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Thump

Wir haben mit dem Kopf hinter Headless Horseman gesprochen

Außerdem gibt es exklusiv bei uns einen neuen Track des geheimnisvollen Industrial-Techno-Produzenten.

von Rachel Kraus
12 April 2017, 12:41pm

Foto: KURO

Mit seinem Antlitz hinter einem haarigen Schleier versteckt, der leicht an Cousin Itt erinnert, strahlt der enigmatische Industrial-Produzent Headless Horseman eine makabre Mystik aus. Seine Musik verstärkt diesen Effekt noch mit ihren ominösen Techno-Soundscapes. Am 14. April veröffentlicht der kopflose Reiter seine neue EP 47009 auf 47, dem Label des in Berlin lebenden Produzenten und DJs Tommy Four Seven. Zwei Wochen später, am 28. April, spielt Headless Horseman dann auch in Berlin bei 47s neuer Partyreihe Nummerology.

Mit ihren vertrackten Feedbacks und hypnotischen Synthlines gibt es auch auf 47009 den für ihn typischen verspielt-nekromantischen Sound zu hören. Der Produzent hat Noisey vorab seinen Track "Bleeding Arrows" bereitgestellt, den du dir hier unten anhören kannst. Langsam fährt der Bass darin wie ein alter Dieseltruck hoch, bevor es auf einen wilden Ritt in die Unterwelt geht.

Wir haben mit dem kopflosen Reiter persönlich über seine Inspiration für "Bleeding Arrows", die Entwicklung seines Sounds und darüber, in welchem Verhältnis seine Persona zu seiner Musik steht, gesprochen. Hör dir "Bleeding Arrows" hier unten an, schnapp dir am 14. April deine Kopie von 47009 und gönn dir einen seltenen Blick auf den Mann hinter dem Vorhang.

Noisey: Sind das wirklich Pferdehufe am Anfang und Ende von "Bleeding Arrows"? Wie hast du den Track produziert?
Headless Horseman: Ich habe versucht, meinen Hengst zu samplen, beim Anblick des Aufnahmegeräts ist er aber sehr nervös geworden. Ich habe ihn zwar nett gefragt und sogar erwähnt, dass er auf der neuen Platte zu hören sein würde, aber er hat höflich abgelehnt. Am Ende musste ich den Galopp also per Hand erschaffen. Mein Sampler stand mir dafür mit allen Hufen hilfreich zur Seite.

Wie bei den meisten Headless Kompositionen ist auch diese eine Vertonung eines Teils meines Alltags zu meinem persönlichen Soundtrack. Im Winter war ich etwas niedergeschlagen und diese sich windende Synthline bescherte mir ein schönes Gefühl von Zeitlosigkeit – Tunnelblick in Loopform. Einem bestimmten Gefühl nachzugehen – sei es fröhlich oder desaströs – hat sich für mich als therapeutisch erwiesen.

Hat die EP eine Message oder eine Stimmung, die du beim Hörer erzeugen willst?
Diese EP ist nicht mehr als eine grenzenlose Reise durch den kreativen Geist. Ich entscheide mich immer bewusst dafür, etwas Abwechslung auf jeder Platte zu haben. Es ist oft schwer, sich nicht zu wiederholen und die Story einer vorherigen Veröffentlichung fortzuführen. Für 47 haben Tommy und ich einfach ausgewählt, was unserer Meinung nach eine runde Hörerfahrung ergeben würde. Dabei fühlten wir uns nicht an die typischen Technoformate gebunden. Es war ungezwungen und ich finde, dass Tommys Auswahl eine runde und harmonische Platte ergeben hat.

