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Chinas Parteibosse haben Golfen wieder erlaubt

In China hat es Tradition, Golf im Sinne des Klassenkampfes zu verbieten. Schließlich sei die Driving Range ein Nährboden für Beamten-Bestechung. Doch jetzt scheint auch Chinas Elite Gefallen am Putten gefunden zu haben.
15.4.16

Will man einen groben Fehler unserer modernen Welt ausmachen, dann die Tatsache, dass sich Golf und Kommunismus gegenseitig ausschließen. Aus verschiedenen sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Gründen spielen sehr wenige Kommunisten Golf, während sich sehr wenig Golfer mit Kommunismus identifizieren. Oder kannst du dir vorstellen, wie Jordan Spieth ein paar Zeilen Marx liest, bevor er zum Schläger greift? Oder wie die „Internationale" aus Rory McIlroys Buggy-Lautsprechern dröhnt? Nein, kannst du nicht. Es gibt schließlich einen Grund dafür, warum das Siegerjackett beim Masters in Augusta grün und nicht rot ist. In der Welt des Golfs haben Sympathien für den Kommunismus nichts zu suchen.

Bis vor wenigen Tagen konnte man dasselbe auch über Golf-Sympathien in der Welt des Kommunismus behaupten. Vor allem in China gibt es eine lange Tradition, Golfspielen zu verbieten. Schon Mao verbannte Golf aus dem Reich der Mitte und nennte es „einen Sport für Millionäre". Was Mao betraf, kannten nur Umstürzler, Lakaie des Westens und die kapitalistische Bourgeoisie den Unterschied zwischen einem Sand-Wedge und einem Pitching-Wedge.

Trotzdem feierte Golf in den 80ern und 90ern in China ein leises Comeback. Als nämlich der waschechte Oldschool-Kommunismus langsam, aber sicher einem weichgespülten, wirtschaftsfreundlichen Kommunismus wich, begann Chinas politische Elite, Gefallen am Putten zu finden. Dummerweise wurde Golf 2015 erneut verboten.

Denn im Rahmen der Antikorruptionskampagnevon Staatspräsident Xi Jinping wurde beschlossen, dass Chinas Golfanlagen ein Nährboden für Schiebergeschäfte und Bestechung seien. „So wie edle Liköre und Zigarren, teure Autos und Villen ist auch Golf ein PR-Tool, dessen sich Geschäftsleute bedienen, um Parteifunktionäre zu korrumpieren", verkündete ein Parteizeitung.

Jetzt aber hat die Kommunistische Partei Chinas erneut eine Kursänderung eingeschlagen. Mittels eines Artikels in der staatlich kontrollierten Zeitung Discipline Inspection and Supervision News hat Chinas Antikorruptionsausschuss verkündet: „Weil es nur ein Sport ist, ist es weder richtig noch falsch, Golf zu spielen."

Für die 180-Grad-Wendung kann es eigentlich nur einen Grund geben: Xi Jinping hat selbst gemerkt, wie entspannend es sein kann, einen herrlichen Sommertag auf der Driving Range zu verbringen.