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THE US PRISON ISSUE

Was passiert eigentlich, wenn Isolationshäftlinge über ihren Missbrauch auspacken?

Sechs Gefangene haben sich zusammengetan, um auf Missbrauch und Isolationshaft hinzuweisen. Auch wenn das bedeutet, dass sie länger im Knast bleiben.

von Molly Crabapple
01 Dezember 2015, 5:00am

Aus der US Prison Issue 2015

Am 28. April hörte Carrington Keys seinen Freund Isaac Sanchez im Isolationstrakt des Bundesgefängnisses in Dallas, Pennsylvania, schreien. Wie Sanchez hatte Keys mehrere Jahre im „Loch" verbracht. Er hat seine Mutter seit Jahren nicht umarmt. Jahre in einem dreckigen Kasten, wo er rostbraunes Wasser trinken und die Schläge der Wachen ertragen musste. Jahre unter einem fluoreszierenden Licht, das nie abgeschaltet wurde, den extremen Temperaturen der Jahreszeiten ausgesetzt, mit einem einzigen Fenster, das den Blick auf einen kahlen Korridor freigab. Jahre, in denen jeder Tag schleichend verging und nur die Gewalttaten die Monotonie störten.

Sanchez' Schrei überraschte niemanden. Missbrauch war in dem Gefängnis so zur Routine geworden, dass eine Gruppe von Isolationshäftlingen sich kurz zuvor zusammengetan hatte, um ihn für Human Rights Coalition (HRC), eine NGO für Häftlingsrechte, zu dokumentieren. Sanchez und Keys und die drei weiteren Häftlinge Andre Jacobs, Anthony Kelly und Duane Peters waren wichtige Mitwirkende. HRC, das hauptsächlich aus Ex-Häftlingen und Angehörigen von Häftlingen besteht, fasste die Aussagen der Männer zu einem 93-seitigen Bericht zusammen, der den systematischen verbalen und physischen Missbrauch seitens der Gefängniswärter darlegte. Es gab medizinische Vernachlässigung, Nahrungsentzug, rassis­tische Beleidigungen, Wasserentzug, unzumutbaren Schmutz und ein Insasse wurde sogar zum Selbstmord getrieben. Auf Häftlinge, die angesichts dieser Zustände Beschwerden einreichten, reagierten die Wärter mit Einschüchterung und Racheaktionen. Schlimmer noch, die Beschwerden richteten nichts aus. Zwischen Januar 2008 und Mai 2009 gewannen Häftlinge weniger als zwei Prozent der Fälle, die gegen Justizvollzugsbeamte eröffnet wurden.

Nach der Veröffentlichung des HRC-Berichts schickte die Organisation Jacobs eine Kopie in seine Zelle in der State Correctional Institution (SCI) Dallas. Justizvollzugsbeamte fingen das Dokument ab und lasen die Anschuldigungen sowie die Namen der Mitwirkenden. Die Drohungen ließen nur wenige Tage auf sich warten. „Diesmal schlagen wir dir die Zähne ein", warnte mutmaßlich ein Wärter Kelly. Am 25. April fingen die Wärter laut Aussage der Häftlinge an, Kelly die Nahrung vorzuenthalten.

Die Gruppe hielt zusammen, und Sanchez verlangte, dass die Wärter sein Essenstablett an Kelly geben. Stattdessen fingen sie mutmaßlich an, ihn ebenfalls hungern zu lassen. Am 28. April besprühten Wärter Sanchez mit Pfefferspray, zogen ihn nackt aus und fixierten ihn so eng mit Fesseln, dass seine Gliedmaßen blau anliefen. Sanchez sagte später, sie hätten ihn dort mindestens zwölf Stunden gelassen. Auf wiederholte Kommentaranfragen haben weder Beamte der SCI Dallas noch der Gefängnisbehörde Pennsylvania Department of Corrections geantwortet.

Als Keys und die anderen Whistleblower Sanchez' Schmerzensschreie hörten, wussten sie, dass sie die Außenwelt kontaktieren mussten. Doch Beschwerden einzureichen hatte sich als Sackgasse herausgestellt. „Rache ist ein tief verwurzelter Teil der Kultur des Justizvollzugs. Sie kann durchaus zum normalen Vorgehen gehören, wenn Häftlinge Beschwerden vorbringen", sagt James E. Robertson, Professor für Justizvollzug an der Minnesota State University. Die Häftlinge und ihre Anwälte behaupten, Wärter hätten sich für die Beschwerden gerächt, indem sie den jeweiligen Häftlingen Fehlverhalten vorwarfen. In Pennsylvania müssen Gefängnisse innerhalb von 15 Werktagen auf Beschwerden reagieren, doch Fehlverhalten zieht sofortige Bestrafung nach sich: oftmals in Form eines Aufenthalts im Loch.