Wie würdest du sagen, dass sich dein Sound von deinen ersten Performances 2014, über deine EPs 2015, bis hin zu dieser Veröffentlichung verändert hat?
Ich beschäftige mich mehr und mehr mit Sound Design und bin langsam der Meinung, dass eine Geschichte sogar ohne Percussion-Elemente nicht weniger eindringlich erzählt werden kann. Ich habe mich zu mehreren Gelegenheiten mit meinem Album von 2015 auseinandergesetzt und eine klare Vision für meine nächsten Arbeiten. Ich sehe diese Entwicklung mehr als eine menschliche und keine rein musikalische. Ich tendiere zwar dazu, mir mehr vorzunehmen, als ich schaffen kann, aber der eigentliche Spaß an der ganzen Sache, besteht für mich darin, mir eine Herausforderung zu stellen, den Sound noch weiter voranzutreiben. Deswegen liegt auch so viel Zeit zwischen den einzelnen Veröffentlichungen.

Manchmal habe ich 100 unfertige Track-Fragmente vor mir und kein einziges davon reflektiert meine aktuelle Lebenssituation. In so einem Fall heißt es dann: "Noch mal von Vorne." Wenn es nicht gut zu meiner aktuellen Lage passt und sich komisch anfühlt, landet es in der Tonne. Es schadet nicht, wählerisch zu sein. Weniger ist mehr.

Es herrscht ein reges Interesse an deiner Identität und deinem geheimnisvollen Auftreten. Wie würdest du den Headless Horseman beschreiben?
Alles begann mit dem bewussten Versuch, meine Existenz in einen anderen Geist und Körper zu transformieren. Ich brauchte einen Weg, um meiner Kreativität ein anderes Gefäß zu leihen. Kurz bevor ich Headless wurde, befand ich mich in einer sehr negativen Phase meines Lebens.

Der Headless Horseman war eine Person, die einen negativen Blick auf das Leben hatte. Zu jener Zeit leuchtete diese Musik ein beständiges Licht auf das Ende dieses einst dunklen und engen Pfads des Untergangs. Die unglaublichen Menschen, die ich auf dem Weg kennengelernt habe, haben mir neue Stärke und neuen Mut gegeben. Ein Großteil dieser Dunkelheit ist inzwischen verschwunden.

Haben dich irgendwelche bestimmten maskierten Künstler beeinflusst? Wie lauten deine musikalischen Einflüsse?
Ich tendiere dazu, mir eher Musik anzuhören, als mich damit auseinanderzusetzen, wer dahinter steckt. Das macht für mich den Spaß des Mysteriums aus.

Ich bin stark von Barockmusik beeinflusst – und von Death Metal und Post Rock. Als ich jünger war, habe ich klassischen Gitarrenunterricht gehabt und bin dann in mehr metallische Gefilde übergegangen. Seit ich dann in den 90ern Techno entdeckt habe, haben mich die Maschinen nicht mehr losgelassen. Rephlex Records hat mich auch stark beeinflusst.

Was kommt für Headless Horseman als nächstes?
Ich will die ganze positive Energie zurückgeben, die ich bekommen habe. Momentan versuche ich alles, was ich gefühlt und erfahren habe, in einen Kurzfilm zu packen, der von dieser symbolischen Figur handelt. Dieser wird in die neue A/V-Show eingebunden sein, die Ende des Sommers bühnenfertig ist.

Ich habe außerdem zwei Lesungen in Seoul und Tokio gehalten. Das Thema drehte sich darum, wie man Lebenssituationen in neue Methoden des kreativen Outputs verwandelt. Ich war richtig begeistert von dem Feedback. Ich plane, in Zukunft noch mehr davon zu machen. Ich hatte wenig bis keine Anleitung, als ich meine ersten naiven Experimente begonnen habe. Ich hoffe, dass ich damit etwas Licht auf die Gedankengänge junger Produzenten werfen kann, indem ich offen und ehrlich über die persönlichen Probleme beim Musik machen spreche.

Die vollständige Tracklist von 47009 lautet:
A1) Widow's Peak
A2) Shattered
B1) Bleeding Arrows
B2) The Day She Vanished

Dieser Artikel ist zuerst bei THUMP erschienen.

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