Wie ein Sylter Senior mit geschmuggelten HIV-Medikamenten zum Millionär wurde
Lukrativer als Drogenhandel: Medikamentenschmuggel. Bild: Shutterstock

FYI.

This story is over 5 years old.

Tech

Wie ein Sylter Senior mit geschmuggelten HIV-Medikamenten zum Millionär wurde

Ein Pharmagrossist aus Sylt machte drei Millionen Euro Gewinn, indem er HIV-Mediakamente aus Südafrika über drei weitere Staaten nach Deutschland schmuggelte und zu hohen Preisen verkaufte.

An einem verregneten Tag im Juni 2009 betritt ein HIV-Patient die Delmenhorster Anker-Apotheke. Wie üblich kauft er in der Filiale nahe des Bahnhofs eine Packung Combivir—das Medikament, von dem sein Überleben abhängt. Doch als er die Tabletten zu Hause einnehmen will, bemerkt er etwas Seltsames: In der Schachtel befindet sich ein komplett leerer Blister. Ziemlich sauer, Geld für leere Plastikverpackungen bezahlt zu haben, reklamiert der Kunde die Packung bei der Apotheke in der Mühlenstraße 31.

Anzeige

Es ist der Anfang vom Ende eines dreisten Medikamentenschmuggel-Geschäftes ungeheuerlichen Ausmaßes. Erst Jahre später wird klar, dass es sich tatsächlich um einen der größten Skandale dieser Art in Deutschland handelt: Der Sylter Otto Weiß* hat viele Jahre lang ein international operierendes Schmuggel- und Betrugnetz mit antiretroviralen Medikamenten aufgebaut und betrieben. Die HIV-Medikamente zieht er aus Südafrika ab, wo sie eigentlich am dringendsten gebraucht werden. Von dort aus hat Weiß die Arzneimittel in gefälschten Packungen über Belgien, die Schweiz und seine Sylter Firmen schließlich zurück in den deutschlandweiten Apothekenhandel eingeschleust—mit Profiten, die ihn zum Multimillionär machten.

Charge R343741 ist doppelt auf dem Markt

Die Apotheker in Delmenhorst können sich die Kundenbeschwerde des HIV-Patienten nicht erklären. Nach dem Vorfall wenden sie sich an den Hersteller GlaxoSmithKline in München und schnell stellt sich heraus: Chargennummer R343741 ist zweimal auf dem Markt. Mit dem HIV-Medikament ist eindeutig etwas faul. Die firmeneigenen Prüfer sind alarmiert. Die Ermittlungen beginnen.

Hier flog ein jahrelanges Betrugnetz auf, das einen sehr gierigen Pharmahändler sehr reich machte. Bild: Tim Klausing/MOTHERBOARD

Vielleicht wäre Otto Weiß noch viele Jahre mit seiner sorgfältig orchestrierten Masche durchgekommen—wäre da nicht dieser kleine Flüchtigkeitsfehler beim Umverpacken der Tabletten in gewesen. Vielleicht wären die Millionen weiter geflossen, mit denen der alte Mann seine kriminellen Hintermänner in mindestens drei Ländern und sein Haus in Sylt weiter hätte bezahlen können.

Anzeige

Auf der Route von Südafrika nach Sylt verzehnfacht sich der Gewinn—und die Medikamente drohen wirkungslos zu werden.

Weiß fährt bei einem Umsatz von sechs Millionen Euro nicht nur einen Gewinn von satten drei Millionen Euro ein, wie das BKA erklärt. Er nimmt dabei zumindest in manchen Fällen billigend in Kauf, dass die Medikamente während des Schmuggels wirkungslos werden, weil sie während der Transporte von Südafrika nach Deutschland möglichweise nur unzureichend gekühlt werden.

Tatsächlich soll ein Labortest Jahre später ergeben, dass die Wirkstoffkonzentration in den Mitteln, die deutsche HIV-Patienten wie der Delmenhorster Kunde kauften, deutlich geringer ist. Sie liegt aber „noch im Toleranzbereich", erklärt der Ermittler Jürgen Möller aus Lübeck.