Im Isolationstrakt der SCI Dallas bedeutete erfolgreicher Protest Folgendes: Hungerstreiks, Einbehalten von Essenstabletts, die Rückkehr vom Hofgang verweigern und vor allem Bedecken der Zellenfenster. Die Wärter brachten dann einen Vorgesetzten, und der Häftling konnte seine Beschwerde vorbringen. Am Morgen des 29. April bedeckten Jacobs, Kelly, Keys, Peters und drei weitere Insassen, Anthony Locke, Brian Scott und Derrick Stanley, ihre Zellenfenster.

„Ich hatte echt Angst, denn ich dachte: ‚Machen sie mich diesmal so richtig fertig?'", sagte Keys später. „Aber ich musste einfach etwas tun."

Kurz nachdem die Insassen ihren Protest begannen, setzten die Wärter Lieutenant David Mosier darüber in Kenntnis, dass die Männer einer „unerlaubten Gruppenaktivität" nachgingen. Mosier identifizierte Jacobs als den Anführer. Um 7:40 Uhr ging ein Sergeant mit einem Camcorder in der Hand die Empore entlang, hämmerte an die Zellentüren und befahl den Häftlingen, ihre Fenster freizumachen. Keiner gehorchte. Als er eine zweite Runde machte, gab Armando Lago, der sich dem Protest angeschlossen hatte, nach. Die anderen hielten stand. Der Gefängnispsychologe Robert Wienckoski versuchte sein Glück und bat einfühlsamer um Gehorsam. Diesmal antwortete Peters.

„Wir wollen mit der Staatsanwaltschaft von Luzerne County sprechen. Wir wollen mit unseren Anwälten sprechen", sagte er. „Diese Männer missbrauchen ihre Macht und üben für Beschwerden Rache ... Bis ihr auf unsere Forderungen eingeht, haben wir nichts zu sagen."

Bald darauf gab Wienckoski auf.

Um etwa 10 Uhr wurde die Entfernung von sechs Häftlingen aus ihren Zellen angeordnet: Jacobs, Kelly, Keys, Locke, Peters und Stanley.

Die Zellenräumung ist ein Vorgang, der in Isolationstrakten in den gesamten USA praktiziert wird: Wärter mit Elektro­schockpistolen, Schlagstöcken, Tränengas und Schilden überwältigen den Häftling und zerren ihn in eine andere Zelle, wenn er diese nicht freiwillig verlässt oder eine Gefahr für sich selbst darstellt.

An jenem Morgen in der SCI Dallas bestanden die Räumungs-Teams aus jeweils fünf Wärtern in Schutzausrüstung, die Gesichter verborgen hinter Helmen und Gasmasken. Sie waren allesamt weiß, die Häftlinge allesamt schwarz. Ein Mann hielt einen Elektroschockschild, der Stromstöße mit derselben Ladung wie eine Schockpistole abgab. Der zweite hielt einen Schlagstock, der dritte eine Elektroschockpistole, der vierte Handschellen und der fünfte Fußeisen. Jedem Team folgte ein Wärter mit einem Camcorder.

Die Beamten marschierten zu Keys' Zelle. Sie verlangten, dass er den orangefarbenen Overall von seinem Fenster entfernte und sich einer Leibesvisitation unterzog. Er schob die Abdeckung zur Seite und sah sie an. Er hatte sein Gesicht in ein weißes T-Shirt gehüllt, das er mit einer braunen Substanz eingeschmiert hatte, die wie Fäkalien aussah. In seinen eingefallenen Augen blitzten Trotz und Angst.

Die Wärter fingen an, die Tür aufzustemmen und den Stoff hervorzuziehen, den Keys in die Schwelle geklemmt hatte. Sobald die Tür ein paar Zentimeter geöffnet war, sprühten sie Tränengas. Wie vor dem Einsatz besprochen, wurde noch mehr Tränengas durch die Lüftungsschlitze der Zelle geleitet. Keys fing an zu husten.

Gaswolken bedeckten das Objektiv der Videokamera hinter den Wärtern, als sie mit ihren Waffen in die Zelle stürmten. Der abgemagerte Keys verschwand unter ihnen. „Hören Sie auf, Widerstand zu leisten!", riefen sie, als ob das möglich gewesen wäre. Dann zogen sie ihn aus seiner Zelle und den Korridor entlang zu einem Zimmer, wo sie ihn auf den Boden drückten.

Die Wärter schnitten Keys' Overall auf und tasteten seinen nackten Körper ab, um ihn zu durchsuchen. Sie zogen eine Kapuze über seinen Kopf. Er trug nur noch Unterwäsche, als sie ihn in eine Zelle steckten und erneut in Handschellen legten.

Keys schrie: „Die wollen mir die Handgelenke brechen! Sie wissen, dass ich keinen Widerstand leiste!"

Sie befestigten seine eng gefesselten Handgelenke an einem Gürtel. Fünf Jahre später werden seine Hände immer noch ab und zu taub.

