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Krawall-Nachspiel in Berlin

Ich möchte einfach nichts mehr hören. In meinem Leben habe ich noch keinen Artikel so begonnen, weil es platt und lächerlich ist, aber was ich gestern bei der Demo in Berlin Friedrichshain erlebte war ebenso lachhaft.
03 Februar 2011, 1:45pm

Ich möchte einfach nichts mehr hören. In meinem Leben habe ich noch keinen Artikel so begonnen, weil es platt und lächerlich ist, aber was ich gestern bei der Demo in Berlin Friedrichshain erlebte war ebenso lachhaft.

Die Demonstration gestern in Friedrichshain hatte nicht mehr ideologische Substanz als ein Fußballspiel zweier in einer gegenseitigen Abhängigkeit gefangener Teams, die nur darauf aus waren Karma und/oder Krawall-Punkte für ihre jeweiligen Mannschaften zu sammeln.  Aber eigentlich ging es gleichzeitig auch um nichts, denn Krawalle in Berlin sind zu einem lachhaften und leeren Selbstläufer verkommen.

Solidarität ist super. Wenn man mit den Hausbesetzern der Liebigstraße 14 sympathisiert ist das auch okay und gut so. Macht einfach, aber wer eine Flasche schmeißt der kriegt aufs Maul. Das ist in jeder beschissenen und auch besseren Kneipe so und das gleiche Prinzip funktioniert auf der Straße.  Egal wie wütend, kaputt, besoffen du bist—du wirfst eine Flasche, du kriegst auf die Fresse. Ende der Geschichte. Ein ungeschriebenes Gesetz, das so aber eher nicht im StGB zu finden ist. Also Schluss mit dem Rumgeheule von wegen repressivem Bullenstaat.

Gestern hatten wir auf der einen Seite den schwarzgekleideten Mob, der sich aus Langweile ja immer gerne mal mit den Bullenschweinen prügelt und auf der anderen Seite eine bizarr inkompetente Polizeiorganisation, der man beinahe unterstellen möchte, dass sie die Proteste willentlich in Richtung des meistgehassten Bauprojekts dieser Stadt, der O2 Arena geleitet hat, um Bilder für die eigene Sache zu generieren. Man muss schon sehr bescheuert sein, davon auszugehen, dass ein aufgebrachter Pöbel an diesem Prestige-Hass-Objekt der Gentrifizierung einfach nur vorbeischlendern würde.

Wie dem auch sei, es ist so langweilig und beschämend, dass die Protestkultur in Berlin zu einem einzigen inhaltslosen Hin und Her zweier um Aufmerksamkeit buhlender Parteien verkommen ist, die gar nicht mehr um den Status Quo in diesem Staat oder in dieser Stadt ringen, sondern in und mit diesen Krawallen ihren Status Quo gefunden und sich gemütlich darin eingerichtet haben.

Und nun lest bitte das hier aus Ägypten, das ist viel interessanter und wichtiger und nicht so eine Luxurandale wie das gestern in Berlin. Geht spielen ihr Kinder von der Polizei und dem schwarzen Block. Und wenn jemand Solidarität bekunden will, dann bitte den Leuten in Ägypten die wirklich etwas verändern wollen. Macht das und solltet ihr euch trotzdem noch prügeln wollen, dann gehen wir alle zusammen am Wochenende zum Derby Union gegen Hertha.

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Update zu den Kommentaren:

Scheiß drauf, es wird Zeit endlich mal über den Elefanten im Raum zu sprechen...

Ich bin ein superfreier Mensch. Ich bin so frei, dass ich das da oben wie auch diese Zeilen schreiben kann ohne dass mir jemand reinredet. Ich bin so frei, dass ich, während ich dies alles schreibe, nackt bin.

Dazu kommt noch, dass mein Name echt ist und mein Bild ebenfalls, was bedeutet, dass ich zu dem Scheiß, den ich schreibe, stehe und jemand, der es zum Kotzen findet, der soll eben kotzen gehen.

Im Prinzip finde ich es ja total OK, wenn Leute ein Haus besetzen wollen, können sie machen, sollen sie ruhig machen (kommt mir jetzt nicht mit kleinkarierten Argumenten von wegen sie hätten ja einen Mietvertrag gehabt, darauf gehe ich gleich noch ein). Übel wird mir nur, wenn ich mich fragen muss, wie bourgeois man eigentlich sein muss, um zu erwarten, dass man sich dort häuslich einrichten könne. Wenn man raus geworfen wird, dann soll man sich eben ein neues Haus suchen. Es gibt kein bourgeoises Leben, wenn man einen auf Anarchie macht.

Auch ich möchte keine Miete zahlen. Wirklich nicht, da habe ich auch keine Lust drauf. Seltsamerweise und für viele vielleicht überraschend, passiert es nun jeden Tag zigfach, dass jemandem mit fadenscheinigen Gründen die Wohnung gekündigt wird. Selbst mir ist das passiert, nur ich hatte keine 1.000 Jugendliche, die mir mit Steinen und Flaschen beim Umzug geholfen haben. Und ob es bei den neun Leuten im Haus billiges Essen gab oder nicht, hat damit überhaupt nichts zu tun, genau so wenig wie ihr Beitrag zur Bereicherung des Kiezes oder des kulturellen Lebens dieser Stadt. Große Kunst ist auch nicht entstanden, im besten Falle war es ein Kuriosum, eine Touri-Attraktion, ein Zoo mit Idealen einer vergangenen und überholten Epoche dieser Stadt. Dass das Ganze nun eben mit grotesk viel Pathos beladen wurde sollte nicht davon ablenken, dass das alles zu einem Vorwand für ganz andere Konflikte aufgebauscht wurde.