Motherboard Vor-Ort-Recherche: Bis das SEK kommt—die erste Festnahme eines deutschen Darknet-Waffenhändlers?

„Hier bereichern sich nicht nur Großhändler mit krimineller Energie, sondern hier werden auch Menschen geschädigt, denen diese Medikamente vorenthalten werden, und das ist besonders verwerflich", sagte der Pharmaexperte Gerd Glaeske von der Uni Bremen dem Radiosender NDRinfo.

Faule Ausreden und windige Komplizen

Einer der wichtigsten Mitstreiter von Weiß sitzt in der Schweiz, wie aus den Ermittlungsakten hervorgeht, in die Motherboard einen Einblick nehmen durfte: Der Zuger Komplize und Medikamentenhändler Jens Leber* hat zusammen mit Weiß eine praktische Verteidigungsstrategie entwickelt, um sich den unangenehmen Fragen der Ermittler zu erwehren: In den Akten ist nachzulesen, wie Leber und Weiß alles als ein großes Missverständnis darstellen. Der Medikamentenhandel sei durch das komplizierte Geflecht aus internationalen Wiederverkäufern auch für sie als einfache Händler so schwer zu kontrollieren, dass einem Betrug einfach Tor und Tür offen ständen—sie selbst seien Opfer und Geschädigte.

In Wirklichkeit wissen Leber und Weiß genau, welche Schlupflöcher sie ausnutzen müssen, um die Medikamente, die in Deutschland das Zehnfache gegenüber Südafrika kosten, zurück in den heimischen Handel zu bringen und reich daran zu verdienen. Das Motiv für den jahrelangen Betrug ist laut dem Journalisten Arne Meyer, der den Fall damals recherchierte, so banal wie offensichtlich: Der gigantische Profit, der winkt, wenn die Medikamente erfolgreich anderen Großhändlern angedreht werden und so schließlich über das Netz deutscher Apotheken vertrieben werden. Ein weiterer Medikamentenhändler bestätigt gegenüber Motherboard, worum es bei dieser Art von Geschäften geht: „Bei so etwas dreht sich alles nur um das Geld."

Anzeige

Um das Geld zu waschen, nutzt Weiß die Tiefkühlfischfirma seiner Frau.

Ilka Steinhausen und Arne Meyer, zwei Reporter aus dem Investigativressort des NDR, deckten die ganze Sache 2011 für den Radiosender NDRinfo Stück für Stück auf. „Wir haben damals einen Tipp bekommen", sagt Arne Meyer. Ihm gelang es auch, zweimal am Telefon mit dem Sylter Pharmagroßhhändler zu sprechen: „Er war sich keiner Schuld bewusst, als ich mit ihm telefoniert habe", erzählt Meyer. „Er hat die Anschuldigungen recht unwirsch abgetan: Das seien alles völlig haltlose Behauptungen. Ein großes Missverständnis."

VICE: Die Scharlatanerie der neuen germanischen Medizin

Die Verteidigungsstrategie des allgemeinen Dementis und Fingerzeigen hat auch der Schweizer Leber schon einige Male genutzt. Er musste sich schon mehrfach wegen Medikamentenfälschungen verantworten und gab Medien sogar ausführliche Interviews, in denen er die Zustände seiner Zulieferer beklagte und seine Hände in Unschuld wusch. Dass die vermeintlich bösen Zulieferer gar nicht extistierten, fiel erst später auf. Auch der Hauptangeklagte Weiß ist vor Gericht ein alter Bekannter: Im Dezember 2010 wurde er schon einmal vom Amtsgericht Niebüll verurteilt. Er hatte wirkungslose Blutverdünnungspräparate in Umlauf gebracht und wird vom BKA beschuldigt, Medikamente speziell für Doping bereitgestellt zu haben. Man tut, was man kann.

Bulkware auf dem Weg nach Europa

Weiß hat über mehrere Jahre ein globales Netz aufgebaut, um seine von Gier und Skrupellosigkeit geprägten Geschäfte global durchzuziehen. Mit seiner Firma EWS Trading kauft er die Medikamente beispielsweise zu Rabattpreisen in großen Mengen in Großbritannien an, um sie dann mit Hilfe eines Kontaktmanns in Südafrika abzuzweigen. Sogar Hilfsgüter konnte er zweckentfremden.