In seiner neuen Zelle gab es kein Wasser und Keys war noch immer in Tränengas getränkt, gefesselt und fast nackt. Acht Stunden später evakuierte ihn das Gefängnis in die SCI Frackville, etwa 80 Kilometer südlich. Die verwackelten Kamerabilder der SCI Dallas zeigen die Entfernung fünf weiterer protestierender Häftlinge aus ihren Zellen. Auch Jacobs und Stanley wurden in andere Gefängnisse in Pennsylvania verlegt.

Während einer Nachbesprechung des Einsatzes berichteten die Wärter, sie hätten keine Verletzungen erlitten. Bei den Häftlingen sah es anders aus. Jacobs sagte später, er habe ein blaues Auge davongetragen, und in dem Video von Lockes Zellenräumung hört man ihn schmerzerfüllt rufen, die Wärter hätten ihm den Arm gebrochen. Bei Kellys Zellenräumung bricht das Video für mehrere Minuten ab, während Beamte anscheinend neue Batterien in die Kamera einsetzen. Als das Video wieder beginnt, schreit er: „Sie haben die Zeit für Schläge genutzt!"

Nachdem die Männer auf unterschiedliche Gefängnisse verteilt worden waren, blieb ihr Fall eine interne Disziplinarangelegenheit; manche von ihnen wurden mit zusätzlicher Zeit im Loch bestraft. In der SCI Frackville hoffte Keys auf einen Neuanfang, doch der Vorfall verfolgte ihn. Keys schrieb seiner Mutter, Shandre Delaney, die Wärter würden ihm Essen vorenthalten, und das Gefängnis hätte ihm für „tätliche Angriffe" gegen die gepanzerten Wärter während der Räumung Fehlverhalten in sieben Punkten zur Last gelegt. „Die Spielchen nehmen kein Ende", schrieb er am 12. Mai. „Doch wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, und sie können weder meinen noch den Willen derer auf meiner Seite brechen."

Zwei Tage zuvor hatte HRC eine offizielle Beschwerde über die Vorfälle des 29. April und das Vorgehen gegen Jacobs und Keys bei der Bezirksstaatsanwaltschaft von Luzerne County eingereicht. Der stellvertretende Bezirksstaatsanwalt David Pedri lehnte die Beschwerde schnell ab, da sie „nicht verfolgenswert" sei und es keine Bestätigung durch Augenzeugen gebe.

Keys sagte mir später: „Mein Stift ist meine beste Verteidigung." Er hatte ihn schon lange eingesetzt, um Beschwerden und Klagen gegen die missbräuchlichen Bedingungen seiner Inhaftierung vorzubringen. Im Juni 2010 war Keys frustriert darüber, mit seinem Protest die Leitung der SCI Dallas nicht erreicht zu haben. So reichte er eine Klage ein, in der es hieß, er sei häufig zum Opfer „grausamer und ungewöhnlicher Bestrafung" seitens der Wärter geworden. Doch diesmal klagte er nicht nur gegen die Wärter, sondern auch gegen den Justizvollzugsminister von Pennsylvania, Jeffrey Beard, seinen Stellvertreter Michael Klopotoski und die Bezirksstaatsanwältin Jackie Musto Carroll. Er schrieb, sie alle hätten es versäumt, ihn vor Missbrauch zu schützen, trotz zahlloser Briefe und Beschwerden. Diese hatten ihm nur noch mehr Missbrauch eingebracht.

Ein paar Monate später antwortete dieselbe Bezirks­staatsanwaltschaft, die Keys verklagt hatte, mit eigenen Anschuldigungen. Keys und den fünf anderen Männern, die am 29. April gewaltsam aus ihren Zellen entfernt worden waren, wurde schwerer Häftlingsaufstand vorgeworfen. Auf diese Anklage standen bis zu sieben weitere Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft warf Keys außerdem „schwere Belästigung" (die Bezeichnung für Angriff mit Körperflüssigkeiten in Gefängnissen in Pennsylvania) in sechs weiteren Punkten vor, worauf eine theoretische Höchststrafe von 49 Jahren stand. Sie behauptete, er habe die Wachen mit Fäkalien beworfen, als sie ihn aus der Zelle zerrten. Davon ist auf dem Video nichts zu sehen. Aufstände sind natürlich grundsätzlich eine Gruppenaktivität. Die Anklage erläutert nicht, wie ein alleine eingesperrter Mann einen Aufstand durchführen kann.

