt mit ein paar tausend Einwohnern aufgewachsen. Mein Heimatort war keine wirkliche Surfhochburg, doch durch ein paar Freunde bin ich dazu gekommen und habe mich stetig verbessert.

Nun bist du Profi und lebst auf Hawaii. Wie kann man sich die Surfszene dort vorstellen?
Gerade in Hawaii ist die Surfszene sehr intensiv. Vor allem, wenn es um bestimmte Surfspots geht. Dort haben die Locals das Sagen und es kommt sehr häufig vor, dass du dort als „Fremder" schnell auf die Fresse bekommst. Die Einheimischen sind sehr bedacht um ihre Spots. Da kann nicht einfach jemand auftauchen und ihre Wellen surfen.

Foto: GoPro

Was war dein abgefahrensteGeschichte bis jetzt?
Eine der krassesten Momente war, als ich in Japan mit der Yakuza gesurft bin. Ich hatte schon vorher gehört, dass sie einen großen Einfluss in Japan haben, aber wenn man das wirklich miterlebt, dann ist das schon sehr krass. Wir sind zu einem ihrer Surfspots gegangen und mussten uns erst mit dem Big-Boss treffen, um Erlaubnis für ihr Gebiet zu bekommen.

Hast du dich schon einmal ernsthaft verletzt?
Einmal? Ich hatte unzählige Verletzungen: Gebrochene Hüften und Knöchel, innere Blutungen und ich bin sicher hunderte Male genäht worden. Das passiert einfach, denn die Wellen sind Naturgewalten und man muss einfach mit Verletzungen rechnen.

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Wo liegt der beste Surfspot, den du gesurft bist?
Das war wohl in Teahupoo in Tahiti. Dieser Spot ist wirklich krass. Unter den Wellen dort ist ein verdammt scharfes Korallenriff. Im Winter können die Wellen dort über drei Meter Hoch werden. An diesem Riff habe ich mich auch letztes Jahr verletzt. Ich bin auf den Boden gedrückt worden und hatte innere Blutungen.

Mit dem Leben als Surf-Pro kommen natürlich auch die Groupies. Was war deine verrückteste Groupie-Story?
Eigentlich spricht man nicht darüber (lacht). Ich war 17 Jahre und für einen Contest lebten wir alle in einem Haus. Als ich vom Surfen zurückkam, sah ich meine Kumpels aus dem Haus in einer Schlange vor einem der Zimmer stehen. Nackt. Vor der Tür war ein 16-jähriges Mädchen, die Typen für ihre Freundin selektierte, deren Plan es war, das gesamte Haus durchzunehmen. Aber Groupies gehören wohl in jeder Sportart dazu.

Hat sie es geschafft?
Ich glaube nicht. Ich habe mich jedenfalls aus der ganzen Sache rausgehalten, aber diese Situation war schon extrem komisch.


Foto: Jermain Raffington

Snowboarder Halldor Helgason

VICE Sports: Du kommst aus Island, kommt man da automatisch zum Snowboarden?
Helldor Helgason: Nicht wirklich, wir hatten sehr wenige gute Snowparks, wo ich aufgewachsen bin. Bei uns hat eigentlich alles mit abgesägten Plastikrohren und dem aufgeschütteten Schnee der Eishockeyarena in meiner Heimatstadt angefangen. Zum Boarden bin ich durch meinen älteren Bruder Eiki Helgason gekommen. Er ist auch ein Snowboard-Pro und ich habe ihm immer nachgeeifert.

Du beschreibst deinen als „Urban-Riding". Was ist der Kick daran, halsbrecherische Flips zu stehen und ellenlange Rails zu Grinden?
Einen Trick zu stehen, ist wie ein Ziel erreicht zu haben, dass man sich lange vorgenommen hat. So kann man es wohl am besten beschreiben. Danach ist man eigentlich nur noch auf der Suche nach diesem Gefühl. Es ist fast wie eine Droge. Man will immer mehr und denkt sich immer verrücktere Tricks aus. Ich persönlich will Dinge versuchen, an die sich noch niemand zuvor gewagt hat und so kreativ wie möglich zu sein.

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Was macht die Snowboardingszene für dich aus?
Es geht einfach darum, Spaß zu haben. Um ehrlich zu sein, bin ich nicht wirklich gut in Wettbewerben, weil es da alles sehr geordnet abläuft. Mir ging es nie ums Gewinnen. Natürlich fahre ich die Contests mit und sie machen Spaß, aber eigentlich ist es mehr das Lebensgefühl, dass Snowboarden für mich ausmacht.

Wie sieht es mit Groupies aus?
Es gibt verdammt viele. Gerade bei unseren Videopremieren oder auf der Piste. Ich glaube, das liegt daran, dass sich gerade beim Snowboarden viele der Mädchen mit der Szene identifizieren, sobald sie auch ein bisschen auf dem Brett stehen können. Wenn man zum Beispiel auf einer Party mit einer rummacht, erfährt man meist erst am Ende, wie viele sie nach dir noch hatte. Ich liebe das einfach. Snowboardgroupies ticken wie Typen. Sie haben keine Angst, für Schlampen gehalten zu werden.