Tatkräftige Unterstützung bekommt er von seiner Frau und einem engen Mitarbeiter seiner Pharmafirma. Denn natürlich braucht man Komplizen, um so viel sprudelnden Gewinn zu vertuschen. Gewaschen wird das Geld beispielsweise über eine Firma im Besitz von Weiß' Frau, die sonst mit „Fischkonserven und Schalentieren" auf Sylt handelt.

Anzeige

„Vielleicht sitzen wir nur am Rande eines großen Spinnennetzes"

Der aufwändigste Arbeit auf der Schmuggelroute findet bereits in Südafrika statt: Hier werden die losen Arzneimittel in neue, gefälschte Blister umverpackt, damit sie auf dem deutschen Markt nicht auffallen. Für das sogenannte Umblistern nutzten Weiß und seine Komplizen aller Wahrscheinlichkeit nach Maschinen, die für wenige Tausend Euro über chinesische Marktplätze bestellt werden können, wie uns der Deepweb-Medikamentenhändler OxyWhite berichtet. Das Umblistern der zehntausenden Pillen, die Weiß und seine Komplizen in Säcken schmuggeln, ist dennoch eine mühsame Kleinarbeit, die Wochen in Anspruch genommen haben dürfte.

HIV-Patienten warten auf die Ausgabe antiretroviraler Medikamente in Südafrika. Bild: imago

„Durch die hohen Preise bestimmter Medikamente in Deutschland wird der Betrug besonders interessant", erzählt mir ein Sprecher der deutschen AIDS-Hilfe. „In der Bundesrepublik sind nämlich nicht nur HIV-Medikamente ganz besonders teuer im Vergleich zu anderen Ländern, sondern auch Mittel, zum Beispiel zur Behandlung von Hepatitis C."

Umverpackt lässt Weiß die für afrikanische Patienten bestimmten HIV-Medikamente über die Schweiz und Belgien lose als Bulkware in Säcken und Kisten nach Deutschland schmuggeln. Teilweise in Deutschland, aber auch schon in Südafrika, werden die Medikamente jetzt noch mit gefälschten Packungen versehen. Fertig ist der Etikettenschwindel. Weiß braucht die Arzneimittel nur noch an verschiedene Zwischenhändler und Apotheken zu verkaufen, um seine millionenschwere Gewinne einzufahren.

Anzeige

Arzneimittel zu fälschen ist lukrativer als Drogen zu verticken.

Hersteller wie Glaxo Smith Kline und Boehringer Ingelheim versorgen nämlich nicht nur deutsche AIDS-Patienten, sondern liefern ihre Präparate wie Combivir, Trizivir, Viramune oder Epivir auch nach Südafrika. Dort kosten die lebenswichtigen Medikament nur einen Bruchteil, weil die Käufer oft nicht versichert oder einfach ärmer sind. Diese preisliche Diskrepanz und die undurchsichtigen Lieferketten bei Medikamenten im internationalen Handel nutzte Weiß über mehrere Jahre hinweg aus.

Geldwäsche mit Tiefkühlfisch

Es gibt mehr als 3000 Pharmagroßhändler in Deutschland, davon viele unlizensiert. Der Handel mit Arzneimittelfälschungen ist lukrativer, als Drogen zu verticken. Und er lohnt sich immer mehr: Allein im ersten Halbjahr 2013 wurden 1,4 Millionen Tabletten und Ampullen gefälscht und auch im Darknet floriert der Handel mit Medikamenten.