Die Männer erkannten sofort den Rachecharakter der Anklagen. Sie ergaben nur Sinn, wenn es sich dabei um eine Strafe handelte, weil sie den Missbrauch von Isaac Sanchez gemeldet hatten. „Es überrascht mich, dass die Bezirksstaatsanwältin es als Priorität sieht, gewaltlosen Protest in der Isolationshaft zu verfolgen", sagte Carol Strickman, Anwältin bei Legal Services for Prisoners with Children. „In Kalifornien gab es meines Wissens nach keine Strafanzeigen, als 2011 und 2013 mehr als 30.000 Menschen an Massenhungerstreiks teilnahmen." Die sechs Häftlinge hatten lange Haftstrafen zu befürchten, nachdem sie friedlich hatten protestieren wollen, und die nächsten fünf Jahre verbrachten sie mit Prozessen, Berufungen, Verzögerungen und abgelehnten Bewährungsanträgen. Selbst wenn sie dafür längere Strafen bekommen konnten, gaben die Männer, die sich als die Dallas Six bezeichneten, ihr Bestes, um die grausamen Haftbedingungen aufzudecken.

„Er war schon immer ein kleiner Aktivist", sagte mir Keys' Mutter, Shandre Delaney, im August. Delaney ist 56, zierlich und trägt ihr ergrauendes Haar in zwei geflochtenen Zöpfen. Sie hatte den Vortag auf einer Demonstration gegen die Hundertjahrfeier der Fraternal Order of Police, dem größten Berufsverband der US-Polizei, verbracht. Die Feier fand genau ein Jahr, nachdem der Polizist Darren Wilson den jungen Michael Brown in Ferguson, Missouri, erschossen hatte, statt.

Delaney erzog Keys und seinen Bruder ohne Vater mit einem Sekretärinnengehalt in West End, Pittsburgh. Sie vermittelte mir einen Eindruck von ihrem Sohn als Kind: ein kleingewachsener Junge, der Geschichtsbücher verschlang, gern zeichnete und immer auf andere aufpasste. Doch in der vierten Klasse schrie er einen Lehrer an. Wo ein weißes Kind vielleicht hätte nachsitzen müssen, geriet dieser schwarze Junge direkt in das, was Delaney als die „Pipeline von der Schule ins Gefängnis" bezeichnete. Keys wurde vor Gericht gezerrt, wo man ihm „terroristische Drohungen" vorwarf. Darauf folgte eine Reihe von Reformprogrammen, eins strenger als das andere. Laut Delaney wurde Keys noch vor dem Teenageralter von einem Betreuer in den Magen geboxt. Andere verwendeten rassistische Beleidigungen. „Als er heranwuchs, wurde er wütend. Die Leute nennen dich Nigger, sagen dir, du seist nichts", sagte sie mir. „Ich werde so traurig, wenn ich daran denke."

1999, als Keys 18 war, betrat er den Cliffhanger Saloon, eine Spelunke mit rassistischem Ruf in Pittsburgh, und zog eine Pistole. Was dann geschah, ist umstritten. Delaney sagte mir, ihr Sohn habe in die Decke schießen wollen, doch die Pistole habe nicht gefeuert. In der Pittsburgh Post-Gazette hieß es, er habe die Bar überfallen wollen. Was auch immer Keys beabsichtigte, er scheiterte. Die Gäste verprügelten ihn derart, dass er mit einer Gehirnerschütterung im Gefängnis landete. Dann wurde er wegen Raubes angezeigt.

Keys verbrachte die nächsten zwei Jahre damit, im Gefängnis auf seinen Prozess zu warten. Er behauptete, ein Wärter habe ihn beim Essen angegriffen und er habe sich gewehrt. Um die Strafe gering zu halten, fühlte Keys sich gezwungen, den mutmaßlichen Raub einzugestehen, da ihm nun zusätzlich tätlicher Angriff vorgeworfen wurde. 2001 wurde Keys zu fünf bis 20 Jahren Haft verurteilt und in die 400 Kilometer entfernte SCI Mahanoy geschickt.

Delaney war entschlossen, den Kontakt mit ihrem Sohn nicht abbrechen zu lassen. „Jahrelang schrieb ich ihm jeden Tag und schickte ihm wöchentlich Bücher", sagte sie mir. „Es kostete so viel Geld. Ich habe es getan, damit er weiß, dass ich für ihn da bin, um ihm Kraft zu geben." Sie wollte ihm ein intellektuelles Gerüst bieten, und so schickte sie ihm Werke über afrikanische Geschichte, Kritiken des US-Imperialismus und Ausgaben von Final Call, der offiziellen Zeitung der Nation of Islam. Die Wärter sahen sein Interesse am Islam als gleichbedeutend mit Terrorismus und nach den Anschlägen des 11. September fingen sie an, die Zeitungen zu beschlagnahmen. Er reichte seine erste Beschwerde ein, um sie zurückzubekommen. Von da an dokumentierte Keys den Missbrauch im Gefängnis und half seinen Mitinsassen, es ihm gleichzutun.

Er nahm auch an direkteren Aktionen teil. Während seiner Gerichtsverhandlungen wurde Keys in der SCI Camp Hill untergebracht, die von ihren Insassen „Camp Hell" genannt wird. Dort organisierte er einen Protest gegen die spärlichen Essensportionen, bei dem Insassen sich weigerten, ihre Tabletts zurückzugeben, bis sie mehr Essen bekamen. „Es ist einfach keine vernünftige Lösung, einer Regierungsbehörde einen Brief zu schreiben, wenn ein Häftling schon seit Wochen hungert", schrieb er später.

