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Reisen

Montezumas Rache: So überlebst du den nächsten Backpacker-Urlaub

„I got stomach pain / Don't matter sun or rain / Thought that it went away / Uh-oh, here it comes again.“ – Cam'ron

von Munchies Staff
29 Juni 2016, 2:04pm

Alle Bilder via Imago

Drücken wir uns sauber aus: Eine Kegelbahn reservieren. Einen Torpedo abfeuern. Das Triebwerk zünden, den braunen Salon entrümpeln, einen Bergmann in den Stollen schicken, der Unterwelt einen neuen Fürsten schicken, einen Bob in die Bahn setzen, meine Freunde Villeroy und Boch im Porzellanmuseum besuchen, Darmstadt befreien. Aber wenn Montezumas Rache, auch Reisedurchfall, Reisediarrhoe zuschlägt, wird es oft erst mal ernst.

„I got stomach pain / Don't matter sun or rain / Thought that it went away / Uh-oh, here it comes again." – Cam'ron

Durchfall ist eine der häufigsten Reisekrankheiten, die man als Mitteleuropäer bekommen kann. In Asien, Mexiko, Süd- und Mittelamerika ist das Risiko für Reisedurchfall erhöht, aber auch andernorts kann dich der plötzliche Durchfall stundenlang auf die Brille zwingen. Bevor du dich mit deinem Rucksack aufmachst, solltest du dir also einen Überblick verschaffen, was mit deinem Darm passieren kann, wenn du nicht richtig aufpasst.

Beschussfertig

Wieso gehört Reisedurchfall zu den am meisten verbreitetsten Reisekrankheiten unserer Zeit? Keime und Bakterien sind weltweit unterschiedlich. In Mitteleuropa sind die Hygienestandards im Vergleich zur restlichen Welt sehr hoch. Einfacher gesagt: Der eigene Organismus ist gehätschelt und getätschelt, kann daher aber daher auch schlechter mit kleinen Veränderungen im Körper umgehen als ein Mensch, der ständig von viel mehr Bakterien und Viren umgeben ist. Und da wir alle essen und trinken müssen, gelangen sehr schnell Keime in den Darmtrakt, die unser mit Babycreme eingeöltes Immunsystem überwinden können. Die Menschen in fernen Ländern leben seit ihrer Geburt mit den heimischen Bakterien, sind also immun.

Worauf muss ich im Urlaub achten? Die alte, radikale Faustregel „Cook it, boil it, peel it or forget it" bleibt—wenn Lebensmittel gekocht, gebraten oder geschält sind, mindert das das Erkrankungsrisiko. Wasser sollte generell aus Flaschen und nicht aus dem Hahn getrunken werden, das gilt auch für das Zähneputzen oder das Waschen von Lebensmitteln. Allerdings ist es schwierig, sich so im Urlaub fortzubewegen, denn schon die Eiswürfel im bestellten Getränk können Erreger enthalten.

Was sollte ich tun, wenn ich an Reisedurchfall erkranke?In den allermeisten Fällen sind Medikamente nicht notwendig und die Alarmanlage im Darm stellt sich nach wenigen Tagen wieder auf Stand-by. Durch einen Reisedurchfall verliert der Körper viel Wasser und damit auch viele Salze, die man sich Stück für Stück wiederholen sollte. Man fühlt sich niedergeschlagen und hat wenig Appetit, Erbrechen und anfängliches Fieber können Begleiterscheinungen sein. Der Elektrolythaushalt kann durch viel Tee wieder austariert werden, Lebensmittel sollte man einfach wie gehabt weiter zu sich nehmen, soweit es im Rahmen des Möglichen liegt. Nur auf fettiges Essen sollte erst mal verzichtet werden. Wenn die Beschwerden länger anhalten, schlimmer werden oder man Blut im Stuhl auffindet, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen, der einem dann ein Antibiotikum verschreibt.

Toilettenhäuschen Toilette WC über dem Rheintal, Wellmich, Rheinland-Pfalz, 1.10.2015 Toilet cabins Toilet WC above the Rhine Valley Well Mich Rhineland Palatinate 1 10 2015

Hinter der Toilettentür gibt es keine gute Aussicht

Helfen Salzstangen und Cola bei Durchfall? Kraftlos rumzuliegen ist ziemlich beschissen. Man hat keinen Appetit und wenig Durst. Dass sich der Mythos durchgesetzt hat, bei Durchfall ausschließlich Cola und Salzstangen in sich reinzujagen, liegt wohl daran, dass sich beides nicht nach Medikamenten, sondern nach Belohnungen anhört. Aber der Zuckergehalt der Cola schadet dir noch eher und die Salzstangen bringen kaum Kaliumnachschub. Helfen tut es im Endeffekt trotzdem. Also, wenn du nichts anderes dabei hast oder keinen Tee magst, dann kannst du auch damit gewinnen. Was passiert da eigentlich in meinem Darm? Im menschlichen Darm leben mehrere Trillionen Bakterien, die in der Mehrzahl die Verdauung fördern. Gelangen aber Krankheitserreger wie E. Coli-Bakterien, Salmonellen oder der Norovirus dazu, können sie eine Entzündung der Darmschleimhaut provozieren, die den Wasseraustausch stört. Der Körper lässt zum Ausgleich viel Wasser in den Darm strömen, was man selbst dann als Durchfall erkennt. Leichtes Fieber und Erbrechen sind da weitere unerwünschte Reaktion deines Körpers.

Kann man sagen, dass man von Street Food eher Diarrhoe bekommen kann als in einem Restaurant? Natürlich kann man erst mal davon ausgehen, dass Straßenhändler über weniger hygienische Möglichkeiten als ein Restaurant verfügen. Allerdings gibt es auch Fälle, dass Menschen in Luxushotels eher an Reisedurchfall erkranken als Menschen in normalen Hotels, da Luxus Hygiene auch schnell vergessen lassen kann. Wenn man sich nicht sicher ist, ist es immer ratsam zu schauen, wie das Essen zubereitet und wo es aufbewahrt wird. Und das ist bei Straßenköchen deutlich leichter als in einem Restaurant, einen Blick in die Küche zu werfen.

Bildnummer: 51289308 Datum: 19.04.2006 Copyright: imago/Margit Brettmann Dixi-Klo im Braunkohletagebau Welzow, Landschaft , Objekte; 2006, Welzow, Lausitz, IBA Fürst Pückler Land, Pücklerland, Internationale Bauausstellung, Bau Ausstellung, Tagebau, Tagebaue, Braunkohletagebau, Braunkohletagebaue, Kohle , Braunkohle, Förderanlage, Förderanlagen, Klos, Toilette, Toiletten, Dixiklo; , quer, Kbdig, Totale, Bergbau, Wirtschaft, Deutschland, ,

Der Blitz schlägt immer dort ein, wo man ihn nicht erwartet

Darf ich also bei Einheimischen zu Hause nichts essen? Prinzipiell solltest du das eigentlich lassen, wenn du auf Nummer sicher gehen möchtest. Aber ganz im Ernst und unter uns—was ist dir lieber: Auf deinen viel zu sorgsamen Dad zu hören, der selbst das Reisegeld im Brustbeutel unter das T-Shirt führt und in die Unterhose klemmt, damit man ihn auf keinen Fall beklauen kann („Wenn einer von hinten kommt und den Brustbeutel abschneidet, fällt er vorne nicht runter!") oder am Ende gute Storys von einem gemeinsamen Essen, neuen Freunden und einer eventuell anschließenden, ordentlichen Knatterei erzählen zu können? Am Ende entscheidest du.