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Hass unter Mädchen

Ich verstehe es zwar, bin aber nach wie vor davon fasziniert, wie sehr Mädchen sich gegenseitig verachten.

von Kate Carraway
08 Juni 2011, 6:19pm

Wenn du denkst, dass es auf dieser Welt gut für uns Frauen läuft, weil du den Film Brautalarm magst, den neuen Song/die neue Lüge von Beyonce gekauft, wo es darum geht, dass Frauen über alles herrschen, dann solltest du dich fragen, ob du verdammt nochmal zurückgeblieben bist und nicht bemerkst, dass—im Vergleich zu Jungs—fast alles schlechter ist, wenn du ein Mädchen bist.

Ich verstehe es zwar, bin aber nach wie vor davon fasziniert, wie sehr Mädchen sich gegenseitig verachten. Für jeden, der nach der sexuellen Revolution aufgewachsen ist (Liebe Kinder der 1990er: Das war vor AIDS und nach dem, was wir die „Zweite Welle des Feminismus“ nennen), war es okay und normal, dass Jungs und Mädels Freunde sein können. Freundschaften zwischen Mädchen hingegen waren einfach nie das Gleiche. Es war/ist seeeehr schwer für Mädchen, mit Mädchen befreundet zu sein. Ja, das wird jetzt alles übrigens wirklich sexistisch, aber ich bin eine 30-jährige, militante Feministin, eine Ex-Schlampe, hetero-aber-irgendwie-bi und ich habe jedes Buch, das je über Feminismus geschrieben wurde, gelesen, also habe ich das Recht dazu.

Wenn du zwei beste Freundinnen kennst, die gegenseitige Bewunderung und ein paar Insiderwitze nicht dazu verwenden, eine ganze Ladung Eifersucht und Feindseligkeit zu vertuschen, dann musst du dich sofort vor sie niederlegen und um ihre Gnade betteln, du kannst dir nämlich verdammt sicher sein, dass sie GÖTTINNEN sind.

Jedenfalls gibt es zwei essentielle Wahrheiten über Mädchenfreundschaften: 1) Neben all dem Hass haben wir Mädchen uns gegenseitig sehr, sehr, sehr lieb und verstehen, dass wir ein Teil von einem allmächtigen Pussy-Stamm sind, der von Weisheit und Mitgefühl und einem aufeinander abgestimmten Menstruationszyklus zusammengehalten wird. 2) wir wollen uns trotzdem gegenseitig töten und auffressen (nicht auf die sexy Art). Und das aus folgenden Gründen:

MÄDCHEN WOLLEN (DAS EINZIGE MÄDCHEN SEIN, DEM ES ERLAUBT IST ZU) FICKEN

Vertraut mir: Frauen stehen unglaublich aufs Ficken. Nicht in diesem Freie-sexuelle-Begegnung-irgendwie-irgendwann-Sinn, sondern im Will-die-Beine-für-den-richtigen-Schwanz-breit-machen-Sinn. Während also Typen um die Aufmerksamkeit und den Sex von Frauen auf eindeutige Art und Weise wettstreiten, konkurrieren Frauen auf eine beschissene Art hintenrum, indem sie sich gegenseitig potenzielle Ficks vermiesen, und hauptsächlich andere Frauen einfach niedermachen und das jedem unter die Nase reiben, der zuhören will.

Offensichtlich sehen Frauen andere Frauen als sexuelle Rivalinnen—und der Grund, warum wir so laut kreischen, wenn wir uns treffen, ist der, dass wir den Sound von Babe-Faktor-Berechnungen dämpfen wollen, die in dem Teil unserer mathematischen Hirnhälfte ablaufen (sexistisch!). Okay, das geschieht immer weniger, je besser wir mit der sexuellen Wirkung der Anderen klar kommen, aber dies ist ein historischer Beleg. Wenn ihr nicht gerade total geschmeidig und eisig kühl seid, ist das Bestehen oder der Untergang eurer Freundschaft abhängig von euren jeweiligen Werten. Wir bilden Rudel um unsere Stellvertreterinnen, was auch der Grund ist, warum eine richtig heiße Frau kaum mit einem normal attraktiven Exemplar befreundet ist.

Das ist auch der Grund, warum man (normalerweise) nicht mit Typen ODER ihren Freundinnen befreundet bleiben kann, wenn sie eine ernsthafte Beziehung/Ehe/mit dem Kinderkriegen anfangen. Auch wenn es schon 30 Jahre her ist, dass wir alle übereingestimmt haben, dass „platonische Freundschaften“ existieren, die Freundin/Frau deines männlichen Freundes ist davon überzeugt, dass du ihn knallen willst (als ob!). Warst du jemals mit der Freundin deines männlichen Freundes auf einer Party?