2003 sperrten Gefängniswärter Keys in der SCI Mahanoy in den Bunker, vordergründig, weil er mit einem anderen Häftling gekämpft habe. Daraufhin bombardierten sie ihn mit Fehlverhaltensmeldungen für Kleinigkeiten wie das Abdecken seiner Zellenlampe. Keys sollte mit nur ein paar kurzen Unterbrechungen für die nächsten neun Jahre in Isolationshaft bleiben.

Als Keys 2008 in die SCI Dallas verlegt wurde, lernte er kurz darauf Andre Jacobs kennen. Zu diesem Zeitpunkt war Jacobs bereits bei den Wärtern als einer der wenigen Häftlinge berüchtigt, die sich vor Gericht erfolgreich selbst verteidigt hatten. In jenem Jahr hatte er sich vom Pennsylvania Department of Corrections eine Entschädigung von 115.000 Dollar erkämpft, weil seine Prozessdokumente zerstört worden waren. Seine tadellose Vorgehensweise im Gerichtssaal inspirierte Bret Grote von HRC dazu, Anwalt zu werden.

Jacobs' Erfolg ist angesichts seiner Vergangenheit noch viel bemerkenswerter. Während seiner Jugend war er immer wieder inhaftiert, mit 15 kam er nach einer Verurteilung wegen Drogenbesitzes das erste Mal in ein Gefängnis für Erwachsene. Er war noch ein Kind und konnte kaum lesen und schreiben, doch er fing an, sich selbst zu bilden. Er stürzte sich in die Welt der Bücher und lernte alles vom Krawattenbinden bis hin zu Philosophie und Wissenschaft. Er schrieb wie besessen, sodass er bereits fünf Gedichtbände und eine Autobiografie fertiggestellt hat. Er machte seine Hochschulreife und belegte Kurse, um Rechtsanwaltsgehilfe zu werden.

„Ich gehe so vor, dass ich mich jeder Quelle bediene, die mir hilft zu wachsen, denn was immer weiterwächst, kann niemals sterben", schrieb mir Jacobs. „Das lässt sich aufs Gefängnis, Beziehungen, das Selbst oder die Natur anwenden. Sie können Gift auf meine Blüten gießen oder meinen Stamm ritzen, aber meine Wurzeln sind versteckt und gehören nur mir."

Jacobs ist zu einem erfolgreichen Gefängniskläger geworden, obwohl ihm der Prison Litigation Reform Act von 1996 Hindernisse in den Weg legt: Häftlinge müssen erst den Beschwerdeweg erschöpft haben und für das Einreichen einer Klage 350 Dollar bezahlen. Nicht nur zeigten er und Keys ihren eigenen Missbrauch an, sie sagten auch furchtlos in den Fällen ihrer Mitinsassen aus, obwohl sie dafür mit Rache rechnen mussten. Nachdem Matthew Bullock, ein Isolationshäftling in der SCI Dallas, im August 2009 erhängt in seiner Zelle gefunden wurde, gaben sie HRC eidesstattliche Erklärungen, in denen sie die Namen der sechs Beamten nannten, die ihrer Aussage nach Bullock dazu angetrieben hatten, sich umzubringen. Bullock war ein geisteskranker Mann, der für den Mord an seiner schwangeren Freundin verurteilt worden war und zum Zeitpunkt seiner Inhaftierung mindestens 20 Selbstmordversuche hinter sich hatte. Die Häftlinge sagten, die Justizvollzugsbeamten hätten seine Tür eingetreten, ihn verhöhnt und ihm seine psychiatrische Medizin vorenthalten. Als Bullock mit Suizid gedroht habe, hätten die Wärter ihn in eine Zelle ohne Überwachungskamera verlegt. In der von HRC eingereichten Strafanzeige sagte Keys aus, er habe gehört, wie ein Beamter sich damit brüstete, Bullock zum Selbstmord getrieben zu haben, und wie er sagte: „Er würde gern sehen, dass andere Insassen sich umbringen."

Die Rache für diese Aussagen kam schnell. Nur Tage später zerrten Wärter Keys mutmaßlich zu der winzigen Leibesvisitationszelle und verlangten, seinen „süßen schwarzen Arsch" zu sehen. Im Oktober durchwühlten sie laut Jacobs seine Zelle und zerstörten dabei noch mehr seiner Prozessunterlagen. Die HRC-Klage wurde schnell abgewiesen, doch Bullocks Familie nutzte die eidesstattlichen Erklärungen der Insassen, um das Pennsylvania Department of Corrections zu verklagen. Es kam zu einem außergerichtlichen Vergleich in unbekannter Höhe. Als der an Jacobs adressierte HRC-Bericht im April 2010 im Gefängnis ankam, waren die Wärter bereits seit Monaten über die Informanten aufgebracht. Nicht nur hatten die Männer die Beamten bloßgestellt, sie hatten das Gefängnis auch Geld gekostet. Jacobs blieb fest entschlossen. „Das DOC kann (...) mich weiter strafrechtlich verfolgen, weil ich meine Rechte ausübe", schrieb er kurz nach seinem rechtlichen Sieg 2008. „Doch ich werde niemals aufhören, mich zu widersetzen, denn ich lebe und sterbe nach Prinzipien. Das ist mein Wesen."

