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Eine der berüchtigtsten „Mordvillen“ der Welt ist endlich auf dem Markt – zum Spottpreis

Hast du mal eben 2,75 Millionen Dollar? Dann kann diese verfallene Traumvilla inklusive Ballsaal, Bar und morbiden Pilgerhorden jetzt dein sein.
04 April 2016, 8:54am
Foto von Jamie Lee Curtis Taete

Wenn du in einem stattlichen Haus in den Hügeln von Los Angeles wohnen willst, aber bisher einfach noch darauf gewartet hast, genau das richtige zu finden, in dem sich vor mehr als einem halben Jahrhundert ein schreckliches Verbrechen zugetragen hat, dann ist deine Zeit jetzt gekommen: Die Mordvilla von Los Feliz, eine der beliebtesten Knutsch-Locations für die Goths von L.A. und vermutlich das Kronjuwel der südkalifornischen Mordgeschichte, kann dir für den Spottpreis von 2,75 Millionen Dollar gehören.

Für alle Nichtwissenden unter euch, die „Murder Mansion" ist ein Haus, in dem 1959 ein Mord mit anschließendem Suizid stattfand. Seitdem ist das Haus unbewohnt geblieben.

„Das ist nicht das erste Mordhaus, das ich verkaufe", sagt Nancy Sanborn von der Immobilienfirma der Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway in Los Angeles. Sanborns Job ist es, neue Eigentümer zu finden, und genau das gedenkt sie auch zu tun. Vor Kurzem hat sie eine sogenannte „Maklerkaravane" abgehalten—eine Hausbesichtigung nur für Makler und Maklerinnen—, um Interesse an dem Grundstück zu generieren. Sie hat mir erzählt, dass mehr als 200 Menschen aufgetaucht sind, die allesamt Geschichten im Gepäck hatten. So habe sie davon erfahren, dass sie eine Legende verkauft und dass ihre Aufgabe diesmal keine einfache sein wird.

Wo nicht anders vermerkt, Fotos mit freundlicher Genehmigung von Nancy Sanborn

Sanborn verglich das Interesse an der Mordvilla von Los Feliz mit der leidenschaftlichen Reaktion, die der Abriss des Hauses von Nicole Brown Simpson, einem der beiden Mordopfer im OJ-Simpson-Fall, 1998 hervorrief. „Die Leute fahren dort immer noch vorbei, nur um es anzusehen, und das Haus steht nicht einmal mehr!", lachte sie. Abgesehen davon handelt es sich bei dem Haus an der Rockingham Avenue nicht um den Tatort im Fall Simpson.

Das Haus mit der Adresse 2475 Glendower Place hat eine sehr attraktive Lage, nur einen Steinwurf vom Griffith Park entfernt, und bietet eine atemberaubende Aussicht auf Los Angeles. Und dann war da noch ein herzzerreißender Mordfall.

Im Jahr 1959 attackierte ein Arzt namens Harold N. Perelson seine schlafende Frau Lillian mit einem Schlosserhammer. Er erschlug sie und ging dann zu seiner 18-jährigen Tochter, doch seine Schläge verletzten sie nur. Sie weckte mit ihren Schreien die Nachbarschaft und schaffte es ebenso wie die jüngeren zwei Kindern zu fliehen. Dr. Perelson nahm daraufhin einen Medikamentencocktail zu sich und starb.

Seit dieser Nacht vor fast 60 Jahren steht das Haus anscheinend leer und wird kaum instand gehalten. Es ist bereits stark verfallen.

Und so wurde die Mordvilla von Los Feliz zu einer Kuriosität für abenteuerlustige Einheimische und einem Störfaktor für die Anwohner. Ein Artikel in der L.A. Times von 2009 erwähnte, dass Mutige, die sich an das Haus wagten, durch die Fenster 50er-Jahre-Möbel und einen Fernseher sehen konnten. Es wurde damit impliziert, die Sachen der Familie Perelson seien noch unangetastet, wie eine morbide Zeitkapsel aus der Mordnacht.