Also sind alle männlichen Snowboarder Schlampen?
Auf jeden Fall an gewissen Punkten in ihrer Karriere (lacht).

Was war deine schwerste Verletzung?
Das war bei den X-Games. Ich bin beim Big-Air angetreten und wollte einen Triple Backflip machen und gleichzeitig so tun als ob ich mir einen Runterholen würde. Letzten Endes habe ich dreieinhalb Flips gemacht und mich hat es komplett zerlegt. Dann war ich für kurze Zeit bewusstlos. Klar war es eine ziemlich dumme Entscheidung, aber hätte ich den Trick gestanden, wäre das schon ziemlich krank gewesen. Ansonsten habe ich mir noch nie etwas gebrochen, was bei den harten Stürzen, die ich bis jetzt hatte, ziemlich überraschend ist.


Foto: Jermain Raffington

BMX-Fahrer Simone Barraco

VICE Sports: Stimmt es, dass du wegen eines Videospiels zum BMX gekommen bist?
Simone Barraco:
Ja, das ist richtig. Damals, 2005 habe ich durch die kurzen Clips in einem Playstation-Spiel gesehen, die man freischalten konnte. Sie zeigten Fahrer wie Matt Hoffmann und andere Typen, die ziemlich abgefahrenes Zeug gemacht haben. Ich war schon immer ein Skate-Fan, aber letzten Endes war es das, was mich zum BMX gebracht hat. Freunde haben mir dann Videos gegeben und ich habe mir ein Bike gekauft und bin einfach rausgegangen. Daraus hat sich viel entwickelt, aber eher durch Zufall. Ich habe nie wirklich darauf hingearbeitet Pro zu werden.

Was bedeutet BMX für dich?
BMX ist für mich kein Sport, es ist ein Lebensgefühl. Vor allem in meiner Disziplin, dem Streetfahren, geht es eher darum mit seinen Homies rauszugehen und eine gute Zeit zu haben.

Gibt es auch in eurer Szene Groupies?
Ja, aber es sind überwiegend Kids. Wenn wir unterwegs sind besuchen wir oft BMX Läden und da stehen sie dann meist und wollen Autogramme. Für sie sind wir Idole. Ich war als junger BMXer nicht anders.

Aber es gibt doch sicher auch weibliche Groupies?
Klar, die gibt es. Aber ich habe jetzt eine Freundin, deswegen kommt das für mich nicht in Frage.
Wir hatten aber mal einen Contest in Estland. Bevor wir angekommen sind, haben sich schon im Vorfeld viele Mädels bei uns über Facebook gemeldet und wollten sicherstellen, das sie für die Zeit in der wir dort waren, mit ihnen abhängen würden. So was passiert häufiger. Aber wie gesagt, ich habe jetzt eine Freundin und deswegen halte ich mich da eher raus.

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Social-Media ist also ein großes Thema in der Szene?
Ja, ich habe ziemlich viele Follower auf Facebook. Ein Typ hat mal einen Fake-Account von mir erstellt, sich für mich ausgegeben und Dinge gepostet. Sogar meine Freunde haben ihn angeschrieben, weil sie dachten, es wäre mein Account. Ich habe ihn dann gemeldet und dummerweise hat Facebook dann meinen Zugang gesperrt. Das war ziemlich nervig. Ich musste ein Foto mit meinem Ausweis in der Hand schicken und es hat verdammt lange gedauert, bis ich wieder Zugriff auf mein Profil hatte.

Gab es ein Trick vor dem du richtig Angst hattest?
Schwierig zu sagen. Natürlich pushe ich mich jedes Mal, wenn ich fahre. Doch ich mache keinen Trick, von dem ich weiß, dass er zu schwierig ist. Ich bin vor Kurzem über ein 15-stufiges Rail mit einem 360 gesprungen. Und das ohne den Punkt der Landung wirklich zu sehen. Das war schon ziemlich krass. Doch ich habe ihn gestanden.

Wie gehst du an deine Tricks ran?
Ich versuche mir die schwierigen Dinge eigentlich immer kleiner vorzustellen, als sie sind. Bei dem 15-Stufen-Rail hab ich mir immer ein einfaches 4-Stufen-Rail vorgestellt und das hat schon viel geholfen.

Wie lange fährt man so im Durchschnitt?
Das kommt ganz auf die Verletzungen an, die man über seine Karriere hat. Matt Hoffman ist 43 Jahre und fährt immer noch. Er hat sich so viel gebrochen und trotzdem ist er zur Legende geworden. Doch man merkt ihm schon ein bisschen an, was er über die Jahre durchgemacht hat.
Ich bin zum Glück von schweren Verletzungen noch verschont geblieben.

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