Jacobs sagt, er habe die letzten 14 Jahre in der Isolationshaft verbracht. Er steht angeblich auf der Liste des Bundesstaats Pennsylvania für eingeschränkte Entlassung, die vor der Öffentlichkeit geheim gehalten wird. Den etwa 100 Häftlingen auf der Liste wird tätlicher Angriff, Ausbruch oder die „Bedrohung der ordentlichen Führung der Einrichtung" vorgeworfen, doch Jacobs behauptet, sie werde auch zur Vergeltung gegen Whistleblower eingesetzt. (Als der Insasse in Jacobs' Nachbarzelle 2006 bei einem Ausbruchsversuch zu Tode stürzte, wurde Jacobs Absprache zum Ausbruch vorgeworfen.) Wenn ein Häftling erst einmal auf der Liste steht, kann er nur noch auf Geheiß der obersten Führungsriege des Bundesstaats aus der Isolationshaft entlassen werden. Laut Jules Lobel, dem Vorstandspräsidenten des Center for Constitutional Rights, ist der Weg aus der Einzelhaft für diese Häftlinge willkürlich. „Für viele dieser Menschen gibt es keinen klaren Weg da raus", sagt er 2012 der Pittsburgh Post-Gazette. „Das führt zu Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung."

„Sie haben hier zwar unsere Körper, aber wir haben unseren Geist", sagte mir Keys, als ich ihn diesen August in der SCI Forest besuchte. Der schlaksige, gut aussehende Mann hatte seine Dreadlocks abrasiert, um zum Prozessbeginn im Fall der erdichteten Aufstandsvorwürfe später in jenem Monat als weniger „aggressiv" wahrgenommen zu werden. In den vergangenen fünf Jahren haben sich die Verhandlungen in dem Fall in Zeitlupe entwickelt. Die Angeklagten haben viele Anträge gestellt, die allesamt abgelehnt wurden. Die Staatsanwälte kämpften darum, dass die sechs Männer die Videos ihrer Zellenräumungen nicht vorspielen durften, mit der Begründung, sie seien „nicht zulässig, da irrelevant". Im Juli 2013 beantragte Jacobs einen Aufschub der Verhandlungen, weil den Häftlingen vor Gericht Akten nicht zugänglich waren. Etwa zur selben Zeit wurde Keys' Klage von 2010 gegen die Beamten der SCI Dallas und die Bezirksstaatsanwältin abgewiesen. Die Lokalpresse schrieb Artikel voller Geringschätzung, in denen eine Verurteilung wegen Aufstands als ausgemachte Sache dargestellt wurde.

Währenddessen versuchten die Männer zusammenzuhalten. In The Price Men Pay, einem Heft, das Keys über den Vorfall zusammengestellt hat, schrieb er: „Als 2010 sechs schwarze Männer ihre Zellentüren abdeckten, gab es ein Überfallkommando mit Pfefferspray, Elektroschocks und Schlägen. Das geschieht nicht, weil es einen tatsächlichen ‚Aufstand' gibt, sondern aus Angst vor ‚Schwarzer Einigkeit'." Doch als die Jahre verstrichen, trieben die Häftlinge auseinander und sehnten sich danach, nicht länger unter der Bedrohung zusätzlicher Haft zu leben. Kelly ging zuerst eine Vereinbarung ein. 2011 hatte er seine volle Strafe abgesessen, doch er wartete noch in einem Lokalgefängnis auf seinen Prozess im Fall des angeblichen Aufstands. Schließlich knickte er ein und akzeptierte eine mildere Strafe im Austausch für ein Geständnis. Keiner der anderen Dallas Six hat seitdem von ihm gehört. Im März diesen Jahres ging Stanley nach dem Ende seiner ursprünglichen Strafe ebenfalls eine Vereinbarung ein. Im Folgemonat wurde Lockes Anzeige wegen Aufstands in eine geringfügige Verurteilung wegen Ruhestörung umgewandelt. Nur Jacobs, Keys und Peters kämpften weiter. Schließlich sollten sie dieses Jahr am 24. August vor eine Jury treten.

