MDMA als Medizin? Ein neuer Film wirft einen kontroversen Blick auf die beliebte Partydroge

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MDMA als Medizin? Ein neuer Film wirft einen kontroversen Blick auf die beliebte Partydroge

„Das ist eine wichtige Sache", sagt der Mann hinter ‚MDMA The Movie'
4.3.15

Eine offene Unterhaltung über Drogen zu ist manchmal wirklich schwierig. Emanuel Sferios hat sich eben diese Offenheit zur Aufgabe gemacht. Als Rave-Aktivist hatte Sferios die Organisation DanceSafe gegründet, mit der er für mehr Sicherheit im Umgang mit Drogen sorgen wollte, weshalb ihm solche oft heiklen Gespräche über MDMA auch nicht fremd sind. Obwohl er seit über einem Jahrzehnt nicht mehr bei DanceSafe ist, hat Sferios vor Kurzem die Website für Amend the Rave Act gestaltet, eine Non-Profit-Organisation, die von Dede Goldsmith gegründet wurde. Goldsmith hatte den Verein gegründet, nachdem sie ihre Tochter 2013 verlor. Ihre Tochter starb die Folgen von Drogenkonsum bei einem Konzert von Dada Life. Wie DanceSafe und Breakline arbeitet Goldsmiths Gruppe nicht mit Panikmache, sondern setzt sich für einen intelligenten Dialog über die wirklichen Probleme vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Informationen ein. Es ist keine Überraschung, dass jemand wie Sferios dort involviert ist. Seine eigenen, außergewöhnlichen Erfahrungen mit Drogen sind die Grundlage für seinen ersten Langfilm, den bald erscheinenden MDMA The Movie.

„Dies wird die erste umfassende und ehrliche Dokumentation über MDMA, die die Geschichte und den kulturellen Einfluss dieser einzigartigen Droge erforscht", erzählt Sferios THUMP. „Das ist eine wichtige Sache, ein kulturelles und soziologisches Phänomen, von dem die meisten Leute einfach nichts wissen. Die meisten wissen nicht, dass das Verbot von MDMA zu einem rapiden Anstieg von Ecstasy-Imitaten geführt hat und der ?-ffentlichkeit ist nicht klar, dass die meisten jungen Menschen, die diese Mixturen konsumieren, das aus Versehen machen."

Das Ziel des Films ist es, ehrlich und lautstark über die tatsächlichen Gegebenheiten des Freizeitgebrauchs von MDMA aufzuklären, aber er erforscht, vielleicht kontrovers, auch die medizinischen Vorteile der Droge. Sferios ist bezüglich der Kontroversen rund um MDMA kein Unbekannter, er ist der beliebten Partydroge zunächst durch seine Arbeit bei DanceSafe begegnet. „Unser Angebot umfasste das Testen von Ecstasy-Pillen, sowohl bei Raves und Festivals als auch im Rahmen eines Testprogramms im Labor, bei dem die Konsumenten anonym eine Pille einsenden konnten", sagt Sferios. Diese Angebote machen DanceSafe bei vielen Events zu einem ungebetenen Gast, ein Problem, dem Sferios während seiner Zeit bei der Organisation immer wieder begegnet ist. Aber es war genau dieser Kampf, der seinen Blick auf MDMA und darauf, wie der Rest der Welt die Droge sieht, geformt hat.

„Wir hatten bis jetzt vier Drehs für den Film", sagt Sferios. „Ich habe zwei Veteranen und ein Vergewaltigungsopfer interviewt, die an einer Studie teilgenommen haben, die von der MAPS (Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies) gegründet und der FDA (U.S. Food and Drug Administration) gefördert wurde und in der MDMA genutzt wird, um posttraumatische Belastungsstörungen zu behandeln. Ein Veteran, Scott Hudek, hat sich selbst MDMA verabreicht und behauptet, MDMA habe sein Leben gerettet.

Sferios sagt, dass er auch eine Gruppe von sieben Leuten bei einer kleinen Hausparty in L.A. gefilmt hat, während sie MDMA genommen haben. Der größte Coup ist für MDMA The Movie bis jetzt eine Unterhaltung mit Alexander Shulgin, dem Wissenschaftler, der auch als Sasha bekannt und der Pate des Ecstasy ist und letztes Jahr im Alter von 88 Jahren gestorben ist, und den er zusammen mit seiner Frau, der Autorin und Drogenforscherin Ann Shulgin, interviewt hat. „Dieses Interview war ein unglaubliches Privileg", sagt Sferios. „Trotz Sashas nachlassender Gesundheit haben beide so viel Liebe und Authentizität ausgestrahlt. Die gesamte Filmcrew hat nach dem Interview geleuchtet."

Diejenigen, die auf einen Film über das Partymachen gehofft haben, werden vielleicht enttäuscht sein, da der Filmemacher sich mit den schonungslosen Realitäten von Leben, Tod und den Folgen von Verlust auseinandersetzen musste. „Was ich durch die Interviews mit diesen ganzen Personen gelernt habe ist, dass eine posttraumatische Belastungsstörung vollständig mit dem Selbstempfinden zusammenhängt, mit Schuld und der Wahrnehmung von sich selbst, das war mir vorher nicht klar."

Abseits der militärischen Kreise hat Sferios sich mit Rachel Hope getroffen, einer Mutter in den Dreißigern, die posttraumatischem Stress ausgesetzt war, nachdem sie einen gewaltsamen sexuellen Übergriff internalisiert und immer wieder erlebt hat, der ihr als Kind widerfahren ist. „Es ging so weit, dass sie geglaubt hat, dass etwas mit ihr nicht richtig sein müsse, weil diese schlimmen Dinge passiert sind", erklärt Sferios. „Sie hat dieses negative Selbstbild über Jahre mit sich herumgeschleppt."

„In all den Fällen hat [die MDMA-Therapie] diesen Leuten geholfen, indem sie ihnen Mitgefühl für sich selbst verliehen hat und ihnen erlaubt hat, sich selbst in einem neuen Licht zu sehen", fügt Sferios hinzu.

Sferios betont, dass sich jeder dieser Patienten in Behandlung eines Therapeuten und von ausgebildeten verordnenden Personen befand, die genau wussten, wie die Dosierung der Droge zu regulieren war. Somit vermeiden MDMA-Konsumenten, die es zu medizinischen Zwecken einnehmen, die Nebenwirkungen eines Absturzes, mit denen viele Konsumenten, die es zum Feiern konsumieren, vertraut sind, besonders die, die es „zu oft und in zu hohen Dosen" einnehmen. Obwohl das auch nicht bedeuten soll, dass Leute, die die Pillen in ihrer Freizeit einwerfen, keine positiven Effekte spüren werden.

„Ich habe gesehen, wie Freizeitkonsumenten großen therapeutischen Nutzen aus der Droge gewonnen haben", bestätigt Sferios. „Ich bin Leuten gegenüber unvoreingenommen, die MDMA als Genussmittel einnehmen, oder wegen der lustigen sozialen Erfahrungen, die es erzeugen kann. Trotzdem verliert MDMA, in fast allen Fällen, bei einer Überdosierung die angenehmen Effekte. Wenn das also der einzige Grund ist, aus dem du es nehmen willst, dann wirst du am Ende enttäuscht sein. Es ist besser, die Message von MDMA zu verstehen, dann den Hörer aufzulegen und weiter zu machen."

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Angus Harrison bei Twitter.

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