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Musik

Kreators Trip nach Disneyland

Kreator sorgen seit über 25 Jahren dafür, dass wir alle ruhig schlafen können. Einfach weil ihre bloße Existenz den schlechten Ruf relativiert, den die Scorpions mit ihrer bloßen Existenz über Metal made in Germany gebracht haben.
24 November 2010, 5:14pm

Kreator sorgen seit über 25 Jahren dafür, dass wir alle ruhig schlafen können. Einfach weil ihre bloße Existenz den schlechten Ruf relativiert, den die Scorpions mit ihrer bloßen Existenz über Metal made in Germany gebracht haben. Mille hat immer ein gepflegtes politisches Bewusstsein und renitente Gesellschaftskritik in seine Songs gekrächzt und es tunlichst vermieden, mit Kreator auszuwimpen. Dennoch begab es sich, dass sie sich am Ausgang der Achtziger Jahre im Schlaraffenland des Imperialismus, dem Disneyland wiederfanden. Wie es dazu kam, erfahrt ihr hier.

VICE: Hi Mille. Was hattet ihr denn damals in Disneyland verloren? Und wieso tragt ihr alle U2-T-Shirts?! Erklär mal!

Mille: Wir waren seinerzeit auf Tour mit DRI, einer Hardcore Band aus den USA. Felix, der Schlagzeuger, begleitete uns an einem freien Tag in den Vergnügungspark. Wir haben damals LSD genommen und sind debil lachend auf alle Rides gegangen.

Klingt nach Spaß. Sieht so der klassische Day-off einer Metalband aus?

Leider ist nicht jeder freie Tag einer Band auf Tour so ereignisreich. Meist wartet man einfach nur. Ich versuche mir die Zeit unterwegs mit Sightseeing, Lesen, Kino/DVD und Fitnessstudio zu vertreiben, damit ich nicht wahnsinnig werde vor Langeweile.

Kannst du dich noch daran erinnern, wann die Aufnahmen ungefähr entstanden sind und trägst du heute auch noch so kurze Hosen?

1988 waren solche Bermuda-Shorts ein modisches Accessoire. Das war in der Surfer- und Skaterszene sehr beliebt! Ich konnte ja nicht ahnen, dass ich Jahrzehnte später noch mal darauf angesprochen werden würde. So kurze Hosen trägt heute niemand mehr!

Wie populär war denn die Thrash Metal-Szene in den Staaten damals überhaupt? Wurdet ihr z.B. erkannt als ihr mit Mickey & Co. unterwegs wart?

Wir wurden im Disneyland auch von einigen Metalheads erkannt, ja... Thrash Metal war und ist in den USA unglaublich populär, wobei das auch von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden ist. Hochburgen sind auf jeden Fall New York, L.A., San Francisco, Seattle und Texas. Kanada sowieso, aber dort ist eh alles anders.

Apropos Kanada... Habt ihr Anvil eigentlich jemals getroffen oder seid mit denen auf Tour gewesen? Und wie gut ist/war die Metalszene denn eigentlich untereinander connected?

Kenne von Anvil nur deren Superfan Mad Dog, der mir auch bei unserem Konzert in Toronto im Mai dieses Jahr eine signierte Version der DVD überreichte, die ich aber leider verloren habe. Den Bandmitgliedern bin ich nur mal bei einem Festival über den Weg gelaufen und habe denen nur kurz die Hand geschüttelt. Das war's dann auch schon.

Mochtest du den Film eigentlich? Und könntest du dir auch vorstellen an sowas beteiligt zu sein?

Fand den Film ganz gut. Es wurden einige Sachen ausgelassen, die dafür verantwortlich waren, warum die Band plötzlich nicht mehr populär war. Wie zum Beispiel das Glamrock-Album, das die aufgenommen hatten... Ich würde so was auf keinen Fall mitmachen! Seit einer Dokumentation über Kreator aus den Achtzigern traue ich Regisseuren nicht mehr über den Weg!

Metal ist ja erstaunlich langlebig. Mir ist aufgefallen, dass ihr dieses Jahr bereits 25-jähriges Bandjubiläum feiert . Herzlichen Glückwunsch erstmal! Steht da was Spezielles auf dem Plan? Abgesehen von Eurem Alzheimer-Spot mit Roberto Blanco...

Ende November startet unsere Anniversary-Tour, zu der wir auch Legenden wie Exodus und Death Angel eingeladen haben. Eigentlich stehe ich überhaupt nicht auf so Jubiläumsquatsch, aber den Fans scheint so was wichtig zu sein, da sie bei den Konzerten so die Gelegenheit bekommen nochmal ältere Songs wieder zu hören. Das ist ja dann auch schön. Nächstes Jahr machen wir eine Tourpause und arbeiten an neuem Material. Den Clip mit Roberto machen wir nicht. Du weißt warum! Ach und Hilmar Bender schreibt ein Buch über Kreator („Violent Evolution“). Keine reine Biographie, sondern eher eine Hintergrundgeschichte mit den Bandmitgliedern als Hauptprotagonisten.

Hast du zu sämtlichen alten Bandmitgliedern eigentlich noch Kontakt? Schreibt ihr euch noch Weihnachtskarten und so?

Nein. Aus der Stammbesetzung ist nur noch unser Drummer Ventor dabei. Rob, der Bassist aus der Anfangszeit hat sich inzwischen aus der Musikwelt verabschiedet. Und durch ein Interview im Rock Hard-Magazin weiß ich, dass unser damaliger Gitarrist Jörg nun beim Kindertheater als Soundtechniker arbeitet.

Wow. Von Disneyland zum Kindertheater. Wer hätte gedacht, dass sich der Kreis einmal derart schließt.

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Hier also noch ein paar Bilder aus Kreators privatem Fotoalbum:

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Fotos: Harald Oimen