In diesem Kontext die Studentenunruhen in UK hier einzuwerfen ist natürlich auch großer Quatsch. Dort betrifft es eine ganze Generation, die auf die Straße geht, um gegen Gebühren zu demonstrieren, die ihre kollektive Zukunft bedrohen. Was wir in Friedrichshain erlebten, hat damit so gar nichts zu tun. Von einem landesweiten Aufschrei gegen diese vermeintlich himmelschreiende Ungerechtigkeit kann wohl auch keine Rede sein, denn vielleicht habt ihr es noch nicht mitbekommen, aber außerhalb Berlins interessiert sich keine Sau dafür, was hier los ist und war. Dafür ist es einfach zu unwichtig.

Auch bin ich bin kein Fan der Polizei, alles nur das nicht, falls das jemand fälschlicherweise glauben mag. Auch bin ich mir bewusst, dass in diesem Land einiges im Argen liegt, aber es ist bei weitem nicht so beschissen, wie manche es gerne glauben machen. Aber warum geht ihr, die die Gewalt und die ganze Party (jepp, ist ja nicht so, dass es nur um Politik ging, oder?) so gut fanden nicht jetzt, am helllichten Tag vor die Tür, nehmt einen Stein, werft ihn durch die Fassade der nächsten Bankfiliale, sucht danach einen Polizisten, poliert ihm die Fresse und nennt es einen gelungenen Tag? Wenn ich wütend bin und mich unterdrückt fühle, dann bin ich immer wütend und zwar zu jeder sich bietenden Gelegenheit, nicht nur dann, wenn ich im Rudel durch die Straßen marodiere.

Natürlich ist der Text subjektiv. Ich stehe wahnsinnig darauf, mich nicht irgendwie und irgendwo einschränken zu müssen oder jemandem nach dem Mund zu schreiben. Ihr könnt es Freiheit nennen, oder mich ein Arschloch. Mir ist das gleich. Bizarr wird es aber, wenn einem nun mangelnde "Objektivität" vorgeworfen wird, die eh nie und nirgends so existiert und der Text offensichtlich gar nicht den Anspruch erhebt, objektiv zu sein. Noch bizarrer wird es dann, wenn sogar noch im selbigen Satz mit der Aussage "(...)eine wütende Generation von Linken erlebt, welche zu recht die Verhältnisse angeprangert haben - und schon ab dem Morgengrauen "gewaltgeile" Polizeieinheiten aus diversen Bundesländern (...)" die vorherige Anschuldigung ad absurdum geführt wird.

Unter keinen Umständen möchte ich deshalb mit dem Autoren dieses Kommentars nach Äypten reisen. Das wird nur im Streit enden, ich muss mir bestimmt ellenlange Belehrungen anhören und dann schweigt man sich Tage lang nur an. Danke für das Angebot, aber lieber nicht.

Noch etwas, meiner Ansicht nach ist es ist ein ganz fundamentaler Unterschied, wenn ich Gewalt als Stilmittel in einen Text einbaue (ob euch das nun in den Kram passt oder nicht, ist mir s.o.) und auch niemanden dazu auffordere, Gewalt auszuüben oder aber meine Gewaltphantasien auf der Straße auslebe und mich dort mit den Cops um des Prügeln willens prügeln gehe.

So und zu guter letzt, Gesichter unkenntlich machen? Ich bin jetzt gerade zu faul zu allem, weder mich zu Bemühen irgendwas zu verpixeln, noch den entsprechenden Paragraphen zu zitieren, der das Fotografieren von Menschenmengen auf einer Demo gestattet und mir Recht gibt, ihr wisst dass er existiert, ich weiß das er existiert. Zudem wird niemand bei einer Straftat gezeigt. Als nächstes schwärzen wir dann ganze Sätze, wenn es nach einigen gehen würde oder wie soll das aussehen?

Hach, hier ist er ja:

KunstUrhG § 23

(1) Ohne die nach § 22 erforderliche Einwilligung dürfen verbreitet und zur Schau gestellt werden:

...

2.Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen;

3.Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben;

So und wisst ihr was das Tolle ist? Ihr könnt hier ganz frei und ohne Repression von oben eure Meinung kundtun, oder mich auch einfach beschimpfen. Die Gedanken sind frei und so.

Übrigens sind all eure Mutmaßungen zu meiner Person falsch. Nur zur Info. Aber ich habe jetzt keine Zeit mehr, mein Milchschaum ist fertig und ich mag es nicht, wenn sich so eine glibbrige Haut darauf bildet.

P.S.: Den Kommentar "scheiß auf ägypten" möchte ich hier noch mal extra erwähnen, weil ich ihn herausragend beschissen und und kaputt fand.