Die graueste Zone des Darknets: Medikamentenhandel in der „Lifestyle-Apotheke"

In Deutschland laufen 2011 die Untersuchungen im Falle Weiß derweil weiter: In Lübeck ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen MPA Pharma aus Trittau, die sich mit in Deutschland weiterverkauften Medikamenten aus Südafrika ebenfalls um 300.000 Euro bereichert haben soll, außerdem gegen CC Pharma und . „Es kann sein, dass es ein Spinnennetz gibt und wir nur am Rand sitzen", sagte der Oberstaatsanwalt Dieter Möller in Lübeck. Die Spuren führten 2011 alle nach Sylt. Der Pharmagroßhändler Weiß hatte dort drei eigene Firmen auf der Insel, die alle mit Medikamenten handelten: Die nach seinen Initialen benannte EWS Trading GmbH, die Firma PTC, und die Fisch- und Tiefkühlwarenfirma SAS Handelsgesellschaft seiner Frau, die alle nur einen Steinwurf vom Golfplatz Morsum entfernt lagen.

Anzeige

Otto Weiß und seine Frau stehen damit im Zentrum eines der größten Medikamentenskandale Deutschlands. Die Geschichte des Ehepaar Weiß ist zwar besonders (und besonders übel)—aber sie ist kein Einzelfall. Beim größten bekannten Arzneimittelbetrug machten Fälscher einen Gewinn in Höhe von sagenhaften 10 Millionen Euro, bevor sie in Stuttgart verurteilt wurden. Ihnen war es gelungen, gefälschte Packungen des Krebsmedikaments Omeprazol in die legale Verteilerkette einzuschleusen.

Eine Blistermaschine, mit der Pillen verpackt werden können. Bild: imago

Liegt der Fehler also im System? Zumindest hatten die Schmuggler und Fälscher um Weiß es viel zu einfach, ihr Geschäft unbemerkt durchzuziehen—und die Ermittler brauchten auch nach 2009 noch erstaunlich lange, um das kriminelle Netzwerk trocken zu legen. So gibt beispielsweise die federführende Flensburger Staatsanwaltschaft ein eher unglückliches Bild ab. Trotz mehrfacher Nachfragen von Motherboard und auch anderen Medien scheinen die Verantwortlichen kaum in der Lage, konkrete Details bekanntgeben zu können. Fast scheinen sie von der Komplexität der Weißschen Schattenwirtschaft überfordert.

Geklaut aus Südafrika

International nehmen die Ermittlungen jedenfalls Fahrt auf: In der Schweiz ist die Strafbehörde Swissmedic an dem Fall dran. In Südafrika beschäftigt sich die Polizei-Eliteeinheit Hawks mit dem Skandal. Es kommt es zu Hausdurchsuchungen und schließlich erstmals zu einer Verurteilung, wie die südafrikanische Journalistin Shanaaz Eggington in der Sunday Times berichtet:

Ein Medikamentenhändler namens James Buckley sollte in dem Fall mit drinhängen und direkt mit Weiß Geschäfte gemacht haben. Bald wurde auch seine Rolle klar: Der Geschäftsführer der Firma Rainbow Pharmaceuticals stellte Weiß seine Geschäftsräume zur Verfügung, damit die für den afrikanischen Markt bestimmten Pillen in aller Ruhe umverpackt werden konnten. So sollte vermieden werden, dass die Medikamente am Zoll aufflogen. Zudem trat Buckley nach außen als Pharmahändler auf, obwohl er dafür keine Lizenz hatte, wie das Gericht in Pretoria feststellte. Immerhin: Buckley wurde zu 5 Jahren Haft verurteilt, Rainbow Pharmaceuticals Ltd. suspendiert.

Anzeige

„Tja, das nennt man einen Deal", seufzt der Staatsanwalt resigniert.

Antiretrovirale Medikamente können das HI-Virus zwar nicht heilen, aber zumindest daran hindern, sich schneller zu vermehren. In Südafrika sind 5,8 Millionen Menschen täglich auf HIV-Medikamente angewiesen. Der Anteil der Infizierten liegt bei über 18 Prozent der Bevölkerung. Und trotzdem sterben viele von ihnen einen qualvollen, frühzeitigen Tod, weil sie keinen Zugang oder kein Geld für die Medizin haben oder nicht ausreichend versichert sind.

