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Alle Systeme sind unsicher bis zum Beweis des Gegenteils

Wir haben mit dem renommierten Kryptographie-Experten gesprochen, der auch Glenn Greenwald bei der Aufklärung der Snowden-Enthüllungen geholfen hat.

Nach den Enthüllungen von Edward Snowden über die umfassende Überwachung der NSA bekommt die Welt die digitale Variante eines alten analogen Kampfes zu spüren: die Beschneidung von Freiheit und Privatsphäre im Gegenzug für angebliche Sicherheit.

Diese Debatte kennt kaum jemand so gut wie Bruce Schneier. Er ist Experte für Kryptographie und Autor des Buches „Applied Cryptography", eines der Standardwerke über Computersicherheit, welches „die NSA lieber nicht veröffentlich gesehen hätte", wie Wired 1994 schrieb. Auch die jüngsten Bedrohungen unserer Freiheit kennt er nur zu gut, denn Bruce Schneier half Glenn Greenwald und dem Guardian, die Dokumente von Snowden durchzuarbeiten und die geheimen, hochkomplexen Spähprogramme der NSA aufzuklären.

Auf unsere Frage nach den größten Missverständnissen um Sicherheit wartete Schneier mit einer zunächst überraschenden Antwort auf: „Unser größtes Problem ist, dass die Leute im allgemeinen daran glauben, dass die Dinge von vornherein erstmal sicher sind." Bei neuen Abstimmungsmaschine für Wahlen wird beispielsweise einfach angenommen, dass sie funktionieren und sicher sind—und wir beauftragen dann Sicherheitsunternehmen Fehler zu finden: „Wenn du ein neues System siehst, dann solltest du davon ausgehen, dass es unsicher ist, bis du beweisen kannst, dass es sicher ist. Aber die öffentliche Wahrnehmung geht leider vom Gegenteil aus."

Zum Schutz seiner eigenen digitalen Privatsphäre schließt Schneier seinen Laptop, der eine verschlüsselte Festplatte besitzt, nie ans Internet an. Als wir ihn am Bergman Center der Juristischen Fakultät in Harvard getroffen haben, kam er aber dennoch alles andere als paranoid rüber. Mit Hawaiihemd und Pferdeschwanz wirkte er eher wie ein rebellischer Professor. Schneier machte es während unseres Gespräches sehr deutlich, dass Snowden Enthüllungen leider nur das bestätigen, was er und viele andere schon seit Jahren wussten. „Nichts in den Dokumenten ist eine große Überraschung", meinte er.

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