Hier ist ein Foto, das durchs Wohnzimmerfenster geschossen wurde, als ich eines Nachts 2014 dort war:

Foto von Jamie Lee Curtis Taete

Und hier ist ein Foto von demselben Zimmer bei Tageslicht, nachdem Sanborn es leergeräumt hat:

Das Haus mag noch gruselig sein, doch wenn jemand sich Hoffnung gemacht haben sollte, dass alles unberührt bleibt, dann kann er sich jetzt getrost von dieser Hoffnung verabschieden; der Zug ist abgefahren.

Sanborn meint allerdings auch, die romantischen Vorstellungen von dem Ort seien Blödsinn, „genau wie Alligatoren in der New Yorker Kanalisation", sagte sie. Sie wies mich darauf hin, dass ein Paar namens Emily und Julian Enriquez das Haus kurz nach dem Mord gekauft hat. Die Erklärung für den ganzen Kram, der im Haus verstreut lag und deutlich nach Mitte des 20. Jahrhunderts aussah, ist ganz einfach die, dass „die Familie Enriquez das Haus in der Mitte des Jahrhunderts gekauft hat", also gibt es keinen Grund, darin „Murderabilia" zu vermuten.

Wer sich für die Geschichten um das Haus interessiert, hofft wohl, dass sie Recht hat, denn das Zeug ist jetzt weg. „Es wurde entfernt", will Sanborn dazu nur sagen. Die Villa ist zwar gereinigt und für den Immobilienmarkt vorzeigbar gemacht worden, doch das bedeutet nicht unbedingt, dass es bewohnbar ist. Sanborn machte keine Versprechen, was die strukturelle Unversehrtheit des Hauses angeht. Da, meint sie, müssten die neuen Eigentümer „nachforschen".

Sanborns Immobilienanzeige erwähnt den Mord zumindest nicht. „Zum ersten Mal in 50 Jahren auf dem Markt!" heißt es stattdessen. Laut dem kalifornischen Gesetz müssen gewaltsame Todesfälle in einem Haus nur den neuen Eigentümern mitgeteilt werden, wenn sie sich in den letzten drei Jahren zugetragen haben. Sanborn muss also tatsächlich auch niemanden davon erzählen.

Als ich mich allerdings mit ihr unterhielt, war sie aber auch nicht schüchtern, was das Thema anging. „Manchen ist das wichtig. Manchen Leuten ist es egal. Wem es nicht egal ist, für den ist dieses Haus nicht das Richtige", sagte sie. Und aus ihrer Sicht als Immobilienmaklerin sei es eine sehr große Sache, ein solches Haus in einer solch großartigen Gegend so weit unter dem Wert der umliegenden Häuser verkaufen zu können. „Es gibt sehr wenige Objekte wie dieses, die einfach herumstehen und darauf warten, gekauft zu werden", sagte sie, bevor sie hinzufügte: „Tut mir leid, hier so nüchtern zu sein."

Rudy Enriquez, der Sohn der Eigentümer Emily und Julian Enriquez, erbte die Villa 1994 nach dem Tod seiner Mutter. Er soll sich stur geweigert haben, das Haus zu verkaufen oder zu vermieten, doch seine Beweggründe hatten wohl nicht das Geringste mit der gewalttätigen Vergangenheit des Gebäudes zu tun: Der L.A. Times sagte er, er wisse einfach noch nicht, wo er seinen Ruhestand verbringen wolle. Enriquez sagte der Zeitung auch, er habe eine Zeit lang zwei Katzen dort wohnen lassen, doch es sei mühsam gewesen, ihnen so oft ihr Futter zu bringen. Spukgeschichten tat er entschieden als Fantasie ab: „Das einzig Gruselige dort bin ich. Sagen Sie den Leuten, sie sollen jeden Morgen und Abend ihre Gebete sagen, dann passiert Ihnen schon nichts."

Letzten Juni ist Rudy Enriquez im Alter von 83 gestorben. Er hatte keine Kinder. Vermutlich ist das Haus also deswegen jetzt auf dem Markt gelandet.

Als ich 2014 das letzte Mal über die Mordvilla schrieb, sagte mir eine ehemalige Nachbarin namens Jude Margolis, sie sei „nur ein leeres Haus, das früher mal schön war und jetzt nur noch abgerissen werden kann".

Sanborn ist da anderer Meinung und würde es vorziehen, wenn die Villa stehenbliebe. „Es ist ein sehr schönes Haus", sagte sie. „Hoffentlich wird jemand es kaufen und restaurieren."