The Up Close and Personal Issue

Warum die deutsche Politik beim Thema Drug Checking nicht in die Gänge kommt

Jedes Jahr kollabieren in Clubs und auf Festivals zahlreiche Menschen nach dem Konsum von Drogen.
5.7.16

Aus der The Up Close and Personal Issue

Jedes Jahr kollabieren in Clubs und auf Festivals zahlreiche Menschen nach dem Konsum von Drogen. Schlimmstenfalls sterben sie sogar, wie fünf Besucher des Time Warp Argentinien im April. Neben Dehydrierung und Überdosierungen liegt der Grund oft auch in unbekannten Verunreinigungen, etwa bei Ecstasy. So etwa im Fall der fünf Toten. Nun mag der geneigte Leser denken: Dann sollen die Leute halt keine Drogen nehmen, Pech gehabt! Doch das ist zu kurz gedacht.

Ecstasy-Pillen sollen hauptsächlich das Amphetamin MDMA enthalten. Mitunter werden sie allerdings auch mit gefährlichen chemischen Substanzen gestreckt. Um zu vermeiden, dass sich Konsumenten unbewusst diese Gifte zuführen, gibt es bereits seit mehreren Jahren das sogenannte Drug Checking. Dabei untersuchen Labors Pillen auf ihre chemische Zusammensetzung. In der Schweiz, Österreich und den Niederlanden ist dies seit einigen Jahren erlaubt. In Deutschland—aber auch in Argentinien und den USA—hingegen nicht.

Doch Experten wie der Freiburger Toxikologe Volker Auwärter raten ausdrücklich zu einer Legalisierung des Drug Checking. Dadurch würde sich auch die Arbeit vieler Organisationen, die über Drogen aufklären, erleichtern. Für Astrid Leicht vom Fixpunkt e. V. ist der Markt für synthetische Drogen in den letzten Jahren immer unübersichtlicher geworden. "Häufig kriegen wir von den städtischen Drogenbeauftragten diffuse Angaben über neue Substanzen, die im Umlauf seien. Wenn ein Konsument angibt, eben diese (Drogen) mitgebracht zu haben, lässt sich nicht überprüfen, ob das stimmt und was enthalten ist." Und würden die Leute erfahren, was wirklich in ihren Drogen steckt, würde das wohl auch den Konsum senken.

Warum wehrt sich die deutsche Politik also trotzdem dagegen? "Das hat ideologische Gründe. Man glaubt, den Hedonismus (und damit den Konsum) noch mehr zu fördern, in dem man Drug Checking erlaubt", so Leicht.

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