Die SCI Forest ist zwei Stunden von Pittsburgh, der nächsten großen Stadt, entfernt. Der Besucherraum ähnelt einer Turnhalle; es gibt eine mit Zeichentrickfiguren dekorierte Ecke, in der Insassen mit ihren Kindern spielen können. Es gibt auch einen Automaten, an dem Besucher Insassen Essen kaufen können. Die Häftlinge dürfen nicht in seine Nähe, und ein Wächter bellte uns an, als Keys sich vorlehnte, um seine Wahl zu treffen. Ich kaufte ihm Mikrowellenpopcorn und Cranberrysaft. Er sagte, in seinen 17 Jahren im Gefängnis habe er kaum je Gemüse zu Gesicht bekommen. Er lief vorsichtig, als habe er eine heilende Verletzung.

Laut Keys war die Zellenräumung vom 29. April 2010 nicht einmal die schlimmste, die er erlebt hat. Zellenräumungen gehörten in den meisten Isolationstrakten zum Alltag, da manche Wärter sie als einen Weg sahen, Insassen im Rahmen der normalen Pflichterfüllung zu verprügeln. Während seiner ersten Zellenräumung 2007 schlug ein Wärter seinen Kopf gegen das Metallbett. Bei einer weiteren stampften sie auf sein Gesicht und brachen ihm die Nase. Zwei leichte Narben sind geblieben. Bei anderen Räumungen taserten sie ihn im Schritt oder hielten ihre Elektroschockpistolen bei der darauffolgenden Leibesvisitation durchgehend an seine Haut.

Er lernte, seine Matratze als behelfsmäßigen Schutz gegen die Elektroschockschilde hochzuhalten und ein T-Shirt um seinen Kopf zu wickeln, damit sie ihm nicht die Dreadlocks ausreißen konnten.

Zellräumungen sind ein standardmäßiger, kaum infrage gestellter Teil der Masseninhaftierung. Jährlich werden viele Tausende durchgeführt. Zwar sind sie schon lange Brauch, doch mit dem Aufstieg der Supermax-Gefängnisse in den 1980ern und 90ern wurden sie häufiger. Wärter wurden zu Kriegern: bewaffnet, gepanzert, geübt in militärischer Fachsprache. Es gibt wenige Regeln zu den Zellenräumungen und laut Jeffrey Schwartz, einem Gefängnisberater, sind nur etwa 20 Prozent davon notwendig. Trotz ihrer Häufigkeit dokumentiert die Regierung die Verletzungen nicht, die Häftlingen dabei zugefügt werden. 2010 erstickte ein Insasse in einem Hochsicherheitsgefängnis in Tennessee aufgrund der engen Fesseln, die ihm bei der Räumung angelegt wurden. Der Gerichtsmediziner erklärte den Fall zum Tötungsdelikt, doch eine Anzeige oder ein Disziplinarverfahren gegen die Beamten blieb aus.

Dieser Vorfall wurde auf Video festgehalten, genau wie die Zellenräumungen in der SCI Dallas, doch das änderte wenig. Gefilmtes Beweismaterial soll eigentlich die Verantwortlichkeit sicherstellen, doch die Aufnahmen im Fall der Dallas Six widerlegen den schwerwiegendsten Anklagepunkt: den Vorwurf der schweren Belästigung gegen Keys, weil er Fäkalien geworfen haben soll. Nicht nur ist davon im Video nichts zu sehen, die Wärter erwähnten es auch nicht bei der Nachbesprechung. Keys sagte, das Gefängnis habe gezögert, als es um DNA-Tests von den Schutzanzügen der Beamten gebeten wurde, und schließlich behauptet, sie seien verloren gegangen.

Keys hat sich dem Kampf gegen die Anklage verschrieben, um auf die Zustände in den Gefängnissen Pennsylvanias aufmerksam zu machen. „Unser Prozess ist wichtig, weil er von einer dunklen Seite Amerikas erzählt, von der die Öffentlichkeit denkt, es gebe sie nur in militärischen Gefangenenlagern", schrieb er in The Price Men Pay. Doch die Anklagen wegen Aufstands und schwerer Belästigung erschwerten ihm das Leben; Keys sagte, sie würden immer wieder eingesetzt, um ihm die Bewährung zu verweigern. Obwohl er fest an seine eigene Unschuld und die Rechtmäßigkeit des Handelns der Dallas Six glaubte, sehnte er sich nach Freiheit. Er hatte 16 Jahre im Gefängnis verbracht. Er wünschte sich richtiges Essen und Zugang zum modernen Internet, das er noch nie gesehen hatte. Er wollte sein Leben neu beginnen.

Dieses Jahr hat ihm die Bezirksstaatsanwaltschaft einen Deal angeboten: Wenn er die Belästigungsanklage annähme, könne er eine Verlängerung seiner Haft vermeiden. Doch damit würde er ein Verbrechen eingestehen, das er nicht begangen hat. Er hatte den Missbrauch, den er und andere in der Isolationshaft erlitten hatten, aufdecken wollen, doch war ihm das weitere Jahre in der Hölle wert?

