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Das EM-Maskottchen führt ein NSFW-Doppelleben

Die Auswahl des Maskottchens der EURO 2016 ist mal wieder gewaltig in die Hose gegangen.
10.6.16
Super Victor | Bild: UEFA

Die Organisatoren internationaler Fußballevents beweisen routiniert alle zwei Jahre, wie einfach es ist, mit einem Maskottchen danebenzugreifen. Doch der hässliche WM-Löwe Goleo und sein Kumpel Pille, der sprechende Ball sind gegen den Glücksbringer der Euro 2016 nur Stolpersteine in der Geschichte. Denn der dauergrinsende Super Victor, ein kleiner, sportlicher Junge, der die diesjährige Fußball-EM begleiten wird, trägt den gleichen stolzen Namen wie ein Sextoy.

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Der mattschwarze Namensvetter ist ein gigantischer Silikon-Dildo von beeindruckender Detailverliebtheit und massivem Umfang. Der Darth Vader des Geschlechtsverkehrs wiegt ganze 5,5 Kilo, ist 43 Zentimeter lang und kostet (überhaupt nicht schlappe) 121 Euro. Wo das EM-Maskottchen also vermutlich für Fair Play steht, ließe sich mit dem Plastik-Prügel dem Gegner locker eins überbraten, um ihn vor dem Spiel noch mal schnell unschädlich zu machen.

Die Doppelung des Namens könnte man im Prinzip locker als eine lustige Anekdote des Sportevents abtun und sich mit albernem Kichern während des Public Viewing daran erfreuen. Wenn es da nicht Google gäbe. Selbst ein Erstklässler kann in der Suchmaschine nach „Super Victor" suchen—und der sollte im Sinne des Jugendschutzes lieber nicht auf dem Angebot der Super-Keule oder Praxistests in Form von Streaming-Videos landen.

Das ganze Dilemma scheint vor allem Google-Suchen in den USA zu betreffen. Mit einem deutschem Account und von einer deutschen IP-Adresse aus erscheinen in den Suchergebnissen erst einmal viel UEFA-Werbung und Medienberichte über die sensible Konzeptionierung des Maskottchens—was aber auch daran liegt, dass in den USA generell weniger über das europäische Fussballturnier geschrieben wird.

„Genau das Richtige, um dich nach einem harten Tag im Büro auszufüllen!"

Doch die UEFA kann in diesem Fall zumindest nicht alleinig für den NSFW-Fauxpas verantwortlich gemacht werden. Der fatale Name Super Victor wurde nämlich von der französischen Bevölkerung selbst nach einer Umfrage in den sozialen Medien ausgewählt und setzte sich mit 51,7 Prozent erfolgreich gegen die Namen Driblou und Goalix durch.

Seltsamerweise schien keine der an der Wahl beteiligten Personen den Namen einmal prophylaktisch bei Google eingegeben zu haben. Es ist aber natürlich möglich, dass diejenigen, denen der Namensvetter aus dem Sexshop oder von den Bewertungen auf Seiten wie boyzdestroyed.com („Genau das Richtige, um dich nach einem harten Tag im Büro auszufüllen!") geläufig war, sich bereits im vorhinein kaputt lachten.

Auch die UEFA musste sich bereits zu der bizarren Geschichte äußern und erklärte etwas umständlich, der Name beruhe auf der Idee des Sieges und beziehe sich auf Superkräfte, die der kleine Junge durch seinen magischen Umhang, die Schuhe und den Ball bekäme. Ein bisschen ratlos versucht sich die Marketingabteilung in Ehrenrettung: „Alles, was wir dazu sagen können ist, dass [die Sexspielzeuge] nicht von der UEFA produziert werden", so ein Sprecher des Fußballverbands gegenüber dem Guardian.

Immerhin: geht man von seinen brillanten Bewertungen aus, scheint der Fünf-Sterne-Dildo zumindest ein echter Gewinner zu sein.