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„dreist gewinnt"

Als BVB-Bierlieferant verkleidet: Ein Bayern-Ultra erzählt von einer legendären Schmuggelaktion

Die Bayern-Fans durften keine Fahnen, Trommeln oder Megaphone ins Westfalenstadion mitnehmen. Das machte die Bayern-Ultras ziemlich erfinderisch.

von VICE Sports
22 September 2016, 12:40pm

Foto: Imago

Pyro, Megaphone oder kritische Banner: Die aktiven Fanszenen müssen mittlerweile dafür kämpfen, legale wie illegale Fanutensilien in die Stadien zu bekommen. Woche für Woche kommt es zum Katz-und-Maus-Spiel zwischen Fans und Sicherheitsdienst, meistens finden die verbotenen Gegenstände doch auf kreative Weise den Weg in den Block. Ein Ultra von Bayern München erzählt VICE Sports, wie sie in der Rückrunde der Saison 2012/2013 eine der wohl kuriosesten Schmuggelaktionen der Bundesliga-Geschichte durchzogen.

Wir kamen gerade erst von der Auswärtsfahrt aus Barcelona zurück und fuhren direkt in den Pott. Der 32. Spieltag in Dortmund sollte die Generalprobe zum Europapokalfinale in London werden. Weil das Spiel erst abends angepfiffen wurde, haben wir unsere Freunde beim VfL Bochum im Abstiegskampf gegen den 1. FC Köln unterstützt. Anschließend fuhren wir mit der Bahn nach Dortmund. Da der BVB seit einigen Jahren das „St.-Pauli-Modell" praktiziert, waren uns bei besagtem Spiel sämtliche Tifo-Materialien wie Trommeln, Fahnenstecken und Megaphon verboten. „St.-Pauli-Modell" heißt, dass es grundsätzlich keine Begrenzungen bei Fahnen und anderen Stimmungsutensilien gibt—außer natürlich dem Einsatz von Pyrotechnik. Sollte dennoch Pyro gezündet werden, wird in den kommenden Jahren alles verboten. Da im Vorjahr eine geringe Menge Pyro gezündet wurde, war bei uns eben alles verboten. Das bedeutet aber nicht, dass wir uns das gefallen lassen.

Gerade bei einem großen Gästeblock wie in Dortmund ist ein guter und koordinierter Auftritt von Megaphonen und vor allem Trommeln abhängig. Wir hatten uns also schon früh den Kopf zerbrochen, wie wir die Sachen am besten ins Stadion bekommen und somit das Materialverbot umgehen können. Wir fragten uns, was in großen Mengen ins Stadion muss: Bei den durstigen Bayernfans kann ja mal der Bierstand Nachschub benötigen. Und irgendeiner muss den ja liefern. Also kam uns die etwas originelle Idee, jemanden von uns als einen Mitarbeiter des Dortmunder Biersponsors Brinkhoff's zu verkleiden, uns die Tür öffnen zu lassen und einfach so mit Sack und Pack ins Stadion zu spazieren. Die Idee klang natürlich so abstrus, dass die Wenigsten an den Erfolg dieser Aktion geglaubt haben. Vor allem, weil wir natürlich nicht im Voraus die Lieferantenwege oder so beobachtet haben.

Aber: Dreist gewinnt.

Ein paar Bierfässer, eine Brinkhoff's-Cap auf dem Kopf, Firmenlogos an den richtigen Stellen und ein selbstsicheres Auftreten haben dann schon gereicht, um ohne Probleme von einem Ordner durchgewunken zu werden und unser Zeug reinzubekommen. Die Materialien für den Schwindel haben wir dann ganz schnell entsorgt. Im Block hingen später nicht nur viele bekannte Zaunfahnen—auch unsere zwei Megaphone, eine Trommel und mehrere kleine Schwenkfahnen hatten es rein geschafft. Mit dem Material fand auch ein Spruchband den Weg ins Stadion, das wir zum Einlaufen zeigten. „Alle reden vom deutschen Finale. Wir nicht. Wir sind Bayern! Wir sind München! Scheiss BVB!!!", hatten wir damals als Reaktion auf den Hype um das deutsche Finale präsentiert.

Foto: Imago

Erwischt wurden wir übrigens nicht. Aber natürlich sind den Sicherheitskräften im Block die Megaphone und Schwenker ins Auge gestochen. Unseren Vorsängern wurde ein örtliches Stadionverbot angedroht und später auch umgesetzt—falls sie nicht auf den Einsatz der Megaphone verzichten. Dies wurde dann aber gerne in Kauf genommen, wir hatten sie schließlich erst mit einem dreisten, aber genialen Trick ins Stadion bekommen. Im nächsten Jahr waren übrigens Trommel und Megaphon vom „St.-Pauli-Modell" ausgenommen und durften trotz Materialverbot auf normalem Weg ins Stadion. Da soll mal einer sagen, dass Vereine nicht auch dazulernen.


Da bei fast jedem Spiel Dinge verboten sind, die für uns und unseren Support selbstverständlich sind—und damit meine ich längst nicht nur Pyro—, gibt es Woche für Woche Überlegungen, wie man die Sachen trotzdem reinbekommt. Das war also sicherlich keine Ausnahme—auch wenn es vermutlich die originellste Variante war.

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*Der Verfasser des Beitrags möchte anonym bleiben.