Jacobs ist noch immer in der Isolationshaft, weswegen ich ihn bei meinem Besuch eine Woche vor dem Gerichtstermin nur durch eine Scheibe sehen durfte. Wir sprachen über Telefone. Jacobs ist 33, kahlköpfig und hat einen kleinen Schnauzbart. Er trug einen roten Overall, Fußeisen und Handschellen, die an seiner Brust fixiert waren. Im Besuchsraum des Gefängnisses von Luzerne County, wo er vor der Verhandlung verwahrt wurde, hatten sie absichtlich zu kurze Telefonkabel. Deshalb verbrachte Jacobs unseren 45-minütigen Besuch in einer schmerzhaft gebeugten Haltung, um den Hörer halten zu können.

„Wärter müssen lernen, dass Isolationshäftlinge Wert haben", sagte Jacobs, als ich fragte, was gegen das Problem getan werden müsse. Er beschrieb die Insassen des Lochs als hilflose Subjekte, Zielscheiben für straffreien Missbrauch. Um das zu ändern, müssten Häftlinge sich öffentlich wehren und ihre Würde einfordern—und freie Menschen müssten für sie eintreten. Dennoch sieht Jacobs Aktivistengruppen misstrauisch, denn diese würden das Leid der Häftlinge zu ihrem Vorteil nutzen und sie danach mit der Vergeltung allein lassen. Er war gegenüber HRC skeptisch und misstraute Keys, weil dieser den Deal der Staatsanwaltschaft in Erwägung gezogen hatte. Er sagte mir, er würde bis zum Ende gegen die Vorwürfe kämpfen, denn für eine Sache einzutreten, bedeute, Opfer zu bringen.

„Spielst du Schach?", fragte Jacobs mich durch das Fenster. Er erklärte, dass im Schach die beste Taktik für einen Unterlegenen das Hinauszögern sei. Man müsse warten und den Feind zwingen, sich mit sinnlosen Manövern zu erschöpfen, um dann beim kleinsten Fehler zuzuschlagen. Jacobs sah den Staat als den schwächeren Schachspieler, der ewig darauf wartet, dass die Häftlinge ihre rechtmäßigen Positionen aufgeben. Er würde ihn nicht gewinnen lassen.

Am Morgen des 24. August fuhr ich nach Luzerne County, um der Verhandlung der letzten drei Mitglieder der Dallas Six beizuwohnen. Auf den Stufen des Gerichtsgebäudes hielten Unterstützer eine Pressekonferenz. Quäker, Crustpunks, Umweltschützer, mehrere Vertreter der jüdischen Gemeinde und schwarze Aktivisten von Decarcerate PA und HRC standen Seite an Seite mit den Frauen, welche die Dallas Six während der gesamten Inhaftierung geliebt und sich um sie gekümmert hatten. Delaney sah besonders entschlossen aus. Sie hatte bereits ein Jahrzehnt dafür gekämpft, dass ihr Sohn und Männer wie er nicht vergessen werden. Sie hielt ein Banner, auf dem stand: „Defend prison whistle-blowers. Defend the Dallas Six." Peters' Exfrau richtete das Wort mit einem leicht französischen Akzent an die Menge. Sie waren stolz, dass die Männer sich gegen das Gefängnis wehrten, doch auch zutiefst verletzt von allem, das diese geliebten Menschen bereits hatten durchmachen müssen.

Die Dallas-Six-Unterstützer warteten im Korridor, denn die Öffentlichkeit war von der Verhandlung ausgeschlossen. Nach ein paar Stunden kam der stellvertretende Verteidiger der Häftlinge (die sich eigentlich selbst verteidigten), Michael Wiseman, heraus und die Unterstützer scharten sich um ihn. Keys hatte endlich Aufnahmen seiner Zellenräumung gesehen, die außerhalb seiner Zelle montierte Kameras eingefangen hatten. Aufnahmen, deren Existenz das Gefängnis bis dato abgestritten hatte. Was er ohnehin wusste, wurde nun bestätigt: Er hatte nichts geworfen. Die Anzeige wegen schwerer Belästigung war eine Lüge.

Die Staatsanwaltschaft hatte die Männer erneut unter Druck gesetzt, einen Deal zu akzeptieren, doch sie hatten sich geweigert und auf Aufschub bestanden, um das neue Beweismaterial in ihre Verteidigung aufzunehmen. Der nächste Termin wurde für den 1. Februar 2016 festgelegt.

Ein paar Wochen später rief mich ein hoffnungsvoller Keys an. „Ich weiß nicht, wie ich das Gefühl [beim Ansehen der Aufnahmen] beschreiben soll", sagte er. „Man durchlebt es zwar erneut, aber es ist auch erleichternd." Später an jenem Tag schickte mir seine Mutter ein Foto der verbleibenden drei Dallas Six beim Verlassen des Gerichtsgebäudes in Wilkes-Barre. Sie standen nebeneinander, die Handschellen versteckt unter den Anzügen, die ihre Angehörigen für sie gebügelt hatten. Sie sahen aus wie freie Männer, die Wachen hinter ihnen nichts als Schatten.