Immer wieder kommt es auch zu Betrugsfällen im Zusammenhang mit HIV-Medikamenten: Zum Beispiel werden Patienten an Kliniken abgewiesen, weil der Vorrat der Medizin angeblich erschöpft sei. Zwei Ecken weiter handeln dann plötzlich Menschen mit genau dem benötigten Medikament. Ebenso ist der Betrug mit HIV-Medikamenten aber auch in Deutschland Alltag: Rund um das Kottbusser Tor in Berlin wird ganz offen mit HIV-Rezepten gehandelt.

Die Anker-Apotheke im brodelnden Delmenhorst, in der der Kunde den Betrug aufdeckte. Bild: Tim Klausing/MOTHERBOARD

In einem Geschäft, in dem so große Gewinnmargen winken und die Bedürftigkeit hoch ist, ist ein florierender illegaler Handel kaum trockenzulegen. „Wir haben schon damals kritisiert, dass so ein Betrug allen Beteiligten schadet", sagt Herr Wicht von der Deutschen AIDS-Hilfe. Wer etwas öffentlich kritisiert, weiß meistens selbst, dass nicht viel mehr zu machen ist.

Im November 2011 lässt die Staatsanwaltschaft Büros und Wohnungen in Hamburg und auf Sylt durchsuchen. Das BKA schaltet sich ein, die Ermittler zapfen Weiß' Telefon an. Beim Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz sei eine Strafe von bis zu zehn Jahren möglich, erklärte die Staatsanwaltschaft. „Die Beweislast war so groß, dass wir verhandeln konnten", sagte mir Staatsanwalt Schumann vom Landgericht Flensburg.

Anzeige

Alle Arbeit umsonst

Eigentlich ist die Sache also klar. Alles deutete darauf hin, dass Weiß im „größten Fall, den wir je hatten" (Staatsanwalt Meienburg aus Flensburg), rechtmäßig verurteilt werden sollte. Die Staatsanwaltschaft Flensburg hat genügend Beweise gesammelt, um die Schuld des Hauptangeklagten hinreichend zu belegen, auch die unmittelbaren Helfershelfer sind bereits belangt. Das BKA gibt 2011 eine Pressemitteilung heraus, in der sie frohlockt: „Zusammen mit mehreren Staatsanwaltschaften ist das BKA einem Millionenbetrug auf der Spur."

Doch die Spur verläuft sich.

Ob sich die Staatsanwaltschaft Flensburg einfach nur besonders schwerfällig in der Aufarbeitung angestellt hat oder ob die Sache einfach verdammt komplex aufzudröseln ist, kann nur vermutet werden. Natürlich gestalten die Betrüger ihr Netz an Zwischenhändlern, Briefkastenfirmen, Verträgen und Grossisten absichtlich so kompliziert und unübersichtlich wie möglich, um eine grenzübergreifende Aufklärung möglichst lang herauszuzögern.

Zu einer Verurteilung in Deutschland kam es jedenfalls trotz erdrückender Beweislage nie. Der schon zum Zeitpunkt der Ermittlungsaufnahme 66 Jahre alte Hauptangeklagte verstarb im April 2014. Die Prozesse wurden ohne ein Urteil eingestellt. Das Verfahren gegen einen engen Mitarbeiter von Weiß wurde wegen geringer Schuld nach der Zahlung von 3000 Euro eingestellt. Gegen die Zahlung von 460.000 Euro wurde auch das Verfahren wegen Geldwäsche gegen seine Frau ebenfalls einvernehmlich beendet. „Tja, das nennt man einen Deal", seufzt der Staatsanwalt Schumann resigniert in Flensburg, als wir ihn bitten, die Aktenlage noch einmal zu rekapitulieren. „Das war Geld aus dem Schmuggel." Letztlich zahlte also das vom nimmersatten Pharmagroßhändlern ergaunerte Geld die Gerichtskosten und Strafen für die Beteiligten in Deutschland, die am tiefsten in der Sache steckten.

All die Arbeit umsonst, weil man es nicht schaffte, den Überlebenden eine Schuld nachzuweisen—und die Berge an Ermittlungsakten verschwanden wieder in den Schränken der Behörden. So lange die Gewinnmargen mit geschmuggelten Medikamenten so groß sind, wird sich daran nichts ändern.

* Namen geändert