MÄDCHEN WOLLEN DIE KÖRPER, GESICHTER, KLEIDER UND LEBEN DER ANDEREN

Es ist eigentlich nicht so, dass Mädchen auf andere Mädchen eifersüchtig sind. Es ist eher so, dass sie sich von sich selbst abgestoßen fühlen. Die großen, dünnen Mädchen wollen große Titten; die Volleyball-Kapitäninnen versuchen verzweifelt, auf Stilettos zu laufen; es ist irgendwie saukomisch. Die einzigen Frauen, die ich kenne, die mit ihren Körpern wirklich klar zu kommen scheinen, sind Lesben oder extreme Nerds. Sie bleiben mir ein Rätsel. Was wollen sie? Was machen sie, wenn sie alleine sind? Ihre Kippen auskotzen?

Wie dem auch sei, bis irgendwann später—auf keinen Fall vor 25—will jede das haben, was alle anderen haben, es ist widerlich. Die einzige universell sichere Tatsache ist, dass alle Mädchen dünn sein wollen, aber jede sagt: „Ieeh, dünn ist eklig“, während sie zu Modemagazinen masturbieren. Und eigentlich machen es sich weiße Mädchen auch zu Rihanna, so viel ist sicher.

Du darfst deinen Körper nicht mögen (das wäre „eingebildet“), aber wenn du coole feministische Freunde hast, dann darfst du auch nicht versuchen, ihn zu verändern. Und wenn deine Freunde eher so dem, ähm, Standard-Problemtyp entsprechen, dann darfst du auch nicht nicht versuchen, ihn zu verändern. Die Folge sind eine Kultur von Unaufrichtigkeit, Feindseligkeit und (am schlimmsten) wiederholte „Du bist schön“- und „Du bist hinreißend“- und „Ich würde für deine Beine töten“-Schwüre. COOL. Stell dir vor, wie ich bei dem Gedanken Luft in meine Handfläche kotze.

MÄDCHEN KÖNNEN NICHT EINFACH MITEINANDER RUMHÄNGEN

Das machen Typen: aggressiv Alkohol konsumieren und Kommentare zu Filmen, Musik und Büchern abgeben. Das machst du mit Mädchen: reden und shoppen. Ich mache keine Witze. Ich weiß, es ist eine Klischeevorstellung, aber so sind die Regeln. Du müsstest eigentlich eine Bindung aufbauen und teilen (und ich will diese Dinge tun! Ich will darüber reden, wie dein Tag war!), aber es gibt wirklich keinen Grund, zu versuchen, sie zum Lachen zu bringen oder sie damit zu beeindrucken, wie viel du über Hardcorebands weißt (ALLES). Mädchen machen das Zeug, das sie mögen, normalerweise mit Jungs statt miteinander, was „gegenderte soziale Konditionierung“ heißt. Und „traurig“.

MÄDCHEN SIND SCHLECHTER IN KOMMUNIKATION ALS MEINE VORSTÄDTISCHEN PROTESTANTISCHEN ELTERN

So rede ich mit der Rollkragenpullifraktion, die meine Eltern darstellen: Nicht. Mädchen können nicht gut kommunizieren, obwohl wir uns ständig mit offenen Mündern umkreisen. Ich weiß, dass es sich anhört, als ob wir die ganze Zeit sagen: „ ... UND DANN HAT SIE GESAGT UND DANN HAT SIE GESAGT UND DIESE FOTZE AUS MEINER KLASSE HAT DANN UND SIE DANN ... “, aber das ist eigentlich nur unser Girlpatois, eine Tarnung dafür, dass wir zu viel Angst davor haben, irgendetwas Wahres zu sagen.

Wenn du zu einer Frau sagst: „Ich hab heut nicht so wirklich Lust, was mit dir zu machen, ich würde lieber den ganzen Tag alleine im Bett verbringen und Serien im Internet kucken“, dann ist eine Freundschafts-Apokalypse garantiert, weil du eine BITCH bist. Und trotzdem kann ich meinen männlichen Freunden sagen, dass sie sich ficken sollen und es auch so meinen, und sie treffen mich trotzdem am nächsten Tag zum Brunch (Ich mag es, wie homo all die Hetero-Typen jetzt sind: BRUNCH!). Mädchen existieren in einem ausgeklügelten Netzwerk aus Lügen, die alle mit passiv-aggressiven Versicherungen, dass ihr euch gegenseitig sooooo liebt, verbunden sind.

