FYI.

This story is over 5 years old.

Reisen

Die Insel der verlorenen Seelen

15.7.10

Jeder hat ein vage Ahnung davon, dass ein Musikfan jeden Sommer gewöhnlich drei Herzattacken erleidet, während er versucht zu entscheiden, zu welchen der zahllosen europäischen Festivals er gehen soll. Es ist eben keine leichte Entscheidung, und manchmal stellen sich die Gewinnchancen unfairerweise gegen dich. Wie gedenkst du zum Beispiel, nach Benicassim zu kommen, wenn du in Hofmannsgütl wohnst? Gleichermaßen bewegen sich die 4.000 Pfund Eintrittsgeld vom Glastonbury wahrscheinlich außerhalb deines Budgets, selbst wenn du ein Millionär bist.

Neben diesen banalen Angelegenheiten ist es vielleicht eh nicht nach deinem Geschmack, an irgendeiner Mega-Kommerzveranstaltung im Matsch zu baden. In diesem Fall bist du wohl sowieso auf der Ausschau nach etwas Neuem. Werde Teil der Secret Island Nation. Dieses kleine, aber feine Festival findet nun im sechsten Jahr auf der verlassenen schwedischen Insel Ulmsholmen statt. Organisiert wird es von einem Team von Berlinern, das von Björn Wurmbach geführt wird. Auf dem Festival lassen sich um die 500 Berliner und Schweden zu einem Wochenende der Unsanständigkeit auf einem einsamen Fels nieder.

Aber wenn du jetzt denkst, dass die ganze Idee der Secret Island Nation darauf basiert, ungestört auf Ecstasy zu sein, überdenke das noch mal: „Nur wild feiern reicht nicht: Nebenbei gründen wir unseren eigenen Staat "Sweutschland" und testen dabei ein alternatives Konzept des Zusammenlebens, anstatt nur über das System" zu schimpfen,“ sagt Björn.

Die Secret Islander nehmen alles selber nach Ulmsholmen mit. Ansässige Fischer verleihen ihre Boote, so dass Essen, Zelte, DJ-Ausstattung und Beleuchtungsanlagen zum Wochenende der Musik und der Regsamkeit gebracht werden können. Vielleicht hört sich das zu gut an, um wahr zu sein. Und letztes Jahr war es das auch. Björn Wurmbach erinnert sich an eine teilweise feurige Geschichte: „Letztes Jahr erlebten wir am ersten Tag des Festivals den stärksten Hurrikan des letzten Jahrhunderts, das war schon krass abenteuerlich, wirklich nichts für Schönwetter-Raver. Es stürmte mit 28 Metern pro Sekunde, unsere Boote konnten nicht mehr fahren, 150 Gäste mussten erstmal an Land bleiben und neben dem Friedhof campen. Auf der Insel fiel dem Cheftechniker die Lichttrosse auf dem Kopf, die Zeltheringe bogen sich und circa zwei Drittel der Zelte flogen davon. Als das Wetter sich beruhigte, wunderten wir uns über die Hubschrauber und die Flugzeuge der Küstenwache, die immer wieder über uns kreisten, bis wir erfuhren, dass ein 70 Meter langer Frachter drei Seemeilen vor der Insel gesunken war. Tragischerweise wurde keiner der sieben Besatzungsmitglieder gefunden. Zum Glück ist die statistische Wahrscheinlichkeit verschwindend gering, dass sich so ein Wetter wiederholt. Normalerweise ist Ende Juli das großartigste Wetter, das Westschweden zu bieten hat.“


Es gibt noch Tickets für das diesjährige Secret Island-Event, welches vom 27. Juli bis 2. August stattfindet. Und die Veranstalter bieten euch ein Reisepaket an, das euch zur Festivalstätte und zurück bringt. Für mehr Informationen, wie ihr dort hinkommt, wie viel es kostet und wer dort spielen wird, schaut auf: www.secret-island.eu

Und was war für Björn der Höhepunkt der letztjährigen Veranstaltung? „Das Highlight war das anschließende, bisher unerlebte intensive Zusammengehörigkeitsgefühl aller Teilnehmer. Diese unvergleichliche Strahlen in den Gesichtern, als endlich die Sonne rauskam, das vergisst man nicht mehr. ‚Egal, auf wie vielen Festivals man gewesen ist, den Enkelkindern wird man nur von der Secret Island Nation erzählen,’ so sagte es ein Gast.“