Also, auch wenn ihr viel gemeinsam habt, ist es außerordentlich schwierig, eine Freundschaft mit einem Mädchen zu haben, die emotional gleichwertig mit deinen chaotischen, kämpferischen, lustigen, sexy-flirty Freundschaften mit Männern steht. Wenn du schlau bist, ist es ganz besonders so, weil du und deine Mädels von euren individuellen, neurotischen Psychotrancen über Jobs und Schuhe und Apartments eingenommen seid. Ich kenne ein paar sehr „offene“ Metal- und Punkmädchen, die sich mit ihren Freunden richtig gehen lassen können und daher viele echte, wahre Beziehungen haben, aber für zimperliche Idiotinnen wie mich sind echte Gespräche so gut wie unmöglich und ich könnte anfangen zu heulen, wenn ich nur über die wenigen Frauen nachdenke, bei denen ich mein schlechtestes Ich sein kann.

MÄDCHEN LIEBEN ANDERE MÄDCHEN SO SEHR, DASS SIE SIE SCHON WIEDER HASSEN

Hier ein Beispiel für die purste Form von Mädchenliebe, die ich mir vorstellen kann: Da ist meine Freundin Alexis, welche gleichzeitig das süßeste/gutherzigste/netteste Mädchen der Welt und die mit den beschissensten Tattoos aller Zeiten ist—wir sitzen also beim Brunch (BRUNCH!) in einem exotischen Laden und sie redet in einer albernen Kinderstimme von der bekackten Ambient-Musik, die dort läuft. Was? Wer ist diese Frau? Ich hab da noch andere Freundinnen (Anna, Star, Maggie und ungefähr sechs Amys) und die sind alle der wahrgewordene feuchte Traum einer Freundschaft. Aber was zur Hölle kann ich damit anfangen? Ich kann sie nicht ficken, ich kann nicht sie sein und ich weiß aus Erfahrung, dass Liebe unter Mädchen sich schneller und gemeiner in Asche verwandelt als jede Beziehung mit einem Kerl. Deswegen bestätigt sich die weibliche Hälfte des Internets immer und überall gegenseitig. Like Like Like @@@ ♥ ♥ ♥. Dieses gegenseitige Gewichse geht so lange, bis eine mal was sagt, was die andere nicht mag und schon drehen alle voll am Rad.

MÄDCHEN BEURTEILEN SICH GEGENSEITIG, STRENG

Das ist die Sache: Beyonce liegt ziemlich falsch damit, dass Frauen die Welt beherrschen. Und wenn sie behaupten würde, das hätte irgendetwas mit ihren/m Songs/Videos/Style/Leben zu tun, würde sie heucheln. Frauen haben eine Menge Möglichkeiten. Aber sie haben auch institutionell ein geringes Selbstbewusstsein und somit fehlt ihnen die Fähigkeit, diese Möglichkeiten zu managen, was ein alter Medizinmann (Douglas Coupland) „Paralyse durch Optionen" genannt hat. Die ganze Sache mit dem Heiraten, Kinder kriegen, ein Haus kaufen und dem Rest fühlt sich an wie ein hysterischer Witz der halben Bevölkerung. Ich steig da nicht durch. Der Punkt ist, als Frau in der Neuzeit kann ich mit einem Universitätsabschluss tun und lassen, was ich will und das können auch alle meine Freundinnen. Das gilt auch für Kerle, aber ich bin ruhig, weil Jungs nicht ihre Zeit damit verbringen, die Entscheidungen des jeweils anderen zu beurteilen. Oder irgendeine ihrer Entscheidungen. Egal, wie du dein Leben führst, irgendein Mädchen, das du kennst, wird dich dafür hassen. Wir hassen uns gegenseitig.

MÄDCHEN WOLLEN EIGENTLICH NUR SPASS

Nein, wirklich. All dieser Scheiß—das Beurteilen, die Eifersucht, auch Shoppen als soziale Aktivität—ist nur ein Weg, um Spaß zu haben und der Welt zu entkommen, die wir wir nicht beherrschen. Tut mir Leid, aber nicht einmal unser bester Freund weiß, wie es zwischen Mädchen abläuft. Männer können das nicht wissen. Aber Jungs: Macht euch keine Sorgen deswegen. Ihr wollt das nicht. Es ist entsetzlich. Außerdem nähern sich unsere Perioden an. Und das ist wirklich so merkwürdig, dass man nichts damit zu tun haben möchte.